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Die Kernkompetenz sieht Peugeot im C- und D-Segment. Hier platziert sich der neue 4008 als echter Offroader.
Die Kernkompetenz sieht Peugeot im C- und D-Segment. Hier platziert sich der neue 4008 als echter Offroader.

Der Löwe geht auf allen vieren: Peugeot: Fast alles auf Hybrid

Von Holger Preiss

Der SUV-Markt boomt: Klar, dass auch die Marke mit dem Löwen-Signet ein kleines Stück vom großen Kuchen abhaben will. Der Peugeot 4008 soll jetzt als Edel-SUV überzeugen. Das, was die Franzosen aber eigentlich verkaufen wollen, ist der Allradantrieb auf Hybrid-Basis. Und da geht es schon mal quer durch den Gemüsegarten.

Der Peugeot 4008 spielt die Rolle des geländegängigen Edelmanns.
Der Peugeot 4008 spielt die Rolle des geländegängigen Edelmanns.

Der Autobauer Peugeot ist angeschlagen. Damit steht er derzeit in Europa nicht allein. Aber jetzt fahren die Franzosen die Krallen aus und zwar an allen vier Rädern. Das Segment der Geländewagen, die umgangssprachlich inzwischen besser als SUV – Sport Utility Vehicles – bekannt sind, sollen Peugeot wieder in die Spur bringen. Das ist sinnfällig. Hat sich doch in den letzten fünf Jahren der Absatz bei den Kraxlern allein in Deutschland verdoppelt. In den ersten neun Monaten dieses Jahres wurden 350.000 SUV im Abendland verkauft. Für den Oktober meldet das Kraftfahrzeugbundesamt (KBA) ein überproportionales Wachstum von +31,5 Prozent. Das entspricht einem Marktanteil von etwa 15 Prozent. Mehr haben nur Kleinwagen und Kompaktklasse. Kein Wunder also, dass die Löwenmarke mit seinen Allradlern vor allem im C- und D-Segment auftrumpfen will. Traditionell ist man hier ohnehin am stärksten aufgestellt.

Im Innenraum erinnert alles sehr an den Konzernbruder Citroen C4 Aircross.
Im Innenraum erinnert alles sehr an den Konzernbruder Citroen C4 Aircross.(Foto: Holger Preiss)

Doch was hat Peugeot nun wirklich im Portfolio? Da wäre zum einen der 4008. Ein waschechtes kompaktes SUV mit zwei sparsamen und durchzugsstarken HDi FAP-Dieselmotoren und permanentem, elektronisch geregeltem Allradantrieb. Beide Dieselmotoren sind mit einem Stopp- und Start-System ausgerüstet. Die Kraftübertragung erfolgt über ein Sechsgang-Schaltgetriebe. Ein Automatikgetriebe gibt es nicht. Warum? Weil der 4008 eigentlich ein Mitsubishi ASX ist. Oder doch ein Citroen C4 Aircross? Beides! Der 4008 ruht auf der Basis des ASX, genau wie der Aircross. Und - beide Modelle nutzen auch die Triebwerke der Japaner. Im Innenraum sind 4008 und Aircross sogar nur noch am Logo auf dem Lenkrad zu unterscheiden. Bedienelemente bis hin zum illuminierten Panoramadach sind identisch. Hier wird die Frage laut, ob diese Politik nicht eine Form des Auto-Kannibalismus ist. Insofern, als dass sich die Franzosen im PSA-Konzern gemeinsam Konkurrenz machen. Nein, ist es nicht oder wenn, dann nur bedingt.

Der Peugeot spielt in diesem Reigen die Rolle des Edelmanns. Im Gegensatz zum konzerneigenen Mitbewerber setzt man hier auf einen serienmäßigen Allradantrieb und hochwertige Ausstattung: Xenon-Licht, Klimaautomatik, Einparkhilfe vorn und hinten, Multifunktionslederlenkrad, Keyless-System, Navigationssystem mit Bluetooth und 18-Zoll-Felgen sind immer an Bord. Zudem verzichtet Peugeot darauf, den in den beiden anderen Modellen angebotenen Benzinmotor anzubieten. Das alles hat natürlich seinen Preis. Im japanisch-französischen SUV-Trio ist der Löwe das teuerste Modell.

Der 3008 Hybrid4 beruhigt nicht nur das grüne Gewissen.
Der 3008 Hybrid4 beruhigt nicht nur das grüne Gewissen.(Foto: Holger Preiss)

Während die Preise für den Mitsubishi ASX bereits bei 18.990 Euro für die Version mit Frontantrieb und einem 117 PS starken Benziner beginnen, verlangt Citroen für den C4 Aircross mit gleicher Motorisierung 23.690 Euro. Beim Peugeot 4008 starten die Preise bei 31.790 Euro. Ob der Peugeot das Zeug zum Statussymbol hat, wie es sich die Franzosen wünschen, muss sich noch erweisen. In einer Restwertprognose kann der 4008 aber noch einmal punkten. Bei einer Laufleistung von 30.000 Kilometern in drei Jahren soll das SUV immerhin noch 48 Prozent seines Neuwertes haben.

Die "Alternativer Antrieb"-Offensive

Aber Peugeot hat auf dem Trubel-Markt der Off-Roader noch mehr zu bieten. Seit Jahren verfeinert die Löwenmarke ihre "Alternativen Antriebe". Bei Peugeot heißt das Hybrid4-Technologie. Die bietet den alternativen Antrieb aller vier Räder mit einem, sagen wir mal, reinem Gewissen. Hybrid4 verbindet einen Verbrennungsmotor an der Vorderachse mit einem Elektromotor an der Hinterachse. Im Zusammenspiel treiben sie das Fahrzeug mit 200 PS und 450 Newtonmeter Drehmoment voran. Konkret heißt das: Während die Vorderräder von einem Zweiliter-Diesel mit 163 PS angetrieben werden, sorgt der 37 PS starke Elektromotor an der Hinterachse für zusätzlichen Schub.

Der Kofferraum im Hybrid 3008 hat lediglich 377 Liter Fassungsvermögen.
Der Kofferraum im Hybrid 3008 hat lediglich 377 Liter Fassungsvermögen.(Foto: Holger Preiss)

Das wohl aufregendste Fahrzeug mit dieser Motorisierung ist der 3008 Hybrid4. Peugeot bezeichnet den Wagen als Crossover und das ist er im wahrsten Sinne des Wortes. Das Fahrzeug ist wohl derzeit die einzige Kombination aus einem Van, SUV und irgendwie auch Sportwagen. Hört sich komisch an? Ist es auch. Aber diese krude Mischung hat einen enormen Charme. Wer mehr als drei Personen transportieren muss, ist früher oder später auf ein größeres Auto angewiesen. Mit dem steigt aber auch der Verbrauch. Der Dieselhybrid, den Peugeot im Übrigen als erster Autohersteller zur Serienreife gebracht hat, bietet hier eine Lösung. Lediglich 3,8 Liter soll der kompakte Van auf 100 Kilometer konsumieren und das bei einem CO2-Ausstoß von lediglich 99 g/km.

Beim geschmeidigen Zusammenspiel von Diesel und Elektromotor kann der umweltbewusste Familienvater auf dem Weg zum Kindergarten und zur Arbeit sich seine Welt ganz locker mal grün malen. Der Gram, das Fahrrad wieder nicht benutzt zu haben, darf dann mal locker in der Garage bleiben. Die ersten Meter nach dem Anfahren absolviert der 3008 stets elektrisch, und wenn sich je nach Füllstand der Batterie irgendwann der 2,0-Liter Diesel zuschaltet, geht das ohne Rütteln und Schütteln. Allerdings wirkt die Steuerelektronik des automatischen Schaltgetriebes dann und wann etwas überfordert. Schön ist, dass auch bei mäßigen Autobahnfahrten der Elektromotor immer mal wieder allein den Vortrieb übernimmt. Bis zu einer Geschwindigkeit von 120 km/h steht der Hinterachsantrieb nämlich zur Verfügung. Wer so lange wie möglich elektrisch fahren möchte, kann über den Drehregler auf der Mittelkonsole den ZEV-Modus wählen; daneben stehen ein Auto-Modus, der sich für den Alltag empfiehlt, und ein Sport-Modus zur Verfügung.

Bei den Bedienelementen geht es sportlich zu.
Bei den Bedienelementen geht es sportlich zu.

Nun versprachen wir eingangs eine Symbiose aus Van, SUV und Sportwagen. Der Van ist erklärt, das SUV generiert sich aus dem Allradantrieb und einem Unterfahrschutz an Front und Heck und der Sportwagen lebt von den 200 PS und der Innenausstattung. Kippschalter wie in einem Mini Cooper oder Alfa Romeo. Und die Schaltwippe am Lenkrad. Herr im Himmel, wie im Mercedes SLS oder so ähnlich. Allerdings muss sich der Sportfreund darüber im Klaren sein, dass die grüne Attitüde des Elektromobils bei entsprechendem Vortrieb nicht mehr gilt. Da werden schon mal locker 8,0 Liter aus dem Tank gesaugt.

Kein Schnäppchen, aber fair

Der Hybrid kostet 34.150 Euro Im Vergleich mit einem genauso gut ausgestatteten 3008 Allure mit 163 PS und Automatik sind das lediglich 2100 Euro mehr. Das scheint so weit fair, denn dafür bekommt man innovative Technologie, einen Antrieb aller vier Räder und 37 zusätzliche Pferdchen. Ob allerdings Familienväter die wuchtige Summe von über 30.000 Euro bezahlen möchten, darf infrage gestellt werden. Es sei denn, sie gehören zu denen von Peugeot definierten "technikbegeisterten und kaufkräftigen Kunden".

Apropos kaufkräftige Kunden: Natürlich möchte Peugeot seine Hybridtechnik auch in der Oberklasse etablieren. Angetreten sind hierzu der 508 RXH und der 508 Hybrid4. Während der erstgenannte im Revier eines Audi A6 allroad wildern will, steht der andere gegen nämliches Modell als Limousine. Technisch arbeiten hier die gleichen Motoren wie im 3008. Also 163 PS kommen vom Dieselmotor, 37 PS leistet der Elektromotor an der Hinterachse. Auch hier gilt Premium bei Ausstattung und Preis. Allerdings schneidet der Hybrid im Vergleich mit einem 508 GT deutlich besser ab. Der Hybrid4 kostet nur 450 Euro mehr als der einmotorige Bruder. Für 38.850 Euro ist der Luxus-Löwe zu bekommen. Was aber alle Hybridmodelle eint, ist der etwas kleinere Kofferraum. Das Volumen muss hier dem an der Hinterachse verbauten Elektromotor weichen.

Alles in allem gilt: Die Hybrid4-Innovationen von Peugeot gibt es nicht zum Schnäppchen, aber, verglichen mit Konkurrenzmodellen, zu einem fairen Preis. Ob sie letztlich so viele Käufer finden, dass es dem Konzern bald wieder gut geht, muss die Zeit beweisen. Im Augenblick liegen die Verkäufe noch weit unter den Erwartungen der Franzosen. Bis zum Jahresende rechnet Peugeot mit insgesamt 1200 zugelassenen Hybrid-Modellen in Deutschland.

Quelle: n-tv.de

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