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Der neue Santa Fe soll an den Erfolg seiner bei Weitem nicht so eleganten Vorgänger anknüpfen.
Der neue Santa Fe soll an den Erfolg seiner bei Weitem nicht so eleganten Vorgänger anknüpfen.(Foto: Holger Preiss)

Bei Hyundai geht die Sonne auf: Santa Fe gegen Audi und BMW

Von Holger Preiss

Der Hyundai Santa Fe geht in die dritte Generation. Scharfe Kanten, komplette Sicherheitsausstattung und ein umfängliches Ausstattungspaket haben die Südkoreaner ihrem neuen Lifestyle-Offroader neben drei nagelneuen Motoren verpasst, um die großen Jungs zu jagen. Im Visier: Audi, BMW und Volvo.

Mit seinen Vorgängern hat der neue Santa Fe nichts mehr gemein.
Mit seinen Vorgängern hat der neue Santa Fe nichts mehr gemein.(Foto: Holger Preiss)

Hyundai ist erfolgreich: Das steht außer Frage. Während andere Hersteller knapsen, verkaufen die Südkoreaner ihre Autos gut. Nicht zuletzt deshalb, weil die Fahrzeuge einen qualitativen Standard erreicht haben, der sich nicht mehr verstecken muss. Die Zulassungszahlen in Europa stiegen in den ersten acht Monaten dieses Jahres um 14 Prozent auf fast 300.000 verkaufte Fahrzeuge. Insofern nimmt es nicht Wunder, dass der Hyundai Deutschland Chef, Markus Schrick, mit stolzgeschwellter Brust bei der Präsentation des neuen Santa Fe verkündet: "Hyundai ist kein asiatisches Schnäppchen mehr, sondern ein ernst zu nehmender Wettbewerber von VW, Opel, Ford, Skoda und Co."

Vom "Nilpferd" zur "Sturm-Kante"

Und tatsächlich will man mit dem SUV, das sich zwischen ix35 und ix55 einordnet, bei den ganz Dicken für Unruhe sorgen. Im Visier haben die Asiaten den Audi Q5, BMW X3, Volvo CX60 und Mazda CX-7. Augenscheinlich sollen hier keine dünnen Bretter gebohrt werden, jetzt wollen die Südkoreaner ans Eingemachte. Das ist mutig, denn die erste Generation des Santa Fe, die hausintern nur "Das Nilpferd" genannt wird, machte optisch nicht allzu viel her. Bei Nummer zwei schärften sich die Linien, aber ein wirklicher Hingucker war auch der nicht. Dennoch verkauften sich beide Generationen weltweit über 2,5 Millionen Mal. Das erklärt auch, warum man sich entschied, den Namen nicht in die Hyundai-Nomenklatur einfließen zu lassen und ihn ix45 zu nennen. Vor allem in den USA erfreut sich der Santa Fe größter Beliebtheit. Und bevor man die Käuferschaft in Übersee verwirrt, bleibt man beim alten Namen auch in Europa.

Optisch wirkt der Santa Fe gestreckt, hat aber in der Länge nur fünf Millimeter zugelegt.
Optisch wirkt der Santa Fe gestreckt, hat aber in der Länge nur fünf Millimeter zugelegt.(Foto: Holger Preiss)

Doch außer dem Namen hat der neue Santa Fe mit seinen Vorgängern nichts mehr gemein: Die Konturen sind kraftvoller und extrem scharf gezeichnet. Dabei ist die Windschutzscheibe stark geneigt, die Dachlinie fällt nach hinten ab und der dynamische Zug wird durch die extrem ansteigende Schulterlinie wieder aufgegriffen. Die Radkästen sind markant ausgestellt und geben dem SUV etwas kraftvoll Elegantes. Die Designer verweisen darauf, dass hier die Formsprache des i30 und i40 "Fluidic Sculpture" neu interpretiert wurde. Sie trägt jetzt den bezeichnenden Namen "Storm Edge". Die Linienführung lässt den Santa Fe länger erscheinen als seinen Vorgänger. Doch das täuscht. Lediglich fünf Millimeter wuchs der Offroader. Dafür wurde er um 7,5 Zentimeter abgesenkt.

Schicker Raumgleiter

Der Raum für die Passagiere hat dennoch zugelegt. Auf den vorderen Plätzen wuchs die Kopffreiheit und Reisende in der zweiten Reihe finden für die Beine in der Tiefe 4,5 Zentimeter mehr Raum vor. Die Bestuhlung ist straff, aber dennoch bequem. Allerdings vermisst man an den vorderen Kopfstützen schmerzlich die Möglichkeit, den Neigungswinkel zu verstellen, was auf Dauer zu einer etwas unnatürlichen Haltung führt. Das Gepäckabteil gehört mit 534 Litern zu den Klassenbesten im Segment. Legt man die dreigeteilte Rückbank (40:20:40) um, was im Übrigen mit einem Handgriff per Hebelzug im Kofferraum oder an den Seiten der Sitzflächen erledigt ist, erweitert sich der Stauraum auf 1680 Liter. Hinzu kommt, dass sich die Sitzflächen der Rückbank um bis zu 12 Zentimeter in Längsrichtung verschieben lassen.

Aufgeräumt und übersichtlich ist der Arbeitsplatz des Fahrers.
Aufgeräumt und übersichtlich ist der Arbeitsplatz des Fahrers.(Foto: Holger Preiss)

Im Innenraum hat Hyundai versucht, das Mittelklasse-SUV aufzuwerten. Auf billige Hartplastik wurde weitgehend verzichtet, dafür beleben unterschiedliche Strukturen das Bild um die Armaturen. Zierelemente aus Chrom und Sicht-Carbon rund um die Luftauslässe erinnern noch einmal daran, dass man sich aufschwingt, auch gegen Fahrzeuge aus Ingolstadt zu Felde zu ziehen.

Der Fahrer des Santa Fe dürfte an seinem Arbeitsplatz keine Probleme haben. Die Funktionen von Knöpfen und Reglern sind schnell durchschaut. Zwei große Rundinstrumente und ein zentral positioniertes 3,5-Zoll-Display informieren über Drehzahl, Geschwindigkeit, Schaltpunkte, Reichweite, Außentemperatur und Kraftstoffverbrauch. Bereits in der Basisversion "Trend" sind die Audioanlage mit RDS-Radio, MP3-tauglicher CD-Player, sechs Lautsprecher, AUX- und USB-Anschluss enthalten. Angesichts des 4,69 Meter langen Fahrzeuges hat Hyundai dem Santa Fe auch eine serienmäßige Rückfahrkamera spendiert, die ihre Bilder auf ein 4,3 Zoll großes Display in der Mittelkonsole überträgt. Ab der Ausstattungslinie "Style" gibt es dann eine Bluetooth-Schnittstelle inklusive Freisprecheinrichtung und Sprachsteuerung. Wer sich für die teuerste Variante – "Premium" – entscheidet, bekommt zusätzlich ein Navigationssystem mit dynamischer Routenführung und farbigem 7-Zoll-Touchscreen.

Nur der Dicke fürs Gelände

Wer in er hinteren Reihe sitzt, darf sich über mehr Platz freuen.
Wer in er hinteren Reihe sitzt, darf sich über mehr Platz freuen.(Foto: Holger Preiss)

Die Ausstattungslinien bestimmen aber nicht nur das technische Zusatzgerät, sondern auch die Motorisierung. So ist der große 2,2-Liter-Turbodiesel mit 197 PS und elektronischer Allradzuschaltung und Sechsgang-Wandlerautomatik erst ab der Linie "Style" zu bekommen. Der ist ab 39.200 Euro verfügbar und bietet neben Klimaautomatik sowie der vollen Sicherheitsausrüstung samt aktiver Motorhaube und Knieairbag auch Xenonlicht. Wer die Einstiegsvariante "Trend" wählt, kann lediglich auf die Fronttriebler zurückgreifen. Zur Wahl stehen hier der 2,4-Liter-Benziner mit 192 PS und der kleinere 2,0-Liter-Diesel mit 150 PS. Beide Aggregate sind erst ab 2013 erhältlich. Der kleine Diesel erfüllt im Übrigen die Euro-6-Norm und soll im Schnitt auf 100 Kilometern lediglich 6,3 Liter Kraftstoff verbrennen. Der Einstiegspreis für den Benziner liegt bei 29.990 Euro. Für den 2.0 CRDi 2WD werden mindestens 32.920 Euro fällig.

Die Fahreigenschaften des großen Diesel sind ordentlich. Wer etwas flotter über die Straßen fliegen möchte, der sollte sich allerdings für das Schaltgetriebe entscheiden, denn hier steht es dem Piloten frei, das Drehzahlband auszureizen, ohne der Elektronik das Eingriffsrecht zu überlassen. Im direkten Vergleich wirkt die Automatik dann sogar etwas behäbig. Noch müder wird es, wenn der für die Automatik mitgelieferte Eco-Modus eingestellt wird. Dann sinkt der Verbrauch zwar deutlich, aber der Wagen verliert merklich an Spritzigkeit. Es sei denn, der Pilot beruft sich auf die manuelle Schaltebene. In puncto Effizienz muss sich der 2,2 CRDi 4WD nicht verstecken: 159 g/km CO2 sind ein hervorragender Wert für ein Fahrzeug dieser Klasse. Das Beste aber ist, dass Hyundai seine Käufer mit einer lästigen Start-Stopp-Automatik verschont.

Schneller wird’s nicht

Die Höchstgeschwindigkeit gibt Hyundai für sein Premium-Aggregat mit 190 km/h an. Tatsächlich sind wohl sogar 197 km/h drin, dann wird abgeregelt. Warum? Weil das Fahrwerk es nicht hergibt? Mitnichten! Das vermittelt einen ganz anderen Eindruck. Buckelige Pisten filtert es fein weg und auch Autobahnwellen dringen nicht bis zu den Insassen durch. Selbst schnelle Kurven lassen sich ohne Probleme bewältigen. Nein, der Grund ist das aus Korea überlieferte Sicherheitskonzept. Und daran führt auch kein Weg vorbei, denn hier greift nicht etwa ein Chip ins Motormanagement ein, der sich mit ein paar Kniffen umpolen lässt. Hyundai verringert ab 190 km/h die Spritzufuhr, so dass der Motor einfach nicht mehr genug Brennstoff bekommt, um sein Leistungsmaximum zu entfalten. Ob das allerdings potenzielle Käufer zufriedenstellt, die mit einem Q5 liebäugeln, der bei ähnlichen Parametern seine Insassen mit bis zu 225 km/h über die Piste fliegen lässt, bleibt abzuwarten.

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Quelle: n-tv.de

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