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Doppelpremiere: In diesem Herbst bietet Lexus verjüngte Versionen von NX (links) und CT an.
Doppelpremiere: In diesem Herbst bietet Lexus verjüngte Versionen von NX (links) und CT an.(Foto: Busse/Textfabrik)
Freitag, 10. November 2017

Hybride treffen Assistenten: Lexus frischt CT 200h und NX 300h auf

Von Axel F. Busse

Die Selbstinszenierung als Hybrid-Pionier betreibt Lexus seit einigen Jahren recht erfolgreich. Die Auffrischung der Modelle CT 200h und NX 300h nutzt der Hersteller für eine erstaunliche Botschaft: Unsere Autos sind so gut, da muss man nicht groß was verändern.

Ein Markengesicht, das auffällt: Der kleinste Lexus wirkt selbstbewusst.
Ein Markengesicht, das auffällt: Der kleinste Lexus wirkt selbstbewusst.(Foto: Busse/Textfabrik)

Herbstzeit ist Hybridzeit, zumindest für Lexus. Zwei Autos werden in die zweite Runde ihres Lebenszyklus geschickt, die Neuerungen sind eher bescheiden. Offiziell müssen die Petitessen natürlich als wichtige Modernisierung verkauft werden, aber sieht man sich die Überarbeitungen des Kompaktwagens CT 200h und des Crossover-SUVs NX 300h genauer an, erkennt man die Zufriedenheit des Herstellers mit seinen bisherigen Schöpfungen.

Lexus versteht sich als Premium-Marke und in anderen Teilen der Erde wird sie auch auf Augenhöhe mit Audi, BMW oder Mercedes wahrgenommen. Im Heimatland der großen Drei ist das jedoch anders und mit rund 2500 Neuzulassungen im vergangenen Jahr steht sie gegenüber denen auch volumenmäßig auf verlorenem Posten. Nobel-Importeure wie Jaguar oder Volvo sind da schon eher als Wettbewerber anzusehen. Die haben allerdings in der Vergangenheit sehr stark auf Dieselmotoren gesetzt. Vielleicht ist die wachsende Skepsis gegenüber dem Selbstzünder der Schlüssel, um das von Lexus-Geschäftsführer Heiko Twellmann ausgegebene Ziel zu erreichen: "5000, das ist die Zahl, wo wir hinwollen". Schon zu Beginn der nächsten Dekade soll es soweit sein.

Bereitschaft zur Veränderung nötig

Der NX 200 war der meistverkaufte Lexus in Deutschland, jetzt heißt er NX 300.
Der NX 200 war der meistverkaufte Lexus in Deutschland, jetzt heißt er NX 300.(Foto: Busse/Textfabrik)

Eine Voraussetzung dafür ist, dass sich die Umsteiger von anderen Marken auf einige Lexus-typische Eigenheiten einlassen, denen man in den jetzt vorgestellten Modellen sehr gut näher kommen kann. In den letzten Jahren hat die Marke immer stärker auf ein expressives und emotional aufgeladenes Design gesetzt. Besonders das zunächst als NX 200 gestartete und jetzt zum NX 300 umbenannte SUV wurde schon als auf die Erde hernieder gekommenes Commander-Kirk-Raumschiff verspottet. Der mächtige Hexagonal-Grill, dessen in der Waagerechten liegenden Ecken nach innen verschoben sind, die scharf konturierten Leuchtengläser sowie zahlreiche Sicken und Blechfalten geben ihm ein unverwechselbares Design.

Außer der eigenwilligen Innenarchitektur, die neuerdings auch Color-Akzente und Kontrastfarben bei den Polsters zulässt, sind Bedienelemente und -logik der Autos von einer eigenen Systematik geprägt, die der Neu-Lexusianer erst einmal erlernen müsste. Zwar können beide Fahrzeuge nunmehr mit einem bis zu 10,8 Zoll großen Navigations- und Steuerungsmonitor glänzen (aufpreisfrei allerdings nur in der höchsten Ausstattungslinie), doch die andernorts so beliebte Touchscreen bieten sie nicht. Statt dessen muss ähnlich wie bei einem Laptop mittels eines berührungsempfindlichen Pads ein Cursor auf dem Monitor gesteuert werden. Die verbauten Materialien indes untermauern glaubhaft den Premium-Anspruch der Marke, durchgängig gibt es zum Beispiel Leichtmetallfelgen, Zwei-Zonen-Klimaautomatik und Regensenor.

Den NX 300h gibt es als Fronttriebler und als Allradler.
Den NX 300h gibt es als Fronttriebler und als Allradler.(Foto: Busse/Textfabrik)

Zu den auffälligsten Merkmalen des Antriebsstrangs gehört das stufenlose Automatikgetriebe, das sowohl vom CT 200 also auch vom NX 300 genutzt wird. Es mag für die Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotor die geeignetste und effizienteste Kraftübertragung sein, doch sie hat die Eigenschaft, die Insassen zuweilen akustisch auf die Probe zu stellen.

Verlangt man von den Motoren maximale Kraftentfaltung, schnellt das Drehzahlniveau des Verbrenners in eine Höhe, die angestrengt und nicht gerade gesund oder souverän klingt. Da sind sich der Kompakte und der Crossover sehr ähnlich, obgleich das kleinere Auto einen 1,8 Liter großen Vierzylinder nutzt und das SUV auf 2,5 Liter Hubraum zurück greifen kann. Gleichzeitig bleibt die Beschleunigung hinter den Erwartungen zurück, wird als zäh und nicht recht agil empfunden. Dieses als "Gummibandeffekt" seit langem bekannte Phänomen können auch die beiden neuen Autos nicht hinter sich lassen, so dass ihre Vorzüge bei den Kunden um so schwerer wiegen müssten, um zu überzeugen.

Individueller durch F-Sport-Linie

Das expressive Design des NX 300h setzt sich auch im Innenraum fort.
Das expressive Design des NX 300h setzt sich auch im Innenraum fort.(Foto: Lexus)

Zweifellos gibt es sie, denn der CT 200h, dem die Funktion des Türöffners in die Hybrid-Welt von Lexus zufällt, verwirklicht in einer kompakten Karosserie ein anspruchsvolles Technik- und Komfortniveau. Die F-Sport-Linie unterstreicht durch Kontrastlackierungen und neues Felgendesigns die dynamische Optik des flachen und gestreckten Wagenkörpers. Aus einer tiefen Sitzposition für Fahrer oder Fahrerin heraus überträgt sich der Eindruck einer sportlichen Gangart im Nu.

Auch wenn die realen Leistungsdaten gute Mittelklasse sind, denn aus 136 PS sind bei einem rund 1500 Kilogramm schweren Fuhrwerk nun mal keine Rekorde heraus zu holen, bleibt ein angenehm gelassener, aber durchaus auch fahraktiver Gesamteindruck. Da annähernd die Hälfte der Kunden des CT 200h die Ausstattungslinien F-Sport oder Luxury wählen, werden ihre Empfindungen durch zahlreiche Annehmlichkeiten und neue Sicherheitseinrichtungen unterstützt.

Im Inneraum des CT200h geht es etwas eng, aber nicht unbehaglich zu.
Im Inneraum des CT200h geht es etwas eng, aber nicht unbehaglich zu.(Foto: Lexus)

So ist zum Beispiel neuerdings das "Safety System +" verfügbar, das eine Reihe von Sicherheitstechnologien wie das Pre-Crash System eine adaptive Geschwindigkeitsregelung, einen Spurhalteassistenten mit Spurverlassenswarnung, einen automatischen Fernlichtassistenten, sowie Verkehrszeichenerkennung zusammenfasst. Als Sonderausstattung kostet es 750 Euro, in den beiden Top-Ausstattungen ist es serienmäßig an Bord. Die Preisskala für den CT 200h beginnt bei 26.950 Euro, in der Luxury Line werden inklusive Navigationssystem, Sitzheizung, Rückfahrkamera, Lederpolstern und anderen Zusatzausstattungen 39.300 Euro daraus.

"Safety System +" sowie die Option auf einen 10,3 Zoll großen Bildschirm bietet auch der neue NX 300h, der zusätzlich zum Allradantrieb mit Hybridsystem auch als reiner Fronttriebler und mit konventioneller Verbrennungstechnik zu haben ist. Die Preisliste untermauert die Absicht des Herstellers, Hybridtechnik attraktiv und begehrenswert zu machen. Obwohl zusätzlich zum 2,5 Liter-Vierzylinder mit 155 PS noch ein Drehstromsynchronmotor mit 105 kW Leistung samt der notwendigen Steuerungs- und Regelelektronik verbaut ist, kostet der Wagen weniger als der konventionell angetriebene NX 300. In der Frontantriebsversion stehen 41.250 Euro (für den NX 300h) einem Preis von 43.950 Euro gegenüber. Damit diese Form der Hybrid-Subventionierung den Fans des herkömmlichen Antriebs nicht allzu weh tut, leistet die Verbrennerversion 41 PS mehr und fährt 20 km/h schneller.

Rund acht Liter Verbrauch je 100 Kilometer dürften mit diesem Auto in der Praxis ebenso wenig zu erzielen sein, wie der Hybrid seiner Vorgabe bei den Präsentations-Testfahrten schaffte. Statt mit fünf Litern, die im Datenblatt stehen, sollte man sich in der Praxis auf sechs bis 6,5 einrichten. Näher an den Prospektwert lässt sich indes der CT 200h fahren. Wer ihn überwiegend in der Stadt oder auf der Kurzstrecke bewegt, kann durch das Wechselspiel von Beschleunigung, Bremsen und Rekuperation durchaus mehr als die Hälfte seines Weges elektrisch zurück legen. Dann dürfte ein Verbrauch von unter fünf Litern im Bereich des Möglichen liegen.

Quelle: n-tv.de

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