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Nach Schätzungen des Bundesverkehrsministeriums werden etwa 515.000 Fahrzeughalter bei zugelassenen Autos das Kennzeichen wechseln.
Nach Schätzungen des Bundesverkehrsministeriums werden etwa 515.000 Fahrzeughalter bei zugelassenen Autos das Kennzeichen wechseln.(Foto: picture alliance / dpa)

Heimatliebe in Blech: Regionalkennzeichen sind zurück

Die Liebe zur Heimatregion am Auto sollen sie demonstrieren: die Regionalkennzeichen. Erste Lokalpatrioten sind schon unterwegs und lassen sich ihr neues Nummernschild reservieren. Und das trotz harscher Kritik an der Idee. Sollte alles gut gehen, könnte die Heimatliebe in Blech bereits unterm Weihnachtsbaum liegen.

Das Comeback alter Regionalkürzel auf Auto-Nummernschildern in Deutschland rückt näher. Mehrere Bundesländer bereiten inzwischen konkret vor, Buchstabenkombinationen wieder beim Bund zu beantragen, die bei Gebietsreformen weggefallen waren.

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Die ersten reaktivierten Kürzel könnten noch zum Jahreswechsel ausgegeben werden. Möglich ist das durch eine seit 1. November geltende Verordnung des Bundesverkehrsministeriums, das die Kombinationen auf Antrag der Länder aber zunächst genehmigen muss. Das scheint aber nur eine Formsache zu sein.

Dabei stieß der Plan von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) noch im August auf harsche Kritik von Polizei und Oppositionspolitikern. Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, sprach gar von "Klamauk-Politik". "Wer Lokalpatriotismus zu seinem Kuhdorf zeigen will, der soll das über einen Aufkleber am Kofferraum tun – aber bitte nicht über das amtliche Kennzeichen", tönte Wendt gegenüber der Osnabrücker Zeitung.

Neue Kennzeichen unterm Weihnachtsbaum?

"Ob die alten Kennzeichen schon unter dem Weihnachtsbaum liegen können, ist noch unklar", sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums in Nordrhein-Westfalen, das elf Kürzel wieder zulassen will. Darunter sind WAT für Wattenscheid oder CAS für Castrop-Rauxel. Um den Jahreswechsel herum könne es so weit sein. In Rheinland-Pfalz geht das Infrastrukturministerium davon aus, dass alte Kürzel "jedenfalls noch in diesem Jahr ausgegeben werden können". Sechs Kreise wollen dabei sein, andere prüfen noch oder haben sich dagegen entschieden.

In Niedersachsen gibt es besonders in Ostfriesland reges Interesse von Pkw-Besitzern. "Bei uns sind bereits über 2700 Anmeldungen eingegangen", sagte Ingrid Evers von der Zulassungsstelle der Stadt Norden, die das Kürzel NOR zurückbekommen soll. Im Kreis Göttingen gibt es 425 Voranmeldungen. Insgesamt planen zehn niedersächsische Gemeinden die Wiederbelebung abgeschaffter Kfz-Kennzeichen.

Auch in Sachsen spüren Zulassungsstellen schon Interesse. "Bis zu zehn Anrufer am Tag wollen sich über ihr Wunschkürzel informieren", sagte ein Sprecher des Landkreises Meißen. Die meisten wollten etwa das Altkennzeichen RIE für Riesa oder GRH für Großenhain wiederhaben. Beim Landratsamt Görlitz liegen 350 Reservierungen vor. Sachsen will insgesamt 45 Alt-Autokennzeichen wiedereinführen.

Sachsen-Anhalt will eine Liste mit 38 zusätzlichen Kennzeichen von Altkreisen in den kommenden Tagen an den Bund schicken, wie ein Sprecher des Verkehrsministeriums sagte. In Hessen wollen sieben Kreise zusätzlich alte Buchstabenkombinationen zurück. "Es gab eine große Nachfrage. Das hat auch mit Lokalpatriotismus zu tun", sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums. In Schleswig- Holstein will vorerst nur Eckernförde das Kürzel ECK wiederhaben.

In Mecklenburg-Vorpommern hat der Landkreis Vorpommern-Greifswald als erster die Wiederbelebung alter Kennzeichen beantragt, etwa ANK für Anklam oder PW für Pasewalk. Brandenburgs Verkehrsminister Jörg Vogelsänger (SPD) will die Landräte per Post über die neue Rechtslage informieren und rechnet mit Rückmeldungen bis Ende November. Die Kreise sollen dem Ministerium auch mitteilen, welche alten Kennzeichen wieder eingeführt werden sollen, sagte ein Sprecher.

Erneut 40 Kennzeichen in Brandenburg?

Statt der einst etwa 40 Kennzeichen in Brandenburg gibt es jetzt nur noch 17. In der Vergangenheit haben bereits verschiedene Städte Interesse an ihren alten Kennzeichen bekundet, etwa Eisenhüttenstadt. Dort will man statt des Kreis-Kennzeichens "LOS" wieder das "EH". Auch in anderen Regionen wie Calau (Oberspreewald-Lausitz) und Wittstock (Ostprignitz-Ruppin) favorisieren Bürger statt der Kreiskennzeichen "OSL" und "OPR" ihre ehemaligen Kennzeichen "CA" und "WK".

Auch Vogelsänger hatte im Frühjahr gefordert, dass Autofahrer ihre Heimatverbundenheit lieber mit einem Aufkleber statt eines alten Kennzeichens am Auto zeigen sollen. Die Landesregierung halte die Kennzeichen nicht für nötig. Für den Fahrer sei kein großer Nutzen ersichtlich und der Aufwand für die Zulassungsbehörden steige, kritisierte das Ministerium.

In Baden-Württemberg haben schon seit längerem mehr als ein Dutzend Kommunen Interesse an Altkennzeichen angemeldet, etwa LEO für Leonberg. Bis Mitte November bündeln die Regierungspräsidien die Anfragen, wie ein Sprecher des Verkehrsministeriums in Stuttgart sagte. Dieses werde die Anträge noch einmal prüfen und dann an den Bund weiterreichen.

Quelle: n-tv.de

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