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Noch vor der Markteinführung des Peugeot 208 in Deutschland liegen den Franzosen über 3000 Bestellungen vor.
Noch vor der Markteinführung des Peugeot 208 in Deutschland liegen den Franzosen über 3000 Bestellungen vor.

Kleiner Löwe soll Bestseller werden: Geschrumpfter 208 mit Lispel-Navi

von Holger Preiss

Peugeot steht unter Druck und will jetzt bei den Käufer(innen) mit dem neuen 208 abräumen. Dem 207 zeigten nicht nur die Damen die kalte Schulter. Dass die Löwenmarke erfolgreich klein kann, hat sie mit dem 206 unter Beweis gestellt. Und tatsächlich hätte der Winzling mit viel Raum das Zeug zum Bestseller, wenn da nicht so einige alte Macken wären.

Die Lage für Peugeot ist nicht rosig. In den letzten Jahren gingen die Verkaufszahlen zurück, PSA hat den Start im Boom-Land China verschlafen und unter vorgehaltener Hand wird gemunkelt, dass die Franzosen in Deutschland Stellen abbauen wollen. Insgesamt keine gute Atmosphäre für den Start des neuen Stars im Kleinwagen-Segment, dem Peugeot 208.

Vor allem bei Frauen soll der kleine Franzose gut ankommen.
Vor allem bei Frauen soll der kleine Franzose gut ankommen.

Ein gutes Zeichen ist, dass bei Peugeot bereits über 3000 Bestellungen von Kunden vorliegen, die das Fahrzeug noch nie zu Gesicht bekamen und unter den Füßen hatten. Das deutet in jedem Fall auf ein gutes Marketing hin und den Wunsch, an den Erfolg des 206 anzuknüpfen, von dem sich immerhin 7,8 Millionen Einheiten verkauften. Vielleicht war es auch der Slogan, der für ein französisches Auto nicht untypischer sein kann: "Let Your Body Drive", heißt es da.

Die Zielgruppe der Käufer definiert Peugeot als überwiegend weiblich, jung, dynamisch und modebewusst, die dann hoffentlich auch mit dem Körper fährt. Allerdings können sich die Verantwortlichen in Deutschland auch vorstellen, dass sie mit dem 208 altes Publikum zurückgewinnen können und Menschen bewegen, sich den kleinen Franzosen als Zweitwagen zuzulegen.

Geschrumpfter Franzose mit Ideen

Um das zu erreichen, hat Peugeot den 208 geschrumpft. Ganze sieben Zentimeter ist er kürzer als der 207 und 110 Kilogramm leichter. Dabei sind die Maße im Innenraum sogar gewachsen. Sowohl vorn als auch hinten herrscht ausreichend Kopf- und Beinfreiheit und der Kofferraum ist mit einem Volumen von 285 Litern ordentlich. Die gesamten Armaturen wirken hochwertig und auf billiges Plastik wurde weitgehend verzichtet. Die in schwarzer Klavierlackoptik gehaltenen Intarsien wirken hochwertig, haben aber den Nachteil, dass sich auf ihnen der Staub sammelt, der bei Sonneneinstrahlung deutlich zu sehen ist und den Fahrer dazu verführt, ständig darüberzuwedeln.

Das Lenkrad ist das kleinste in seiner Klasse.
Das Lenkrad ist das kleinste in seiner Klasse.

Das Lenkrad ist extrem klein, fast wie in einem Rennwagen. Peugeot berichtet stolz, dass es das kleinste in der Klasse ist. Grund ist, so der Chef von Peugeot Deutschland, Thomas F. Schalberger, die völlig neue Sicht auf die Instrumente. Man schaut nunmehr nicht durch den Lenkradkranz, sondern über ihn hinweg. Das verhindert, so Schalberger, dass bei bestimmten Lenkradstellungen Teile der Instrumententafel verdeckt werden.

Dem Fahrer vermittelt es zusätzlich das Gefühl, einen Boliden zu steuern. Ein durchaus hübscher Nebeneffekt. Die Sitze in den Testfahrzeugen gaben sich straff und sportlich, mit einem relativ guten Seitenhalt. Die gibt es aber erst in der Premium-Variante "Allure". Das Fahrwerk ist insgesamt gut abgestimmt, der Wagen rollt sauber ab, bei kurzen Bodenwellen sendet er dem Piloten allerdings eindeutige Signale an die rückwärtigen Dienste. Im Innenraum bleibt es aber immer ruhig,  da gibt es kein Klingeln und Klappern, was wiederum für die Verarbeitung spricht.

Der Spaß beim Navigieren

Großer Touchscreen mit eingebautem Lispel-Navi.
Großer Touchscreen mit eingebautem Lispel-Navi.

Um den Wagen noch attraktiver zu machen, haben ihn die Franzosen schon in der Grundausstattung mit einigen Extras bedacht, die in dieser Klasse sonst nicht zu finden sind: ABS, 6 Airbags, Bordcomputer, ESP, Lenkrad höhen- und tiefenverstellbar, Servolenkung elektrisch und Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung. Das ist allerhand und bereits ab 11.600 Euro zu haben.

Bei der Sonderausstattung hat Peugeot unfreiwillig für einen hohen Unterhaltungswert gesorgt. Das von der Löwenmarke angebotene Navigationssystem mit großem Touchscreen  (Aufpreis 450 Euro) lispelt dem Suchenden die Weganweisungen in die Ohren. Wer will, darf es getrost "Susi" nennen. Über Gebrechen soll man bekanntermaßen nicht lästern, aber ein Mitarbeiter verriet, dass das Lispel-Problem nicht neu ist. Seit Jahren wird wohl in der deutschen Version über den Spitzen Stein gestolpert und der Fehler wird einfach nicht behoben. Na vielleicht kann man darüber hinwegsehen und solange die Richtung stimmt, hat man auch noch was zu lachen.

Sechs Gänge braucht es nicht?

Die Diesel-Motoren von Peugeot sind uneingeschränkt empfehlenswert.
Die Diesel-Motoren von Peugeot sind uneingeschränkt empfehlenswert.

Die Franzosen sind seit Jahren ausgemachte Spezialisten in punkto Dieselmotoren und so wundert es vielleicht auch nicht, dass an dieser Stelle der 1,6-Liter e-HDI FAP EGS6 mit 115 PS (ab 16.600 Euro) empfohlen werden kann. Ein wirklich munterer Motor, der, wenn er das anfänglich missmutige Brummen unterlassen hat, für einen Diesel wunderbar ruhig läuft. Auf der Testfahrt zeigt er sich durchzugsstark und dreht auch aus dem Keller munter nach oben, ohne zum Schluckspecht zu werden. Was aber von Anfang an unangenehm auffällt, ist ein leidiges Problem, das französischen Autos seit Jahrzehnten anhaftet: Die Schaltwege sind übermäßig lang, und es hakelt zwischen den Gängen.

Beim Benziner, dem 1,4-Liter Vti mit 90 PS (ab 14.800 Euro), wird es noch schlimmer. Da wackelt der Gangschaltungshebel in jeder Stellung wie ein Lämmerschwanz. Hinzu kommt noch, dass hier lediglich ein Fünfganggetriebe zum Einsatz kommt. Auf die Frage, ob das noch zeitgemäß sei, antwortet  Pressesprecher Bernhard Voss, dass man sich überlegen müsse, dass dieses Auto nicht nur für Deutschland gebaut werde, sondern auch für Länder, die lediglich Geschwindigkeiten bis zu 120 km/h zuließen.

Ergo, so Voss, bräuchte man auch kein Sechsganggetriebe und schließlich müsse preiswert produziert werden. "750 Euro weniger für den 208 müssen ja irgendwo eingespart werden", so Voss. Einsparung am sechsten Gang? Eine erstaunliche Argumentation, die hier nicht weiter kommentiert werden soll. Der Motor selbst ist eine gemeinsame  Entwicklung  von Peugeot und BMW, der seit etwa fünf Jahren in unterschiedlichen Franzosen verbaut wird. Insgesamt gibt er sich rau, im hohen Drehzahlbereich ungewöhnlich laut und ist nicht wirklich ein Sparkünstler. Ein Motor, von dem abzuraten ist. Bei den Vorbestellungen entschied sich die Mehrzahl der Käufer laut Peugeot aber ohnehin für den Diesel mit 90 PS.

Innovation ohne Nutzwert

Stolz sind die Franzosen auf ihre neuen Telematik-Dienste und  die sich dahinter verbergenden Peugeot Connect Apps. Über eine USB-Schnittstelle und den dazugehörigen Zugangsstick von Peugeot können dann die von der Löwenmarke zur Verfügung gestellten Apps über den Touchscreen abgerufen werden. Das sind vorerst Informationen über Peugeot, der Michelin Verkehrsservice, eine Tankstellensuche, Parkinformationen und einiges mehr. Die Krux an der Sache ist, dass man für diesen Service einen Vertrag abschließen muss und der ist nicht billig: 350 Euro verlangt Peugeot im ersten Jahr für neun Apps, die sich ohne Zusatzkosten über jedes Smartphone abrufen lassen.

Ein denkbarer Grund für das Peugeot-System ist die Tatsache, dass es seit seiner Einführung im Jahr 2003 4800 Notsituationen gab, in denen es zum Hilferuf genutzt wurde. Pro Jahr sind das also europaweit 533 Fälle. Eine Zahl, die es im Wagen nicht zwingend notwendig macht und eine monatliche Gebühr von 18 Euro auf gar keinen Fall rechtfertigt.

Quelle: n-tv.de

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