Auto
Der SLC feiert in Detroit seine Weltpremiere und löst den SLK ab.
Der SLC feiert in Detroit seine Weltpremiere und löst den SLK ab.

Neue Sonnenanbeter in Detroit: Mercedes' offene Träume

Von Holger Preiss, Detroit

Bei minus 12 Grad Außentemperatur präsentiert Mercedes in Detroit auf der NAIAS seine neuen Sonnenanbeter. Darunter große und kleine Träume, wobei der eine jetzt SLC und nicht mehr SLK heißt.

Mit 630 PS und einem Drehmoment von 1000 Newtonmetern ist der Mercedes-AMG S65 bereits leistungsmäßig ein Traum.
Mit 630 PS und einem Drehmoment von 1000 Newtonmetern ist der Mercedes-AMG S65 bereits leistungsmäßig ein Traum.(Foto: Holger Preiss)

Während für Mercedes 2015 das Jahr der SUV war, ist es 2016 das der "Traumautos". Dazu zählen die Stuttgarter auch ihre Cabrios und drei davon haben sie zur NAIAS ins eisige Detroit mitgebracht: das S-Klasse Cabrio als AMG S63 "Edition 130" und als AMG S65, den neuen SLC - ehemals SLK - und das Smart Cabrio in Form des for two. Letztgenanntes ist auf dem US-Markt wohl eher die Spaßvariante für betuchte Frauen und Stadtindianer. Interessanter sollten hier, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, schon die AMG-Varianten des S-Klasse Cabrios sein. 

Freilich haben die Sonnenanbeter ihren Preis - sie sind ab 225.000 Euro zu erwerben. Letztlich dürfte das die Zielgruppe aber nicht schrecken, denn dafür bekommen sie eben einen Traumwagen. Und weil das so ist, hat man mit dem Mercedes-AMG S65 Cabrio gleich zu einem richtigen Schlag gegen die Konkurrenz ausgeholt. Der V12-Motor schöpft aus seinen sechs Litern Hubraum 630 PS und lässt ein maximales Drehmoment von 1000 Newtonmetern auf die Hinterachse krachen. Den Verbrauch geben die Stuttgarter im Drittelmix mit 12,0 Litern an. Aber wen, der ein solches Auto kauft, interessiert das? Noch dazu, wo die Spritpreise für den Augenblick im Keller sind.

Fliegender Start

Wer dieses Heck sieht, muss sich überlegen, ob er überholt.
Wer dieses Heck sieht, muss sich überlegen, ob er überholt.(Foto: Holger Preiss)

Da dürfen bei einem Beschleunigungswert von 4,1 Sekunden von 0 auf Tempo 100 und einer abgeregelten Spitze von 250 km/h gerne auch ein paar Tropfen mehr durch die Schläuche rauschen. Gegen einen Aufpreis für das AMG Driver's Package wird der Riegel weggeschoben und der offene Riese fliegt locker auf 300 km/h. Aber auch wer an dieser Stelle knausert, bekommt für den Rest des Geldes einiges geboten. Neben 20 Zoll großen Schmiederädern strahlen am Heck zwei verchromte Doppelendrohre und etliche AMG-Features tragen weiterhin zu einer sportlichen Note bei. 

Im Inneren setzt Mercedes seine Käufer auf Sportsitze mit Lederbezug und Rauten-Design. Das Stoffverdeck ist innen mit Microfaser ausgekleidet, Leder umfasst den Scheibenrahmen inklusive der A-Säulen, die Dachverkleidungsteile und die Sonnenblenden. Der Fahrer fühlt ebenfalls zartes Nappa unter seine Händen, wobei er per Fingerspiel die Schaltung über die Paddels bedienen kann. Natürlich sind auch das 31,2 Zentimeter große Farbdisplay und ein Head-Up-Display im Preis und im Fahrzeug enthalten. Bricht man das aber auf das insgesamt zu entrichtende Entgelt herunter, könnte selbst im Land der unbegrenzten Möglichkeiten der eine oder andere die weiße Fahne schwenken.

Offene Lust fürs kleinere Geld

Der SLC wirkt kraftvoller als sein Vorgänger.
Der SLC wirkt kraftvoller als sein Vorgänger.(Foto: Holger Preiss)

Für all diejenigen,  deren Konto also nicht bis zum Bersten gefüllt ist, gibt es eben den neuen SLC. Als SLK sollen besonders Frauen von ihm begeistert gewesen sein. Klein und wendig lag der gut in der Hand und daran dürfte sich auch im SLC nichts geändert haben. Geändert hat sich das Erscheinungsbild. Das Team um Chefdesigner Gorden Wagener hat nämlich dem SLC, der hauseigenen Formensprache folgend, einen Kühlergrill in Diamantoptik verpasst. Ergänzt wird das durch eine stark gepfeilte Motorhaube und die Frontschürze erhielt größere Lufteinlässe, die den SLC optisch muskulöser auf die Straße stellen. Ähnliches gilt für das Heck mit seinen in die Heckschürze eingelassenen Endrohren.

Gedeckelt wird der SLC wie sein Vorgänger von einem gangbaren Stahldach. Das hat den Vorteil, dass das Cabrio weiterhin winterfest ist, die zwei Reisenden aber mit einem extrem kleinen Kofferraum leben müssen. Öffnen lässt sich das sogenannte Variodach bis zu einer Geschwindigkeit von 40 km/h. Gestartet wird der Vorgang allerdings aus dem Stand. Freuen dürfen sich die Sonnenanbeter jetzt auch über einen neu gestalteten Innenraum.

Neuer Einstieg, neuer Innenraum

Auch der Innenraumdes Mercedes SLC hat im direkten Vergleich mit dem SLK deutlich zugelegt.
Auch der Innenraumdes Mercedes SLC hat im direkten Vergleich mit dem SLK deutlich zugelegt.(Foto: Holger Preiss)

Insgesamt wurde das Innenleben an den SL angepasst, was dazu führt, dass der Blick jetzt auf einen größeren Zentralmonitor fällt, die Neungangautomatik - wie bei Mercedes üblich - vom Lenkrad bedient wird und auch das Volant selbst passt jetzt in das Design, das die großen Brüder und Schwestern vorgeben. Von denen stammen jetzt auch technischen Feinheiten wie Einparkhilfe, Spurhalteassistent, Rückfahrkamera und aktives LED-Licht. Und natürlich hat der SLC jetzt auf Wunsch auch WLAN, um den mobilen Beifahrer auch auf langen Strecken im Netz zu halten.

Auch unter der Haube hat sich einiges getan. Das neue Einstiegsmodell SLC 180 begnügt sich mit einem 1,6-Liter-Turbobenziner, der 156 PS an die Hinterräder schickt und mit einer Spitze von über 225 km/h die sportlich ambitionierten SLC-Fahrer nicht enttäuschen sollte. Weiterhin im Programm bleiben die beiden Zweiliter-Benziner mit 184 PS beziehungsweise 245 PS und der Diesel mit 204 PS. Die bisherige AMG-Version mit ihrem 5,4-Liter-Achtyzlinder und 422 PS ist mit dem neuen SLC allerdings verabschiedet worden. Sie wird durch den Dreiliter-Sechszylinder mit Doppelturbo ersetzt  - der immer noch 367 PS leistet - und hört jetzt auf das Kürzel AMG SLC 43.

Der Verkaufsstart des wetterfesten Sonnenanbeters ist ebenfalls im April. Was das Einstiegsmodell kosten wird, verrät Mercedes zur Stunde noch nicht. Im Moment beginnen die Preise bei rund 40.000 Euro für den 184-PS-Benziner. Die neue Basisversion mit 156 PS sollte 2000 bis 3000 Euro darunter liegen. Hier lässt sich also der Traum vom offenen Fahren deutlich günstiger erfüllen als mit dem oben erwähnten AMG S65.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen