Zukunft in den StädtenMobil ohne eigenes Auto
Die Autowelt steht vor grundlegenden Veränderungen: Vor allem die Mobilität in den Städten wandelt sich und E-Autos sollen bald das Bild bestimmen - doch welche Probleme sind noch zu lösen?
Unter den rund 42 Millionen Autos in Deutschland sind erst wenige tausend Elektrofahrzeuge. Dennoch elektrisiert die Antriebsalternative schon heute die ganze Branche. Schon in rund zehn Jahren soll den E-Autos der Durchbruch gelingen. Fragen und Antworten zum Thema aus Verbrauchersicht:
Was ist aktuell Stand der Dinge?
Wer heute ein Auto besitzt, muss es regelmäßig nutzen, damit sich wirtschaftlich betrachtet die Anschaffung und die laufenden Kosten auch rechnen. Denn auch wenn der Wagen steht - und das macht er die meiste Zeit - kostet er. Ist das Fahrzeug geleast oder finanziert, kommen mit übrigen Fixkosten wie Haftpflicht, Kasko und Steuern jeden Monat schnell ein paar hundert Euro zusammen. Ist das Auto schon ein paar Jahre älter, können unvorhergesehene Reparaturen durchaus einmal vierstellige Summen verschlingen.
Andererseits bietet das eigene Auto Unabhängigkeit, erlaubt Spontanität - und für nicht wenige ist es ein Statussymbol, das so wichtig ist wie die Wohnung oder Urlaubsreisen.
Kann das so weitergehen?
Zumindest in Ballungsgebieten droht der Verkehrskollaps schon heute. Staus im Berufsverkehr, Parkplatznot oder hohe Parkkosten, Straßenschäden und Abgasbelastung gehören zum täglichen Bild. Und Zukunftsforscher sagen vor allem in Asien sogenannte Mega-Citys voraus, in denen noch mehr Menschen auf engstem Raum leben und arbeiten. Diese Aussichten verlangen nach neuen Lösungen für die urbane Mobilität von morgen.
Was könnte sich künftig ändern?
Experten halten es für denkbar, dass stärker zwischen Mobilität auf kurzen, städtischen Strecken und dem Fortkommen über längere Wege zwischen den Ballungsräumen unterschieden wird. Eine Idee ist dabei das Car-Sharing mit E-Autos, also das gemeinschaftliche Nutzen von Fahrzeugen. Es könnte den öffentlichen Nahverkehr mit Bus und Bahn ergänzen. Erste Modellversuche zum Car-Sharing gibt es schon.
Für die langen, individuellen Strecken - etwa in den Urlaub, zu Bekannten in anderen Städten oder für berufliche Vielfahrer - würde das eigene Auto wohl noch länger bleiben. Nicht aber für tägliche Stadtstrecken.
Wie könnte das Car-Sharing der Zukunft aussehen?
Zunächst einmal müsste es ausreichende Fuhrparks in den Städten geben. Die Pendler würden sich bei Anbietern registrieren und könnten über internetfähige Handys stets erfragen, wo der nächste freie Wagen steht nahe der U-Bahn, dem Arbeitsplatz, der Einkaufsmeile oder wo auch immer man gerade unterwegs ist. Über das Handy könnte auch das Auf- und Abschließen, das Motorstarten und die Abrechnung laufen.
Mit dem vorher per Telefon eingegebenen Ziel ließe sich das Vorhandensein der Autos vorausberechnen. Taxizentralen machen das heute schon ähnlich. Die Vorteile für Nutzer: Sie zahlen nur für das, was sie wirklich fahren. Wer früher noch ein eigenes Auto für die Mobilität rund um die Stadt brauchte, könnte womöglich kräftig sparen - je nachdem, wie schnell sich Car-Sharing als Massenmarkt durchsetzt. Für die Autobauer könnte das freilich bedeuten, dass sie im Segment der E-Kompaktwagen plötzlich stärker Flottenanbietern gegenüberstehen und die Markenloyalität der Endkunden bröckelt. Dienstleistungen rund um die E-Auto-Mobilität etwa mit IT und Services würden an Bedeutung gewinnen - das Autobauen selber wäre womöglich nicht mehr so zentral.
Was wären die Probleme auf Anbieterseite?
E-Autos sind noch eine ganze Ecke teurer als Benziner oder Diesel. Ihre Batterien erlauben derzeit nur erheblich weniger Reichweite. Die Car-Sharing-Anbieter mit E-Autos müssten ein engmaschiges Ladenetz vorhalten. Da beim Strom der Zukunft immer stärker auf Wind und Sonne gesetzt werden soll - diese Energieformen aber stark schwankend sind - müsste das Stromnetz intelligent werden und mitdenken können, wie wartende E-Autos die Stromeinspeisung am besten aufnehmen. Auf der anderen Seite könnte das Stromtanken auch zu einer ganz neuen Art der Kundenwerbung führen - etwa kostenloses Aufladen vor Einkaufszentren.