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Mobilisierte die Massen: Henry Ford betätigte sich weniger als genialer Erfinder. Vielmehr machte er Autos für breite Schichten bezahlbar und startete die Massenproduktion.
Mobilisierte die Massen: Henry Ford betätigte sich weniger als genialer Erfinder. Vielmehr machte er Autos für breite Schichten bezahlbar und startete die Massenproduktion.(Foto: Wieck)
Donnerstag, 10. Februar 2011

125 Jahre Automobil: Pioniere und Wegbereiter

Neben Gottlieb Daimler und Carl Benz haben sich eine Reihe anderer Männer als Pioniere der Auto-Mobilität verdient gemacht. Darunter gibt es Namen, die auch heute noch Klang haben.

Gottlieb Daimler und Carl Benz werden in den derzeitigen Festreden zum 125. Geburtstag des Automobils als Wegbereiter und Pioniere geehrt. Doch es waren nicht nur diese beiden Deutschen, denen es gelang, eine vollkommen neue Art der Fortbewegung zu etablieren und im nächsten Schritt einen florierenden Industriezweig zu begründen. Die Auto-Mobilität verbreitete sich wie ein Lauffeuer und inspirierte Ingenieure und Unternehmer auf aller Welt.

So setzte beispielsweise der Franzose Albert de Dion (1856-1946) zunächst auf Dampfwagen, ehe er ab 1890 zusammen mit Georges Bouton Verbrennungsmotoren entwickeln ließ. 1901 hatte De Dion bereits 1.500 liebevoll "Voiturettes" genannte Fahrzeuge abgesetzt, deren Fertigung 1898 begann. Aus dem Hause De Dion stammte die Erfindung der speziellen Hinterachse (1893), zudem erhielt 1910 der De Dion CL den ersten serienmäßigen V-Achtzylinder-Motor. 

Erster Renault-Motor von 1904

Zunächst eng mit De Dion-Technik verbunden verlief der Aufstieg der drei Renault-Brüder: Louis, Marcel und Fernand. Bereits 1898 baute Louis Renault (1877-1944), der wie sein Bruder Marcel erfolgreich Rennen fuhr (Marcel verunglückte 1903 bei der Fernfahrt Paris-Madrid tödlich), einen De-Dion-Motor in seine vierrädrige Eigenkonstruktion ein. Firmensitz war Boulogne-Billancourt, wo 1904 der erste Renault-Motor gebaut wurde. Nachdem Paris von den Alliierten eingenommen wurde, bezichtigte man Renault der Kollaboration mit der Vichy-Regierung. Er starb unter ungeklärten Umständen in Untersuchungshaft.

Ettore Bugatti baute in seiner Zeit die schönsten und aufregendsten Automobile.
Ettore Bugatti baute in seiner Zeit die schönsten und aufregendsten Automobile.

In England fertigte Frederick William Lanchester (1868-1946) zusammen mit seinem Bruder George Herbert Lanchester (1874-1970) bereits 1895 sein erstes vierrädriges Auto mit Verbrennungsmotor, die Produktion startete aber erst vier Jahre später. Lanchester entwickelte nicht zuletzt die nach ihm benannten Ausgleichswellen für einen vibrationsarmen Motorlauf.

Rolls und Royce, die ganz Verschiedenen

Ein weiterer Pionier, Herbert Austin (1866-1941), kehrte 1895 von Australien nach England zurück, wo er zunächst für Wolseley in Birmingham ein Motor-Dreirad entwarf. Der Prototyp eines vierrädrigen Wolseley-Mobils entstand Ende 1899. 1906 machte Austin sich selbständig, und bereits acht Jahre später war das Unternehmen Großbritanniens größter Automobilhersteller. Eines der populärsten Modelle wurde ab 1923 der Austin Seven, den es in Lizenzfertigung auch in Deutschland als Dixi gab.

Königlicher Besuch bei Herbert Austin im Jahr 1940.
Königlicher Besuch bei Herbert Austin im Jahr 1940.

Zwei sehr unterschiedliche Männer formten den exzellenten Ruf von Rolls-Royce. Charles Stewart Rolls (1877-1910) entstammte einer vermögenden Familiendynastie. 1896 importierte er einen Peugeot 3.5 hp und übernahm 1903 den Vertrieb von Panhard-Levassor- und Minerva-Fahrzeugen. 1904 traf er in Manchester den Selfmade-Ingenieur Frederick Henry Royce (1863 – 1933). Royce hatte das technische Verständnis und den Perfektionswillen. Beide Männer gründeten 1906 die Rolls-Royce Ltd. Mit dem Modell 40/50 Silver Ghost etablierte sich ab 1907 der selbstbewusst gepflegte Mythos des „besten Autos der Welt“. 1910 bezahlte Charles Rolls seine Flugleidenschaft bei einem Absturz in Bournemouth mit dem Leben.

Ford wollte Fahrzeuge für den Alltag

Der größte Name im Business zu werden - von Henry Ford (1863 – 1947) hatte dies wohl niemand erwartet. Er war kein Ingenieur, doch er entwickelte seine Kenntnisse von der Basis eines soliden Mechanikers ausgehend beständig weiter. Sein erstes Vehikel, noch mit Fahrrad-Reifen, entstand 1896 bereits in Vierrad-Ausführung. 1899 gab er seinen Posten bei Edison auf, das folgende Intermezzo bei Detroit Automobile war nur von kurzer Dauer. 1901 gründete Ford seine Firma unter eigenem Namen. Die Devise des US-Autopioniers lautete: Fahrzeuge sollen der Allgemeinheit im Alltag dienen. Und sie sollten erschwinglich sein. Mit dieser Prämisse ging es an die Realisierung seines größten Projekts, des Ford T („Tin Lizzy“). Das hochbeinige Gefährt entstand zusammen mit seinem Mitarbeiter James Couzens; es wurde bis 1927 in mehr als 15 Millionen Einheiten ausgeliefert, wobei die Wettbewerbsfähigkeit über den günstigen Preis erreicht wurde. Ford perfektionierte die Fließband-Fertigung und begründete damit nicht unerheblich die Dynamik der US-Automobilindustrie.

Die Brüder Renault: Marcel, Louis und Fernand.
Die Brüder Renault: Marcel, Louis und Fernand.

Ettore Bugatti (1882-1947) entstammte einer italienischen Künstlerfamilie, zog jedoch als Konstrukteur ins Elsass, wo er zunächst für das Unternehmen De Dietrich zu arbeiten. Später machte er sich selbständig. Seine automobilen Schöpfungen gehörten zu den ästhetischsten Entwürfen, die jemals entstanden. „Automobiles Ettore Bugatti“ wurde 1910 gegründet. Der Typ 13 entwickelte sich zum erhofften kommerziellen Erfolg, er wurde nach dem Ersten Weltkrieg weiterentwickelt und machte den charakteristischen Hufeisenkühler auf den europäischen Rennstrecken populär. Filigrane Rennwagen wie der Typ 35, die luxuriöse Repräsentations-Limousine Bugatti Royale sowie aerodynamisch-futuristische Traumwagen wie Bugatti 57-Coupés Atalante und Atlantic prägten den Markenauftritt. Er war in seiner Bandbreite und technischen Extravaganz einzigartig, jedoch wirtschaftlich nicht immer ausreichend abgesichert. Heute erlebt Bugatti im Volkswagen-Konzern eine neue Blüte.

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Quelle: n-tv.de

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