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Die neue E-Klasse ist nach Ansicht der Verantwortlichen eines der intelligentesten Autos, das in Kürze auf den Straßen fahren wird.
Die neue E-Klasse ist nach Ansicht der Verantwortlichen eines der intelligentesten Autos, das in Kürze auf den Straßen fahren wird.(Foto: Holger Preiss)

Weltpremiere auf der NAIAS: Mercedes bringt intelligente E-Klasse

Von Holger Preiss, Detroit

Mit der neuen E-Klasse ist die Produktpalette der Stuttgarter jetzt so gut wie runderneuert. Aber gerade der Bestseller hat es in sich. Eine Armada von neuen Assistenzsystemen lässt den mit neuen Dieselaggregaten bestückten Business-Liner fast alleine fahren.

Die neue E-Klasse ist optisch eine Symbiose aus S- und C-Klasse.
Die neue E-Klasse ist optisch eine Symbiose aus S- und C-Klasse.(Foto: Holger Preiss)

Die North American International Auto Show (NAIAS) in Detroit eröffnet bereits zum 28. Mal das neue Autojahr. Und auch 2016 fährt die Branche in der Motor City, beflügelt durch ein erfolgreiches letztes Jahr, mit breiter Brust vor. Mercedes setzt mit der neuen E-Klasse am Lake St. Claire ein Zeichen und zeigt, wohin die Entwicklung gehen wird. Dabei geht es hier nicht um schnöde Größe, obgleich die Business-Limousine auf 4,92 Meter gewachsen ist. Wichtiger ist, dass sie sich dank neuer Optik nunmehr akkurat zwischen S-Klasse und C-Klasse verorten lässt.

Während sie von der großen Schwester die edlen Linien übernimmt, schenkt die C-Klasse ihr den nötigen Hauch an Dynamik: kurze Überhänge, kraftvoll geformte Radhäuser und eine lange Motorhaube, die sich je nach persönlichem Gusto mit klassisch aufragendem Stern oder mit Sportkühlergrill und wuchtigen Zentralstern in Form bringen lässt.

"Stardust Effekt" bei Heckleuchten

Wie Sternennebel sollen die Heckleuchten der neuen E-Klasse wirken.
Wie Sternennebel sollen die Heckleuchten der neuen E-Klasse wirken.(Foto: Holger Preiss)

Auch bei den Heckleuchten kann der Kunde der E-Klasse in Zukunft einen ganz eigenen Akzent setzen. Eine neue Reflektorentechnik schafft beim Blick auf die Rücklichter den Eindruck, als würde ein Jettriebwerk glimmen oder eine Miniaturkarte der Milchstraße vor einem schweben. Mercedes spricht hier von einem "Stardust Effekt". Das alles sind nette Äußerlichkeiten, die die E-Klassen im Vergleich zum Vorgänger edler und dennoch sportlicher erscheinen lassen. Aber die eigentlichen Kracher sind technischer Natur.

Über die Innovationen des Innenraums wurde auf dieser Seite schon ausführlich berichtet. Da gibt es neben neuen, sportlichen Sitzen mit Massagefunktion ein Lenkrad mit Touchpads zur Steuerung aller Systemkomponenten der Multimediaeinheit, die über zwei separate, jeweils 12,3 Zoll messende Flatscreens abzurufen sind. Zu den in Richtung Wellness zu verortenden Beigaben gehört das in 64 verschiedene Farben zu wechselnde Ambiente-Licht. All das ist bereits mehr, als der Luxusliner, die S-Klasse, bis dato zu bieten hat. Richtig ambitioniert zeigen sich die Stuttgarter aber bei den Assistenzsystemen. Den Weg hat Daimler-Chef Dieter Zetsche bereits vorgezeichnet: "Es geht mit Volldampf in Richtung autonomes Fahren".

Einen Schritt vor der autonomen Fahrt

Daimler-Chef Zetsche ist davon überzeugt, dass die Intelligenz der neuen E-Klasse nur ein erster Schritt sein kann.
Daimler-Chef Zetsche ist davon überzeugt, dass die Intelligenz der neuen E-Klasse nur ein erster Schritt sein kann.(Foto: Holger Preiss)

Aber die neue E-Klasse ist für Mercedes noch mehr: "Sie ist das intelligenteste Auto, was es derzeit gibt", so Zetsche. Da wäre zum Beispiel der Driver Pilot, der einiges mehr leistet als bisher an Bord befindliche Assistenten. Der Abstandsradar ist nunmehr nicht nur in der Lage, die korrekte Entfernung zu vorausfahrenden Fahrzeugen zu halten, sondern kann ihnen erstmals in einem Geschwindigkeitsbereich bis 210 km/h selbständig folgen. Die Betätigung von Gas und Bremse übernimmt die Elektronik und bis zu einer Geschwindigkeit von 130 km/h braucht es nicht mal mehr Straßenmarkierungen. Orientiert wird sich hier zum Beispiel in Baustellen am fließenden Verkehr.

Den Stau kann man mit der E-Klasse jetzt fast vergessen.
Den Stau kann man mit der E-Klasse jetzt fast vergessen.(Foto: Holger Preiss)

Im lästigen Stau eine ausgesprochen nützliche Funktion, die eine zusätzliche Aufwertung durch die erweiterte Wiederanfahrfunktion und den aktiven Spurwechsel-Assistent erfährt. Innerhalb von 30 Sekunden wird der Wagen - ohne das Zutun des Fahrers - wieder in den Verkehr gebracht und ist dabei sogar in der Lage, die Spur zu wechseln. Sobald der Fahrer den Blinker für mindestens zwei Sekunden setzt, übernimmt die Elektronik auf Wunsch auch den Wechsel auf die Nachbarspur. Vorausgesetzt, diese wurde zuvor als frei erkannt. Wer noch mehr Sicherheit und elektronische Unterstützung möchte, kann in der neuen E-Klasse den Ausweich-Lenk-Assistenten ordern. Muss der Fahrer ein spontanes Lenkmanöver einleiten, sorgen in Sekundenbruchteilen berechnete Lenkmomente für ein kontrolliertes Ausweichen und helfen anschließend, das Fahrzeug wieder gerade zu stellen.

Und noch eine Neuerung ist sehr hilfreich und verdient, es an dieser Stelle erwähnt zu werden: der Geschwindigkeitslimit-Pilot. Über die Verkehrszeichenerkennung sorgt er in vorgegebenen Bereichen dafür, dass der Fahrer vor unangenehmen Zieleinlauffotos durch Starenkästen verschont bleibt. Das Fahrzeug hält also, entsprechend der Vorgaben, den Wagen immer im vorgeschriebenen Tempobereich.

Neue Vierzylinder-Diesel-Motoren

Um überhaupt Tempo aufzunehmen, wird die E-Klasse zum Marktstart mit zwei Motoren angeboten: Zum einen steht der bekannte Vierzylinder mit Benzinmotor im E 220 zur Verfügung, zum anderen ein nagelneuer Vierzylinder Diesel im E 220 d. Beide sind an eine Neungang-Automatik gekoppelt, wobei der Selbstzünder seine 195 PS aus zwei Litern Hubraum schöpft und 400 Newtonmeter Drehmoment an die Hinterräder leitet. Die Beschleunigung aus dem Stand auf Landstraßentempo ist hier nach 7,3 Sekunden abgeschlossen.

Auf dem Rollenprüfstand ermittelten die Ingenieure einen Durchschnittsverbrauch von 3,9 Liter auf 100 Kilometer. Für Vielfahrer dürfte auch der später kommende 150 PS leistende Vierzylinder-Diesel interessant sein, dessen genaue technische Spezifikation noch nicht zu erfragen war. In jedem Fall sollen die Triebwerke bereits jetzt die zukünftigen Abgaswerte nach der RDE-Gesetzgebung (Real Driving Emissions) erfüllen. Stärkster Diesel in der E-Klasse wird ein Sechszylinder mit 258 PS und 620 Newtonmetern Drehmoment sein.

Nach dem Marktstart wird die Motorenpalette weiter aufgestockt. Das Leistungsband bei den Benzinern reicht dann von 183 bis 245 PS. Die Leistungsspitze abseits eines AMG bildet ein V6 mit 333 PS im E 400. Auch einen Plugin-Hybrid wird es geben. Im E 350 e stellen ein Vierzylinder Benzinmotor und ein Elektromotor eine Systemleistung von 279 PS zur Verfügung. Bei einem Drehmoment von 600 Newtonmetern spricht Mercedes hier von "den Fahrleistungen eines Sportwagens, der den Verbrauch eines Kleinwagens hat". Wie sich die Preise für die neue E-Klasse gestalten, bleibt abzuwarten. Aber mit allen Assistenzsystemen, der neuen Multimediaeinheit und vielleicht noch der bewährten Luftfederung dürfte der geneigte Käufer bereits mit der Einstiegsmotorisierung an der 85.000-Euro-Marke kratzen.

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Quelle: n-tv.de

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