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Mazda vergleicht den RX-7 in der Werbung mit dem Porsche 944.
Mazda vergleicht den RX-7 in der Werbung mit dem Porsche 944.

30 Jahre Mazda RX-7 : Mazdas wankelmütige Attacke gegen Porsche

Vor 30 Jahren haben die deutschen Hersteller den Kreiskolbenmotor längst ins Archiv verbannt, als Mazda mit dem Rotary-RX-7 einen der meistgebauten Sportwagen aller Zeiten auflegt und ihn für einen Moment zum Rivalen des Porsche 944 macht.

1987 läuft die Werbung für den Mazda RX-7 auf Hochtouren.
1987 läuft die Werbung für den Mazda RX-7 auf Hochtouren.

Er ist klein, kompakt und drehfreudig. Ein Kult-Motor wie ein Kunstwerk, prädestiniert für Fahrspaß im Sportwagen. Nein, hier ist nicht die Rede vom legendären Boxer im Porsche 911, sondern vom Kreiskolbenmotor im Mazda RX-7. Jenem Rotary-Sportwagen, der den Wankelmotor 1978 wiederbelebte als Audi-NSU den Ro80 und die Rotationskolben-Idee gerade zu Grabe getragen hatte und Mazdas bisherige Rotary-Modellpalette wegen zu hoher Verbrauchswerte zum Ladenhüter geworden war. Der RX-7 macht den Wankel zwar nur wenig sparsamer, führt das Triebwerk mit turbinenartiger Laufkultur aber zum vorläufigen Zenit seiner Karriere mit Rekordverkaufszahlen. Wichtigster Markt ist Nordamerika, wo der Klappscheinwerfer-Sportwagen schon in erster Generation gegen den Transaxle-Porsche 924 antrat. Noch besser macht es die vor 30 Jahren eingeführte Neuauflage des Nippon-Racers, die sich optisch am Porsche 944 orientiert und als 200 PS starker Turbo-Rotarier sogar Italiener aus Modena und Maranello herausfordert. Die für Frischluftfans schönste Art RX-7 zu fahren, bietet das 1987 präsentierte Cabriolet mit elektrisch versenkbarem Verdeck.

Trotzdem kann der bis 1992 gebaute Mazda RX-7 (FC) die sensationellen Verkaufserfolge seines Vorgängers nicht wiederholen, immerhin genügen 272.000 verkaufte Einheiten für eine Bestsellerrolle bei den noch bezahlbaren Sportwagen. Ein Resultat, das sich die Japaner durch einen anderen Triumph vergolden: Im Juni 1991 kannMazda erstmals mit einem Drei-Scheiben-Rotary-Racer bei den 24 Stunden von Le Mans alle Rivalen auf die Plätze verweisen, darunter Porsche, Mercedes und Jaguar. Weshalb vom bereits auslaufenden RX-7 (FC) noch ein auf 1000 Einheiten limitiertes japanisches Sondermodell "Winning" aufgelegt wurde. Eine von Sammlern ebenso begehrte Abschiedsedition wie die 1992 folgende Cabriolet-Sonderserie "Final Version", die schon parallel zur dritten RX-7-Generation (FD) gebaut wird.

Gegner des Porsche 944

Den Mazda RX-7 Turbo gab es 1987 ab 48.400 Mark.
Den Mazda RX-7 Turbo gab es 1987 ab 48.400 Mark.

Zurück auf Anfang: Die Geburtsstunde zur Entwicklung des RX-7 (FC) schlägt 1981, als Mazda in Nordamerika gerade ein prestigeträchtiges Verkaufsduell mit Porsche für sich entschieden hat. Die erste RX-7-Generation hat den Porsche 924 in den Zulassungszahlen zum Nebendarsteller degradiert. Was allerdings für die Zuffenhausener kein Problem ist. Denn Geld verdienen lässt sich mit den kostspieligeren Porsche-Vierzylindern genug auf dem damals größten Sportwagenmarkt der Welt. Ein Phänomen, das die amerikanischen Mazda-Händler veranlasst, für den kommenden RX-7 (FC) mehr Leistung und Ausstattung zu ebenfalls höheren Preisen zu fordern. Wünsche, die sich Mazda-Chefingenieur Akio Uchiyama zu Herzen nimmt. So positioniert er den RX-7 (FC) klar als Kontrahenten zum 1981 vorgestellten Porsche 944.

Ein ursprünglich angedachtes kantig-keilförmiges Designkonzept wird zugunsten rundlicher, Porsche-ähnlicher Formen verworfen und das RX-7-Fahrwerk vollkommen neu entwickelt. Statt hinterer Starrachse gibt es nun eine Schräglenker-Hinterachse mit Mitlenkeffekt, die auf Seiten- und Längskräfte mit Vorspuränderungen reagiert und auf der Nürburgring-Nordschleife die finale Abstimmung bekommt. Neu ist auch das Wankeltriebwerk vom Typ 13B, das bisher nur in den luxuriösen Mazda Luce/Cosmo angeboten wird. Durch die Vergrößerung des Kammervolumens von 573 auf 654 Kubikzentimeter und eine von Bosch gelieferte Benzin-Einspritzung steigt die Leistung auf 150 PS. Exakt der Wert des Porsche 944 mit Katalysator.

Ein durstiger Sportler

Im Juni 1989 erfolgt die Markteinführung des RX-7 Turbo Cabriolets.
Im Juni 1989 erfolgt die Markteinführung des RX-7 Turbo Cabriolets.

Einen Katalysator erhält der als "Japaner mit dem deutschen Herzen" angepriesene Mazda ausgerechnet in Deutschland erst mit einem Jahr Verspätung. Und dann auch nur in Kombination mit einem Turbo mit Ladeluftkühler. Diese Kraftkur steigert die Leistung zwar auf 180 PS, verteuert den RX-7 aber um 20 Prozent auf 48.400 Mark. Damit erreicht der 2+2-Sitzer tatsächlich das Preisniveau des Porsche-Einstiegsmodells 924 oder des Audi Coupé quattro, nicht aber deren Prestigewerte. Wenig verkaufsfördernd ist auch der Normverbrauch. Mit 8,4 Litern bei 90 km/h und 11,0 Liter bei 120 km/h gönnt sich der Wankel gut ein Viertel mehr als die deutschen Konkurrenten. Die durch immer noch relativ günstige Benzinpreise verwöhnten Amerikaner tangieren solche Kleinigkeiten nicht, aber in Deutschland bleibt dem RX-7 Turbo so nur die Nischenrolle für erklärte Wankel-Liebhaber.

Natürlich ist nicht nur Porsche die Messlatte für Mazda. Mitte der 1980er Jahre ist Japan längst der weltweit größte Sportwagenbauer und der RX-7 Turbo soll gleich fünf rivalisierende Samurai auf die Plätze verweisen. Darunter vor allem Nissan 300 ZX und Toyota Supra, die durch regelmäßige PS-Spritzen nachgeschärft werden. So rüstete auch Mazda auf und spendierte dem Turbomotor 1989 eine Leistungssteigerung auf 200 PS, auf manchen Märkten gibt es nochmals 15 PS mehr. 6,4 Sekunden genügen dem 240 km/h schnellen RX-7 Turbo nun laut Fachpresse für den Sprint auf Tempo 100. Damit findet der Wankel zwar keinen Anschluss an den ebenfalls neuen Porsche 944 Turbo, wohl aber an Ferrari Mondial oder Zwölfzylinder-Jaguar XJ-S, die nun beim Ampelduell etwa auf dem Hollywood-Boulevard chancenlos sind. Bei Rundstreckenrennen der amerikanischen IMSA-Serie ist der RX-7 ohnehin auf Sieg abonniert, Erfolge die Mazda durch die eine Leichtbauversion als RX-7 GTU feiert.

Keine Wertanlage für Oldtimer-Liebhaber

Nicht auf der Tokyo Motor Show, sondern auf der Frankfurter IAA 1987 feiert das RX-7 Cabriolet seine Publikumspremiere. Mazda will damit seine enge Verbundenheit zum Heimatland des eigentlichen Rotary-Erfinders Felix Wankel zeigen. Provozierend fragen die Japaner denn auch in PR-Texten zur Cabrio-Enthüllung: "Wer will denn noch den Schüttelhuber? Felix Wankel hat kein gutes Haar am Hubkolbenmotor gelassen... etwas ist schon dran an der Wertung des genialen deutschen Motoreningenieurs". Besonders im Cabrio könnten seidenweiche Wankelaggregate ihre Vorteile ausspielen, meint Mazda. In der Theorie mag das richtig sein, aber in der Praxis können offene Rotarier weniger überzeugen. Das allererste Wankel-Cabrio, der NSU Spider, scheitert an der mangelnden Zuverlässigkeit des Motors. Das RX-7 Cabriolet dagegen ist mit Preisen ab 62.500 Mark schlicht zu teuer, als es mit zwei Jahren Verspätung 1989 endlich auch in Deutschland lieferbar ist. Leitete doch im gleichen Sommer bereits der Mazda MX-5 das Revival der günstigen Roadster ein.

Nicht einmal die Kampagne "Einer der exklusivsten Sonnenplätze der Welt" kann den Open-Air-RX-7 abheben lassen. Gekauft wird diese Sonnenbank mit 200 PS-Turbo-Kreisläufer und serienmäßigem Windschott überwiegend von Fans, die ihre Fahrzeuge anschließend so pflegen, wie es nur wahre Liebhaber machen. Deshalb sind noch heute rund 500 offene RX-7 (einschließlich der Importe aus USA) auf deutschen Straßen unterwegs. Als Wertanlage eignen sich die RX-7 (FC) allerdings bisher ebenso wenig wie Porsche 944, davon künden Gebrauchtwagennotierungen auf erstaunlich niedrigem Niveau.

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Quelle: n-tv.de

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