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Der CLA glänzt mit einer in sich geschlossenen Linie, die das Kompakt-Coupé extrem dynamisch macht.
Der CLA glänzt mit einer in sich geschlossenen Linie, die das Kompakt-Coupé extrem dynamisch macht.(Foto: Holger Preiss)

Mercedes macht den Dicken: Im CLA steckt potenter Baby-CLS

Von Holger Preiss

Jung, dynamisch, nonkonform! So sieht Mercedes den neuen CLA. Und tatsächlich ist das aus der A- und B-Klasse gespeiste Coupé so etwas wie ein Baby-CLS geworden. Sportlich vom Powerdome bis zum Unterflügel. Nur hinten mag keiner gerne sitzen.

Wer dynamische Heckansichten mag, wird das Hinterteil des CLA lieben.
Wer dynamische Heckansichten mag, wird das Hinterteil des CLA lieben.(Foto: Holger Preiss)

Die Verjüngung bei Mercedes geht weiter. Mit der A-Klasse brachte man den Stein ins Rollen und weil die so dufte unterwegs ist, dachten sich die Stuttgarter: Da ist noch mehr drin. Um dem Gedanken eine Form zu geben, wurde ein recht junges Team ins Leben gerufen, das basierend auf dem schicken Kompakten etwas ganz Frisches und Neues entwickeln sollte. Den Erfolg des CLS im Blick, dachten sich die "jungen Wilden", dass es fußend auf den Vorgaben des Vorstandes nicht das Schlechteste wäre, wenn man eine Art Baby-CLS auf die Räder stellen würde. Nun wäre es vermessen, würde den Stuttgartern unterstellt, dass das, was jetzt kurz vor dem Marktstart steht, nicht ein ausgewachsenes Auto wäre. Der CLA knüpft nahtlos an die Legende an, greift die neuen Tugenden der A-Klasse auf und präsentiert sich dabei ausgesprochen jugendlich.

Scharf Geschnittenes zum Kampfpreis

Als Coupé ist der CLA scharf geschnitten, die Dachlinie fällt extrem steil ab und mündet nahtlos in dem schönen Stummelheck mit integrierter Spoilerlippe, unter dessen Haube sich ein Kofferraum verbirgt, der ordentliche 470 Liter fasst. Das ist ausreichend, aber wie bei sportlichen Fahrzeugen dieser Couleur ist die Ladekanten relativ hoch und die Breite des Gepäckabteils für Zuladung bescheiden. Auch beim Zustieg in den Fond muss man sich genügsam zeigen. Selbst nicht sonderlich hochgewachsene Personen müssen sich beim Einstieg tief verneigen und stoßen, wenn sie den aufrechten Sitz proben, mit dem Kopf an den Himmel. Tut aber eigentlich alles nichts zur Sache, denn ein CLA ist ein Coupé, keine Familienkutsche, sondern ein Ausbund an "Nonkonformismus". So sieht Mercedes es jedenfalls. Unangepasst will man sein und tatsächlich ist der Baby-CLS anders als andere Autos aus Stuttgart, ja für den Moment sogar einzigartig in diesem Segment. Wenigstens solange bis die bayrische Konkurrenz mit dem 4er anrückt.

Der Einstieg in den Fond veranlasst die Passagiere, sich tief zu verneigen.
Der Einstieg in den Fond veranlasst die Passagiere, sich tief zu verneigen.(Foto: Holger Preiss)

Doch bis dahin gehen noch einige Monate ins Land und die Schwaben haben vorgebaut. Nicht nur, dass sie zum Start einige Sondereditionen auf den Markt werfen, die im Übrigen jetzt schon die erwarteten Vorbestellungen übertreffen, sie gehen auch mit einem echten Kampfpreis ins Rennen. Für exakt 28.976,50 Euro soll das Einstiegsmodell, der CLA 180 mit mechanischer 6-Gang-Schaltung und fröhlichen 122 PS zu haben sein. Auch das ein Aufruf an die betuchte Jugend, sich wieder Mercedes zuzuwenden.

Ein Blitz geht übers Blech

Um der Jugendlichkeit weiter zu entsprechen, hat man dem Blechkleid eine kraftvolle, extrem muskulöse Form gegeben. Verstärkt wird diese dynamische Optik durch das Lichtspiel, das die Sicken in ihren gegenläufigen Linien bieten. Fast blitzartig brechen sich Licht und Schatten in der Seitenansicht. In der Front prangt wie schon bei der A- und zum Teil der E-Klasse der "Diamantgrill", in dessen Mitte machtvoll der Stern ruht. Die eingebettete Motorhaube ist ein weiteres Indiz für den unbedingten Willen zur Sportlichkeit. Und wer es jetzt immer noch nicht glaubt, soll letztlich von den Powerdomes überzeugt werden.

Auch das Heck ist ein Traum für Freunde der gestrafften und kraftvollen Form. Unterstrichen wird der wuchtige Auftritt von zwei Endrohren, deren Optik durch trapezförmige und verchromte Blenden geschärft wird. In der Topvariante ziert sogar ein verchromter Unterflügel die Heckschürze. Wer scharfe Hinterteile mag, wird das des CLA lieben.

Die Powerdomes drohen Gewaltiges unter der Haube an.
Die Powerdomes drohen Gewaltiges unter der Haube an.

Das alles ergibt zudem ein konsequentes Zusammenspiel von Form und Funktionalität und birgt noch einen riesigen Vorteil in sich. Der Cw-Wert liegt bei sensationellen 0,22. Mercedes heftet sich an dieser Stelle stolz den Weltmeistertitel an die Brust. Und tatsächlich gibt es bei Fahrten im CLA kaum Windgeräusche. Aber neben diesem angenehmen Umstand kann noch eine interessante Rechnung aufgemacht werden: Sinkt der Cw-Wert um 0,04, so bedeutet das eine Spritersparnis von 0,4 Liter auf 100 Kilometer.

Die Kraft unterm Powerdome

Befeuert wird der CLA wie die A-Klasse in der Einstiegsvariante als 180 von einem Vierzylinder mit 1,6-Liter Hubraum, der wie schon erwähnt 122 PS leistet. Das Topaggregat arbeitet unter der Haube des 250. Mit einem 2-Liter Vierzylinder Turbo-Benziner, der satte 211 PS mobilisiert und dessen maximales Drehmoment bei wuchtigen 350 Newtonmetern liegt, ist er mit Abstand der spritzigste CLA. Verbandelt mit einem 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, kann der Pilot per Tastendruck zwischen dem Eco-Betrieb und Sportmodus wählen. Wobei der Letztere das Coupé locker in 6,7 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt. Der Top CLA hat zudem den Vorteil, dass hier die Kraftentfaltung in beiden Modi am leichtgängigsten erfolgt. Die Schaltpunkte sind so gewählt, dass bei ökologischer Fahrweise, knapp unter 2000/min der nächste Gang butterweich eingelegt wird, während beim sportlichen Druck auf das Gaspedal und entsprechender Vorwahl schon mal die 6000/min geknackt werden können, bevor der Gangwechsel erfolgt.

Auch der Sound des großen Triebwerkes ist am überzeugendsten. Kernig knurrend, aber nie murrend bewegt er den Jugend-Benz voran. Etwas anders treibt es der 200er. Hier arbeitet ein 1,6-Liter großer, ebenfalls aufgeladener Vierzylinder, der 156 PS hervorzaubert. Das ist immer noch ausreichend und sorgt ebenfalls für ein flottes Fortkommen. In 8,5 Sekunden überfliegt man die 100-km/h-Marke und kann bis auf 230 km/h beschleunigen. Das ist ebenfalls sportlich und gibt keinen Grund zur Klage. Lediglich die Schaltpunkte der Automatik sind so gewählt, dass nicht immer deutlich wird, welcher Algorithmus dem Rechenvorgang zugrunde liegt. In manchen Momenten scheint es, als würde die Elektronik überlegen, ob sie in den nächsthöheren Gang schalten möchte oder sich lieber abwärts bewegt, was dazu führt, dass die Drehzahlen auf einem Punkt verharren und der Motor etwas unmutig dreht.

Sportlich oder komfortabel? Die Frage gilt fürs Fahrwerk und für das Gestühl.
Sportlich oder komfortabel? Die Frage gilt fürs Fahrwerk und für das Gestühl.(Foto: Holger Preiss)

Wer sich also für den 200 entscheidet und mit einem Automatikgetriebe liebäugelt, sollte es nicht versäumen, den Schalter mit dieser Motorisierung zum Vergleich unter die Füße zu nehmen, denn die Handschaltung bietet im mittleren CLA das, was sich ein klassischer Sportfahrer wünscht: Er ist der Herr über die Drehzahlen und bestimmt, wann sich der nächste Gang über knackig kurze Wege einwählt. Die 156 PS werden weidlich ausgereizt und die Ansprache zwischen Motor und Getriebe bilden eine Einheit. In 8,6 Sekunden ist der Sprint auf Tempo 100 absolviert. Die Spitze liegt bei 230 km/h. Dem aufmerksamen Leser wird jetzt natürlich aufgefallen sein, dass die Automatikvariante 0,1 Sekunde schneller beschleunigt als der Schalter. Richtig! Aber seien Sie versichert, Sie werden es nicht merken.

Wer sportlich und dennoch sparsam unterwegs sein möchte, der sollte auch den 220 CDI unter die Lupe nehmen. Einen Tick schneller als der 200 rennt der Diesel in 8,3 Sekunden auf Tempo 100. Sein 2,1-Liter großer Vierzylinder wuchtet wie der 250 satte 350 Newtonmeter auf die Vorderachse, erbringt 170 PS und mit 230 km/h in der Spitze steht er den beiden Benzinern in nichts nach. Lediglich beim Verbrauch gibt sich der Selbstzünder deutlich genügsamer. Mercedes gibt den Verbrauch mit 4,2 Litern an. Der Wert stammt natürlich wie immer vom Rollenprüfstand. Im ersten Ausritt und knapp 100 gefahrenen Kilometern waren es etwas über 6 Liter Diesel, die verbrannt wurden. Allerdings soll nicht unerwähnt bleiben, dass bei vorsichtiger Fahrweise der Verbrauch deutlich reduziert werden kann. Die angegebenen 4 Liter sollte aber niemand ernsthaft erwarten. Zum einen nicht, weil die Stuttgarter das erwähnte sportlich orientierte Publikum im Blick haben. Zum andern, weil die oben erwähnten Fahrzeuge per se nicht zum Schleichen animieren. Nicht, dass man rasen möchte, aber egal, welche Motorisierung gewählt wurde: Keine verleitet zu müden Schleicharien auf der Straße.

Sportlich oder komfortabel?

Wer sich für eine CLA entscheidet, hat die Wahl zwischen zwei Fahrwerksabstimmungen: Komfort oder Sport. Über Komfort muss hier nicht groß referiert werden, der Name spricht für sich und lässt die Insassen des CLA sanft über die Piste gleiten. Interessanter ist die Sportvariante. Hier wurde die Karosserie vorn um 15 Millimeter abgesenkt, hinten um 10 Millimeter. Das war es aber auch schon, denn sonst nehmen drei Quer- und ein Längslenker pro Rad wie beim Komfortfahrwerk die Kräfte auf und so sind die spürbaren Unterschiede marginal. Um eine echte Divergenz zu spüren, muss man mit dem Sportfahrwerk schon sehr dynamisch in Schlaglöcher eintauchen oder über Querfugen rappeln. Die Frage, warum die Wahl zwischen Sport und Komfort nicht an einen Fahrmodischalter gekoppelt wurde und somit in jedem CLA zur Verfügung steht, bleibt allerdings unbeantwortet. Glaubt man aber den Zwischentönen der Stuttgarter, ist dies eine durchaus denkenswerte Option für die Zukunft.

Auch im Innenraum geht es je nach Wunsch sportlich oder komfortabel zu, wobei auch hier die Trennung lediglich in der Formung der Sitzpolster liegt. Die sind aber egal, welche Ausstattungsvariante gewählt wird, straff abgestimmt und mit angenehm hohen Seitenwangen ausgestattet. Die Luftdüsen gleichen in der Form einem Jettriebwerk und das Dashboard mit zweitubigem Kombiinstrument gleicht der eines Sportwagens. Je nach Wunsch überspannt Leder nicht nur das Gestühl, sondern auch die Armatur und Seitenverkleidungen. Allerdings gehört das zu den Sonderausstattungen und dürfte den erwähnten Einstiegspreis von  29.000 Euro deutlich in die Höhe treiben.

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Quelle: n-tv.de

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