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Das kippt nichts: Ein niedriger Schwerpunkt ist für Geländefahrt sehr hilfreich.
Das kippt nichts: Ein niedriger Schwerpunkt ist für Geländefahrt sehr hilfreich.(Foto: Axel F. Busse)

Fords ausgezeichneter Pick-Up im Test: Ranger: Wildwest im Wohnpark

Von Axel F. Busse

Gleich zweimal machte der Ford Ranger jüngst mit Auszeichnungen von sich reden: Das aktuelle Modell erhielt den "International Pick-Up Award", die erste Generation das "Goldene Klassik Lenkrad". Doch ist der Laster wirklich so gut?

Leichtgewichte sind keine Herausforderung für den 1,3 Tonnen tragenden Ranger.
Leichtgewichte sind keine Herausforderung für den 1,3 Tonnen tragenden Ranger.(Foto: Axel F. Busse)

Auch ohne Mitglied der PR-Abteilung der Ford Motor Company zu sein, darf man behaupten: Pick Ups mit dem blauen Pflaumenlogo sind etwas Besonderes. Seit Jahrzehnten führt die Firma die Bestenliste der US-Neuzulassungen mit dem Modell F 150 an – allen Ölkrisen und Preiskapriolen an der Tankstelle zum Trotz. Der Ranger kam 1982 als "kleiner Bruder" des F 150 auf den Markt, doch nach europäischen Maßstäben hat er diesen Status deutlich hinter sich gelassen: Der Testwagen war genau 5351 Millimeter lang.

Während der 30 Jahre alte Urahn von den Lesern einer Oldtimer-Zeitschrift gerade mit dem "Goldenen Klassik Lenkrad" ausgezeichnet wurde, muss sich der heutige Ranger gegen vielfältige Konkurrenz durchsetzen. Volkswagen hat mit dem Amarok auch hierzulande einen unverhofften Hit platziert, japanische Hersteller wie Toyota, Nissan oder Mitsubishi halten zuverlässig ansehnliche Marktanteile mit ihren Pritschenwagen. Von einer wachsenden Begeisterung für die kultigen Laster befeuert, griffen 2011 rund doppelt so viele deutsche Kunden zum Ranger als noch im Jahr davor. Für 2012 wird mit einem nochmaligen Zuwachs gerechnet.

Pick-Ups proben den Spagat

Außer dem gefahrenen 150-PS-Diesel gibt es noch eine weitere Vierzylinder-Variante mit 125 PS sowie einen 3,2 Liter großen Fünfzylinder, der 200 PS mobilisiert. Die "Limited"-Version kostet mit der so genannten Extra-Cab mindestens 35.569 Euro. Dabei ist der hintere Kabinenteil mit einer durchgehenden Bank und rechtwinkligen Rückpolstern bestückt, die Notsitzcharakter haben. Erst die Doppelkabine verfügt über zwei zusätzliche Türen und eine Rückbank nach Pkw-Standard. Sie kostet ab 36.640 Euro.

Design ist alles: an der Limited-Version glänzt der "Sportbügel" serienmäßig.
Design ist alles: an der Limited-Version glänzt der "Sportbügel" serienmäßig.(Foto: Axel F. Busse)

Der in der Kfz-Zulassung verwendete Begriff "Lastkraftwagen" darf nicht darüber hinweg täuschen, dass auch Ford so viel Pkw in den Ranger hinein packen möchte, wie eben möglich. Nur mit dem Spagat zwischen der Wohnlichkeit einer Limousine und dem Nutzwert eines Lasters sind jene Nonkonformisten als Kunden zu gewinnen, die etwas anderes fahren, aber auf das, was alle haben, nicht verzichten wollen.

Dass auch ein noch so komfortabel ausgestatteter Pick Up manches nicht leisten kann, zeigt sich bei der Parkplatzsuche. Grundsätzlich sind die Abstellflächen in Wohnparks oder Tiefgaragen hierzulande sowieso kleiner als in den USA und 5,35 Meter lassen sich eben nicht mal einfach so am Straßenrand verstecken. Für den Frust entschädigt der Respekt anderer Autofahrer, die bereitwillig Platz machen, wenn so ein 1,80 Meter hoher und knapp zwei Meter breiter Trumm angerollt kommt. Außer auf Respekt kann man sich auch auf neue Freundschaften freuen: Irgendjemand in der Nachbarschaft hat immer was zu entrümpeln oder muss dringend Kaminholz beschaffen – der Pick-Up-Fahrer hilft natürlich gern.

Wohlfühlen wie im Pkw

Die Doppelkabine ist großzügig geschnitten, verzichtet weitgehend auf das karge Plastik-Interieur der Basisausstattung (die von Ford als "auswasch- und abspritzbar" gepriesen wird) und bietet einen ansprechenden Reisekomfort. Zwanzig Staufächer kann man im Innenraum zählen, dazu gehören vier große Flaschenhalter in den Türen. Dazu gibt es noch ein klimatisierbares Staufach in der Mittelkonsole.

Wohnlich, aber in der Bedienbarkeit nicht immer narrensicher: das Cockpit.
Wohnlich, aber in der Bedienbarkeit nicht immer narrensicher: das Cockpit.(Foto: Axel F. Busse)

Die hohe Sitzposition schafft ein souveränes Fahrgefühl. Beim Kurbeln mit dem großen Lenkrad in der City zeigt sich aber die Schwäche des großen Radstandes, denn bei engen Kehren kann es im Allradbetrieb zu Verspannungen im Antriebsstrang kommen. Die "Limited"-Ausstattung bietet außer 17-Zoll-Leichtmetallrädern und Klimaautomatik eine Lederausstattung, beheizbare Vordersitze und Isofix-Kindersitzhalterungen. Der zweckfreie, aber sehr schicke Sportbügel auf der Ladepritsche im verchromten Rundrohr-Design ist ebenso im Preis enthalten wie Kopf-, Seiten- und Knie-Airbags.

Ob das fast 900 Euro teure Navigationsgerät Freude macht, muss jeder für sich entscheiden. Auf dem 5-Zoll-Display sind die Darstellungsmöglichkeiten eingeschränkt, und gern verblüfft das System seine Zuhörer mit Nachrichten wie "Verkehrsbehinderungen auf der L 21" (wo in aller Welt ist die Landesstraße 21? Auf der Kartengrafik ist sie jedenfalls nicht zu finden). Nützlich ist in jedem Falle das serienmäßige Parkpilot-System, das im Falle des Testwagens von einer Rückfahrkamera unterstützt wurde.

Verbrauch: Der Fahrer hat’s im Fuß

Das Bild der Rückfahrkamera wird im Innen-Rückspiegel angezeigt.
Das Bild der Rückfahrkamera wird im Innen-Rückspiegel angezeigt.(Foto: Axel F. Busse)

Bei der Überarbeitung des Vorgängers hat Ford an Fahrwerk und Antrieb nachhaltig Hand angelegt. Der 150 PS starke Vierzylinder schöpft seine Kraft aus 2,2 Litern Hubraum und kann wahlweise mit einem manuellen Sechsganggetriebe oder einer Automatik mit ebenso vielen Stufen geschaltet werden. Am handgeschalteten Testwagen ließ sich kurz nach dem Kaltstart bereits die Sehnsucht nach Western-Romantik, Freiheit und Abenteuer stillen, so ungestüm krächzte, schnarrte und polterte der Motor nach seinem Weckruf. Nach der Anwärmphase läuft er aber erstaunlich ruhig, so dass bis zu Autobahntempo ein angenehm entspanntes Fahrerlebnis genossen werden kann. Maximal 375 Newtonmeter Drehmoment geben dem 2,2-Tonnne-Laster ordentlich Anschub.

Geschwindigkeiten jenseits von 140 km/h sind aus zwei Gründen nicht empfehlenswert. Zu einen werden dann Wind- und Motorgeräusche lästig, zum anderen fordert die fehlende Windschlüpfrigkeit auch beim Verbrauch Tribut und wächst auf deutlich zweistellige Werte. Nach EU-Norm soll der Ranger Wildtrack mit Handschaltung und Doppelkabine zwar mit 8,5 Litern Diesel je 100 Kilometer auskommen, in diesem Test waren es am Ende 9,6 Liter.

Der Allradantrieb ist bequem per Drehknopf zu aktivieren und selbst auf nassen Abhängen arbeitet die Getriebeuntersetzung so zuverlässig, dass die Bergabfahrkontrolle überflüssig erscheint. An der Vorderachse ist eine Einzelradaufhängung mit Federbeinen installiert, die hintere Starrachse hängt nach wie vor an Blattfedern. Der Federungskomfort ist selbst bei freier Ladefläche ordentlich. Dennoch gibt es Optimierungspotenzial: Die Trommelbremse sollte durch moderne Scheibenstopper ersetzt und das Sperrdifferenzial durch für alle Märkte verfügbar gemacht werden. Die Bodenfreiheit von 232 Millimetern und die Wattiefe von 800 Millimetern machen den Ranger zu einem ernst zu nehmenden Geländewagen.

Fazit: Für einen Hauch wilder Westen im Wohnpark ist der praktische und gut ausgestattete Ford Ranger gerüstet. Der Einstiegspreis erscheint günstig, wer ihn als Allroundauto nutzen will, ist aber schnell mehr als 40.000 Euro los. Nach der Überarbeitung kann der Ranger als selbstbewusster Kontrahent dem VW Amarok so manchen Kunden abjagen. Mehr als 1,3 Tonnen Nutzlast (bei Einzelkabine) machen ihn für Gewerbetreibende ohnehin zu einer Verlockung.

DATENBLATTFord Ranger 2.2 TDCi
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)5,35 m/ 1,85 m/ 1,82 m
Radstand3,22 m
Leergewicht (DIN)2176 kg
Sitzplätze5
Ladehöhe84 cm
Ladebreite (max.)156 cm
Ladebreite zw. Radhäusern114 cm
Zuladung1024 kg
EmissionsklasseEU 5
Motor/Hubraum4-Zylinder Turbodiesel-Motor mit 2198 ccm Hubraum
GetriebeSechsgang-Handschaltung
Leistung150 PS (110 kW) bei 3700 U/min
KraftstoffartDiesel
AntriebAllradantrieb
Höchstgeschwindigkeit175 km/h
max. Drehmoment375 Nm bei 1500 - 2500 U/min
Tankinhalt80 l
Beschleunigung 0-100 km/h11,1 s
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)7,7/ 10,1/ 8,5 Liter
Testverbrauch9,6 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
224 g/km
Grundpreis36.640,00 Euro
Preis des Testwagens39.140,00 Euro

Quelle: n-tv.de

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