Auto
Eine klassische Allradmarke ist Suzuki nicht. Dennoch greifen 41,5 Prozent der Kunden auf die 4x4-Antriebe zurück.
Eine klassische Allradmarke ist Suzuki nicht. Dennoch greifen 41,5 Prozent der Kunden auf die 4x4-Antriebe zurück.(Foto: n-tv.de/Busse)

Suzuki: Allrad nach Belieben: Kleine Marke – große Auswahl

von Axel F. Busse

Mit 34.418 neue zugelassenen Autos gehört der japanische Hersteller Suzuki nicht gerade zu den großen Spielern auf dem deutschen Pkw-Markt. Doch die Marke leistet sich einen besonderen Luxus: In sieben angebotenen Modellen sind vier verschiedene Allradsysteme verbaut.

Offenkundig wird dieser technische Aufwand von den Kunden geschätzt, denn 41,5 Prozent aller Suzuki-Fahrzeuge wurden mit 4x4-Antrieb an die Käufer ausgeliefert. Zum Vergleich: Konkurrent Mitsubishi, der in Deutschland annähernd auf den gleichen Marktanteil wie Suzuki kommt, verkaufte 2011 hierzulande nur 23,8 Prozent seiner Autos mit Allradantrieb. Und Audi, wo mit großem Aufwand das "Quattro"-Konzept vermarktet wird, kam auf 34,8 Prozent.

Gerade im Winter bieten zwei angetriebene Achsen Vorteile, auch wenn man nicht abseits der Straßen unterwegs sein will. Am deutlichsten wird das im Vergleich zum konventionellen Heckantrieb. Der stößt bei Schnee, Matsch oder Reifglätte schnell an seine Grenzen, denn das größte Einzelgewicht lastet mit dem Motor auf der Vorderachse, während die hinteren Räder es vor sich her schieben müssen. Soll es eine Steigung hinauf gehen, wird das Vorhaben umso schwieriger.

Am Rand gibt’s kein Halten mehr

Viele Serien-Pkw verfügen deshalb über eine elektronische Traktionskontrolle, die aufgrund von Drehzahlunterschieden das Durchdrehen eines Rades ("Schlupf") erkennt und das Drehmoment reduziert oder dorthin leitet, wo der Kontakt zwischen Reifen und Fahrbahn noch so gut ist, dass Kraft übertragen werden kann. Die physikalischen Abläufe zwischen Rad, Straße und Bewegungsrichtung sind beim Geradeausfahren noch einigermaßen überschaubar. Richtig kompliziert wird es, wenn Kurven gefahren werden sollen. Dann müssen die Reifen auch noch Seitenführungskräfte übertragen.

Beim Suzuki Jimny wird aus dem zuschalten der Forderachse aus dem Hecktriebler ein Allradfahrzeug.
Beim Suzuki Jimny wird aus dem zuschalten der Forderachse aus dem Hecktriebler ein Allradfahrzeug.(Foto: Suzuki)

Dass dies mit vier angetriebenen Rädern leichter bewerkstelligt werden kann, als mit zwei, ist leicht einzusehen. Zum besseren Verständnis der dynamischen Kräfte und ihrer Wirkungen wird Fahrschülern gern der so genannte "Kamm’sche Kreis" gezeigt. Pfeile kennzeichnen Vortrieb oder Bremswirkung, die Fliehkraft zieht das Fahrzeug zum Außenrand der Kurve. Der Rand des Kreises markiert die Grenze, an der die Reifen das Auto gerade noch auf dem eingeschlagenen Kurs halten können.

Robust und technisch simpel ist ein Antriebskonzept, das durch Zuschalten der Hinterachse aus einem frontgetriebenen ein Allradfahrzeug macht. So ist es beim Suzuki Jimny, wo der Fahrer manuell bestimmt, wann mit einer Schaltmuffe Vorder- und Hinterachse starr miteinander verbunden werden sollen. Für eine trockene Straße ist dieses Prinzip nur bedingt geeignet, denn Drehzahlunterschiede der Räder, wie sie etwa durch die unterschiedlichen Kurvenradien an Vorder- und Hinterachse entstehen, können nicht ausgeglichen werden. Die Reifen beginnen zu "radieren".

Beim Suzuki Grand Vitara ist der Allradantrieb permanent in Aktion.
Beim Suzuki Grand Vitara ist der Allradantrieb permanent in Aktion.(Foto: n-tv.de/Busse)

Permanent in Aktion ist der 4x4-Antrieb beim Suzuki Grand Vitara, wo im Normalfall 53 Prozent des Drehmoments an die Hinterachse geleitet werden. Mittels eines Sperrdifferenzials kann die Antriebskraft starr zu je 50 Prozent auf die Achsen verteilt werden ("Lock"-Modus). Eine Geländereduzierung erhöht zusätzlich die Traktion in unwegsamem Terrain. Doch die Offroad-Fähigkeit nutzen bekannter Maßen nur wenige Besitzer von SUV und Geländewagen. Wichtiger ist, dass ein fein dosiertes Zusammenspiel von Antiblockiersystem, Stabilitätsprogramm und elektronischer Bremskraftverteilung das Auto im Grenzfall in der Spur hält.

Elektronik verteilt Kraft nach Bedarf

Statt eines Mittendifferenzials wie der Grand Vitara nutzt der Suzuki Swift 4x4 eine so genannte Viskokupplung. Sie gleicht nicht nur die bei schnellen Kurvenfahrten im Antriebsstrang auftretenden Verspannungen aus, sondern ist auch kleiner und leichter als ein Mittendifferenzial, so dass sie für einen Kleinwagen wie den Swift geeigneter ist. Das Bauteil besteht aus zwei Sätzen ringförmiger Metallscheiben, die in einem Ölbad laufen und ist nicht größer als eine Konservendose.

Der Swift nutzt für seinen Allradantrieb eine so genannte Viskosekupplung.
Der Swift nutzt für seinen Allradantrieb eine so genannte Viskosekupplung.(Foto: n-tv.de/Busse)

Auf das technisch anspruchsvollste Antriebssystem können die Suzuki-Modelle SX4 und Kizashi zurückgreifen. Der so genannte intelligente Allradantrieb ("i-AWD") verbindet die Vorteile einer rein frontgetriebenen Fortbewegung (Verbrauchsreduzierung) mit der Möglichkeit, das Drehmoment bedarfsgerecht zwischen Vorder- und Hinterachse stufenlos hin- und herzuleiten – je nachdem, wo es gerade an Traktion fehlt. Sobald beispielsweise die ABS-Sensoren an der Vorderachse Schlupf erkennen, wird binnen eines Sekundenbruchteils und über die zwischen den Achsen sitzende Lamellenkupplung Kraft zur Hinterachse geleitet. Vom reinen Frontantrieb bis zu einer konstanten 50:50 Verteilung ist alles möglich.

Dass Allradantrieb die Verwendung von Winterreifen überflüssig macht, ist allerdings ein Trugschluss. Das gilt auch für die Erzeugnisse von Suzuki, wo sich der deutsche Importeur zum Ziel gesetzt hat, in diesem Jahr 36.000 Fahrzeuge zu verkaufen. Erst das grobe Profil der auf verschneite oder vereiste Straßen abgestimmten Pneus ermöglicht es, die Vorteile des 4x4-Systems auch auf den Boden zu bringen. Leichteres Anfahren und Spurtreue in glatten Kurven sind nur zu bekommen, wenn die Räder genügend Grip haben. Und wer in den Winterurlaub aufbricht, sollte im Gepäckraum stets eine Ecke für die Schneeketten reservieren.

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen