Auto
Der GS 450h kommt mit 6-Zylinder-Verrbenner und E-Motor auf zusammen 345 PS.
Der GS 450h kommt mit 6-Zylinder-Verrbenner und E-Motor auf zusammen 345 PS.(Foto: Axel F. Busse)

Japaner beseitigen größtes Manko: Lexus GS mit Raumgewinn

von Axel F. Busse

Problem erkannt, Problem gebannt: An den Hybrid-Limousinen von Lexus wurde in der Vergangenheit immer wieder der viel zu kleine Kofferraum kritisiert. Die Neuauflage des Modells GS bietet einen Zugewinn des Volumens von fast 50 Prozent.

Was hat ein Hybrid-Auto, was andere nicht haben? Eine große Leistungsbatterie, die obendrein noch viel zusätzliches Gewicht ins Auto bringt. Das war in der Vergangenheit eine klare Schwäche der GS-Modelle von Lexus, denn mit 330 Litern Kofferraum bot das Auto allenfalls Kompaktklasse-Niveau – und das bei Außenabmessungen der oberen Mittelklasse. Fortschritte in der Batterietechnik und eine veränderte Einbaulage sorgen nun für ein konkurrenzfähiges Gepäckvolumen: 482 Liter.

Kein Wunder also, dass Marketingleiter Michael Potthast bei der Präsentation des neuen Autos ausdrücklich auf diesen Umstand hinwies. "Das erhöht den Nutzwert des Autos wirklich deutlich", gab er zu wissen, der GS sei nun "auf dem gleichen Niveau wie seine Mitbewerber mit Diesel- und Benzinmotor" und übertreffe "alle vergleichbaren Hybridmodelle". Dabei schielt der Marketingmann natürlich auf die Werte der deutschen Konkurrenz. Die Hybriden von Audi (A6) und BMW (5 ActiveHybrid) können nur mit 375 Litern aufwarten.

Nicht unter sechs Zylindern

Das große LCD-Display liegt blendfrei verstaut tief im Armaturenbrett.
Das große LCD-Display liegt blendfrei verstaut tief im Armaturenbrett.(Foto: Axel F. Busse)

Mit der deutschen Markteinführung am 16. Juni ist der GS in zwei Antriebs-Varianten und drei Ausstattungslinien zu haben. Die Basisversion bietet einen 2,5 Liter großen V6-Benzinmotor mit 209 PS. Das Aggregat ist mit Direkteinspritzung und variabler Ventilsteuerung ausgestattet und gibt seine maximale Leistung bei 6400 Umdrehungen ab. Bei 1600 Kurbelwellen-Rotationen weniger in der Minute erreicht der Motor sein Drehmomentmaximum. Es beträgt 253 Newtonmeter. Damit sprintet der Wagen in 8,6 Sekunden auf 100 km/h und läuft 230 km/h Spitze.

Auf ersten Testkilometern präsentierte sich der 4,85 Meter lange Viertürer in ausgewogener Form. Die Länge blieb gleich, in der Breite legte die Karosserie um 20 Millimeter, die Höhe um 30 Millimeter zu. Das knapp 1800 Kilogramm schwere Fahrzeug erscheint absolut ausreichend motorisiert, es fehlt ihm auch nicht am Temperament, wenn es beim Einfädeln auf der Autobahn mal etwas hastig zugeht. Was jedoch stört, ist die angestrengte Akustik des 24-Ventilers, der ab etwa 3500 Touren seine Gelassenheit verliert und fast jaulend Fahrt aufnimmt.

Die geschmeidig schaltende Sechsgang-Automatik wird zwar mühelos mit der Motorleistung fertig, treibt den Drehzahlmesser zügig in Richtung 6000er-Marke, doch möchte man die Begleitmusik dazu nicht allzu oft hören. Das gemütliche Cruisen in mittlerem Reisetempo liegt dieser Version ganz offenbar mehr. Dann kann man sicher noch näher an den EU-Normwert für den Verbrauch herankommen, der 8,9 Liter auf 100 Kilometer ermittelt wurde. Bei diesem Test lag der Wagen mit 9,3 Litern nur geringfügig darüber.

Wassergekühlter Elektromotor

Die Designmerkmale von "L-Finesse" zieren jetzt auch das GS-Modell.
Die Designmerkmale von "L-Finesse" zieren jetzt auch das GS-Modell.(Foto: Axel F. Busse)

Fast einen ganzen Liter Hubraum mehr hat die Hybrid-Version, wo ein V6-Benziner mit 290 PS die vorrangige Kraftquelle ist. Der kompakte Elektromotor ist mit Wasser gekühlt und steuert so viel Schwung bei, dass eine Systemleistung von 345 PS herauskommt. Auch in dieser Disziplin hat Lexus gegenüber den Modellen von Audi und BMW einen leichten Vorteil. Auf dem Prüfstand erreichte das Modell GS 450h einen Verbrauchswert von 5,9 Litern je 100 Kilometer, was gegenüber dem 2006 vorgestellten Modell eine Verringerung des Spritkonsums um satte zwei Liter darstellt.

Obwohl sich Lexus (wie übrigens auch die unter der Marke Toyota angebotenen Hybrid-Modelle) einer traditionellen Nickel-Metall-Hybridbatterie bedient, konnte deren Volumen reduziert werden. Das Bauteil wurde überdies hochkant hinter der Lehne der Fordersitze montiert, die neu konstruierte Hinterachse ist kompakter als die des Vorgängers. So konnte zusätzlich Kofferraum gewonnen werden. Die Batterie läuft mit einer Betriebsspannung von 288 Volt und versetzt den GS 450h in die Lage, bis zu vier Kilometer rein elektrisch zu fahren und das mit einer Spitzengeschwindigkeit von 40 km/h. 345 Newtonmeter Drehmoment genügen, um den mit Vollausstattung fast zwei Tonnen Kilo schweren Wagen 5,9 Sekunden von Null auf Hundert zu schieben.

Die dabei frei gesetzte Durchzugskraft wirkt souverän und oberklassetauglich. Das stufenlos variable Getriebe findet die passende Übersetzung auch bei plötzlicher Leistungsanforderung schnell und beeinflusst den Fahrkomfort positiv. Weniger als sechs Liter Verbrauch waren bei diesem Test aber nicht zu erreichen, was durchaus an dem ausgiebigen Autobahnanteil lag. Dort sorgt hauptsächlich der Verbrenner für Vortrieb und die Hybrid-Technik kann ihre Vorzüge nicht ausspielen. Beide Motorvarianten verfügen übrigens über einen Fahrmodus-Schalter, wo ein Eco-, ein Normal- und zwei Sportprogramme aktiviert werden können.

Umfangreiche Grundausstattung

Das nicht immer verdiente, aber dennoch erstklassige Marken-Prestige der Modelle aus einheimischer Fertigung versucht Lexus seit jeher mit üppiger Ausstattung und Verarbeitungsqualität zu kontern. Für einen Grundpreis von 45.200 Euro liefert Lexus zehn Airbags ab, Alarmanlage, Reifendruckkontrolle, Berganfahrhilfe, Rückfahrkamera, , Bi-Xenon- und Nebelscheinwerfer, 17-Zoll-Leichtmetallräder, Tempomat, Klima-Automatik, elektrische Sitzverstellung sowie ein Audio-System mit DVD-Player. Eine Start-Stopp-Automatik für weitere Verbrauchsreduzierung gibt es jedoch nicht. Beiden Ausführungen gemein ist eine sehr komfort-orientierte Abstimmung, auch die Lenkung wünschte man sich zuweilen sensibler und direkter.Jedoch sind diese Eigenschaften wohl in der überwiegend in den USA zu suchenden Kundschaft begründet.

Neben dem Getriebe-Wahlhebel ist der Steuerungsknopf für das Remote-Touch-Bediensystem angebracht, von wo aus nach Joystick-Manier zahlreiche Funktionen wie Navigation, Klimatisierung, Entertainment oder Telefon angewählt und gesteuert werden können. Dazu ist ein Cursorfeld auf dem gut gegen Blendwirkung abgeschirmten Monitor zu manövrieren. Sollen während der Fahrt Funktionen abgerufen werden, übernimmt dies besser der Beifahrer, denn die Zielgenauigkeit ist nicht so gut, wie bei einem herkömmlichen Dreh-Druck-Schalter. Freude macht hingegen der übersichtliche 12-Zoll-Bildschirm, der jedoch mit einem Aufpreis von 1150 Euro verbunden ist.

Das Hybridmodell kostet in der Grundausstattung 54.750 Euro. Wer zusätzlich 15.750 Euro investiert, bekommt ein adaptives Fahrwerk 18-Zoll-Aluräder, Regensensor, Abstandswarner vorn und hinten, Lederpolster mit Sitzheizung und –belüftung vorn, Fahrspurassistent und vieles mehr. Lexus hofft, in diesem Jahr noch 375 GS in Deutschland absetzen zu können. Das klingt ambitioniert, bezifferte doch ein Firmensprecher die zuletzt erzielte Verkaufszahl mit "eine Handvoll".

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen