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Auf dem Walk of Fame, dem Sunset Boulevard und in Beverly Hills wollen die Schwaben die Reaktionen auf das Konzept testen.
Auf dem Walk of Fame, dem Sunset Boulevard und in Beverly Hills wollen die Schwaben die Reaktionen auf das Konzept testen.

Panamera Sport Turismo: Porsche wird zum Hollywood-Star

Wenn der Porsche Panamera Sport Turismo über den Walk of Fame fährt, erblassen selbst die Stars und die Straße wird zum Laufsteg. Ein solches Auto haben sie selbst in Hollywood noch nicht gesehen.

Eine Augenweide. Egal wo er steht.
Eine Augenweide. Egal wo er steht.

Respekt geht irgendwie anders. Doch wenn Michl Behr von seiner "Karre" spricht, dann meint er das nicht abwertend. Immerhin hat er in diesem Sommer viele Wochen durchgearbeitet und nur vier Stunden pro Nacht geschlafen, damit diese "Karre" erst ihren großen Auftritt in Paris hatte und jetzt wie selbstverständlich durch Hollywood fährt. Denn Behr arbeitet im Prototypenbau vom Porsche und was er in seiner freundlich-respektlosen Art die "Karre" nennt, ist nichts weniger als der Panamera Sport Turismo.

Mit dieser Studie haben die Schwaben vor zwei Monaten in Paris gezeigt, wie sie sich die Zukunft ihres Luxusliners vorstellen können. Das gilt nicht nur für den Plug-In-Hybrid-Antrieb unter dem schmucker und sportlicher geschnittenen Blechkleid. Das gilt auch für die Karosserie selbst, die sich mit der steilerem Hecklappe ein wenig dem Ideal des Kombis annähert und glatt als dynamischere Alternative zum CLS Shooting Break aus der unmittelbaren Nachbarschaft durchgehen würde. Und weil es bei dem einen Auftritt offenbar nicht bleiben soll, begleitet Behr seine "Karre" jetzt zur Jungfernfahrt durch Hollywood.

Gediegen geht es im Panamera Sport Turismo zu.
Gediegen geht es im Panamera Sport Turismo zu.

Auf dem Walk of Fame, dem Sunset Boulevard und in Beverly Hills wollen die Schwaben die Reaktionen auf das Konzept testen und auch davon abhängig machen, ob und wie die Panamera-Variante in Serie geht. "Denn entschieden ist noch nichts", sagt Designer Mitja Borkert, der aber keinen Zweifel an seiner Motivation lässt. "Wenn es nach dem Projektteam ginge, würden wir den Sport Turismo lieber heute als morgen bauen", sagt der junge Leiter des Advanced Designs, der nebenbei auch den kleinen Geländewagen Macan gezeichnet hat. "Morgen" wird es vielleicht noch nichts.

Gute Chancen für "übermorgen"

Aber die Chancen für "übermorgen" stehen nicht schlecht. Denn erstens hat Porsche in den letzten Jahren noch keine Studie enthüllt, die nicht in Serie gegangen ist. Zweitens sagt Techniker Robert Hähle, dass sie bei grünem Licht des Vorstandes wohl noch drei, vier Jahre für die Entwicklung bräuchten. Was für ein Zufall, dass genau dann auch die zweite Generation des Panamera fertig werden dürfte. Und drittens sind sie zumindest in Hollywood alle begeistert von dem sportlichen Lifestyle-Laster, obwohl die Karosserieform eines Kombis die Amerikaner ansonsten ziemlich kalt lässt.

Schärfer als die Polizei erlaubt.
Schärfer als die Polizei erlaubt.

Wo der Wagen auftaucht, zücken die Passanten deshalb die Fotohandys. Bei jedem Stopp am Straßenrand bilden sich Menschentrauben um die Studie, und immer wieder muss Prototypenbauer Behr den Leuten erklären, was es mit dem Auto auf sich hat. Als hätte er ihn selbst gezeichnet, weist er sie deshalb mittlerweile routiniert auf das nachgeschärfte Design und die knackigeren Proportionen hin. Nicht umsonst hat Designer Borkert das Dach zwei Zentimeter flacher gezogen, die Überhänge um drei Zentimeter gekürzt und dafür die Backen jeweils drei Zentimeter dicker aufgeblasen. Dazu gibt’s stärker ausgearbeitete Konturen, glattere Flächen, klarere Linien – so sieht der Panamera aus, als komme er gerade frisch vom Bodybuilding: Mit mehr Muskeln an den richtigen und weniger Speck an den falschen Stellen.

Und natürlich lässt Behr die Porsche-Fans auch in den futuristischen Innenraum schauen. Auf den ersten Blick sieht der fast so aus, wie bei jedem anderen Panamera. Nur dass die vier Einzelsitze etwas sportlicher ausgeformt sind, die Materialien edler wirken und der Kontrast aus rotem Leder und blankem Metall stärker ausfällt. Auf dem Mitteltunnel prangt ein Touchscreen, groß und bunt wie ein iPad, und hinter dem Lenkrad gibt es nur noch einen riesigen Bildschirm. Der zeigt jetzt auch die Videos der beiden Kameras in den seitlichen Kiemen, mit denen Porsche die Außenspiegel überflüssig macht. Die Grafik für die Navigation ist ein wenig bunter geworden und der Bordcomputer wird zum Multi-Media-Star. Doch sonst ist alles wie immer bei Porsche: Nach wie vor dominiert ein riesiger Drehzahlmesser die Anzeige, und selbst das Zündschloss sitzt noch links. Nur dass man seinen Wagen jetzt halt mit dem Fingerabdruck bootet, statt ihn mit dem Schlüssel zu starten.

Dreckig und laut brüllt der V6

Was dann passiert, ist für die Passanten am Sunset Boulevard allerdings eine Überraschung. Hier, wo die Dichte an Supersportwagen größer ist als überall sonst auf der Welt und man selbst beim Aufbrüllen eines Bugatti Veyron kaum mehr den Kopf dreht, fährt der Panamera los wie in einem Stummfilm. Erst wenn man das Gaspedal voll durchtritt oder in den Sportmodus wechselt, brüllt dreckig und laut der bekannte V6-Benziner auf, der in der Studie zum ersten Mal so wütend klingt, wie man es von einem bei einem Porsche erwartet.

Dass der Panamera ansonsten so leise bleibt, liegt an seinem starken E-Motor und dem deutlich größeren Akku. Denn die Studie ist auch ein Vorbote des Plug-In-Hybrids, für den Porsche den bisherigen Doppelherz-Antrieb des Luxusliners ordentlich aufgerüstet hat. Der Elektromotor leistet jetzt 95 statt 47 PS und der Akku ist mit seinen 9,4 kWh rund fünfmal größer als im konventionellen Panamera Hybrid und obendrein aus Lithium-Ionen-Zellen gefertigt. Damit kann die Studie schneller, länger und weiter elektrisch fahren: Bis zu 130 km/h und mehr als 30 Kilometer sind machbar, versprechen die Ingenieure.

Und wenn beide Motoren im Team arbeiten und mit ihrer Systemleistung von  416 PS zupacken, klingt der Sport Turismo nicht nur wie ein Porsche, er fährt auch so: den Sprint von 0 auf 100 km/h schafft er in weniger als sechs Sekunden, und 250 Sachen sollten nicht mehr als eine Formalie für ihn sein. Ganz und gar nicht Porsche-typisch ist der Verbrauch: Zumindest auf dem Papier liegt der Panamera mit 3,5 Litern auf dem Niveau eines Polos. Nicht schlecht, für ein Dickschiff von fast fünf Metern und mehr als zwei Tonnen. Das weiß auch Entwicklungsvorstand Wolfgang Hatz und wird bei der Technik deshalb viel konkreter als beim Design. Zu den Aussichten der Studie selbst sagt Hatz nichts, verspricht aber den Plug-In-Antrieb schon für das nächste Jahr.

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Quelle: n-tv.de

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