Auto
680 PS Systemleistung sorgen für den Dampf, der auf der Rennstrecke Spaß macht.
680 PS Systemleistung sorgen für den Dampf, der auf der Rennstrecke Spaß macht.(Foto: Porsche)
Donnerstag, 27. Juli 2017

Porsche setzt neongrünes Signal: Panamera bekommt Spitzen-Verstromung

Von Axel F. Busse

Porsche ergänzt sein Hochleistungsprädikat "Turbo S": Der Schriftzug "e-hybrid" ziert ab sofort die Flanken der schnellsten Panamera-Limousine. Elektrotechnik macht das Spitzenmodell bissiger, sparsamer - und teurer.

Bisher war die Porsche-Welt übersichtlich, doch man wird sich an eine geänderte Modellhierarchie gewöhnen müssen. Für mindestens 185.736 Euro wird aus dem "Turbo S" der Panamera-Baureihe ein Teilzeit-Stromer. Das 382-Volt-Elektropaket ist etwas für Zeitgenossen, die es ganz besonders eilig haben: 3,4 Sekunden vergehen beim Standardsprint von Null auf Hundert und 310 km/h lautet die Endgeschwindigkeit. Für Baureihenleiter Dr. Gernot Döllner ist der Wagen der "Start in eine neue Strategie" bei Porsche.

Auf Wunsch abgasfrei: Porsche gibt die elektrische Reichweite mit maximal 50 Kilometern an.
Auf Wunsch abgasfrei: Porsche gibt die elektrische Reichweite mit maximal 50 Kilometern an.(Foto: Porsche)

Der Aufwand für 0,2 Sekunden Spurtgewinn gegenüber dem bisherigen Panamera Turbo S ist immens. Der V8-Biturbo-Motor, mit 550 PS nicht gerade schmalbrüstig, wird durch eine 100 kW starke Permanentsynchron-Elektromaschine gedopt, woraus eine Systemleistung von 680 PS erwächst. Die überbordende Leistung ist die eine Seite der Medaille, das immense Gewicht die andere. Rund 300 Kilogramm zusätzliche Masse machen Lithium-Ionen-Batterie, Nebenaggregate und Steuergeräte aus, wovon der Akku allein rund 130 Kilogramm wiegt. Für das komplette Fahrzeug zeigt die Waage mehr als 2,3 Tonnen an.

Die Batterieeinheit besteht aus acht Modulen zu je 13 Zellen. Der gemeinsame Schub aus beiden Motoren summiert sich auf 850 Newtonmeter, was nicht nur in Bereiche großer Dieselmotoren vorstößt, sondern obendrein im gesamten Drehzahlbereich zwischen 1400 und 5500 Umdrehungen zur Verfügung steht. Die Elektroenergie holt sich der Plug-In-Panamera normalerweise an der Steckdose, doch auch der Messwert für den selbst erzeugten Strom ist beeindruckend. Bis zu 400 Newtonmeter Drehmoment kann das System im Schiebebetrieb für die Rekuperation, das heißt, für die Wiederaufladung der Batterie, nutzen.

Rassiger "Sport" bleibt wählbar

Hybrid-spezifische Anzeigen im 12,3-Zoll-Display des Teilzeit-Stromers.
Hybrid-spezifische Anzeigen im 12,3-Zoll-Display des Teilzeit-Stromers.(Foto: Porsche)

Per Wahlschalter am Lenkrad bestimmt der Fahrer, wie die mitgeführte Kapazität von 14 kWh eingesetzt wird. Im reinen E-Modus gleitet der Viertürer unter mäßigen Abrollgeräuschen bis maximal 140 km/h dahin, die Ladung kann aber auch "eingefroren" werden, so dass allein der Verbrenner für den Vortrieb sorgt und die Elektro-Reichweite für einen späteren Zweitpunkt geschont wird. Den aktuell möglichen Radius emissionsfreier Fahrt zeigt der Navigations-Monitor durch eine gelbe Linie auf der Landkarte an, der Verbrauch wird mit 16,2 kWh/100 km angegeben. Dass Porsche bei allem grünen Anstrich nicht vergisst, eine Sportwagenmarke zu sein, zeigen die Fahrmodi "Sport" und "Sport Plus" am gleichen Wahlschalter.

Der Panamera Turbo S E-Hybrid ist als Startaufstellung für einen großflächigen Umbau des Modellangebots zu sehen. Auch den neuen Kombi Sport Turismo gibt es bereits als E-Hybrid, und wenn in Kürze ein neuer Cayenne präsentiert wird, sollte es niemanden überraschen, wenn auch dort die Turbo-S-Version mit Elektro-Schub vorfährt. Der nächste Macan, so war jüngst zu lesen, soll gar als reines Elektrofahrzeug auf den Markt kommen. Viele Baustellen also, weshalb Porsche-Chef Oliver Blume erwartet, "die Übergangsphase wird eine echte Herausforderung". Lediglich die Baureihen 911 und Boxter/Cayman dürften von der Verstromung verschont bleiben, denn kleine, gewichtsoptimierte Karosserien vertragen sich nicht gut mit großen Batterien.

Leichtfüßig ums Eck

Neongrüne Bremssättel machen den Turbo S E-Hybrid unverwechselbar.
Neongrüne Bremssättel machen den Turbo S E-Hybrid unverwechselbar.(Foto: Porsche)

Auch wenn zu erwarten ist, dass eine stattliche Zahl der ausgelieferten Kundenfahrzeuge mit Preisen jenseits der 200.000-Euro-Marke berechnet wird, bringt der Panamera Turbo S E-Hybrid einiges an Ausstattungen mit, die für andere Modelle kostenpflichtig sind. Er rollt auf 21 Zoll großen Alu-Rädern, verfügt über Luftfederung und ein adaptives Fahrwerk. Die enorme Längsdynamik wird von Zehnkolben-Festsattelbremsen im Zaum gehalten, die auf 420 Millimeter große Scheiben aus Keramik-Verbundmaterial beißen. LED-Hauptscheinwerfer sind ebenfalls serienmäßig an Bord, drinnen freuen sich die Insassen über Komfortsitze, Verkleidungen aus Nussbau-Wurzelholz und ein Bose-Soundsystem mit 710 Watt Musikleistung.

Das Überraschendste am Panamera Turbo S E-Hybrid ist aber weder die anspruchsvolle Antriebstechnik, noch die gehobene Ausstattung. Bei Testrunden auf abgesperrtem Rundkurs kann einem der Verdacht kommen, die Limousine habe die Hälfte ihres erheblichen Gewichts in der Boxengasse stehen lassen. Energisch stürmt der Bolide von einer Kehre zur nächsten, leichtfüßig werden winzigste Lenkbefehle umgesetzt, wobei Einflüsse des auf der Vorderachse liegenden Antriebsmoments unterschwellig bleiben. Heftige Richtungs- und Lastwechsel quittiert der Vollblut-Sportler mit stoischer Ruhe, zu keiner Zeit kommen Bedenken auf, im nächsten Moment könnte die Physik Oberhand über die freigesetzte kinetische Energie bekommen. Gleichermaßen bissig und balanciert zieht der Turbo-Stromer seine Bahnen, wobei das serienmäßige Torque-Vectoring-System für die präzise Einhaltung der Ideallinie sorgt.

Das neue Spitzenmodell will nicht nur als Sprint-Riese gelten, sondern auch als Öko-Sportler. Rechnerisch sind 50 Kilometer emissionsfreie Reichweite drin, was laut Göllner je nach Praxisbedingungen und Fahrweise realen 30 bis 40 Kilometern entspreche. Nach EU-Norm kommt so ein durchschnittlicher Kraftstoffverbrauch von 2,9 Litern/100 km heraus. Doch nicht alle Zeugen der Testfahrten am Vancouver Island Motorsport Circuit scheinen Porsche die neue neongrüne Welle abzunehmen. Mit Protestschildern bewehrt, säumte eine kleine Schar von Umwelt-Aktivisten die Zufahrtsstraße.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen