Auto
Neue Form, neue Fähigkeiten für den Land Rover Discovery.
Neue Form, neue Fähigkeiten für den Land Rover Discovery.(Foto: Michael Gebhardt)
Freitag, 17. Februar 2017

Das Rundum-sorglos-Paket: Land Rover Discovery - mit einem Tick mehr

Von Michael Gebhardt

Ein Straßen-Auto, das gut im Gelände ist? Ein veritabler Offroader, der auch auf dem Asphalt einwandfrei funktioniert? Land Rover hat dieses Rundum-sorglos-Paket mit dem neuen Discovery geschnürt. Aber unterscheidet sich der Brite damit von anderen Premium-SUV?

Im Ernstfall beherrscht der Land Rover Disco mehr als die Fahrt über eine Schneeplatte.
Im Ernstfall beherrscht der Land Rover Disco mehr als die Fahrt über eine Schneeplatte.(Foto: Michael Gebhardt)

Echte Offroad-Fans sind sich einig: Ein Auto muss im Gelände gut sein, nicht auf der Straße. Doch ganz ehrlich – es macht noch mehr Spaß, wenn auch der Weg in die Natur angenehm ist. Schließlich fährt man nicht alle Tage über Stock und Stein. Für solche Abenteuer hatte man mit dem Land Rover Discovery schon seit jeher den richtigen Begleiter und in der nunmehr fünften Auflage, die ab 22. April beim Händler steht, ist der Engländer endlich auch ein richtig gutes Straßen-Auto.

Feine Einrichtung und Platz ohne Ende

Sicher, ein Porsche Cayenne oder BMW X5 mag auf dem Asphalt ein wenig dynamischer daherkommen, und wer noch einen Defender in der Garage stehen hat, wird den Disco im Gelände-Grenzbereich wahrscheinlich abhängen; doch das Gesamt-Paket, die Mischung aus kaum aufzuhaltendem Offroader und kommodem Reisebegleiter, die spricht eindeutig für den Discovery. Dass der 4,97 Meter lange Brite jetzt auch abseits von Waldschneisen und sandigen Dünen eine gute Figur macht, liegt zum einen an dem merklich wohnlicheren Ambiente. Bislang war der Innenraum, sagen wir mal, robust, inzwischen aber haben feine Materialien Einzug gehalten und die Gestaltung wäre auch eines Range Rovers würdig. Fahrer und Beifahrer nehmen auf bequemem Gestühl Platz und können sich auf Wunsch den geschundenen Rücken nicht nur heizen oder kühlen, sondern auch massieren lassen.

2500 Liter Kofferraum im Land Rover Discovery sollten für alle Transportbelange ausreichen.
2500 Liter Kofferraum im Land Rover Discovery sollten für alle Transportbelange ausreichen.

Dazu gibt’s ein modernes Infotainmentsystem mit Online-Zugang, zahlreiche Ablagen und im besten Fall nicht weniger als neun USB-Anschlüsse sowie sechs 12-Volt-Steckdosen. Und jede Menge Platz: In der ersten und zweiten Reihe herrscht selbstredend ausreichend Bewegungsfreiheit, doch sogar lange Mitfahrer können in der optionalen dritten Reihe sitzen – vielleicht nicht auf langen Strecken, aber kurze Etappen sind kein Problem. Praktisch: Das Gestühl klappt sich per Tastendruck von selbst ein und aus und wer will, kann das sogar aus der Ferne per App erledigen – warum auch immer das praktischer sein soll, als auf das Knöpfchen an der Seitenwand zu drücken erschließt sich nicht so richtig, aber stylisch und zeitgemäß ist es schon.

Legt man alle Fondsitze um, gehen bis zu 2500 Liter Gepäck in den Kofferraum, der auf Wunsch mit einer "inneren Heckklappe" erhältlich ist: Eine kleine, rund 30 Zentimeter große Luke, die, ebenfalls elektrisch, nach unten fährt und den Ladeboden erweitert – bisherigen Discovery-Fahrern soll sie das Gefühl einer zweigeteilten Heckklappe geben, die der Neue nicht mehr hat. Abgesehen von solchen Sentimentalitäten kann man auf das Extra aber ruhig verzichten, da das Beladen dadurch nur unhandlicher wird.

Leichter, aber immer noch schwer

Mehr Luxus und viel Platz bietet der Land Rover Discovery im Innenraum.
Mehr Luxus und viel Platz bietet der Land Rover Discovery im Innenraum.

Die Onroad-Fähigkeiten des auch deutlich moderner gestalteten Discovery werden aber nicht nur von der hübschen Einrichtung bestimmt, sondern auch von zeitgemäßen Assistenzsystemen, Annehmlichkeiten wie dem Head-up-Display und vor allem der deutlich besseren Straßenlage: Bis zu sagenhaften 480 Kilogramm hat der Land Rover gegenüber dem Vorgänger verloren, und das merkt man: Er fühlt sich deutlich agiler an, rollt geschmeidiger ab, neigt sich weniger zur Seite und bietet einfach mehr Fahrspaß als sein Vorgänger. Federleicht ist er deswegen immer noch nicht: Nach wie vor bringt kein Disco weniger als 2,1 Tonnen auf die Waage und mit dem drei Liter großen Sechszylinder-Diesel und reichlich Ausstattung kommen nochmal rund 500 Kilogramm dazu.

Zu dick ist der Discovery damit aber nicht, weder auf der Straße, noch im Gelände. Vor allem besagter V6-Diesel, der bereits ab 58.800 Euro zu haben ist, stellt mit 258 PS und satten 600 Newtonmeter Drehmoment ausreichend Kraft bereit, den Koloss standesgemäß anzuschieben. 8,1 Sekunden dauert der Sprint auf 100 km/h, maximal schafft der Disco Tempo 209 – das reicht. Dass er dabei wie angegeben nur 7,2 Liter Diesel pro 100 Kilometer verbrennt, ist dagegen unrealistisch. Etwas sparsamer, zumindest auf dem Papier, ist der neue Vierzylinder-Selbstzünder mit 240 PS, der sich hinter seinem großen Bruder nicht zu verstecken braucht. Die Fahrleistungen sind ähnlich, seine 500 Newtonmeter gibt er genauso gleichmäßig ab und auch er läuft ausgesprochen ruhig – im Grunde reicht das Zweiliter-Aggregat also vollkommen aus. Allerdings dürfte der Praxis-Verbrauchsvorteil nicht sonderlich groß sein, und deutlich günstiger ist der Td4 auch nicht: Mit gleicher Ausstattung trennen Vier- und Sechszylinder gerade mal 2000 Euro.

Immer bereit für den Geländeeinsatz

Die Geländekompetenz ist auch beim neuen Land Rover Discovery eine Kernkompetenz.
Die Geländekompetenz ist auch beim neuen Land Rover Discovery eine Kernkompetenz.

Als Einstiegsmodell dient eine 180 PS starke Ausbaustufe des Vierzylinders, die mit nur einem Turbo auskommen muss, aber mit 50.500 Euro durchaus attraktiv ist; zumindest bei uns völlig überflüssig ist dagegen der V6-Benziner mit 340 PS, der schon auf dem Papier knapp elf Liter konsumiert. Alle vier Triebwerke kommen serienmäßig mit einer sanft, wenn auch manchmal etwas langsam schaltenden Achtgang-Automatik von ZF und – natürlich – mit Allradantrieb.

Am Ende des Tages ist aber das schwere Gelände immer noch die Kernkompetenz des Discovery und setzt ihn letztlich auch etwas vom Feld der Premium-Konkurrenten ab. Denn hier kann er tatsächlich etwas mehr: Die Bodenfreiheit wächst mit optionaler Luftfederung um 43 Millimeter auf über 28 Zentimeter, 34 Grad Böschungswinkel sind fast jeder natürlichen Steigung gewachsen und Wasserdurchfahrten dürfen nun bis 90 Zentimeter tief sein – das ist auf Scheinwerferhöhe!

Und das ganze mit spielender Leichtigkeit: Die technischen Helferlein rund um das Terrain-Response-System, das den Disco jeweils perfekt auf den zu befahrenden Untergrund einstellt, arbeiten Hand in Hand und ermöglichen auch Unerfahrenen problemloses Weiterkommen. Der Computer misst die Wassertiefe, die Elektronik regelt die Kraftverteilung sowie die Sperrdifferenziale und bei Bedarf gibt der Discovery im Kriechtempo sogar selber Gas und bremst – dann kann sich der Fahrer vollkommen aufs Lenken konzentrieren. Oder sich mit dem 4x4-Info-Modus beschäftigen: Der zeigt auf dem großen Infotainment-System unter anderem die Stellung der Räder und die Neigung des Fahrzeugs an – damit man schwarz auf weiß sieht, warum einem gerade flau im Magen wird.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen