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Coupéhafte Linien statt biederes Stufenheck: Für den VW Passat CC wurde das zur Erfolgsformel.
Coupéhafte Linien statt biederes Stufenheck: Für den VW Passat CC wurde das zur Erfolgsformel.(Foto: n-tv.de/Busse)

Nur Feinschliff am Volkswagen CC: Schick auch ohne "Passat"

von Axel F. Busse

Als erste Neuerscheinung des Jahres schickt Volkswagen seinen "CC" auf die Straße. Die Silbe "neu" an der Erscheinung wirft jedoch Fragen auf. Anscheinend gefiel das Passat Coupé den Verantwortlichen so gut, dass die Änderungen äußerst überschaubar ausfielen.

Naturgemäß dienen im Baureihenzyklus von Pkw "Facelifts" - neudeutsch für Modellpflegemaßnahmen – dazu, kleine Design-Patzer zu korrigieren, technische Systeme aufzufrischen oder Neuentwicklungen zu integrieren. Auch wenn ein Bedienelement trotz aller vorherigen Tests sich beim Publikum als untauglich herausgestellt hat, wird bis zum Facelift des Modells gewartet, um es durch ein besseres zu ersetzen.

Die Verwandtschaft mit dem US-Passat kann der CC nicht verleugnen.
Die Verwandtschaft mit dem US-Passat kann der CC nicht verleugnen.(Foto: Hersteller)

Auf den gerade vorgestellten Volkswagen CC (vormals Passat CC) trifft das alles nicht zu. Man muss wirklich sehr genau hinsehen, um die prägnantere Kontur zu erkennen, die in der neuen Motorhaube stecken soll, oder die Heckleuchten direkt vergleichen, wenn man die Unterschiede der neuen LED-Einheiten zum Vorgänger sehen will.

Innovativ kann man auch die Namensgebung nicht nennen. Einen Nissan Micra CC hat es ebenso gegeben wie diverse Peugeot-Modelle mit diesem Kürzel. Und doch: Wenn ein "Volkswagen", also die Begrifflichkeit der proletarischen Fortbewegung, mit dem Kürzel "CC" aufwartet, so ist das etwa gleichbedeutend mit der Karriere des Dachdecker-Sohnes zum Konsular-Beamten.

Mythos vom sozialen Aufstieg

Ursprünglich ist die Buchstabenkombination "CC" nämlich als Fahrzeug-Chiffre für das konsularische Korps im Dienst (franz. "corps consulaire"). Mehr als 2000 Fahrzeuge verschiedener Nationalitäten sind zum Beispiel in Berlin mit dem ovalen "CC"-Emblem unterwegs. Als Verbindungsglied zwischen dem Passat der Handelsreisenden und dem Phaeton der Vorstände ist der CC von VW wohl ein idealer Botschafter für den Mythos vom sozialen Aufstieg.

Ein weniger oft benutztes Kürzel, dafür aber nicht weniger geeignet für das ehemalige Passat-Coupé wäre "HC" gewesen. Die "Haute Couture" des Blechschneiderns ist hier nach Meinung vieler vorbildlich gelungen. Der erste Entwurf des Wagens geht übrigens noch auf den ehemaligen VW-Chefdesigner Murat Günak zurück und auch der jetzt für das Auto verantwortliche Designer Oliver Stefani sagt: "Das Styling des Fahrzeugs ist ein zentraler Erfolgsfaktor. Als Kaufgrund für viele Kunden gilt in erster Linie das Design".

Beim CC ist die Motorisierung entscheidend. Schließlich müssen mindestens 1500 Kilogramm bewegt werden.
Beim CC ist die Motorisierung entscheidend. Schließlich müssen mindestens 1500 Kilogramm bewegt werden.(Foto: Hersteller)

Seiner Ansicht nach zeigen die drei Chromlamellen des gelifteten Gesichts Verwandtschaft mit dem US-Passat (der im neuen Werk in Chattanooga gebaut wird) und dem Phaeton. Für die entgegen kommenden Verkehrsteilnehmer werden es wohl die jeweils 15 Leuchtdioden sein, die links und recht das Tagfahrlicht am unteren Rand der Scheinwerfergläser markieren. Zusätzlich wurden die Seitenschweller stärker ausgeprägt, um den muskulösen Auftritt zu unterstreichen.

Der Viertürer mit der coupéhaften Dachlinie kann für sich Anspruch nehmen, weitgehend konkurrenzlos dazustehen. Zumindest in seinem Preissegment. Zwar gibt es noch den Mercedes CLS, der die Idee einer rassigen Kombination aus Limousine und sportlich geduckter Form als erster umsetzte, doch der kostet mindestens 20.000 Euro mehr. Und Aston Martin Rapide oder Fisker Karma sind Exoten, deren sechsstellige Preise jedes Interesse von Normalverdienern erlahmen lassen.

Ausstattung als Trumpfkarte

Wahrend der "normale" Passat einen überdurchschnittlichen hohen Anteil an gewerblichen Zulassungen erzielt, ist der CC von Anfang an mit einem hohen Anteil an Privatkunden gestartet. Um im Poker um das Interesse der Käufer, die bereit sind 35.000 bis 45.000 Euro für ein Fahrzeug auszugeben, weiter mitzuspielen, wird bei diesem Facelift die Trumpfkarte der Ausstattungsaufwertung gezogen. Zum Mindestpreis von 31.800 Euro gibt es ab Werk jetzt zum Beispiel für alle CC Bi-Xenonscheinwerfer. Ferner sind Abbiegelicht und Müdigkeitserkennung, ein neues Radio-CD-System und Komfortkopfstützen mit Längseinstellung serienmäßig an Bord. Die deutschen Kunden bekommen zusätzlich noch das in Leder gefasste Multifunktionslenkrad ohne Aufpreis.

Abbiegelicht und Müdigkeitserkennung, ein neues Radio-CD-System und Komfortkopfstützen gehören beim CC zur Serienausstattung.
Abbiegelicht und Müdigkeitserkennung, ein neues Radio-CD-System und Komfortkopfstützen gehören beim CC zur Serienausstattung.(Foto: n-tv.de/Busse)

In anderen Märkten, wie etwa den USA, ist diese Dreingabe nicht vorgesehen. Dabei hätte man in Wolfsburg allen Grund, den US-Kunden dankbar zu sein. Mit ihrer Hilfe hat der CC, der in den Staaten nie unter anderem Namen verkauft wurde, erst den Erfolg erzielt, über den VW sich so freut. Bisher unterschrieben weltweit etwa 320.000 Kunden einen Kaufvertrag, wovon etwa 90.000 aus den USA kamen. "Die Amerikaner mögen die Marke Volkswagen", weiß der US-Statthalter des Konzerns, Jonathan Browning. Doch erst jetzt wieder kaufen sie sie auch. Mit rund 450.000 Fahrzeugen konnte VW im vergangenen Jahr ein Absatzplus von mehr als 20 Prozent gegenüber 2010 erzielen. Doch noch immer liegt der Marktanteil von VW in den USA weit hinter der Akzeptanz zurück, die Volkswagen weltweit genießt.

Dass der CC auch im vierten Jahr nach seiner Vorstellung so wenig Potenzial für Neuerungen zu bieten scheint, hat VW sich selbst zuzuschreiben Vor gut einem Jahr wurde ohne großes PR-Brimborium die gesamte Motorenpalette renoviert. Dabei wurde eine Verbrauchsreduzierung von bis zu 15 Prozent erreicht, die man, so heißt es offiziell von VW, "möglichst schnell an die Kunden weitergeben" wollte.

Jetzt schon Euro 6

Aktuell sind Benzin- und Diesel-Direkteinspritzer in der Leistungsskala von 140 bis 300 PS im Einsatz, darunter ein so genannter BlueTDI mit 140 PS, der bereits die ab Herbst 2014 geltende EU-6-Abgasnorm erfüllt. Freilich sind die Unterschiede der Kundenvorlieben dies- und jenseits des Atlantik auch an der Triebwerks-Technik abzulesen: Alle Diesel haben serienmäßig ein Start-Stopp-System an Bord, während die Ottomotoren – die bevorzugt in Amerika abgenommen werden – damit noch nicht aufwarten können. US-Kunden sind traditionell weniger technikverliebt und haben es angesichts etwa halb so hoher Spritpreise wie in Europa auch noch nicht so mit dem Spargedanken.

Mit 4,80 Metern Länge am oberen Rand dessen angesiedelt, was sich Mittelklasse nennen sollte, gab sich der aufgefrischte CC auf ersten Testkilometern souverän wie erwartet. Der 210 PS starke Zweiliter-Benziner, der bis zu 6200 Touren drehen kann, wird wohl am ehesten für die Freunde kernig-sportlicher Akustik geeignet sein. Die übrigen gefahrenen Modelle, namentlich die Diesel,  sind ausgesprochene Leisetreter und lassen die Entscheidung, mehr Dämmmaterial ins Auto zu holen, als richtig erscheinen. Dank des Drehmoments von 320 Newtonmetern ist auch der 140-PS-Selbstzünder temperamentvoll genug, um beim Schaulaufen der eleganten Limousinen selbstbewusst mitzuhalten. Für die Kraftübertragung hat der Kunde die Wahl zwischen 6-Gang-handschaltung sowie sechs- oder siebengängigem Direktschalt-Getriebe. Lediglich die allradgetriebene 300-PS-Version ist ausschließlich mit DSG zu haben.

Je nach Motorisierung und Ausstattung wird ein Leergewicht von 1500 bis 1700 Kilogramm bewegt. Das ist angesichts der Fahrzeugdimensionen erstaunlich schlank. Entsprechend leichtfüßig gerät das Handling, die elektromechanische Lenkung lässt an Direktheit und Rückmeldung nichts zu wünschen übrig. Die Vielzahl der guten Eigenschaften nährt den Verdacht, die nächste Generation könnte bezüglich des Modellkürzels doch mit einer Neuerung aufwarten. Zum Beispiel mit "PE" - für Phaeton-Ersatz.

Quelle: n-tv.de

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