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Vielfalt auf französisch: Aus je fünf Benzin- und Dieselvarianten können die Kunden wählen.
Vielfalt auf französisch: Aus je fünf Benzin- und Dieselvarianten können die Kunden wählen.(Foto: Axel F. Busse)

Kleiner Löwe - ganz groß: Peugeot 208 bringt den Überblick

Von Axel F. Busse

Peugeot geht es ebenso wenig gut wie Konzernschwester Citroën. Deshalb ist es aus Sicht des Herstellers besonders wichtig, dass der neue Peugeot 208 die Kunden wieder für die französische Marke begeistert. Ob er das Zeug dazu hat, klärte der Praxistest.

In Zeiten, da "Downsizing" zum allgegenwärtigen Modebegriff wird, kann auch die Einsicht "weniger ist mehr" ein Erfolgrezept sein. Um sieben Zentimeter geschrumpft ist der neue 208 gegenüber dem Peugeot 207, schmaler und flacher ist er auch. Die neue Bescheidenheit soll es aber in sich haben: Mehr Platz, mehr Ausstattung und mehr Sparsamkeit, verspricht der Hersteller.

Spiegelungen in der Frontscheibe können zum Störfaktor werden.
Spiegelungen in der Frontscheibe können zum Störfaktor werden.(Foto: Axel F. Busse)

Das sind schon mal gute Voraussetzungen, dachten sich in Deutschland zahlreiche Kunden und ließen seit der Markteinführung im April jeden Monat im Schnitt mehr als 1200 Exemplare neu für den Straßenverkehr zu. Allerdings sind mehr als die Hälfte davon gewerbliche Halter, so dass man davon ausgehen darf, dass Haus-, Liefer- und Pflegedienste ebenfalls die Vorzüge des als Drei- und Fünftürer erhältlichen Kleinwagens erkannt haben.

Mit etwa 30 Prozent ist der Dieselanteil dieser Neuzulassungen für das Kleinwagensegment recht hoch. Der mit 115 PS stärkste Selbstzünder stand für diesen Test in der Ausstattungsvariante Allure zur Verfügung, die mit einem Listenpreis von knapp unter 20.000 Euro allerdings auch schon recht teuer ist.

Mit dem Abspecken ernst gemacht

Nicht nur, dass der 208 entgegen einem weit verbreiteten Trend nicht größer geworden ist, er wiegt trotz verbesserter Grundausstattung auch weniger. Dass es bei einem kleinen Auto schwieriger ist, Gewicht zu reduzieren als bei einem großen, kann man sich leicht vorstellen. Umso erstaunlicher, dass beim Einstiegsbenziner die Ersparnis bei 173 Kilogramm liegt – dem Gewicht von zwei erwachsenen Männern. Im Durchschnitt aller Varianten sind es immer noch 110 Kilogramm. Chapeau!

Außen geschrumpft, aber mehr Platz: Unter die Klappe passen bis zu 1076 Liter Ladung.
Außen geschrumpft, aber mehr Platz: Unter die Klappe passen bis zu 1076 Liter Ladung.(Foto: Axel F. Busse)

Die geschmeidige Optik des knapp vier Meter kurzen Dreitürers taugt nicht zum Aufreger, dafür ist die Überraschung groß, wenn man erstmal eingestiegen ist. Ungewöhnlich ausladend sind die Türen, die einen 110 Zentimeter großen Ausschnitt bedecken. Das schätzen vor allem diejenigen, die hinten sitzen sollen – je größer die Tür, desto leichter ist die Rückbank zu erreichen. Allerdings ragen die komplett geöffneten Türblätter auch einen guten Meter in die Landschaft. Vorsicht also in engen Parklücken. Die entsprechend weit hinten sitzende B-Säule kann bei kleineren Fahrern für Verdruss sorgen. Aufgrund ihrer Sitzposition müssen sie entsprechend weit nach hinten langen, um den Sicherheitsgurt zu erwischen.

Für Verblüffung sorgt die Cockpit-Gestaltung. Ein auffällig kleines, noch dazu leicht oval gestaltetes Lenkrad ist so tief angebracht, dass der übliche Blick unter dem Kranz hindurch auf die Instrumente komplett entfällt. Statt Durchblick ist Überblick angesagt, denn Tacho und Drehzahlmesser sitzen so weit oben auf dem Armaturenbrett, dass man über das Steuer hinweg wie auf ein Head-Up-Display schaut. Die Anordnung korrespondiert gut mit dem außergewöhnlich üppigen Raumgefühl, das man so einem kleinen Auto nicht ohne Weiteres zutraut. Die matt und glänzend im Wechsel gestalteten Oberflächen verstärken die lichte Optik, ein für 410 Euro extra lieferbares Panoramadach macht das Wintergarten-Feeling komplett. Einzige Einschränkung: Die nach hinten schmaler werden Seitenscheiben und die dicke C-Säule machen das rückwärts Einparken zur Gefühlssache. Die akustische Einparkhilfe kostet je nach Ausstattung zwischen 250 und 400 Euro.

Spieglein, Spieglein in der Frontscheibe

Das Haifischmaul ist passé, der Peugeot 208 grinst den Betrachter freundlich an.
Das Haifischmaul ist passé, der Peugeot 208 grinst den Betrachter freundlich an.(Foto: Axel F. Busse)

Eine helle Innenausstattung bringt nur einen Nachteil mit sich: In der schräg stehenden Frontscheibe spiegelt sich permanent der Lüftungsschlitz für das Scheibengebläse, ein Störfaktor, der erst bei einsetzender Dunkelheit in Vergessenheit gerät.

Bedienungsfreundlich, weit oben angeordnet, ist das Touchscreen des Navigationsmonitor, wohin gegen die Mittelarmlehne oft den Zugriff auf Handbremshebel oder Gurtschloss einschränkt. In der Allure-Ausstattung werden sportlich geschnittene Vordersitze geliefert, die guten Seitenhalt bieten und äußerst bequem sind.

Stichwort Transportkapazität: Auch da schlägt der 208 den 207, denn trotz geringerer Außenmaße ist drinnen mehr Volumen für Koffer, Kartons oder Krimskrams: Sind vier Passagiere an Bord, können 285 Liter genutzt werden (statt bisher 270), werden die Rücksitze umgeklappt, stehen sogar 1076 statt bisher 923 Liter zur Verfügung. Da Peugeot mit etwa 55 Prozent weiblicher Kundschaft rechnet, ist das eine gute Nachricht für alle, die neben der Handtaschen mehrere Einkaufsbeutel oder Schuhkartons dabei haben.

Während sich die Basisausstattung vor allem auf die Kernwerte im Sicherheitsbereich beschränkt (sechs Airbags, ESP, Notbremsassistent), wird bei der Allure-Ausstattung die Komfort-Karte gespielt. Zum Lieferumfang gehören Audioanlage mit Bluetooth-Funktion, Alufelgen, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Regen- und Lichtsensor sowie LED-Deckenleuchten.

Hilfreiche Start-Stopp-Funktion

Was Peugeot den Ruf eingetragen hat, zu den kompetentesten Herstellern von Diesel-Motoren zu zählen, ist an dem 1,6-Liter großen Vierzylinder sehr gut abzulesen. Leise und unauffällig in fast jedem Betriebszustand, drehmomentstark und dabei von verhaltenem Durst – das schätzen die Kunden. Als e-HDI ist der Motor serienmäßig mit einer Start-Stopp-Funktion ausgestattet, die im Unterschied zu anderen Systemen nicht erst beim völligen Stillstand des Fahrzeugs in Aktion tritt, sondern quasi vorausahnend schon auf den letzten Rollmetern vor der roten Ampel die Zylinder stilllegt. Eine mitlaufende Uhr informiert bei Bedarf, wie lange der Motor spritsparend ruhte.

Der Prüfstandwert von 3,8 Litern je 100 Kilometer blieb auch in diesem Praxistest unerreicht, jedoch sind 5,1 Liter ein vorzeigbarer Verbrauchswert. Das quirlige Fahrgefühl wird von den Messwerten untermauert, denn der Diesel kann nicht nur unter zehn Sekunden auf 100 km/h sprinten, sondern auch bei Höchstgeschwindigkeit die Tachomarke des offiziellen Top-Tempos von 190 km/h deutlich hinter sich lassen.

Das Fahrwerk erfüllt die an einen Kleinwagen zu stellenden Komfortansprüche und es fällt positiv auf, dass die als typische französisch verschriene weiche Abstimmung hier keine Anwendung gefunden hat. Auch holperiges Pflaster steckt die Federung gut weg. Was zu dem robust-dynamischen Auftritt nicht optimal passt, ist das lappige Gefühl in der Sechsgang-Schaltung, die man sich etwas präziser und knackiger wünschte.

Fazit: Der neue Peugeot 208 hat das Zeug, verloren gegangenes Terrain zurück zu erobern. Der kleine Löwe tritt selbstbewusst auf und punktet da, wo die Besitzer ihn am häufigsten erleben: im Innenraum. Gute Platzaufteilung, hohe Praktikabilität und Mut zur Innovation zeichnen die Umgebung der Insassen aus. Nicht von ungefähr kommt der Hang der Peugeot-Kundschaft zu Dieselmotoren. Zu Recht sind die Selbstzünder hier stärker gefragt als bei anderen Importmarken.

DATENBLATTPeugeot 208 HDI 115
Abmessungen3,96/ 1,74/ 1,46 m
Radstand2,54 m
Leergewicht (DIN)1268 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen285 l / 1076 Liter
EmissionsklasseEU 5
Motor/Hubraum4-Zylinder-Turbo-Dieselmotor mit 1560 ccm Hubraum
Getriebemanuelles Fünfgang-Schaltgetriebe
Leistung115 PS (82 kW) bei 3600 U/min
KraftstoffartDiesel
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit190 km/h
max. Drehmoment270 Nm bei 1750 U/min
Tankinhalt50 l
Beschleunigung 0-100 km/h9,7 s
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)3,4/ 4,6/ 3,8
Testverbrauch5,8 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
99 g/km
Grundpreis19.950,00 Euro
Preis des Testwagens21.580,00 Euro

Quelle: n-tv.de

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