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Optisch vielleicht nicht jedermanns Geschmack verbirgt der Kia Soul EV doch ein Geheimnis unter der Fahrgastzelle.
Optisch vielleicht nicht jedermanns Geschmack verbirgt der Kia Soul EV doch ein Geheimnis unter der Fahrgastzelle.(Foto: Holger Preiss)

200 Kilometer mit dem Soul EV: Kia setzt seine Seele unter Strom

Von Holger Preiss

Die Absatzzahlen von Elektroautos in Deutschland sind nicht berauschend. Ohne Förderung und mit geringer Reichweite können sie die Herzen der Autofahrer einfach nicht erobern. Trotzdem rückt Kia mit dem Soul EV auf den Markt. Und der hat einiges, um die Seelen der Käufer zu fangen.

Betrachtet man den Kia Soul mit europäischen Augen, fällt er so richtig aus dem Rahmen. Schließlich überragt der vor allem für die Metropolen dieser Welt geschaffene Crossover mit einer Höhe von 1,61 Metern die Mehrheit der Konkurrenten zum Teil deutlich.

Kia Soul EV mit Kampfpreis

Etwas kubisch am Heck entfaltet der Kia Soul EV doch gerade so seine Alltagstauglichkeit. Hinter der Heckklappe verschwinden 281 Liter bei aufrechter Rückenlehne.
Etwas kubisch am Heck entfaltet der Kia Soul EV doch gerade so seine Alltagstauglichkeit. Hinter der Heckklappe verschwinden 281 Liter bei aufrechter Rückenlehne.(Foto: Holger Preiss)

Mit dem Kia Soul EV schlagen die Koreaner jetzt ein neues Kapitel auf. Ab November soll der Stromer das bis dato überschaubare Angebot an Elektrofahrzeugen in Deutschland erweitern. Allerdings gibt man sich was die Prognosen des Absatzes betrifft bei Kia eher bescheiden. Dabei hat der Soul EV viel von dem, was ihn zu einem Erfolgsmodell in diesem Segment machen könnte. Allein sein Einstiegspreis von 30.790 Euro ist eine Kampfansage. Schließlich liegt die Konkurrenz mit ihren Elektromodellen um einiges darüber. So verlangen VW für den E-Golf und BMW für den kultigen i3 knapp 35.000 Euro.

Aber neben dem Preis zeigt der stromernde Koreaner noch einen Vorzug: die Reichweite. Die ist immerhin mit maximal 212 Kilometern angegeben. Bei den oben genannten Mitbewerbern sind es lediglich 160 Kilometer. Zugegeben, der Wert steht vorerst nur im Datenblatt, aber eine erste Ausfahrt durch Berlin ließ erahnen, dass die Distanz durchaus realistisch ist. Doch warum kann der Koreaner weiter fahren als die deutsche Konkurrenz? Klar, bei einem Elektroauto kann es nur an einer höheren Kapazität des Akkus liegen. Technisch soll die Lithium-Ionen-Polymer-Batterie, die von SK Innovation in Korea stammt, durch ihre hohe Energiedichte von 200 Wh/kg (Wattstunden pro Kilogramm Masse) glänzen. Das wiederum bedeutet, dass der Akkumulator eine Kapazität von 27 Kilowattstunden leistet.

200 Kilometer sind möglich

Mit Lederlenkrad und stylisch umrahmtem Multifunktionsdisplay wirkt der Innenraum wertig und jung.
Mit Lederlenkrad und stylisch umrahmtem Multifunktionsdisplay wirkt der Innenraum wertig und jung.

In Fahrdaten ausgedrückt, bedeutet das, dass der 110 PS (81,4 kW) starke Elektromotor satte 285 Newtonmeter auf die vorderen Antriebsräder wuchtet. Das reicht bei einem kräftigen Tritt auf das Gaspedal für einen anständigen Kavalierstart an der Kreuzung und eine Beschleunigung in 11,2 Sekunden an die Tempo-100-Marke. Die Höchstgeschwindigkeit wird in den technischen Daten mit 145 km/h angegeben. Die Tachonadel brachte es bei einem kurzen Ausflug auf die A100 immerhin bis an die 150. Klar, der Kia Soul ist keine Rennmaschine und wer den ausdauernden Sprinter sucht, wird keine 200 Kilometer mit ihm fahren. Aber dazu ist er auch nicht konzipiert. Sein Terrain ist die Stadt. Der Verkehr zwischen Stop and Go, das Fließen im urbanen Dschungel und der Halt an der nächsten Ampel. All das macht der stylische Koreaner mit dem Elektroherz bravourös.

Wer flott unterwegs ist, wird kein Pixel-Bäumchen bauen und mehr Strom verbrauchen.
Wer flott unterwegs ist, wird kein Pixel-Bäumchen bauen und mehr Strom verbrauchen.(Foto: Holger Preiss)

Den Durchschnittsverbrauch gibt Kia mit 14,7 Kilowattstunden pro 100 Kilometer an. Auf dem 8 Zoll großen Touchscreen der Infotainment-Einheit standen, nach einer zweieinhalbstündigen Fahrt und 71 Kilometern, launige 14,4 Kilowattstunden. Für den Moment bedeutete das eine verbleibende Reichweite von 97 Kilometern und eine Batteriekapazität von 68 Prozent. Nun wird der aufmerksame Leser rechnen und zu Recht bemängeln, dass in der Addition der Werte lediglich 168 Kilometer zurückgelegt werden können. Das entspräche dann original den Werten der Mitbewerber. Nun ist es aber so, dass sich die Reichweitenberechnung immer auf die zuletzt gefahrenen Kilometer bezieht. Und die, das muss an dieser Stelle eingeräumt werden, wurden sehr zügig zurückgelegt, um auch in diesem Bereich die Leistungsfähigkeit des Soul EV zu überprüfen.

Bei angemessener Fahrweise und mit hoher Rekuperationsrate - der Gangwahlhebel steht hier auf B - sollten die 200 Kilometer durchaus im Bereich des Machbaren sein. Bleibt man faul in Automatikstufe D, wird weniger gebremst und entsprechend kleiner fällt der Umkehrschub in den Speicher aus. Wer seine effiziente Fahrweise gerne optisch dokumentieren möchte, kann einen Baum im Display erstehen lassen und den auch begrünen. Zwar wirkt die Pixelgrafik ein wenig wie die ersten Tetris-Spiele in Monochrom, aber auch das hat seinen Charme.

Alles drin ganz ohne Laut

Hinter einer Klappe in der Front verbergen sich zwei Anschlüsse für Gleich- und Wechselstrom.
Hinter einer Klappe in der Front verbergen sich zwei Anschlüsse für Gleich- und Wechselstrom.(Foto: Holger Preiss)

So wie die ab Werk schon fast vollständige Ausstattung. Von Klimaanlage über Navi bis zur Rückfahrkamera ist alles an Bord. Um den umweltfreundlichen Charakter des Crossover zu bekräftigen, bestehen Teile des Interieurs und der Verkleidung aus Recycling-Materialien wie Kunst- und Schaumstoffen oder Filz, wobei alles eine ausgesprochen angenehme Haptik hat. Ein Komfortpaket für 990 Euro beinhaltet Sitzbezüge in Teilleder, Sitzbelüftung vorn, Sitzheizung hinten und Parksensoren. Die Zweifarblackierung mit hellem Dach betont die bekannt originelle Form des Soul und kostet nichts extra.

Aber wie fährt sich der nicht ganz stromlinienförmige Elektriker? Erstaunlich gut! Besser als die von einem Verbrenner getriebenen Seelen. Um die Batterie so zu platzieren, dass möglichst wenig Platz verloren geht, musste die Karosseriestruktur verändert werden. Die besonders steife Karosserie und die mittig unter dem Kabinenboden verbaute Batterie sorgen für einen sehr tiefen Fahrzeugschwerpunkt und ein extrem agiles Handling. Erhöht wird die Fahrdynamik noch durch eine variable Servolenkung, die in drei Stufen - Komfort, Normal, Sport - verstellbar ist. Beachtlich auch der Wendekreis von 10,6 Metern. Beachtlich war auch der Lauf über Querfugen und Kopfsteinpflaster. Beides absorbierte die Dämpfer und die um 15 Prozent steiferen Leichtmetallfelgen problemlos. Auch der Geräuschpegel im Innenraum glich im rauschenden Stadtverkehr einer Oase. Nicht nur, dass das herkömmliche Motorengeräusch wegfällt. Kia hat auch die Geräusch- und Vibrationsquellen wie mechanisches Brummen, Straßendröhnen und Fahrtwind auf ein Minimum reduziert.

In 25 Minuten fast voll

Doch was, wenn der Akku dann mal leer ist? Kia offeriert zum Laden verschiedene Optionen. Ganz einfach funktioniert die Haushaltssteckdose mit 230 Volt. Hier verkabelt, dauert es dann aber auch zehn bis 14 Stunden, bis die Batterie wieder ganz voll ist. In fünf Stunden schafft man die gleiche Prozedur an einer 380-Volt-Steckdose. Schnellladestationen bringen, je nachdem ob sie 50 kW oder 100 kW Strom liefern, in 33 oder sogar 25 Minuten 80 Prozent der möglichen Energie in den Speicher. Über eine eigene Wallbox, die gleiche Ergebnisse wie eine Schnellladestation erzielt, denkt Kia nach, wenn eine entsprechende Nachfrage vorhanden ist. Und die könnte es geben, denn die Kunden profitieren wie bei Kia üblich von einer Siebenjahresgarantie. Die gilt hier im Übrigen auch für die Batterie. Deren Lebensdauer ist auf zehn Jahre konzipiert und es wird versprochen, dass sie nach 250.000 Kilometern immer noch 70 Prozent ihrer Kapazität hat. Anders als sonst gilt die Garantie von sieben Jahren im Falle des Soul EV auch für gewerbliche Halter.

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Quelle: n-tv.de

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