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Ein Rolls-Royce Phantom wird wohl eher auf der Straße, als auf einem englischen Rasen in der Drift vermutet.
Ein Rolls-Royce Phantom wird wohl eher auf der Straße, als auf einem englischen Rasen in der Drift vermutet.

Drift mit dem Rolls-Royce Phantom: Mit dem Nobel-Hobel übern Acker

Von Holger Preiss

Autobegeisterte und Hobby-Revoluzzer gleichermaßen zeigen sich derzeit von einem Video auf Youtube beeindruckt. Unbekannte heizen darin mit einem Rolls-Royce Phantom über den Acker statt über die Straße. Geht's noch spektakulärer?

Ein 2,5 Tonnen schwerer Rolls-Royce Phantom mit 460 PS ist nicht das erste Auto, das einem in den Sinn kommt, wenn man an eine Fahrt in der Drift denkt. Eben jene Fahrtechnik, bei der der Pilot versucht, sein Fahrzeug zum Übersteuern zu bringen, während das Fahrtempo nicht gedrosselt wird. Doch seit einiger Zeit sorgt ein ein Video auf Youtube für Furore, das eben diese königliche Kalesche zeigt, wie sie einen englischen Rasen zermetert und am Ende mit einem satten Burnout durch die Einfahrt eines grafschaftlichen Gehöfts heizt. Die Macher dieses Filmchens nennen sich "Tax The Rich" ("Besteuert die Reichen"), was vermuten lässt, dass es sich um eine politische Aktion handelt.

Robin Hood im Nobel-Hobel

Welches Phantom den Phantom steuert weiß niemand.
Welches Phantom den Phantom steuert weiß niemand.

Dieser Gedanke wird noch verstärkt, wenn man weiß, dass die Fahrkünstler auch einen Bugatti EB 110 SS über Landstraßen und Feldwege jagen, mit einem Ferrari F50 über Waldwege brettern und einem Ferrari 288 GTO Feuerstöße entlocken. Normalerweise sind all diese Karossen eher dazu geeignet, den Fahrer der High Society auf den Boulevards dieser Welt ins rechte Licht zu setzen oder auf leeren Autobahnen mit Tempo 300 sein Mütchen zu kühlen.

Doch wer steckt hinter dieser Robin-Hood-Attitüde? Es ist unwahrscheinlich, dass die Fahrer auch die Besitzer dieser Supercars sind. Leute, die für einen Phantom 500.000 Euro berappen, dürften diesen Wagen mit etwas mehr Ehrfurcht behandeln. Insofern darf angenommen werden, dass es sich hier wohl eher um enttäuschte Angestellte von gut betuchten Menschen handelt oder um deren frustrierte Familienmitglieder.

Letztlich bleibt es im Augenblick ein Geheimnis, wer hinter den Videos steckt. Die Internetseite Motor-Talk.de hat nach eigenen Angaben Kontakt mit den Driftern aufgenommen. Die wollen aber, wie könnte es anders sein, unerkannt bleiben: "Wir ziehen es vor, dass unsere Videos im Rampenlicht stehen statt wir selbst", soll einer der Macher geantwortet haben. "Ich kann garantieren, dass wir in naher Zukunft noch ein paar Autos zeigen, die eure Kinnlade runterklappen lassen!", berichtet Motor-Talk.

Spektakuläre Acker-Hatz?

Doch ist die Acker-Hatz mit dem Nobel-Hobel wirklich so spektakulär, wie sie sich in den Videos ausnimmt? Natürlich sind die Aufnahmen großartig, aber zu glauben, dass es so etwas noch nie gab, ist ein Irrtum. Um zu beweisen, dass man auch mit einem Rolls einen super Heck-Schlenker hinlegen kann, hat BMW im Jahr 2010 schon einen Ghost, gefahren von Jim Millard, einem alten NASCAR-Barden, in die Drift gehen lassen. 2009 ließ ein Unbekannter einen Rolls-Royce Drophead auf einem Parkplatz driften, während sich die Reifen beim Burnout in Rauch auflösten. In einem weiteren, sehr kurzen Film von 2010 sieht man einen Rolls-Royce Phantom neben einem Porsche Carrera durch den Schnee rutschen.

Ein Burnout mit dem Bugatti EB 110 SS  sieht spektakulär aus.
Ein Burnout mit dem Bugatti EB 110 SS sieht spektakulär aus.

All das sollte Beweis genug sein, dass auch mit den Nobel-Karossen ein sportliches Fahren möglich ist. Es wäre auch ein Wunder, wenn das Chassis eines Rolls, das alleine mit rund 7000 Euro zu Buche schlägt, solchen Belastungen nicht gewachsen wäre. Zumal die Queen wahrscheinlich not amused wäre, wenn sich in einer Extremsituation der Unterbau ihrer Teuer-Schleuder haltlos verschieben würde.

Burnout mit dem Bugatti EB 110 SS

Werfen wir noch einen Blick auf ein anderes Video von "Tax The Rich". Da ist der Bugatti EB 110 SS. Von dem Wagen wurden lediglich 32 Stück produziert, und als er 2001 im Rahmen des Formel-1-Grand-Prix in Monaco vorgestellt wird, ist er ausschließlich für den US-amerikanischen Markt konzipiert. Der Motor des EB 110 SS leistet 611 PS und liefert ein maximales Drehmoment von 650 Newtonmetern bei 4200/min. Allein das ist spektakulär.

Mit dem Wagen über eine leere Landstraße zu donnern, eher nicht und ein Burnout lässt sich angesichts der Performance locker hinlegen. Hinzu kommt, dass der Bugatti mit permanentem Allradantrieb für seine gutmütigen Fahreigenschaften bekannt ist und als einer der fahrsichersten Supersportwagen gilt, die jemals gebaut wurden. Allein der Preis, der für einen gebrauchten Bugatti EB 110 SS aufgerufen wird, nötigt einem Respekt ab: Unter 300.000 Euro ist da nichts zu machen.

Letztlich liegt der Kick für den Betrachter der Tax-The-Rich-Videos wohl tatsächlich darin, dass die teuren Schlitten in einem Umfeld präsentiert werden, in dem man sie nicht erwartet. Rein technisch ist jeder dieser Wagen den Extremsituationen gewachsen, in die sie von den Phantom-Fahrern gebracht werden. Wirklich spektakulär wäre, wenn eine dieser Nobel-Karossen tatsächlich zerschossen würde. Aber das werden wir wohl nicht erleben.

Quelle: n-tv.de

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