Auto

Glänzend durch Schnee und EisLackpflege vor dem Winter

15.09.2008, 07:59 Uhr

Mit dem Auto ist es wie mit der eigenen Kleidung: Dem Material bekommt mangelhafte Zuwendung nicht wirklich gut. Mit der richtigen Pflege vor der kalten Jahreszeit kann man dem Auto etwas Gutes tun.

Im Grunde ist es wie mit der Bekleidung: Werden Hemd und Hose nicht gepflegt, sehen sie bald recht schmuddelig aus. Dem Material bekommt mangelhafte Zuwendung auch nicht wirklich gut. Beim Auto ist es der Lack, der oft als "Bekleidung" der Karosserie-Bleche angesehen wird. Ist der Lack noch neu, glänzt er wie von selbst. Wird er älter, lässt der Glanz deutlich nach. Kommen dann im Winter schädliche Witterungseinflüsse sowie das berüchtigte Salz hinzu, ist der Fortschritt des äußeren Verfalls programmiert. Speziell in Herbst und Winter ist es daher ratsam, sich mit dem Thema Lackpflege ausführlicher zu beschäftigen.

Dass Lackpflege wichtig ist, steht fest. Allerdings werden in Sachen Autoreinigung und -pflege auch immer wieder Tipps gegeben, die zweifelhaft oder sogar falsch sind. Oft wird beispielsweise behauptet, dass die Autowäsche im Winter eigentlich gar nicht sinnvoll ist: Große Temperaturunterschiede zwischen Waschwasser und Außenluft könnten zu Lackschäden führen.

Unter fünf Grad auf Autowäsche verzichten

Tatsächlich macht das einem modernen Autolack nichts aus. Richtig ist allerdings, dass bei der Wäsche in der Kälte einige Vorkehrungen getroffen werden sollten. "Bei starken Minusgraden ist eine Wäsche nicht zu empfehlen, da das Wasser in Ritzen oder in den Türschlössern gefrieren könnte", sagt Ralf Robert, Technischer Leiter für Reparaturlacke beim Hersteller BASF Coatings. Robert empfiehlt, auf eine Autowäsche zu verzichten, wenn die Temperaturen unterhalb von minus 5 Grad Celsius liegen und keine Garage zur Verfügung steht, in der das gewaschene Auto frostfrei durchtrocknen kann. Ein Notbehelf ist, vor der Wäsche die Türschlösser abzukleben.

Die Wäsche bei tiefen Temperaturen kann tatsächlich zu Schäden führen - allerdings nicht am Lack und außerdem nur dann, wenn bereits ein Vorschaden vorhanden ist. "Das gilt dann, wenn es um eine zuvor beschädigte Frontscheibe geht", sagt Joachim Jäckel, Vorsitzender des Bundesverbandes Tankstellen und gewerbliche Autowäsche. Bei so einem Vorschaden kann es dann dazu kommen, dass sich die Schadstelle zu einem Riss vergrößert.

Wachsbehandlung sinnvoll

Absolut harmlos und mindestens so wichtig wie eine regelmäßige Autowäsche ist dagegen eine andere Maßnahme, die vor allem vor dem Herbst und Winter ratsam ist: "Zu empfehlen ist einen Behandlung des Lacks mit Wachs", sagt Carsten Graf vom ADAC-Technikzentrum. So eine Wachsschicht verschließt Lackporen und bildet einen zusätzlichen Schutz. Der Vorteil besteht vor allem auch darin, dass Wasser - und damit das darin gelöste Streusalz - schnell wieder vom Lack abperlt und sich nicht darauf festsetzt.

Die üblichen Wachsbehandlungen in den Waschanlagen sind laut Graf keine Alternative zu einer mit der Hand aufgetragenen Wachsschicht: "Das Wachs bei der Autowäsche hält nicht so lange." Denn während der Waschzusatz laut Graf bestenfalls vier bis acht Wochen den Lack schützt, sind es beim manuell aufgetragenen Wachs rund sechs Monate. Eine solche Pflegeaktion ist daher nur zweimal im Jahr notwendig - das Waschanlagen-Wachs kann noch einen zusätzlichen Schutz bilden.

Wasserrückgewinnung problematisch

Daneben rät Graf dazu, im Winter die Wahl der Waschanlage genau zu überlegen. Ein Problem ist demnach, dass die Anlagen meist mit Wasserrückgewinnung arbeiten - es kommt also das zuvor schon genutzte Wasser in gereinigter Form wieder zum Einsatz. Im Winter ist das nicht optimal: "Problematisch ist, dass das Salz dabei nicht herausdestilliert wird." Autofahrer sollten daher darauf achten, dass die Waschhalle selbst und auch die Waschbürsten der Anlage sauber aussehen - dies sei ein wichtiges Qualitätsindiz und ein Hinweis darauf, dass über die Wasserrückgewinnung nicht auch sehr viel alter Schmutz ins Waschwasser zurück gelangt. Denn auch normaler Schmutz wie Sand kann bei einer solchen Wäsche wie Schmirgelpapier wirken.

Ralf Robert empfiehlt außerdem, vor dem Wintereinbruch die Front des Wagens auf Lackschäden als Folge von Steinschlag zu untersuchen. Werden solche Schäden nicht beseitigt, kann sich dort durch Feuchtigkeit und Salz schnell Rost festsetzen. Lackstifte sind eine Möglichkeit zur Abdeckung - dauerhafter ist es jedoch, wenn die Fachleute einer Lackiererei die Schäden ausbessern.

Und wenn es dann richtig winterlich wird, muss auch beim Start des zugeschneiten Wagens an den Lack gedacht werden. Wer mit dem groben Straßenbesen die Schneemassen vom Auto zu schieben versucht, riskiert schnell tiefe Kratzer. Ralf Robert empfiehlt für solche Zwecke Handfeger aus Holz und Kunststoff mit weichen Borsten. Denn ein frisch gewaschenes Auto mit unzähligen Kratzern lässt sich dann wieder mit dem gerade gereinigten, aber ungebügelten Hemd vergleichen.