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Mit dem Cayenne Turbo präsentiert Porsche auf der IAA die leistungsstärkste Variante seines SUV.
Mit dem Cayenne Turbo präsentiert Porsche auf der IAA die leistungsstärkste Variante seines SUV.(Foto: Holger Preiss)
Dienstag, 12. September 2017

Cayenne Turbo und GT3 Touring: Porsche setzt weiter auf Power

Von Michael Gebhardt, Frankfurt am Main

Zwar hat VW-Chef Müller am Vorabend der IAA konzernweit 80 elektrisierte Autos bis 2025 versprochen, doch auf der diesjährigen Autoschau darf zumindest Porsche in Hochleistungs-Träumen und PS-Fantasien schwelgen.

Der Verbrenner steckt in der Krise? Die E-Mobilität nimmt Fahrt auf? Ganz ehrlich: Am Porsche-Stand auf der Internationalen Automobil Ausstellung (IAA) in Frankfurt ist davon nicht viel zu spüren. Bis der grüne Porsche Mission-E endlich fertig ist, bis der Macan elektrisch vorfährt, flüchten sich die Zuffenhausener in augenwischende Hochleistungs-Plug-ins für den Panamera – und in das, was sie schon immer am besten konnten: Leistung und Fahrspaß. So debütiert die erst kürzlich enthüllte Neuauflage des Cayenne in ihrer vorerst stärksten Ausbaustufe.

Den Schriftzug am Heck des Porsche Cayenne Turbo dürfen alle lesen, an denen das SUV mit 286 km/h vorbeisaust.
Den Schriftzug am Heck des Porsche Cayenne Turbo dürfen alle lesen, an denen das SUV mit 286 km/h vorbeisaust.(Foto: Holger Preiss)

Als Turbo, mit fettem Achtzylinder, der selbst auf dem Papier nur mit Ach und Krach weniger als zwölf Liter verbraucht. Fast schon anachronistisch anmutende vier Liter Hubraum wollen schließlich mit feinstem Benzin befeuert werden, das den Kolben mächtig einheizt. Sind die einmal in Fahrt, entstehen 550 PS – nochmal 30 PS mehr als im namensgleichen Vorgänger. Zusätzlich konnten die Ingenieure noch etwas mehr Drehmoment aus dem Aggregat herauspressen, 770 Newtonmeter stehen im Datenblatt, 20 Zähler mehr als bisher. Die Verwaltung übernimmt eine ebenfalls überarbeitete Achtgang-Automatik.

Kürzere Wege für mehr Fahrspaß

Das Leistungsplus ist das eine, die deutlich bessere Leistungsentfaltung das andere: In der aktuellen Motorengeneration sind die Turbo-Lader direkt im inneren des Zylinder-V verortet, die Abgaswege sind deutlich kürzer. Was das bringt, lässt sich mit der Stoppuhr messen: Nur 4,1 Sekunden vergehen, ehe die Tachonadel an der 100-km/h-Marke vorbeirauscht; hat sich der Kunde für das optionale Sport-Chrono-Paket entschieden, sind es sogar nur unwirkliche 3,9 Sekunden. Maximal schafft der Cayenne Turbo Tempo 286. Nur zu Erinnerung: Wir reden nicht von einem aerodynamisch optimierten Leichtbau-Sportler, sondern von einem über zwei Tonnen schweren SUV, das sich mit einer Angriffsfläche gegen den Wind stellt, die problemlos auch für ein Christian-Lindner-Portrait reichen würde.

Der Spoiler als Stopper

Der neue Motor hat aber noch einen weiteren Vorteil: Er baut kompakter und kann deshalb tiefer montiert werden. Der niedrigere Schwerpunkt sorgt ebenso für mehr Fahrdynamik wie das neue Leichtbau-Fahrwerk mit Luftfederung und aktiven Dämpfern, die optionale Hinterachslenkung oder die Wankstabilisierung. Letztere arbeitet wie im Audi-Bruder Q7 auf 48-Volt-Basis, zum Boosten oder rein elektrischen Rangieren wird das zweite Bordnetz allerdings noch nicht genutzt.

Ein Schnäppchen ist der Porsche 911GT3 mit Touring-Paket nicht.
Ein Schnäppchen ist der Porsche 911GT3 mit Touring-Paket nicht.(Foto: Michael Gebhardt)

Damit der Koloss auch bei Vmax-Eskapaden nicht durchdreht, fährt der Cayenne als erstes SUV überhaupt mit einem adaptiven Dachspoiler vor, der den Anpressdruck auf die Hinterachse erhöht. Außerdem hilft das Windschild beim Bremsen mit: In der Airbrake-Position kann der Spoiler den Anhalteweg bei einer Vollbremsung aus 250 km/h um bis zu zwei Meter verkürzen. Serienmäßig sorgen im Cayenne Turbo Stahlscheiben mit einer Wolframcarbid-Schicht für Verzögerung, wer auf maximale Negativbeschleunigung aus ist, kann auch hier zu den bekannten Keramik-Bremsen greifen. Kostenpunkt: Ein Kleinstwagen. Geld sollte bei der Turbo-Kundschaft aber ohnehin nicht die erste Rolle spielen. Porsche ruft mindestens 138.850 Euro auf, ab Ende des Jahres steht das Über-SUV beim Händler.

Gratis-Ausstattung für den Elfer

Noch etwas tiefer in die Tasche muss man greifen, will man Porsches zweite IAA-Neuheit in der eigenen Garage stehen haben – obwohl sie kostenlos erhältlich ist. Richtig gehört: Entgegen üblicher schwäbischer Manier ist das neu vorgestellte Touring-Paket für den 911 GT3 (ab 152.416 Euro) ohne Aufpreis bestellbar. Vielleicht lässt es sich damit erklären, dass mit dem Touring-Paket, das auf eine Ausstattungsvariante des Carrera RS aus den Siebzigern zurückgeht, nichts hinzugefügt, sondern eher was weggelassen wird.

Mit 3,9 Sekunden lässt sich der Porsche 911 GT3 auch mit Touring-Paket nicht viel Zeit für den Standardsprint.
Mit 3,9 Sekunden lässt sich der Porsche 911 GT3 auch mit Touring-Paket nicht viel Zeit für den Standardsprint.(Foto: Michael Gebhardt)

Statt des feststehenden, ausladenden Heckflügels bekommt der nur als Handschalter erhältliche Touring den ausfahrbaren Spoiler aus dem Carrera – das zahlt ebenso kräftig in die Understatement-Kasse ein, wie die gegenüber dem normalen GT3 nicht abgedunkelten Scheinwerfer (die aber auf Wunsch zusätzlich geordert werden können). Ansonsten bleibt es bei den typischen Kraftinsignien: üppige Lufteinlässe, eine um 44 Millimeter verbreitere Karosserie und geschmiedete 20-Zoll-Leichtmetallräder mit 245er-Reifen vorne und 305er-Pneus hinten.

Sau(g)starker Sechszylinder

Anders als in den Basis-Modellen ist der variable Flügel im GT3 zusätzlich mit einer aerodynamischen Abrisskante versehen: Bei Top Speed auf der Autobahn ist jedes Gramm weniger Auftrieb schließlich herzlich Willkommen. Erstaunlich: Obwohl der GT3 ein bis in die letzte Muskelfaser durchtrainierter Supersportler ist, kann er den Cayenne Turbo – zumindest beim Standardsprint – nicht abhängen und benötigt wie der Dicke 3,9 Sekunden.

Zu seiner Verteidigung sei aber gesagt, dass sein Vierliter-Sechszylinder-Boxer mit 500 PS knapp zehn Prozent weniger Leistung bereit stellt und, man höre und staune, immer noch frei atmen darf. Der Sauger, der auch in Rennwagen wie 911 RSR und GT3 Cup seine Arbeit verrichtet, ist ein klassisches Hochdrehzahltriebwerk das erst bei 9.000 Touren in den roten Bereich läuft und den GT3 Touring bis auf 316 km/h beschleunigt – da kann dann selbst der Turbo-Cayenne nicht mehr mithalten.

Schafft Porsche den Sprung ins E-Zeitalter?

Das Porsche mit solchen Spitzenmodellen die Car-Guys auf der IAA in seinen Bann ziehen kann, ist klar, und dass man von der Fahrspaß-Marke schlechthin auch in Zukunft reinrassige Sportler erwarten, ja sogar fordern darf, versteht sich von selbst. Aber trotzdem: Auch die Zuffenhausener Dynamik-Schmiede muss langsam mit alternativen Konzepten ums Eck kommen, will sie auch weiterhin vorne mitspielen. Dass die Ingenieure am Entwicklungsstandort in Weissach sparsame E-Mobile bauen könnten, bezweifelt kaum einer. Ihre Herausforderung wird es sein, darauf zu achten, dass bei all der Nachhaltigkeit die typischen Porsche-Gene nicht weggemendelt werden. Spätestens auf der IAA 2019 wissen wir hoffentlich, ob ihnen das gelingt

Quelle: n-tv.de

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