Renault frischt Laguna auf: Mit neuem Blick
Der Renault Laguna ist in der dritten Generation jetzt schon seit drei Jahren auf dem Markt. Zeit für Veränderung. Die spielt sich aber mehr im Verborgenen ab
Die Mittelklasse wird in Deutschland von heimischen Herstellerndominiert. Nicht weil die Qualität der Fahrzeuge unbedingt so viel besser ist, sondernweil das Prestige stimmt. Doch auch andere Autos dieser Liga brauchen sich nichtzu verstecken, auch nicht der Renault Laguna. Der erhält jetzt ein leichtes Facelift,um sich erfolgreich gegen die neu aufgelegten Wettbewerber VW Passat, Opel Insigniaund Ford Mondeo behaupten zu können. Die Preisliste der französischen Limousinestartet bei 22.650 Euro, der Grandtour genannte Kombi ist 1.000 Euro teurer.
Der erste Blick auf die Karosserie fällt eher nüchtern aus. Nur Kenner werden denUnterschied zum Vorgänger sehen: Lediglich das Frontdesign mit einem nun tief heruntergezogenen Kühlergrill, die Scheinwerferoptik und etwas Chromzierrat wurden leichtverändert und wirken nun etwas moderner. Am Heck sind jetzt lediglich die Rückleuchtenabgedunkelt. Vom Rest der Karosserie ließen die Designer dagegen die Finger, ebensovom Fahrwerk.
Grandtour für Baumarkt-Kunden
Die wichtigsten Änderungen finden sich unter dem Blech, vor allem unter der Motorhaube.Die sechs angebotenen Motorvarianten, davon zwei Benziner, erhalten nun alle dieEuro 5 Schadstoffeinstufung. Erfreulicherweise wurde dabei der Durst der Triebwerkegezügelt. Sparsamster Motor ist der 1,5-Liter-Diesel mit 81 kW/110 PS (ab 23.150Euro) und einem Durchschnittsverbrauch von 4,7 Litern (CO2-Ausstoß 120 g/km), derden Renault zwar nicht flott, aber für die meisten Gelegenheiten ausreichend antreibt.Der Sprint auf Tempo 100 ist in 11,9 Sekunden erledigt und die Höchstgeschwindigkeitliegt bei 192 km/h. Für Fahrer mit einer Baumarkt-Kundenkarte, die natürlich zumGrandtour greifen, ist dieser Motor allerdings weniger empfehlenswert. Vor allemdann nicht, wenn die 562 Kilogramm Zuladung ausgereizt werden.
Die deutlich bessere Wahl ist der hubraumstärkere 2,0-Liter-Diesel,den es mit 110 kW/150 PS (29.100 Euro), 127 kW/173 PS (nur mit Automatik, 32.900Euro) und 131 kW/178 PS (nur als GT, 31.900 Euro) gibt. Allerdings verbrennen dieTriebwerke mindestens ein halben Liter mehr auf 100 Kilometer und der schwächsteder drei Selbstzünder kostet fast 6.000 Euro mehr als der Einstiegsselbstzünder.Viel Geld, auch wenn es dafür die höherwertigere Ausstattungsvariante Dynamiquegibt. Das ist ein generelles Problem bei Renault: Nicht jeder Motor ist mit jedemAusstattungsniveau kombinierbar.
Nur zwei Benziner
Da in dieser Klasse die meisten Kunden einen verbrauchsärmeren Diesel wählen, fälltdas Angebot der Ottomotoren erwartungsgemäß klein aus: Als Benziner wird lediglichein träger und müder 2,0-Vierzylinder vom Partner Nissan offeriert, der 103 kW/140PS leistet; oder der etwas flottere Turbobenziner, der 125 kW/170 PS bereitstellt.Während der Basisbenziner ab 22.650 Euro zu haben ist, kostet der 170-PS-Benzinermindestens 29.900 Euro. Allerdings wird dieser dann mit einer langsam reagierendenSechsgang-Automatik kombiniert. Weiter verzichten müssen Renault-Fans auch auf Spritspar-Technikwie Start-Stopp-System oder zusätzlichen Elektroantrieb. Renault plant zwar zurzeiteine Elektrooffensive, aber nicht für die aktuelle Generation des Laguna.
Neu beim Laguna Initiale ist die Allradlenkung 4Control, dieals Option 1.300 Euro kostet. Hingegen gehört sie bei der sportlich abgestimmtenGT-Variante zur Serie. Wer besonderen Wert auf eine dynamische Fahrweise legt undden Laguna wie einen Kleinwagen flott durch die Kurven scheuchen will, ist mit diesemSystem gut bedient. Die mitlenkende Hinterachse erhöht die Lenkpräzision spürbar,und passt gut zum straff und sportlich abgestimmten Fahrwerk: Die Federung verträgtallerdings nach wie vor keine kurzen, heftigen Stöße und leitet sie deshalb direktan die Wirbelsäule weiter – eine wohltuende Massage fühlt sich anders an.
Gemacht für die lange Distanz
Vor langen Autobahnetappen brauchen sich Passagiere aber nichtzu fürchten, im Gegenteil: Jeder Kilometer kann durch den guten Abrollkomfort unddie niedrige Geräuschkulisse genossen werden. Die Stärken des Laguna liegen eindeutigin der Langstrecke: Wenn man sich einmal an die Abstimmung und das etwas gefühlloseLenkverhalten der überambitionierten Servolenkung gewöhnt hat, lässt es sich indem aufgeräumten Innenraum gut leben.
Zwar bleibt die Gestaltung zum Vorgänger nahezu identisch, damit aber auch das großeRaumgefühl, bequeme und straffe Sitze sowie die üppige Basisausstattung. Zu dergehören unter anderem sechs Airbags, Klimaanlage, 16-Zoll-Aluräder, CD-Radio mitMP3-Funktion und ein Lederlenkrad. Geblieben sind auch die weichen Sitze mit wenigSeitenhalt, das breite Armaturenbrett mit kleingliedriger Ziffernaufteilung undder Start-Stopp-Knopf. Auf der hinteren Reihe finden sogar noch Basketballspielerder NBA ausreichend Kopffreiheit und für den mittleren Einkauf beim Baumarkt lassensich selbst lange Güter problemlos über die weit öffnende Kofferraumklappe verstauen.Praktisch, dass die Fondsitze auch gleich einfach umgeklappt werden können. So entstehtein Ladevolumen von bis zu 1.377 Litern. Mehr Stauraum garantiert traditionell derKombi, der zwischen 508 und 1.593 Litern schluckt. Damit braucht sich der Lagunahinter den meisten Konkurrenten wahrlich nicht zu verstecken.
Quelle: n-tv.de


