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Nur wenig haben die Designer mit dem Facelift am Renault Capture geändert.
Nur wenig haben die Designer mit dem Facelift am Renault Capture geändert.(Foto: Busse/Textfabrik)

Auf der Erfolgsspur bleiben: Renault Capture - mehr individuelle Freiheit

Von Axel F. Busse

Mit dem Captur hat Renault einen Hit gelandet, seit 2013 mischt der Crossover das B-Segment auf. Natürlich möchte man, dass das so bleibt. Retuschen, LED-Scheinwerfer, Assistenzsysteme und ein neues Topmodell sollen dabei helfen.

Drangvolle Enge herrscht im Crossover-Gehege, alle wollen ein bisschen SUV sein, doch nur die wenigsten können mit Allradantrieb locken. Aber die Kunden mögen die erhöhte Sitzposition und den teils martialischen Auftritt. Immer mehr Wettbewerber hat der Renault Captur im Laufe von nahezu vier Jahren bekommen, aber sich bravourös behauptet. Nicht ohne Stolz weist Reginar von Schoenau, bei Renault verantwortlich für das Marketing der Baureihen Twingo, Clio und Captur, darauf hin, dass der vormalige Clio-Abkömmling immer noch die Zulassungsstatistik seiner Klasse in Deutschland anführt. Und dort hat es der Captur unter anderem mit Peugeot 2008, Citroën Cactus, Mazda CX-3, Ford Ecosport und Audi Q2 zu tun.

Bei der Farbe des Daches hat der Kunde verschiedene Optionen.
Bei der Farbe des Daches hat der Kunde verschiedene Optionen.(Foto: Busse/Textfabrik)

Mehr als 21.000-mal entschieden sich Halter vergangenes Jahr hierzulande für die Zulassung eines Capturs und Renault Deutschland sieht allen Grund zur Zuversicht, dass dieses Ergebnis 2017 noch übertroffen werden kann. Ab Juni geht das aufgefrischte Auto an den Start. Von "neu" ist nicht wirklich zu sprechen, denn getreu dem Motto, dass man ein gut laufendes Pferd nicht während des Rennens auswechseln soll, hat Renault ihm nur etwas Hafer und Wasser gegeben.

Da Kundenbefragungen wiederholt das Design ihres Autos als wichtigsten Kaufgrund identifizierten, hat Renault sich auf die Schärfung der Optik konzentriert, die den 4,12 Meter großen Wagen stämmiger und robuster erscheinen lassen soll. An Bug- und Heckschürze ist der angedeutete Unterfahrschutz auffälliger heraus gearbeitet, schon ab der zweiten Ausstattungslinie gibt es LED-Hauptscheinwerfer, was das Gesicht des Wagens nachhaltig beeinflusst. Das Tagfahrlicht ist ein dreidimensional wirkendes LED-Band in Form des Buchstabens "C" und es scheint bei Renault niemanden zu stören, dass dies mit der Konkurrenz von Citroën assoziiert werden könnte. Die äußerlichen Veränderungen sollen "den Abenteurer-Charakter des Autos stärken" wie es auf der Präsentation hieß.

Sitze spürbar seitenstabiler

Das Panorama-Dach ist mit 590 Euro extra vergleichsweise preiswert.
Das Panorama-Dach ist mit 590 Euro extra vergleichsweise preiswert.(Foto: Renault)

Ein Entgegenkommen an die Kunden stellen die umfangreicheren persönlichen Gestaltungs- und Individualisierungsmöglichkeiten dar, die sich in wählbaren Dachfarben und kolorierten Verkleidungen im Innenraum manifestieren. Außer einem neu gestalteten Lenkrad und unterschäumten Oberflächen kommen dort veränderte Türverkleidungen mit gepolsterten Armstützen und eingelassenen Fensterhebern zum Einsatz. Die Sitze wurden neu konturiert und dem Wunsch der Kunden nach mehr Seitenstabilität angepasst.

Als zusätzliches Appetithäppchen ist ein neu in die Preisliste aufgenommenes Topmodell "Initiale Paris" anzusehen, das alle verfügbaren Optionen aufbietet und als kostenpflichtige Extras lediglich eine weit ins Dach gezogene Panoramascheibe nebst Rollo sowie eine Metallic-Lackierung übrig lässt. Dieses Fahrzeug verfügt dann über einen Totwinkel- und einen Einparkassistenten, der die Positionierung des Wagens ins Läng-, Quer- und Schrägtaschen beherrscht, sowie die komplette Online-Anbindung des R-Link-Systems mit zahlreichen Informations- und Entertainment-Funktionen angeboten. Ein Notbremsassistent ist nicht vorgesehen.

Kontrastfarben und gute Verarbeitung werten den Innenraum des Renault Capture auf.
Kontrastfarben und gute Verarbeitung werten den Innenraum des Renault Capture auf.(Foto: Renault)

Obwohl sich in der Zone zwischen B-Segment und Kompaktklasse nur ein wechselnder Teil der Kunden für einen Dieselmotor entscheidet (beim Captur sind es rund 25 Prozent), hält Renault am Angebot von drei Selbstzünder-Varianten fest. Der 1,5 Liter große Vierzylinder ist wahlweise mit 90 oder 110 PS lieferbar, wobei beim 66-kW-Motor zwischen 5-Gang-Handschaltung und 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe entschieden werden kann. Der Topdiesel fährt mit 6-Gang-Handschaltung.

Spurtstark und geräuscharm

Die Ottomotoren-Fraktion besteht aus einem Einliter-Dreizylinder mit 90 PS und einem 1,2 Liter großen Vierzylinder, der mit 118 PS unterwegs ist. Interessanter Weise unterbietet der Handschalter den Automatik-Captur im Spurt von 0 auf 100 km/h um 0,7 Sekunden, jedoch hat der Automat den längeren Atem und rennt bis 192 km/h. Für den gleich starken Handschalter ist bei 182 km/h Schluss. Im Fahrtest hinterließ der handgeschaltete Vierzylinder-Benziner einen kommoden Eindruck, spielte durch 205 Newtonmeter Drehmoment ein ordentliches Temperament aus, blieb aber mit einem Innengeräusch von 66 Dezibel (gemessen bei 100 km/h) angenehm zurückhaltend. Lenkung und Schaltung erweisen sich als wohltuend präzise und griffig, nur das Navigationsgerät ließ sich bei Perspektiv- oder Maßstabswechsel überraschend viel Zeit. Die Handhabung verlangt eine gewisse Eingewöhnung in die Funktionen, die nicht immer nach logischen Gesichtspunkten aufgebaut zu sein scheinen.

Der zwischen 377 und 1235 Litern variable Kofferraum bleibt den Nutzern erhalten, er hat einen beweglichen Ladeboden und die teilbare Rückbank ist um 16 Zentimeter verschiebbar. Als geschätztes Detail im Cockpit hat sich das 11,5 Liter große Schubfach erwiesen, das vorsichtig herausfährt und die Knie des Beifahrers unbeschädigt lässt. Ergänzend ist an der Oberseite des Armaturenbretts eine Klappe angebracht, hinter der Kleinteile wie Smartphones verschwinden können. Sie gleich noch mit einer induktiven Lademöglichkeit auszustatten, unterblieb allerdings. Der vom Bordcomputer errechnete Testverbrauch von 6,5 Liter je 100 Kilometer, blieb im Bereich des ortsüblichen Praxiszuschlags. Offiziell werden 5,6 Liter angegeben. Der Diesel mit 110 PS soll sich laut Hersteller mit 3,9 Litern im Mittel zufrieden geben.

Mit einem Aufschlag von 200 Euro gegenüber dem bisherigen Preis hält sich Renault an sein Vorhaben, mit dem Captur unter 16.000 Euro zu bleiben. 15.890 Euro kostet das Basismodell, das elektrische Fensterheber vorn und hinten, elektrische Außenspiegel und eine Tempo-Regelanlage bietet. Wer gern auf Leder sitzt und auch sonst allen verfügbaren Komfort nicht missen möchte, zählt 25.490 Euro für die Benziner-Ausgabe des Modells "Initiale Paris" und 27.390 für das Dieselpendant. Mit Automatik kommen noch einmal je 1500 Euro dazu.

Quelle: n-tv.de

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