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Sieht so die neue G-Klasse aus?
Sieht so die neue G-Klasse aus?

Weg von Flächen und Kanten: Mercedes G-Klasse wird G-Force

Von Holger Preiss

Eigentlich war es nur eine Skizze, die Mercedes für die Design Challenge der Los Angeles Auto Show geliefert hat. Doch die begeisterte so, dass die Schwaben erstmals nach 30 Jahren eine Ikone anpacken und ihr ein neues Antlitz geben.

Das ultimative "Highway Patrol Vehicle".
Das ultimative "Highway Patrol Vehicle".

30 Jahre hat die G-Klasse auf dem Buckel und im Laufe dieser Zeit hat sich ihr Äußeres kaum verändert. Kantig bis in die letzte Ecke rumpelt dieser Ur-Offroader seit Jahrzehnten durchs Gelände und über asphaltierte Straßen. Es ist schon skurril, dass ausgerechnet eine der abgefahrensten Wettbewerbe unter den Auto-Designern jetzt einen Ausblick auf eine mögliche neue Optik des Kraxel-Opas liefert.

Im Rahmen der Design Challenge, die nunmehr seit neun Jahren im Vorfeld der L.A.-Autoshow ausgelobt wird, haben sich die Mercedes Designer in den Vereinigten Staaten des Überlandbullen angenommen. Auf der Suche nach dem ultimativen "Highway Patrol Vehicle" hat man die gute alte G-Klasse zu einem futuristischen Polizeiwagen aufgemotzt. Wohlgemerkt in Form von bunten Skizzen. An denen wird aber eins deutlich: Diesen gezeichneten Polizei-Boliden kann nichts und niemand stoppen. Blaulicht, Ballonreifen und eine Höhe, für die man mutmaßlich eine Leiter zum Einstieg benötigt, machen ihn zu einer fahrenden Festung.

Aus den Scheinwerfern strahlt Vergangenheit und Zukunft.
Aus den Scheinwerfern strahlt Vergangenheit und Zukunft.

Zukunftsweisend ist auch der Antrieb. Das als Ener-G-Force bezeichnete SUV nimmt recyceltes Wasser in Tanks auf dem Dach auf und leitet es an den "Hydro-Tech Converter" weiter. Der wandelt es in Wasserstoff für den Betrieb in der Brennstoffzelle um. Die Speichereinheiten für die gewonnene Energie sollen sich in den Seitenschwellern befinden. Die Designer träumen von einer Reichweite von 800 Kilometern. Soweit der bunte Papiertiger.

Weg vom Retro-Design

Doch in Los Angeles wird noch etwas anderes zu sehen sein. Basierend auf der Idee der Designer haben die Schwaben ein komplettes Fahrzeug gebaut. Fast alles, was in den Ener-G-Force gezeichnet wurde, findet sich im 1:1-Modell wieder. Nein, der Antrieb mit recyceltem Wasser ist nicht dabei. Und noch ein Nein: Der Wagen ist nicht die Blaupause für eine in zwei Jahren zu erwartende G-Klasse. Aber dennoch ist die Sache mutig. Seit Jahren hat sich niemand an den Dinosaurier gewagt. Jetzt beweisen die Stuttgarter, dass es auch stilistisch eine Zukunft für die G-Klasse geben könnte. Die liegt abseits der kleinen, schlanken Stadt-SUV. Sie ist eher bei den ruppigen Geländegängern angesiedelt, die gar nicht robust und rustikal genug sein können.

Allerdings scheint sich Mercedes auch hier vom Retro-Design trennen zu wollen. Man will keinen Klassiker nachbauen, sondern einen Klassiker für die Zukunft schaffen, betont der Chef der Designabteilung, Gordon Wagener. Der Ener-G-Force verabschiedet sich somit von seinen planen Flächen und scharfen Kanten. Das Design wird jetzt von modellierten Flächen und starken Rundungen diktiert.

Die klare Formensprache der G-Klasse bleibt zwar, ist aber intensiver und spannungsvoller gestaltet. Wie die G-Klasse prägt auch den Ener-G-Force eine Front mit wuchtigem Kühlergrill und einbezogenen Scheinwerfern. Die vorderen Blinker sind wie Froschaugen auf die Kotflügel aufgesetzt. Doch wer dem Ener-G in die Augen schaut, der wird erkennen, wes Geistes Kind er ist: Die LEDs formen in den Scheinwerfern ein G. Den Buchstaben, mit dem vor 30 Jahren die Geschichte begann.

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Quelle: n-tv.de

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