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Der DeZir präsentiert in den Design-Studien von Renault die Zeit, in der sich zwei junge Menschen ineinander verlieben.
Der DeZir präsentiert in den Design-Studien von Renault die Zeit, in der sich zwei junge Menschen ineinander verlieben.(Foto: Renault)

Lebenszyklus-Design: Renault erfindet seine Linien neu

von Holger Preiss

Design-Studien erzählen viel über die Ideen der Autohersteller. Zu den Visionären gehörte lange Renault. Bis mit dem Nonkonformismus die Grenze des allgemeinen Geschmacks überschritten wurden. Reumütig zogen sich die Franzosen in den 90er Jahren in das Gleichmaß zurück. Mit Design-Chef Laurens van Acker ist der Mut zurück.

Design-Studien der Autobauer sind so etwas wie Supermodels in der Modewelt: einzigartige Linien, wunderbare Proportionen und meist unerreicht in der Wirklichkeit. Doch eins liefern diese Blech gewordenen Ideen: einen Blick in die Zukunft. Mehr als einmal hinterließ die Design-Abteilung des französischen Fahrzeugherstellers ihren genetischen Fingerabdruck an späteren Serienfahrzeugen.

In den 90er Jahren fand der Twingo viele Liebhaber.
In den 90er Jahren fand der Twingo viele Liebhaber.(Foto: Renault)

Doch die Franzosen verstanden unter Design nie das pure Aufhübschen eines Fahrzeuges, sondern suchten immer auch die funktionale Innovation. So war der gute alte R4 vielseitig und clever in der Raumausnutzung. Das Konzept des Espace hat Renault nicht erfunden, aber in Serie gebracht und mit dem ersten Twingo erfand Renault den liebenswertesten Kleinwagen der 90er Jahre.

Der Nonkonformismus-Flop

Dann leistete sich Renault unter Chefdesigner Patrick de Quément einige Flops. Modelle wie der Vel Satis, der Avantime und sogar der Mégane waren allzu extravagant und polarisierten potenzielle Käufer. Renault sprach von einem nonkonformistischen Trio.  Die schlechten Verkaufszahlen nahmen den Verantwortlichen den Mut.

Der Vel Satis war einer der größten Flops, die sich Renault geleistet hat.
Der Vel Satis war einer der größten Flops, die sich Renault geleistet hat.(Foto: Renault)

Renault ließ die kommenden Modelle in purer Beliebigkeit oder besser im Konformismus versinken. Man trieb ihnen ihre Eigenarten aus und sie verschwanden ungesehen und vor allem ungekauft in der Masse. Ein Fauxpas, den sich selbst Hersteller von Nischenfahrzeugen nicht leisten dürfen.

Van Acker, übernehmen Sie

Im Jahr 2009 übernimmt der Holländer Laurens van Acker als Designchef das Ruder bei Renault. Von Mazda abgeworben, setzte er schon bei den Japanern auf eine sehr emotionale Formsprache. Mit dem neuen Chef formulieren auch die Franzosen ihre Designsprache  um. Ziel ist es jetzt, für jeden Lebensabschnitt ein maßgeschneidertes Fahrzeugkonzept im Angebot zu haben. Wie schon in den 60er und 70er Jahren ruft Renault erneut  das Motto aus: "Autos zum Leben" .

(Foto: Renault)

Als erstes Serienfahrzeug wurde der Twingo mit einem neuen Gesicht zu den Händlern geschickt. Im Juni folgt der neue Mégane und im November der neue Clio. Alle Modelle zeigen bereits die Handschrift von van Acker. Mit den neuen Modellen soll auch die Marke wieder in den Fokus gerückt werden. Während sich Quément gegen ein großes Markenlogo am Fahrzeug wehrte und vielmehr auf die unverwechselbare Form selbst setzte, erfährt der Renault-Rhombus jetzt eine optische Aufwertung. Künftige Serienmodelle tragen das Marken-Logo deutlich größer in der Front. 

Doch nicht alle Ideen, die der Design-Chef in seine Concept-Modelle gepackt hat, werden sich in der Serie wiederfinden. Als van Acker bei Renault begann, wollte er mit seinen Studien "Visionen über das Leben" schaffen.

Die Idee von den Lebenszyklen

Mit seinen Studien will van Acker insgesamt sechs Lebenszyklen darstellen. Vier hat er schon.
Mit seinen Studien will van Acker insgesamt sechs Lebenszyklen darstellen. Vier hat er schon.(Foto: Renault)

Mit der Studie DeZir startet das Design-Team 2010  seine Ideen vom Zyklus des Lebens. Für van Acker präsentierte der sehr dynamisch gezeichnete Zweisitzer den Lebensabschnitt, in dem sich zwei junge Menschen ineinander verlieben. Der Crossover Capture,  eine Studie mit Abenteuerattitüde, soll es jungen Paaren ermöglichen, die Welt neu zu entdecken. Der R-Space, ein Kompaktvan, orientiert sich an der darauffolgenden Zeit der Familiengründung. Der Frendzy hingegen ist maßgeschneidert für die Lebensphasen, in der das Berufsleben im Mittelpunkt steht.

Sollten sich die von van Acker gezeichneten Serienmodelle verkaufen, wird der Holländer auch in Zukunft viel Geld für seine Visionen in die Hand nehmen dürfen. Allein die Capture-Studie kostete etwa 1,5 Millionen Euro. Geld, das nie wieder in die Kassen des Autobauers zurückfließt. Die unverkäuflichen Einzelstücke werden einzig und allein erschaffen, um der Vision ein Gesicht zu geben. In der Regel haben sie nicht einmal einen Motor. 

Für die letzte Phase seines Lebenszyklus hat van Acker bis dato noch kein Konzept geliefert, es aber in Aussicht gestellt. Wie das Fahrzeug aussehen wird, das für Menschen gebaut wird, die überwiegend ihre freie Zeit genießen und sich an der Weisheit des Alters erfreuen, bleibt abzuwarten. Denn nicht jeder Fahrzeughersteller gibt zu, die ältere Generation der Autofahrer überhaupt im Blick zu haben.

Wenn der Zyklus von van Acker abgeschlossen ist, will Renault sechs Fahrzeuge für sechs Lebensphasen anbieten. Wann es soweit ist, bleibt offen. Vorerst müssen sich die Käufer mit den im van-Acker-Stil neu gezeichneten alten Bekannten begnügen: Twingo, Clio und Mégan.

Quelle: n-tv.de

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