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Der Qoros soll als eigenständiges Fahrzeug mit klar erkennbaren Formen Akzente im chinesischen Autobau setzen.
Der Qoros soll als eigenständiges Fahrzeug mit klar erkennbaren Formen Akzente im chinesischen Autobau setzen.

Ein Auto aus dem Reich der Mitte: Qoros soll den Markt erobern

von Holger Preiss

Autos aus China hatten bis dato in Europa keinen Erfolg. Die Sicherheitsstandards waren lax, das Design häufig geklaut und die Motoren schlecht. Jetzt hat sich ein Unternehmen mit europäischen Spitzenkräften auf die Fahne geschrieben, alles besser zu machen. Die Marke Qoros soll in Zukunft auch in Deutschland angreifen.

Chinesische Autos auf dem europäischen Markt? Da war doch was. Richtig. Die China-Limousine Brilliance BS6, die bei einem Crashtest des ADAC im Jahr 2007 gerade mal einen Stern von fünf möglichen erhielt. Was noch? Genau, die anhaltende Diskussion, dass die auf Automessen präsentierten chinesischen Modelle pure Plagiate US-amerikanischer und europäischer Autohersteller seien. Fällt uns noch etwas ein? Ja, dass der seit Jahren erwartete Sturm, der die Märkte mit chinesischen Auto überfluten sollte, bis heute ausgeblieben ist.

Doch es braut sich etwas zusammen im Reich der Mitte. Der chinesische Hersteller Chery Quantum, ein Mischunternehmen aus dem chinesischen Autobauer Chery und dem israelischen Konzern Israel Corp, hat die Zeichen der Zeit erkannt. Mit kopierten und billig produzierten Fahrzeugen bekommt man in Europa keinen Fuß in die Tür. Wer sich aber das gesamte Know-how aus dem im Fokus stehenden Markt zusammenklaubt, könnte eine echte Chance haben.

Design und Qualität sind deutsch

Chefdesigner Gert-Volker Hildebrand zeichnet für die Form der neuen Limousine verantwortlich.
Chefdesigner Gert-Volker Hildebrand zeichnet für die Form der neuen Limousine verantwortlich.

Gedacht, getan: 2007 gründet Chery Quantum die Automarke Qoros und holt sich hochkarätige Kräfte der Branche zusammen. So war Vize-Vorstand Volker Steinwascher früher Leiter des USA-Geschäfts bei Volkswagen. Damit in Zukunft die Qualität europäische Standards erreicht, wurde der ehemalige Opel-Manager Ralf Nicolas ins Boot geholt.

Wichtigster Mann im Augenblick scheint aber Chefdesigner Gert-Volker Hildebrand zu sein. Er wechselte im Januar 2011 zu Chery Quantum und zeichnete einst den ersten Mini für BMW -bekanntermaßen eine Erfolgsgeschichte. Der erste Qoros, der in Europa zum Sturm ansetzten könnte, wird eine Limousine sein. Nach dem Wunsch der Verantwortlichen soll die im Revier von Jetta und Co. wildern.

Keine Extravaganzen

Das Markenlogo thront in der Mitte des Kühlergrills.
Das Markenlogo thront in der Mitte des Kühlergrills.

Hildebrand hatte zu Beginn seiner Arbeit kaum Vorgaben. Lediglich die Bodenplatte, die im Übrigen von Saab stammt, der Radstand und die ungefähren Maße standen fest. Bereits in den kommenden Monaten will der Chefdesigner  einen fertigen Prototyp präsentieren. Erste Studien lassen aber bereits jetzt eine Nähe zu aktuellen Modellen von Kia erkennen und das deutet darauf hin, dass allzu große Experimente vermieden werden sollen.

Auch bei den Fahrleistungen sind keine Extravaganzen zu erwarten. Zwar werden die chinesischen Triebwerke vom österreichischen Zulieferer AVL für den europäischen Markt fit gemacht, aber ein großes Leistungsspektrum ist nicht zu erwarten. Zunächst wird es Benzin- und Dieselmodelle in kommoden Größenordnungen geben. Den Fokus, so die Qoros-Verantwortlichen, legt man bei dem Fahrzeug vor allem auf eine intuitive Bedienung im Stile eines iPhones. Wie das letztlich aussehen könnte, wird noch nicht verraten.

Anders als bisherige chinesische Autobauer legt die Marke Wert auf Imagegewinn durch Sicherheit. Die ab 2013 geltenden Standards des EuroNCAP-Crashtests soll das Modell jedenfalls problemlos erfüllen. Auch die Preise sind eine Kampfansage. Zwischen 11.000 und 15.000 Euro soll der Wagen kosten.

Erst China, dann die Welt

Im ersten Schritt soll die Marke aber in China bekannt gemacht werden. Wenn die Modelle, die 2013 im Reich der Mitte starten, ein Renner werden, steht dem Sprung nach Europa nichts mehr im Wege. Produziert wird in Changshu westlich von Shanghai. Hier sollen 150.000 Autos pro Jahr entstehen, die Hälfte davon für Europa. Und weil ein Modell für einen ernst zu nehmenden Autobauer zu wenig ist, um dauerhaft überleben zu können, sollen mittelfristig zur jetzt geplanten Limousine noch ein Geländewagen und ein Elektroauto folgen.

Quelle: n-tv.de

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