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Ein "Ach, wie bin ich süß" macht der Seat Mii Ecomotive nicht für sich geltend.
Ein "Ach, wie bin ich süß" macht der Seat Mii Ecomotive nicht für sich geltend.(Foto: Seat)

Seat Mii Ecomotive im Test: Komfort hat seinen Preis

Kleinstwagen gelten als besonders günstig in der Anschaffung. Sind sie auch, sofern man die Basisversion wählt. Darf es ein wenig mehr Komfort sein, klettert der Preis schnell nach oben, wie der Seat Mii im Test zeigt.

Der Kofferraum kann sich sehen und natürlich auch beladen lassen.
Der Kofferraum kann sich sehen und natürlich auch beladen lassen.(Foto: Seat)

Putzig sieht er nicht aus. Der neue Seat Mii ist zwar ein Kleinstwagen, spielt aber nicht die "Ach, wie bin ich süß"-Karte aus wie so manch einer aus der Kurzen-Fraktion. Wo seine Konzerngeschwister Skoda Citigo und VW up eher brav gezeichnet sind, kann der Mii durch ein paar geänderte Karosserieteile schicker und sportiver auftreten. Im Alltagstest durfte der Kleine zeigen, was er außer der Optik noch zu bieten hat.

Platz zum Beispiel: Obwohl der automobile Zwerg nur 3,56 Meter lang ist, punktet er mit vergleichsweise komfortablen Raumverhältnissen für bis zu vier Erwachsene. Selbst der Kofferraum kann sich noch sehen und beladen lassen. In der Grundstellung fasst das Gepäckteil 251 Liter, klappt man die Rücksitzlehne um, sind es bis zu 951 Liter. Dank der knappen Außenabmessungen hat man indes mit dem Mii bei der Parkplatzsuche die Stoßstange vorn. Wo andere noch suchen müssen, steht man bereits in kleinen Parklücken. Selbst breite SUV-Dickschiffe rechts und links neben der Parkbucht stören nicht, da der kleine Spanier nur 1,65 Meter in der Breite misst und somit mit den veralteten Normen für Parkplätze keine Probleme hat.

Überraschung an der Tankstelle

Der Dreizylinder in der Ecomotiv-Variante zeigt sich nicht nur laufruhig, sondern auch sparsam.
Der Dreizylinder in der Ecomotiv-Variante zeigt sich nicht nur laufruhig, sondern auch sparsam.(Foto: Seat)

Positiv überrascht der Mii auch an der Tankstelle. Der im Test gefahrene 75 PS starke Dreizylinder in der Ecomotive-Variante gibt sich nicht nur laufruhig, sondern auch sparsam. Im Durchschnitt wurden dank Start-Stopp-Automatik sowie Bremsenergierückgewinnungs-System 5,3 Liter verbraucht. Damit wird zwar die Werksangaben von 4,2 Litern (CO2-Ausstoß: 98 g/km) verfehlt, aber immerhin nicht allzu deutlich – und das trotz flotter Fahrweise im Rahmen von 75 PS. Natürlich darf man keine Beschleunigungswunder erwarten. Diese dauern etwas länger. Gute 13 Sekunden muss man für den Standardspurt einplanen und auch die Höchstgeschwindigkeit von 172 km/h ist nicht rekordverdächtig. Sie reicht aber, um auf der Autobahn nicht als Verkehrshindernis zu stören. Bis Tempo 140 schwimmt man im Verkehr souverän mit. Geschwindigkeiten, die darüber hinausgehen, quittiert der Mii mit lautem Motorengebrumm sowie mit erhöhtem Verbrauch.

Fensterheber werfen Fragen auf

Die Sitze sind angenehm straff gepolstert und sind auch für langbeinige Nutzer dank einer nicht allzu kurzen Aufliegefläche noch bequem. Die Bedienelemente kennt man auch von anderen VW-Konzern-Produkten, so dass die Handhabung keine Probleme bereitet. Na ja, zumindest fast: Warum es auf der Fahrerseite nur einen elektrischen Fensterheber für eben diese Seite gibt, bleibt wohl ein Geheimnis der Kostenstelle. Wer die Scheibe gegenüber öffnen möchte, braucht entweder einen langen Arm, um den Schalter dort zu betätigen, oder einen Beifahrer. Dieses Problem trifft nur die Besitzer, die die höchste Ausstattungsstufe Style geordert haben. Die zwei anderen Linien verzichten ganz auf elektrische Unterstützung, hier sind Kurbeln ab Werk montiert und hinten gibt es sowieso nur Ausstellfenster.

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Apropos Style-Linie: Mindestens 11.450 Euro werden so für den Fünftürer (Aufpreis zum Dreitürer 475 Euro) mit dem 75 PS-Motor in der Ecomotive-Variante fällig. Im Preis enthalten sind die schon erwähnten Fensterheber, verchromte Türinnengriffe, eine geteilt umlegbare Rücksitzbank, eine Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung sowie eine Servolenkung und ein höheneinstellbarer Fahrersitz. Im Preis nicht enthalten sind eine Klimaanlage (540 Euro) oder das portable Navigations- und Entertainment-System (350 Euro). Wer keine Stahlräder mag, muss weitere 400 Euro für Leichtmetall-Felgen ausgeben. Sollen es keine 14- sondern 15-Zöller sein, gehen 550 Euro an den Seat-Händler. Das Soundsystem mit CD-Player, MP3-Wiedergabefunktion und Aux-In-Anschluss kostet 400 Euro. Für Frostbeulen hat Seat sogar eine Sitzheizung im Angebot, die steht in Verbindung mit elektrisch einstell- und beheizbaren Außenspiegeln für 350 Euro in der Preisliste. So summiert sich das Testauto schnell jenseits der 13.000-Euro-Marke. Eine Gurthöhenverstellung gibt es indes weder für gute Worte noch gegen Geld und das Lenkrad lässt sich nur in der Tiefe, aber nicht in der Höhe justieren.

Abgespecktes Basismodell

Klar, man kann sich auch mit dem 60 PS starken dreitürigen Basismodell zufrieden geben, das ab 8890 Euro erhältlich ist. Allerdings muss man auf Servolenkung (viel Spaß beim Rangieren und Einparken), eine Einstiegshilfe für die hinteren Plätze (die Oma will ja eh nicht fahren) verzichten und sich mit nur manuell einstellbaren Außenspiegeln sowie Kurbeln für die Fenster zufriedengeben.

Ach ja: Eine Radio fehlt hier genauso wie die technische Vorbereitung dafür, die Rückbank lässt sich nur einteilig umklappen und der Fahrersitz kann in der Höhe nicht verstellt werden. Immerhin: Die fünf Sterne Wertung bei dem NCAP-Crashtest kostet keinen Aufpreis.

Der Mii ist ein geräumiges und sparsames Fahrzeug und hat das Zeug zum Parkplatzchampion. Besonders günstig ist er aber nicht.

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Quelle: n-tv.de

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