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Weltpremiere für den AMG GT: Mercedes schickt den Porsche-Killer

Von Holger Preiss

"Wer Performance verspricht, muss sich dem Wettbewerb stellen und als Racer gewinnen." Mit diesem Schlachtruf hat Tobias Moers den neuen Mercedes GT ins Rennen gegen Porsche und Co. geschickt. Und der AMG-Chef hat allen Grund, mit breiter Brust in den Ring zu steigen.

Er ist eines der bestgehüteten Geheimnisse, die Mercedes in letzter Zeit auf den Weg gebracht hat. Soll der AMG GT doch als Urenkel und erklärter Nachfolger des 300 SL antreten. Eben jener Daimler-Ikone, die von 1954 bis 1963 für Luxus und absolute Sportlichkeit stand. In dessen letztem Jahr tritt ein anderer Sportler auf den Plan: der Porsche 911. Der Zuffenhauser gilt vielen bis heute als das High End für Dynamik und teuren Schick.

Dem Primus am Heck

Der Grill des Mercedes AMG GT steht steil und selbstbewusst im Wind.
Der Grill des Mercedes AMG GT steht steil und selbstbewusst im Wind.

Mit dem AMG GT will Mercedes diese Ära nicht beenden, aber dem Primus soll etwas entgegengesetzt werden, das an alte Tugenden anknüpft. "Unsere Devise lautet", so AMG-Chef Tobias Moers, "wer Performance verspricht, muss beides tun: sich dem Wettbewerb stellen und als Racer gewinnen wollen." Und so überrascht es nicht, dass zur Weltpremiere in den heiligen AMG-Hallen in Affalterbach ein Sportler mit einem Mördersound auf die Bühne fährt. Mit einem gewollt "fiesen Blick", so Chefdesigner Gorden Wagener, schiebt sich eine schier endlos wirkende Motorhaube mit steil im Wind stehendem Kühlergrill ums Eck, bevor die flache Fahrgastzelle erscheint, in der zwei Insassen Platz finden und die an diesem Abend von Formel-1-Pilot Nico Rosberg besetzt ist.

Das schnörkellose Heck, das irgendwie ein wenig an den 928 aus Zuffenhausen erinnert, verzichtet auf Ecken und Kanten und vermittelt das Gefühl, dass der Wind nicht den Hauch einer Chance hat, den Mercedes AMG GT zu bremsen. Überhaupt, so Wagener, beweise das Design, dass auch die Reduktion an den Flächen luxuriös sein kann. "Kanten sind oft nur Verlegenheitslösungen, wenn den Designern die Ideen ausgehen." Und so flammen unter den schmal geschnittenen LED-Rückleuchten ohne Schnörkel zwei tief in den Stoßfänger eingelassene trapezförmige Auslässe für die im Achtzylinder entstehenden Abgase.

Willkommen im Club der 300

Formel-1-Pilot Nico Rosberg (2.v.l.) wünscht sich den GT als Dienstwagen.
Formel-1-Pilot Nico Rosberg (2.v.l.) wünscht sich den GT als Dienstwagen.(Foto: Holger Preiss)

Aus seinen vier Litern Hubraum schöpft der Nachfolger des SLS dank Doppelturbo in zwei Leistungsstufen entweder 462 PS oder als GT S 510 PS. Im letzten Fall drücken gigantische 650 Newtonmeter auf die Hinterachse, die über ein optimiertes 7-Gang-Sportgetriebe weitergereicht werden. Errechnet man die Literleistung des Triebwerks für den GT S, kommt man auf satte 128 PS. Nur zum Vergleich: Der Porsche 911 GT3 RS 4.0 bringt es lediglich auf 125 PS pro Liter Hubraum. Auch hier hat sich AMG Ziele gesetzt. Bei dem völlig neu entwickelten V8 sind die Zylinderbänke nicht wie beim AMG 5,5-Liter-V8 angeordnet, sondern im Zylinder-V. Experten sprechen hier vom "heißen Innen-V". Wird das Gaspedal des Stuttgarter Sportlers gekickt, dreht die Kurbelwelle des Kraftpakets bis zu 7200-mal pro Minute. So bewehrt, reiht sich der Mercedes-AMG GT locker in die Riege der potenten 300 km/h-Bolzer ein. Wer dem GT freien Lauf lässt, bringt es auf 304 km/h. Der GT S reißt die Tachonadel bis an die Marke von 310. Beim Verbrauch soll sich der GT hingegen sehr genügsam zeigen. Auf dem Rollenprüfstand wurden lediglich 9,3 Liter auf 100 Kilometer verbrannt.

In der Realität dürfte sich das etwas anders darstellen. Ist der neue Porsche-Jäger doch bei einer Gewichtsverteilung von 47:53 und der Doppelquerlenker-Achse ein echter Kurvenräuber. Der GT S bietet zudem eine elektronisch geregelte Dämpferverstellung. Um den Schwerpunkt noch einen Tick weiter gen Asphalt zu bewegen, kann in der Sport-Performance der Motor weitere 5,5 Zentimeter abgesenkt werden, was aus dem Affalterbacher Boliden dann endgültig einen waschechten Athleten machen dürfte. Schließlich sorgt diese Maßnahme dafür, dass es kaum noch Wankbewegung bei der Kurvenhatz gibt. Um das Geschoss wieder zum Stehen zu bringen, sind in den 19- oder 20-Zoll-Rädern Bremsscheiben mit einem Durchmesser von 360 bis 402 Millimetern verbaut. Wen es hier nicht juckt, den Pin mal so richtig ins Blech zu treiben, der sollte die Finger von diesem Auto lassen.

"Handcrafted by Racers"

Das Cockpit des GT ist ein Spiegelbild des AMG-Leitmotivs: "handcrafted by racers", so AMG-Chef Moers.
Das Cockpit des GT ist ein Spiegelbild des AMG-Leitmotivs: "handcrafted by racers", so AMG-Chef Moers.(Foto: Holger Preiss)

Dass der AMG GT keine Kopie des SL 300 ist, sondern ein ganz eigenständiges Auto, sollen nicht nur die Linien des Blechkleides beweisen, sondern auch das Interieur. Anders als bei den Serienmodellen der Stuttgarter richtet sich die Armatur steil auf und spreizt sich wie ein Flügel über die gesamte Breite des Fahrzeuges. Die Multimediaeinheit ist weit nach hinten gerückt und wird scheinbar von den vier darunterliegenden Jetdüsen aufgefangen. In Verbindung mit den konkav ausgeführten Türinnenverkleidungen, der dynamischen Mittelkonsole und der tiefen Sitzposition saugt der Wagen seinen Piloten förmlich ein. Ein echter Blickfang ist die AMG-Drive-Unit. Sie bildet einen Achtzylinder in V-Anordnung. "Das Cockpit", so Moers, "ist ein Spiegelbild unseres Leitmotivs 'handcrafted by racers'."

Für AMG ist der GT ein Meilenstein und soll die seit nunmehr 47 Jahren währende Erfolgsgeschichte weiter beflügeln. Allein im vergangenen Jahr verkauften sich weltweit 32.000 Mercedes mit den drei Buchstaben. Bis Mitte 2014 waren es bereits 23.000. Ziel für dieses Jahr ist es, die 40.000 zu knacken. Ab 2015 soll der GT, der mit 115.500 Euro einsteigt, einen entscheidenden Beitrag beim Absatz leisten. Aber nicht nur das. Der für den GT entwickelte V8 wird künftig auch in anderen Mercedes-Modellen Eingang finden. Und gemeinsam mit den Formel-1-Kollegen in Brixworth arbeiten die Affalterbacher bereits jetzt an der nächsten Generation von AMG-Vierzylinder-Motoren. In einem GT wird es die aber nicht geben.

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Quelle: n-tv.de

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