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Größe zählt: Der Grandtour ist 20 Zentimeter länger als sein Vorgänger.
Größe zählt: Der Grandtour ist 20 Zentimeter länger als sein Vorgänger.(Foto: Renault)

Dem Namen alle Ehre gemacht: Clio ist jetzt wirklich "Grand"-tour

Von Axel F. Busse

Der neue Renault Clio gefällt den deutschen Kunden. Um rund 40 Prozent stieg die Zahl der Neuzulassungen im Januar dieses Jahres gegenüber dem Vergleichszeitraum 2012. Nun hofft der Hersteller auf weiteren Rückenwind, denn im April kommt der Kombi.

"Grandtour" ist traditionell bei Renault der Name der Kombiversion einer Baureihe. Er soll nicht nur in größerem Volumen verkauft werden, sondern Volumen ist auch die Kernvokabel, um die Vorzüge des Neuen gegenüber dem Vorgänger zu erklären. Die Karosserie ist um satte

Der Clio Grandtour hat eine beladefreundliche Kofferraumkante von 56 cm Höhe.
Der Clio Grandtour hat eine beladefreundliche Kofferraumkante von 56 cm Höhe.(Foto: Axel F. Busse)

20 Zentimeter gewachsen, eine ansteigende Gürtel- und abfallende Dachlinie verstärken die gestreckte Silhouette. Öffnet man die Heckklappe, staunt man zunächst über die niedrige Ladekante. Der Stoßfänger endet in 52 Zentimetern Höhe, vier Zentimeter weiter oben ist der Ladeboden. Auf ihm und bei aufrechten Rücksitz-Lehnen steht ein Gepäckvolumen von 443 Liter zur Verfügung. Das sind fast 50 Prozent mehr als beim Vorgänger. Mit rund 500 Kilogramm Zuladung (je nach Ausführung) ist der Kleinst-Laster gut aufgestellt.

Richtig üppig wird’s, wenn man die Lehnen umklappt. Erfreulich nicht nur, dass dann eine ebene Fläche entsteht, sondern auch, dass 1380 Liter Volumen gefüllt werden können. Das ist fast so viel, wie beispielsweise BMW für sein Modell 3er Touring angibt. Einziger Kritikpunkt: Man sollte beim Verstauen vorsichtig sein, vor allem dann, wenn man mit der höherwertigen Ausstattungslinie eine schwarz lackierte Stoßfänger-Oberseite geliefert bekommen hat. Die sieht zwar edel aus, ist aber kraftempfindlich. Ist die erst einmal ruiniert, kann man sich auch nur noch beschränkt über die vielen Platz freuen.

Mit Sinn fürs Praktische

Dabei haben die Konstrukteure offenkundig Sinn fürs Praktische: Am Beifahrersitz kann man die Lehne nach vorn klappen und so weiteren Platz gewinnen. Fast 2,50 Meter können die Teile lang sein, die man beim Baumarkt einpacken und dann die Klappe schließen kann.

Zum Marktstart können die Kunden zwischen vier Motoren wählen.
Zum Marktstart können die Kunden zwischen vier Motoren wählen.(Foto: Renault)

Mit diesen Fakten ist die Bestimmung des Fahrzeugs klar definiert. Sie liegt im Nutzen und in der Transportkapazität. Die Insassen haben von dieser Schwerpunktsetzung kaum profitiert, denn für sie unterscheiden sich die Platzverhältnisse nur minimal von denen der Limousine. Lediglich über dem Scheitel geht es für die hinten Sitzenden kommod zu - die Kopffreiheit wuchs um 15 Millimeter. Erwachsene sollten sich bei der Raumzuteilung mit dem Vordermann einigen, denn nutzt der die Sitzschiene seines Gestühls voll aus, wird’s knapp mit der Beinfreiheit dahinter.

Moderne Akzente beim Karosseriezuschnitt, unterm Blech regiert das Vertraute. Zwei Benziner und zwei Diesel, die jeweils 75 oder 90 PS leisten, können die Händler ihren Kunden offerieren. Die Fifty-Fifty-Aufteilung ist insofern überraschend, als dass der Clio – zumindest in Deutschland – weitaus häufiger mit Ottomotor als mit Selbstzünder geordert wird. Von den knapp 22.000 Clios, die 2012 hierzulande neu zugelassen wurden, war nicht mal ein Zehntel mit Dieselmotor ausgestattet. Dabei versprechen die Diesel ganz ordentlich Temperament. Bis zu 220 Nm Drehmoment sind dort in der stärkeren Version nutzbar. Diese Variante ist dann auch mit einem Start-Stopp-System ausgerüstet und soll nach Norm 3,6 Liter je 100 Kilometer verbrauchen, was in der Praxis auf etwa fünf hinausläuft.

Die Benziner gehen mit der gleichen Leistung zu Werke, wobei der 90-PS-Motor drei, der 1,2-Liter-Motor mit 75 PS vier Zylinder hat. 107 bzw. 135 Newtonmeter Drehmoment versprechen keine gewaltigen Spurtleistungen, sind aber mit 4,5 bzw. 5,5 Litern Super einigermaßen genügsam. Ein Start-Stopp-System hat auch der Dreizylinder, der als schnellstes Modell der Reihe 182 km/h Höchstgeschwindigkeit schafft.

Das Smartphone bekommt Räder

Je nach Ausstattung kann das Innendekor mit poppigen Farben aufgehübscht werden.
Je nach Ausstattung kann das Innendekor mit poppigen Farben aufgehübscht werden.(Foto: Axel F. Busse)

Damit der schlichte Nutzwert die Oberhand behält, werden analog zum modernen Karosseriedesign im Innern knallige Farben und allerlei technische Spielereien angeboten. Bunte Stoffe, schmucke Zierblenden, Chrom oder einem Klavierlack nachempfundene Oberflächen hübschen das Ambiente auf. Die Mittelkonsole scheint von einem Tablet-Computer inspiriert und lässt sich – die Anschaffung der R-Link-Technik vorausgesetzt – auch so nutzen. Mittels SIM-Karte stellt es eine online-Anbindung her und kann mit zusätzlichen Apps aufgeladen werden. Die Steuerung erfolgt über Touchscreen oder Spracherkennung, die derzeit neun Sprachen beherrscht. Auf der Basis des aus Smartphones bekannten Betriebssystems Android kann man außer der üblichen Verwaltung von Media-Dateien auch E-Mail-Verkehr abwickeln. Lesen und Schreiben sind zwar während der Fahrt sinnvoller Weise unterbunden, aber dann kann man sich Textmitteilungen auch vorlesen lassen. Nachrichtendienste, Wetterdaten, soziale Netzwerke bis hin zu Horoskopen können genutzt werden.

Messbaren Gewinn verspricht der so genannte Eco-Trainer, mit dem das Gerät den persönlichen Fahrstiel des Nutzers analysiert. Beschleunigungs- und Bremsverhalten sowie weitere Parameter werden aufgezeichnet und ausgewertet, so dass danach Empfehlungen für einen optimierten und verbrauchsarmen Fahrstil gegeben werden können. Einen unfreiwillig komischen Effekt hat die Tatsache, dass für die Navigationsgrafik das Fahrzeugsymbol frei wählbar ist: So steht dort auch das Modell Latitude zur Auswahl. Es ist wohl für die Trauergemeinde der 116 Kunden gedacht, die 2012 einen Latitude in Deutschland neu zuließen. Danach wurde der Oberklasse-Versuch beerdigt.

Die Empfehlung der Kunden an den Hersteller könnte auf Erweiterung des Getriebeangebots lauten. Bislang ist nur eine manuelle Fünfgang-Schaltung im Angebot, mit einem sechsten Gang ließe sich der Verbrauch wahrscheinlich noch um ein paar Zehntel drücken. Angenehm ist, dass auch bei höheren Geschwindigkeiten das Geräuschniveau niedrig bleibt, in dieser Hinsicht vermisst man den sechsten Gang nicht. Das Fahrwerk ist ausgewogen abgestimmt und verspricht keine Sportlichkeit, die die Motorisierung ohnehin nicht halten könnte. Unebenheiten werden souverän weggebügelt, die Lenkung ist griffig und ausreichend präzise.

Mit dem Basismodell für 13.800 Euro liefert Renault ein schlüsselloses Startsystem, Tempomat, Bordcomputer und Berganfahrhilfe. Schon in der nächsten Stufe gibt es das Navigationsgerät und die 4x20 Watt-Audioanlage. Mit 90-PS-Diesel werden allerdings schon 19.100 Euro fällig.

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Quelle: n-tv.de

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