Auto
Mit dem Optima Hybrid stößt Kia in die Liga der Alternativ-Antriebe vor.
Mit dem Optima Hybrid stößt Kia in die Liga der Alternativ-Antriebe vor.(Foto: Axel F. Busse)

Ein Optima für den grünen Luxus: Kia kann jetzt auch Hybrid

Von Axel F. Busse

Kaum sind der Kompaktwagen Cee'd und der dazu gehörige Kombi vorgestellt, schielt Kia nach ökologisch gesinnten Mittelklasse-Fahrern: Mit der Hybrid-Variante des Optima arbeitet die koreanische Marke weiter an der Verjüngung ihres Angebots.

Und das, obwohl Kia schon jetzt die jüngste Modellpalette aller in Deutschland verkaufenden Hersteller hat. Doch Martin van Vugt, hierzulande Kia-Kapitän, sieht keinen Grund, in Sachen Innovation beizudrehen. Er steuert sein Schiff weiter tapfer gegen den Strom. Während der deutsche Pkw-Markt dieses Jahr schon um mehr als sieben Prozent schrumpfte, kann er auf über 20 Prozent Zuwachs verweisen. Sicher: Noch verkauft Kia nicht so viele Autos wie Skoda, Toyota oder andere große Importeure, aber deren Wachstum übertreffen die Koreaner bei weitem.

Neue Felgen und ein dezenter Schriftzug am Heck weisen ihn als "Doppelherz" aus.
Neue Felgen und ein dezenter Schriftzug am Heck weisen ihn als "Doppelherz" aus.(Foto: Axel F. Busse)

Van Vugt versucht sich auch als Lotse, der die Klippen und Untiefen der Zukunft erkennt und rechtzeitig den Kurs nachjustiert: "Der Reichtum von heute kann die Armut von morgen sein", warnt er, "wenn man überheblich wird". Drei Prozent Marktanteil auf Europaebene sei realistisch, ebenso wie 100.000 verkaufte Einheiten in Deutschland im Jahr 2016. Dieses Jahr noch sollen es erstmals mehr als 50.000 sein.

Enorme Zuwächse verzeichnen derzeit die Zulassungen von Hybrid-Modellen in Deutschland. Das liegt aber weniger an gestiegenem Umweltbewusstsein der Käufer, sondern eher an der Vergrößerung des Angebots. Seit 2008 hat sich die Zahl der in Deutschland angebotenen Pkw mit der Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotor mehr als vervierfacht. Schon bald wird auch Kia zu den Anbietern gehören, denn die Mittelklasse-Limousine Optima hat diesen Antrieb erhalten. Er besteht aus einem zwei Liter großen Vierzylindermotor, der 150 PS oder 110 kW leistet. Ihn unterstützt ein Elektromotor mit 30 kW Leistung. Daraus errechnet sich eine Systemleistung von 140 kW oder 190 PS, die für den knapp 1700 Kilo schweren Viertürer eine ausreichende Kraftquelle darstellen sollten.

Erstmals Lithium-Polymer-Akku

Gelungene Innenarchitektur und gehobene Materialqualität schaffen Wohnlichkeit.
Gelungene Innenarchitektur und gehobene Materialqualität schaffen Wohnlichkeit.(Foto: Axel F. Busse)

Zwei technische Details machen diesen Hybrid zu einem Sonderfall. Anders als bei den meisten Fernost-Modellen üblich, wird die Kraft nicht durch ein stufenloses Getriebe an die Antriebsräder übertragen, sondern mittels einer normalen 6-Gang-Automatik, die über eine hydraulische Kupplung funktioniert. Noch seltener bei Autos ist die Lithium-Polymer-Batterie, die als Stromspeicher fungiert. Aus Sicht von Kia verbindet dieser Akku eine hohe Energiedichte mit einer geringen Hitzenetwicklung und ist deshalb besonders gut geeignet. Um die in Pkw wenig erprobte Technik macht sich der Hersteller keine Sorgen: Die 7-Jahres-Garantie, die Geschäftsführer van Vugt als "Qualitätsversprechen" deutet, gelte auch für den Optima Hybrid in vollem Umfang.

Das elektrische System bringt zusätzlich etwa 100 Kilo Gewicht ins Auto, wovon die Batterie etwas mehr als 40 ausmacht. Sie sitzt hinter der Lehne der Rücksitzbank und kostet deshalb Kofferraumvolumen. Als Reisewagen für den Urlaub, so viel steht fest, ist der Hybrid deshalb ein bisschen weniger geeignet. Statt 505 Liter Gepäckvolumen stehen nur 369 Liter zur Verfügung. Das ist weniger als bei einem VW Golf.

Mit 190 PS Systemleistung ist der Optima Hybrid klassengemäß motorisiert.
Mit 190 PS Systemleistung ist der Optima Hybrid klassengemäß motorisiert.(Foto: Axel F. Busse)

Wer das neue Doppelherz-Mobil fährt, macht die gleichen Erfahrungen wie mit den Hybrid-Limousinen anderer Hersteller. Fast geräuschlos setzt sich der Wagen in Bewegung, rollt sanft ab und schiebt auch beim Ampelstart dank des hohen Elektro-Drehmoments kräftig an. Soll auf der Landstraße ein Lkw überholt werden, geht es nicht mehr so prickelnd zu. Meist vergeht eine kleine Denkpause, bis die Elektronik den Leistungsabruf des Kickdowns umgerechnet und den Verbrenner gestartet hat. Dann dreht der Vierzylinder mit enormem Tempo hoch, so dass der angestrengte Motorklang den Druck im rechten Fuß sofort wieder abnehmen lässt. Zu entspanntem Gleiten bei gemäßigter Geschwindigkeit eignet sich der Wagen jedoch hervorragend. Das Fahrwerk ist ausgewogen abgestimmt und bleibt selbst bei heftigen Lenkbewegungen souverän.

Für wen rechnet sich ein Hybrid?

Eine elegant gestreckte Karosserie und ein sehr wohnlicher Innenraum mit hochwertiger Ausstattung sprechen darüber hinaus für den Optima. Für die Insassen der zweiten Reihe gibt es großzügige Beinfreiheit, nur das flache Dach könnte den einen oder anderen 1,90-Meter-Mann veranlassen, etwas tiefer in die Polster zu rutschen. Schmale Fugen, saubere Nähte und dezente Chromapplikationen sorgen für Wohlfühl-Ambiente. Schon die Basis-Ausstattung rollt auf Leichtmetallfelgen vor, hat eine Wärmeschutzverglasung, ein Start-Stopp-System, einen elektrisch einstellbaren Fahrersitz nebst Heizung, Regensensor, USB-Anschluss und Nebelscheinwerfer. Dafür verlangt Kia 29.990 Euro.

Das sind genau 3000 Euro mehr, als für die Diesel-Basisversion, die freilich nur 136 PS hat und deren Ausstattung nicht ganz so umfangreich ist. Der Durchschnittsverbrauch des Hybrids wird mit 5,4 Litern je 100 Kilometer angegeben, der des Selbstzünders mit sieben.

Ein fortschrittliches Auto zu fahren und damit ein Statement für die Umwelt abzugeben, mag für manchen Kunden den einen oder anderen Euro Wert sein, ob sich der Hybrid-Mehrpreis auf lange Sicht rechnet, muss jeder Nutzer anhand seines individuellen Fahrprofils herausfinden. Bei einem angenommenen Durchschnitts-Kraftstoffpreis von 1,60 je Liter müsste der Hybrid-Fahrer schon rund 100.000 Kilometer im Jahr abspulen, um den Kostenvorteil des Diesels auszugleichen.

In der Top-Ausstattung Spirit liefert Kia für 35.990 Euro noch ein Premium-Soundsystem, Xenon-Scheinwerfer, Einstiegleisten in Edelstahl, Teil-Lederpolster; beheizbares Lenkrad, elektrisch verstell- und beheizbaren Beifahrersitz sowie Reifendruck-Kontrollsystem mit. Wenn es nach Kia ginge, soll der Hybrid bald ein knappes Drittel der Optima-Verkäufe ausmachen. In Deutschland ist das jedoch eher unwahrscheinlich. Vor allem die Premium-Hersteller, die große Limousinen und SUV als Hybrid anbieten, klagen über Verkaufsanteile von höchstens fünf Prozent innerhalb einer Baureihe.Mutige Ziele für neuen Optima.

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen