Auto
Nach dem Wunsch der Verantwortlichen von Qoros soll der GQ3 im Revier von Jetta und Co. wildern.
Nach dem Wunsch der Verantwortlichen von Qoros soll der GQ3 im Revier von Jetta und Co. wildern.

Chinesen machen mit GQ3 ernst: Qoros bereit zur Markteroberung

Von Holger Preiss

Einige chinesische Hersteller haben versucht, auf dem europäischen Markt Fuß zu fassen. So richtig gelungen ist es keinem. Doch seit einiger Zeit geistert der Name einer Marke durch die Presse, die das Zeug haben könnte, hier wie eine Bombe einzuschlagen: Qoros. Jetzt präsentieren sie ihr erstes Auto, den GQ3.

Kaum ein Hersteller aus dem Reich der Mitte sorgt, ohne dass bis jetzt auch nur ein Fahrzeug verkauft wurde, für so viel Neugierde wie Qoros. Das liegt allerdings nicht daran, dass die Marke mit Autos vorprescht, deren Ruf bereits nach den ersten Crashtests zerstört ist. Auch in puncto Plagiat will man sich bei Qoros keine Blöße geben. Vielmehr setzt das Mischunternehmen aus dem chinesischen Autobauer Chery und dem israelischen Konzern Israel Corp auf Eigenständigkeit und Qualität.

Um die zu erreichen, hat man sich das gesamte Know-how aus dem Markt zusammengeklaubt, der letztlich im Fokus des Verkaufs steht und mehr oder weniger der Schlüssel für den riesigen Markt in China sein soll: Europa. Hochwertige Autos kommen nun mal aus dem Abendland. Steht doch der Name Qoros lautmalerisch für das englische Wort chorus, zu deutsch Chor. Und so soll der Ruf nach dem neuen GQ3 von den potenziellen Käufern wie aus einem Munde kommen.

Um das zu erreichen, hat man für das Qoros-Team nicht nur den früheren Leiter des US-Geschäfts Volker Steinwäscher als Vize-Vorstand rekrutiert, sondern auch den ehemaligen Opel-Manager Ralf Nicolas, der die europäischen Qualitätsstandards in die Marke tragen soll.

Der Coup mit dem Chefdesigner

Doch den größten Coup landete Qoros wohl in dem Moment, als Gert-Volker Hildebrand 2011 als Chefdesigner unterschrieb. Der Mann zeichnete mit dem ersten Mini für BMW schließlich eine Erfolgsgeschichte. Und tatsächlich ist die Formensprache der des Münchner Herstellers nicht unähnlich, wenngleich sie deutliche eigene Akzente enthält.

Die drei roten Leuchtstreifen in den Heckscheinwerfern erinnern durchaus an BMW.
Die drei roten Leuchtstreifen in den Heckscheinwerfern erinnern durchaus an BMW.

Das erste Fahrzeug der kommenden Modellfamilie, das auf dem Autosalon in Genf vom 7. bis 17. März 2013 der europäischen Öffentlichkeit präsentiert werden soll, ist der GQ3. Bei der Zeichnung hat sich Hildebrand auf die Fahne geschrieben, dass jedes zukünftige Fahrzeug sofort als Qoros zu erkennen sein soll.  Dabei hat der Designer dem Wagen ein sportlich-elegantes Profil gegeben, kurze Überhänge, eine Coupé-ähnliche Silhouette und ein Dach, das sanft in das stark ausgeformte Heck fließt. Mit einem Radstand von 1,83 Metern gehört der GQ3, der im C-Segment angesiedelt ist, zu den größten Autos dieser Klasse.

Die sportlichen Züge werden weiterhin durch eine markante Sicke unterstrichen, die sich dynamisch ansteigend von den Scheinwerfern über die Türgriffe bis zu den Heckleuchten zieht. Die kraftvolle Statur des GQ3 kann mit Rädern bis zu einer Größe von 19 Zoll untermauert werden, während die acht Speichen der Alu-Standardfelgen dreifach geteilt sind und fast filigran wirken. Die Front des ersten Qoros soll die Vorlage für alle kommenden Modelle liefern. Dabei ziehen sich die Scheinwerfer weit in die Kotflügel und der relativ schmale Grill wird am oberen Rand und an den Seiten von markanten Aluminiumkanten gerahmt. In der Mitte prangt das wuchtige Qoros-Logo.

Auch bei der Nomenklatur setzt man auf einen hohen Wiedererkennungswert. Der erste Buchstabe bezeichnet die Art des Aufbaus. Das G steht also für eine Limousine. Das Q verweist auf die Marke und die Zahl 3 bezeichnet die Zugehörigkeit zum C-Segment.

Intuitiv wie ein iPhone

Auch im Innenraum folgt der GQ3 europäischen Standards.
Auch im Innenraum folgt der GQ3 europäischen Standards.

Im Inneren wollten die Designer des GQ3 vor allem eins schaffen: Raum. Die Armatur scheint zu "schweben" und die Konsole verjüngt sich zum Mittelkanal. Ein riesiger Acht-Zoll-Touchscreen bildet die zentrale Steuereinheit für das gesamte Infotainment-System. Dabei sollen Cloud-Funktionen und der Zugriff auf soziale Netzwerke vor allem junge Kunden locken. Bereits in der Grundausstattung verspricht Qoros ein voll ausgestattetes Infotainment-System. Den Fokus, so die Qoros-Verantwortlichen, legt man bei dem Fahrzeug vor allem auf eine intuitive Bedienung im Stile eines iPhones.

Auch die Sicherheit des Fahrzeuges wird europäischen Maßstäben genügen, verspricht Qoros. Dank modernster Sicherheitstechnik sollen auch bei härtesten Crash-Test-Bedingungen Bestnoten erzielt werden. Eine hochfeste Karosserie gehört ebenso zum Standard wie Front-, Seiten- und Kopfairbags.

Kampfpreise für den Marktstart?

Was unter der Haube des GQ3 los ist, kann bis dato nur gemutmaßt werden. Zwar sollen die Triebwerke aus China vom österreichischen Zulieferer AVL für den europäischen Markt fit gemacht werden, aber ein allzu großes Leistungsspektrum wird es am Anfang wohl nicht geben. Die anfänglich erhältlichen Diesel und Benziner werden sich wohl eher in kommoden Leistungsgrößen bewegen. Die noch zu Jahresbeginn gehandelten Preise für den GQ3 wären allerdings eine klare Kampfansage an die Konkurrenz. Zwischen 11.000 und 15.000 Euro sollen hier aufgerufen werden.

Wenn der Wagen auf dem Genfer Autosalon den Europäern schmackhaft gemacht wurde, soll er im April auf der Shanghai Motor Show präsentiert werden. Der Verkaufsstart in Europa ist für Ende des kommenden Jahres geplant. Produziert wird in Changshu westlich von Shanghai. Hier sollen 150.000 Autos pro Jahr entstehen, die Hälfte davon für Europa. Angesichts des schwächelnden Marktes ein ambitioniertes Unterfangen. Und weil ein Modell für einen ernst zu nehmenden Autobauer zu wenig ist, um dauerhaft überleben zu können, sollen der Limousine noch ein Geländewagen und ein Elektroauto folgen.z

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen