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Die Moto Guzzi V7 III ist ein echter Einsteiger für Retro-Fans.
Die Moto Guzzi V7 III ist ein echter Einsteiger für Retro-Fans.
Donnerstag, 31. August 2017

Mit Ecken und Kanten: Moto Guzzi V7 III - Kult für Einsteiger

Retro ist gerade bei Motorrädern schwer angesagt. Deshalb hat Moto Guzzi der V7 III nichts von der Optik der V7 II oder V7 ausgetrieben. Dennoch wurde die Neuauflage des Dreiviertelliter-Klassikers tiefgreifend überarbeitet .

77 Zentimeter Sitzhöhe lassen auch kleine Biker auf der Moto Guzzi V7 III gut sitzen.
77 Zentimeter Sitzhöhe lassen auch kleine Biker auf der Moto Guzzi V7 III gut sitzen.

Die beste Nachricht gleich vorweg: Die Moto Guzzi V7 III ist eine V7 II ist eine V7 – und ist als solche auch auf den ersten Blick erkennbar! Die wunderbare Linienführung des massigen 21 Liter-Tanks und der nur minimal gestuften Zweipersonen-Sitzbank samt des dahinter montierten Chrom-Haltegriffs ist glücklicherweise nicht angetastet worden. Und natürlich ragen auch die beiden Zylinder links und rechts schräg unterm Tank hervor und recken ihre Köpfe keck in den kühlenden Fahrtwind. Des Fahrers Knie beeinträchtigt das übrigens nicht. Als ebenso vorteilhaft darf das Festhalten an den Dimensionen der schmalen Spiechenräder empfunden werden: vorne 18 Zoll, hinten 17. Auch die Linienführung der zweiflutigen und verchromten Auspuffanlage bleibt erhalten Die Kotflügel sind weiterhin aus Stahl und sorgfältig lackiert.

Aber wo sind denn nun die erwähnten tiefgreifenden Änderungen an der 9750 Euro teuren Italienerin? Zum Glück sind sie weitgehend unsichtbar, nämlich im Inneren des luft-/ölgekühlten Zweizylinder V-Motors. So wurde für das Modelljahr 2017 das Aluminium-Kurbelgehäuse mit neuer Ölwanne verstärkt und die Massenträgheit des Kurbeltriebs reduziert. Lohn der Neukonstruktion ist eine gesteigerte Drehfreudigkeit. Eine optimierte Motorschmierung führt zu geringeren Temperaturen im Motor-Inneren und zu einer konstanteren Leistungsabgabe. Zudem wurde ein neues Entlüftungssystem für das Kurbelgehäuse entwickelt und die Ölpumpe geringer dimensioniert.

Eigenarten mit denen es zu leben gilt

Wie bei Moto Guzzi üblich, ragen die zwei Zylinder schräg unterm Tank hervor.
Wie bei Moto Guzzi üblich, ragen die zwei Zylinder schräg unterm Tank hervor.

Diese und viele andere Maßnahmen führen bei gleichen Maßen für Bohrung und Hub trotz der Euro 4-bedingten Emissionsminderungen zu einer moderaten Leistungssteigerung auf nunmehr 52 PS bei 6200 Touren und auch zu einem geringfügig höheren Drehmoment. Mit den neuen, größeren Zylinderköpfen wirkt die V7 III dann auch ein wenig kräftiger. Ebenfalls optisch nicht erkennbare Veränderungen weist die Moto Guzzi im Getriebe auf; sowohl der erste als auch der sechste Gang wurden zugunsten verbesserter Fahrbarkeit kürzer übersetzt. Neu ist zudem das von Continental bezogene ABS-Steuergerät, doch auch diese Aktualisierung bleibt dem Auge verborgen.

Aufsteigen und heimkommen ist eins für Fahrer mit langjähriger Guzzi-Erfahrung, wobei das Aufsteigen dank der lediglich 77 Zentimeter hohen Sitzbank sehr leicht ist. Zwei klar ablesbare Rundinstrumente für Geschwindigkeit und Drehzahl mit schwarzen Zifferblättern sind eine Botschaft aus der analogen Zeit. Zusätzlich enthält der Tacho ein kleines LC-Display, in dem unter anderem der eingelegte Gang angezeigt wird. Der fein skalierte Drehzahlmesser warnt optisch vor Drehzahlen jenseits der 6500.

21 Liter Benzin fasst der Tank der Moto Guzzi V7 III. Das sollte für 300 Kilometer reichen.
21 Liter Benzin fasst der Tank der Moto Guzzi V7 III. Das sollte für 300 Kilometer reichen.

Und das ist gut so, denn ein Hochdrehzahl-Triebwerk ist der nach wie vor mit einer untenliegenden Nockenwelle arbeitende, 744 Kubikzentimeter große V2, trotz der vielen Änderungen nicht geworden. Wie bei den Vorgängermodellen, kippt das Motorrad beim Gasgeben im Stehen leicht nach links. Sanft rückt die Kupplung ein, sie bedarf nur geringer Bedienkräfte. Auch die Schaltung funktioniert zufriedenstellend; die Gänge rasten sauber ein, viel Nachdruck ist nicht nötig. Altgediente Guzzisti erstaunt nicht wirklich, dass die Leerlaufsuche im Stand nicht immer Erfolg hat, und dass der Motorlauf nicht über den gesamten Drehzahlbereich gleich vibrationsarm ist. Das gehört halt zur Marke und ist eine Eigenart, mit der es bei der Italienerin zu leben gilt.

300 Kilometer mit 21 Litern

Geblieben ist der V7 III ihr agiles Fahrverhalten, auch wenn sie ein wenig Speck angesetzt hat und das Leergewicht nun mit 213 Kilogramm angegeben wird. Ein nennenswerter Unterschied gegenüber der etwa acht Kilogramm leichteren Vorgänger-Generation wird beim Fahren nicht spürbar: Die V7 III lenkt durch geringfügigen Druck aufs Lenkerende willig ein, hält in Schräglage stabil ihren Kurs und zeigt sich generell gewillt, die Kommandos des Fahrers spontan umzusetzen.

Klassich bleibt auch das Cockpit der Moto Guzzi V7 III mit analogen Rundinstrumenten.
Klassich bleibt auch das Cockpit der Moto Guzzi V7 III mit analogen Rundinstrumenten.

Dass extrem narbiger, buckeliger Asphalt bei schneller Fahrt ihre Federelemente an die Grenzen bringt, ist der V7 nach zu sehen; ihre Domäne ist nicht der Kampf um Bestzeiten, sondern die Überwindung von Zeit und Raum im Genuss-Modus – was noch lange nicht heißt, diese Guzzi könne nicht flott. Sie kann sehr wohl, aber besser fühlt sich das auf gepflegtem Geläuf an.

Wieviel Benzin die jüngste V7-Generation konsumiert, konnten bei der ersten Ausfahrt nicht ermittelt werden; als Homologationswert gibt Moto Guzzi erstaunlich hohe sechs Liter pro 100 Kilometer an. Der Inhalt des großen 21-Liter-Tank sollte auch bei diesem Wert für  gut 300 Kilometer reichen.

Sondermodell für Liebhaber

Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass die gefahrene Special nur eine von vier V7 III-Varianten ist. Basismodell ist die fast total eingeschwärzte und in Details ein wenig gestrippte Stone, am anderen Ende gibt es neben der feinen Racer mit rotem Rahmen und Chromtank auch noch ein Sondermodell namens Anniversario. Heuer ist es nämlich 50 Jahre her, dass Guzzi erstmals eine V7 auf den Markt gebracht hat. 1000 nummerierte Bikes wird es davon geben. Mit Chromtank, Ledersitzbank, verchromtem Rücklicht, polierten Aluminiumfelgen sowie manch anderem hübschen Detail.

Nein, perfekt ist sie nach wie vor nicht, die neue Moto Guzzi V7 III. Wäre sie das, würde sie die Vorstellungen von dieser einmaligen Motorradmarke demolieren. Ecken, Kanten und auch die eine oder andere Unvollkommenheit sind seit jeher Teil jeder Moto Guzzi. Ganz sicher aber ist die V7 III die beste V7, die es jemals zu kaufen gab. Mehr braucht es auch nicht zum Glücklich werden.

Quelle: n-tv.de

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