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Ola Källenius ist seit dem 1. Januar 2015 Vorstandsmitglied der Daimler AG und in dieser Funktion verantwortlich für Mercedes-Benz Cars Vertrieb.
Ola Källenius ist seit dem 1. Januar 2015 Vorstandsmitglied der Daimler AG und in dieser Funktion verantwortlich für Mercedes-Benz Cars Vertrieb.(Foto: Dirk Weyhenmeyer)

Die neue E-Klasse ist ein Schritt: Mercedes' Zeitplan zum autonomen Fahren

Das autonome Fahren gehörte zu den wichtigsten automobilen Themen von Mercedes. Mit der neuen E-Klasse haben die Stuttgarter einen weiteren Schritt in diese Richtung gemacht. Bis es tatsächlich so weit ist, dauert es noch ein bisschen – aber wirklich nur ein bisschen. n-tv.de sprach mit Daimler-Vorstandsmitglied Ola Källenius über das Thema.

n-tv.de: Mit der neuen E-Klasse zeigen Sie ein Auto, das so vollgestopft ist mit neuer Technik, dass man meinen könnte, die Autos würden bereits morgen autonom fahren. Die Realität sieht anders aus. Rechtliche, technische und nicht zuletzt ethische Fragen behindern das Thema. Gibt es dennoch so etwas wie einen Fahrplan bei Mercedes?

Es gibt kaum etwas, was die neue E-Klasse nicht alleine kann.
Es gibt kaum etwas, was die neue E-Klasse nicht alleine kann.

Ola Källenius: Es gibt tatsächlich einen Fahrplan, wobei die neue E-Klasse ein erster Schritt ist. Wir bieten jetzt mehr Möglichkeiten, in denen der Wagen selbst reagieren und autonom fahren kann. Sei es auf der Landstraße oder auf der Autobahn. Dazu gehört auch, dass das Auto selbständig überholt oder sich an Verkehrszeichen orientiert. In den nächsten fünf bis sieben Jahren werden wir sukzessive weitere Situationen hinzufügen. Das Ganze ist natürlich ein Prozess, der nicht unabhängig vom Gesetzgeber verläuft. Insofern können wir den Zeitpunkt als technische Entwickler nicht selbst bestimmen, sondern nur Hand in Hand mit den Behörden.

Es wird für das autonome Fahren aber keine rein deutschen Lösungen geben, sondern nur eine europäische?

Wir machen die ersten Schritte im autonomen Fahren; insofern gibt es tatsächlich für den Moment eine deutsche Lösung und dann wird man selbstverständlich auch über eine europäische Lösung reden müssen. Erschwerend kommt aber hinzu, dass auch noch die USA separat sind, China separat ist und so alle nach ganz eigenen Lösungen verlangen. Letztlich ändern sich die grundlegenden Fragen aber nicht: Was kann das Auto? Wie weit gehen wir beim autonomen Fahren? Und wie viel Redundanz gibt es? Man arbeitet also global gesehen an den gleichen Fragestellungen.

Das Jahr 2030 wurde mit Blick auf autonom fahrende Autos als eine Art magische Grenze gesetzt. Sind da die technischen Voraussetzungen erfüllt oder ist dann die Gesetzeslage klar?

Noch verlangt das System, dass der Fahrer nach spätestens 30 Sekunden die Hände wieder ans Lenkrad nimmt.
Noch verlangt das System, dass der Fahrer nach spätestens 30 Sekunden die Hände wieder ans Lenkrad nimmt.

Es ist im Augenblick nicht sinnvoll, eine spezifische Jahreszahl zu nennen. Bedenkt man, dass wir 2013 die S-Klasse präsentiert haben, die von Mannheim nach Pforzheim autonom gefahren ist und schaut, wie rasant die Entwicklung seit dieser Zeit vorangeschritten ist, können Jahreszahlen hier nur hinderlich sein. Hinzu kommt, dass es kein digitales Thema ist. Man kann nicht sagen: Heute kann ich nicht autonom fahren und morgen kann ich es in jeder beliebigen Situation, in jeder Stadt der Welt. So wird es nicht sein. Man hat vielmehr einen Bereich, der sich um das Thema Autobahn und Landstraße kümmert und einen, der das viel komplexere Geschehen im Stadtverkehr analysiert. Irgendwann werden wir sicherlich aufwachen und beides wird zusammenspielen, aber bis dahin bleibt es ein gradueller Prozess.

Aber ist es nicht so, dass die Hersteller im Moment das Gefühl vermitteln, als sei der Schritt bis zum autonomen Fahren nur noch ein ganz kleiner?

Ich glaube, man muss hier Zeit noch einmal relativieren. Vor Kurzem gab es die Begrifflichkeit autonomes Fahren noch gar nicht. Heute erleben wir eine Situation, die einen ganzen Teil der Idee des autonomen Fahrens bereits abdeckt. Insofern mag es hochgestochen klingen, ist aber mit Blick auf das jetzige Können der Fahrzeuge tatsächlich ein riesiger Schritt. Aber noch einmal: Man darf nicht erwarten, dass wir in zwei Jahren vollautonom fahren. So wird es sicher nicht sein.

Wir reden die ganze Zeit von den Vorzügen des autonomen Fahrens. Gibt es eigentlich Untersuchungen, wer das selbstfahrende Auto wirklich will?

Wenn man sieht – und hier kann ich nur für Mercedes sprechen – wie hoch die Kaufrate von Sicherheitssystemen ist, dann entspricht das genau unseren Marktforschungen. Und genau dieses Sicherheitsverlangen der Kunden führt uns direkt zum autonomen Fahren, denn genau dadurch wird Autofahren sicherer. Natürlich will man nicht in jeder Lage autonom fahren. Wir wollen ja das Lenkrad nicht abschaffen. Aber es gibt Situationen, wo sie eben nicht selber fahren wollen. Zum Beispiel nach einem langen Arbeitstag. Wenn Sie dann das Lenkrad mal aus der Hand geben können, ist das eine feine Sache. Wenn sie hingegen am Wochenende sportlich unterwegs sein wollen, dann übernehmen Sie selber. Die Wahl muss in unseren Augen immer beim Fahrer liegen.

Sie sagten, dass Mercedes den Vorreiter beim autonomen Fahren macht. Das zeugt von großem Selbstbewusstsein. Sie sind also nicht mehr auf der Suche nach Partnern, sondern entwickeln die Systeme aus eigener Kraft?

Wir entwickeln es tatsächlich aus eigener Kraft, aber benötigen natürlich die entsprechenden Partner in der Zulieferindustrie. Hier ist das A und O, das wir mit sehr starken Partnern beim Thema Kamera und Sensorik zusammenarbeiten. Die Software und die Algorithmen schreiben wir weitgehend selber. Insofern gibt es selbstverständlich auch Kooperationen bis ins Silicon Valley, aber keine zum autonomen Fahren zum Beispiel mit Google oder Apple.

Sie haben vor Kurzem das Kartenmaterial von Nokia Here gekauft. Arbeitet davon schon etwas in der neuen E-Klasse?

Ja, das System wird bereits jetzt zu Teilen eingesetzt und ist perspektivisch für das autonome Fahren immens wichtig.

Mit Ola Källenius sprach Holger Preiss

Quelle: n-tv.de

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