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Wer Cabrio fährt, fährt offen. Im Mini kann man die Zeit jetzt über eine App messen.
Wer Cabrio fährt, fährt offen. Im Mini kann man die Zeit jetzt über eine App messen.(Foto: Holger Preiss)

Knuffiger Sonnenanbeter: Mini Cabrio öffnet sich zum dritten Mal

Von Holger Preiss

Das Mini Cabrio geht in die dritte Generation. Neben leichten Retuschen am Design wurde vor allem für noch mehr Fahrspaß gesorgt. Den kann im Zweifelsfall auch nur der eigene Ellbogen stoppen.

Für den Blick nach hinten liegt das Faltdach etwas hoch.
Für den Blick nach hinten liegt das Faltdach etwas hoch.(Foto: Holger Preiss)

Mini hat das Portfolio seiner Fahrzeuge eingedampft. Wirklich schlimm ist das nicht, denn dafür konzentrieren sich die Briten mit bayrischen Genen voll auf das, was ihnen geblieben ist und das kann sich nach wie vor sehen und vor allem öffnen lassen. Denn unter den Neubelegungen ist auch das Mini Cabriolet. Der offene Kultflitzer hatte unter der Ägide von BMW seinen ersten Auftritt auf dem Genfer Autosalon im Jahr 2004. Allein von der ersten Generation verkauften sich weltweit 164.000 Fahrzeuge. Fünf Jahre später, sozusagen zum 50. Jahrestag der Marke Mini, lüpfte sein Nachfolger die Kappe für alle Sonnenanbeter. Neben der Spaßgranate, dem Mini John Cooper Works Cabrio, gab es jetzt erstmals auch dieselgetriebene offene Fahrfreuden.

Alles wird größer und reicht doch nicht

An all dem soll sich auch bei der nächsten Generation nichts ändern, ganz im Gegenteil: Man sattelt hier sogar noch drauf und versucht, alles größer, besser und schöner zu machen. Größer hat Mini das ganze Auto gemacht. Allerdings achteten Designer und Ingenieure tunlichst darauf, dass die Grundidee, die dem britischen Kleinstwagen so viele Fans in den Innenraum getrieben hat, nicht verloren geht. Das Mini Cabrio ist nämlich gewachsen. Im Vergleich mit dem Vorgänger legte es um fast 10 Zentimeter in der Länge zu und misst jetzt 3,87 Meter. In der Breite wurden 4,4 Zentimeter draufgelegt, so dass jetzt 1,72 Meter gemessen werden. Lediglich beim Höhenwachstum beschränkte man sich auf einen Millimeter und bleibt so der knuffigen Gesamterscheinung eines echten Mini treu.

Wer größere Taschen verstauen muss, der kann die Verdeckablage hochklappen.
Wer größere Taschen verstauen muss, der kann die Verdeckablage hochklappen.(Foto: Holger Preiss)

Das wiederum führt dazu, dass die zweite Reihe jetzt 3,6 Zentimeter mehr Kniefreiheit bietet. Das reicht aber auch nicht, um den zwei Passagieren im Fond ein Gefühl von Reisekomfort zu bieten. Wer sich auf die Rückbank zwängen muss, ist nach wie vor gekniffen. Dafür sind die vier Einzelsitze so ausgeformt, dass es auch bei Kurvenfahrten kein Verrutschen gibt. Aber wie gesagt, die möchte man lieber auf den vorderen Plätzen erleben als auf der Strafbank.

Treu ist sich Mini auch bei den Fahreigenschaften geblieben. Wichtig war, dass das berühmte Go-Kart-Feeling nicht verwässert wird. Und das ist ausgezeichnet gelungen. Dank eines verlängerten Radstandes und den daraus entstehenden kurzen Überhängen, einer verbreiterten Spur an Vorder- und Hinterachse sowie einer extra auf das Cabrio abgestimmten Radaufhängung, Federung und Dämpfung sowie einer verbesserten Verwindungssteifigkeit steht dem rasanten Kurvenlauf nichts mehr im Weg. Zudem werden holperige Straßen feiner als bei den Vorfahre ausgefedert.

18 Sekunden für den Sonnenblick

In nur 18 Sekunden öffnet und schließt das Dach des Mini Cabrio - und das bei bis zu 30 km/h.
In nur 18 Sekunden öffnet und schließt das Dach des Mini Cabrio - und das bei bis zu 30 km/h.(Foto: Holger Preiss)

Aber was ist das Wichtigste bei einem Cabrio? Richtig - das Dach. Beim Mini Cabrio ist und bleibt es ein Softtop, das jetzt für Fans auch mit Union-Jack-Bemalung angeboten wird. Für schnelle Wechsel wurde die Mechanik verfeinert, die das Dach nunmehr in 18 Sekunden und bei einer Geschwindigkeit von bis zu 30 km/h öffnen und schließen kann. Wem trotz der sehr steil stehenden Frontscheibe der Wind zu arg um die Ohren weht oder wer einfach die Frisur nicht verpfuschen will, der kann das Dach wie ein Schiebedach lediglich 40 Zentimeter zurückfahren. Das funktioniert selbstredend bei jeder Geschwindigkeit.

Bei aller Freude am offenen Fahren gilt es, einen Nachteil zu erwähnen. Hat sich das Dach am Heck zusammengefaltet, ist die Sicht nach hinten arg eingeschränkt, wobei kleinere Fahrzeuge sogar ganz im Schatten des Verdecks verschwinden können. Hier muss also öfter ein Blick in die Seitenspiegel riskiert werden. Wer das Dach dann aber doch mal wegen der Witterung schließen muss, wird die ausgezeichnete Geräuschdämmung schätzen lernen. Und hochaufgeschossene Menschen werden über den Umstand erfreut sein, dass, auch wenn der Deckel zu ist, der Kopf nicht am Stoff schaben muss.

Ist die Mütze aufgezogen, bietet der Kofferraum 215 Liter Volumen, wobei sich die nunmehr freigegebene Dachablage mit zwei Handgriffen lösen lässt, so dass auch etwas sperrigere Gegenstände leichter versenkt werden können. Wenn das Dach offen ist, stehen immerhin noch 160 Liter zur Verfügung. Aber was soll’s  -Lademeister waren Cabrios noch nie und ein Mini Cabrio schon gar nicht. Dafür kann der Sonnenanbeter jetzt seine Zeiten, die er ohne Verdeck unterwegs ist, von einer App messen lassen und seinen Freunden zum Beispiel über Facebook kundtun.

Sechs Motoren und eine Empfehlung

Das Lenkrad liegt gut in der Hand, über Fahrspaß muss nicht diskutiert werden, nur der Ellbogen stört.
Das Lenkrad liegt gut in der Hand, über Fahrspaß muss nicht diskutiert werden, nur der Ellbogen stört.(Foto: Holger Preiss)

Apropos fahren: Für das Mini Cabrio stehen insgesamt sechs Motorisierungen zur Wahl. Richtig interessant dürften die Dreizylindertriebwerke sein. Da wären zwei Benziner mit 102 PS und 136 PS sowie ein Diesel, der 116 PS leistet. Mit 180 und 270 Newtonmetern laufen mit den zwei kleinen Triebwerken keine Leistungsmeister auf, aber dafür sparsame Spaßalternativen. Für den Benziner gibt das Datenblatt 5,2 Liter auf 100 Kilometer an, für den Diesel 4,0 Liter. Der Dreiender mit 136 PS hat sich bereits in anderen BMW-Modellen bewährt und gezeigt, dass er seine Fuhre durchaus kraftvoll voranschieben kann. Auch der 170 PS starke Vierzylinder-Diesel ist ein alter Bekannter.

Den größten Fahrspaß abseits eines John Cooper Works mit 231 PS bietet natürlich der Cooper S mit 192 PS. Bei 280 Newtonmetern zieht er sauber nach vorn, klettert mühelos auch steile Berge hoch und beschleunigt in 7,2 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Wer mag, kann die Charakteristik der Gaskennlinie, Federung und den Lenkwinkel mit dem Fahrmodischalter Richtung Sport straffen lassen, um noch einen Tick mehr Gokart-Feeling zu bekommen. Fahrspaß ist hier also in jedem Fall garantiert.

Die Tücke mit den geraden Gängen

Alle Modelle werden mit einer Sechsganghandschaltung oder optional mit Sechsgangautomatik angeboten. Wobei der Automat an dieser Stelle präferiert werden soll. Das hat einen sehr einfachen Grund, der nicht etwa in mechanischen Fehlern zu suchen ist. Ganz im Gegenteil. Da das Getriebe und die Abstimmung von BMW kommt, gleiten die Gänge kurz und knackig durch die Gassen. Das Problem ist, dass die Seitenwange des Sportsitzes beim zweiten, vierten und sechsten Gang im Weg ist. Immer wenn die Gänge nach hinten gezogen werden, stößt der Ellenbogen an. Bei der Gelegenheit fällt auch auf, dass es insgesamt in der Mittelkonsole recht eng zugeht. Die mechanische Handbremse liegt so dicht am Controller, dass man schon mit einer gewissen Fingerfertigkeit arbeiten muss, um alle Optionen problemlos aufrufen zu können.

Keine Probleme hingegen gibt es mit Neuerungen wie der Rückfahrkamera, Parkassistenten oder dem Head-Up-Display. Ein nettes Feature ist der Umstand, dass die Klimaanlage sich allen Gegebenheiten des offenen Fahrens anpasst. Sowohl bei Nutzung der Schiebedachfunktion oder dem Fahren mit geöffnetem Verdeck werden die Einflüsse des Fahrtwindes bei der Regulierung von Menge, Verteilung und Temperatur des Luftstroms berücksichtigt. Der britische Fahrspaß hat aber bei allen Feinheiten auch seinen Preis. Mini hat die Preise für sein neues Cabrio noch nicht final bekannt gegeben, aber unter 21.900 Euro dürfte hier nichts zu machen sein.

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Quelle: n-tv.de

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