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Mit dem VW Polo GTI teilt sich dieser Seat Ibiza Cupra den Anstriebsstrang.
Mit dem VW Polo GTI teilt sich dieser Seat Ibiza Cupra den Anstriebsstrang.(Foto: Axel F. Busse)

In sieben Sekunden auf Tempo 100: Seat Ibiza Cupra: GTI à la España

Von Axel F. Busse

Mit einer gehörigen Portion Polo hat Seat den Ibiza zu einem ernsthaften Mitbewerber im Kleinwagen-Segment gemacht. Bei der sportlichsten Variante wird das Rennen noch enger: Das Modell Cupra rast bis auf einen winzigen Kilometer je Stunde an den GTI heran.

(Foto: Axel F. Busse)

Natürlich ist es für die Praxis vollkommen unerheblich, ob da nun 229 (GTI) oder 228 km/h (Cupra) im Datenblatt stehen. Im direkten Vergleich könnte der Cupra vielleicht sogar die Nase vorn haben, weil er ein paar Kilogramm leichter ist als der Polo. Vielleicht aber darf der Cupra auch gar nicht schneller sein, weil der Polo die Henne und der Cupra das Ei ist. Aber eines, das man nicht nur zu Ostern gern entdeckt.

Das Kunstwort "Cupra" leitet sich aus dem Begriff "Cup Racing" ab, jene Rennserien also, in denen sich weitgehend baugleiche Sportwagen ein und derselben Marke um Platzierungen und Pokale raufen und so dem Image des Herstellers nützlich sein sollen. Die zivile Ableitung aus der Ibiza-Baureihe hat in der Vergangenheit in Deutschland rund drei Prozent der Kunden zum Kauf animiert, zum großen Teil junge Autofahrer in der Altersgruppe unter 30 Jahren.

In Deutschland mehr verkauft

Der Volkswagen-Konzern ist zurzeit die Lebensversicherung für Seat. "Wenn man mal ein unartiges Kind in der Familie hat", sagt VW-Patriarch Ferdinand Piëch, "dann verstößt man es nicht gleich". Der spanische Heimatmarkt hat sich mehr als halbiert, 80 Prozent des Produktionsvolumens setzt Seat inzwischen im Ausland ab. Dort gibt es Länder, in denen es gut läuft. Deutschland gehört dazu. Im vergangenen Jahr wurden hierzulande rund 9000 Autos mehr verkauft als 2011. Auch Mexiko und verschiedene nordafrikanische Staaten gehören für Seat zu den Wachstumsmärkten. "In ein, zwei Jahren", da ist sich Piëch sicher, sei man wieder in den schwarzen Zahlen.

Das zentrale Abgasrohr wurde in die Mitte unter das Kennzeichen gelegt.
Das zentrale Abgasrohr wurde in die Mitte unter das Kennzeichen gelegt.(Foto: Axel F. Busse)

Ebenso wie der Polo GTI dient ein doppelt aufgeladener 1,4-Liter-Ottomotor als Antriebsquelle. In Vierzylindern werden 180 PS mobilisiert, woran ein mechanischer Lader und ein Abgasturbo ihren Anteil haben. Das maximale Drehmoment von 250 Newtonmetern steht ab 2000 Umdrehungen zur Verfügung. Das schiebt den Ibiza in weniger als sieben Sekunden über die 100-km/h-Marke. Dank des serienmäßigen 7-Gang-Duppelkupplungsgetriebes geht das fast wie am Gummiband gezogen.

Obwohl aller Grund zu einem breitbeinigen Auftritt gegeben wäre, sind die Merkmale des heißesten Seat Ibiza eher zurückhaltend. Außer einem geänderten Frontgrill, zusätzlichen Lufteinlässen und schwarz lackierten Außenspiegelgehäusen fällt nur die um 20 Millimeter tiefer gelegte Karosserie auf, die den Dreitürer satter auf der Straße stehen lassen. Spur und Sturz blieben unverändert. Mit verbesserten Achslagern und optimierten Stoßdämpfern, so Entwickler Michael Hinz, wurde das Fahrwerk an die höhere Leistung angepasst. Damit die Kraft auch verlustfrei auf die Straße gebracht werden kann, hilft ein elektronisches XDS-Differenzial Traktionsprobleme zu minimieren.

Und tatsächlich: Antriebseinflüsse in der Lenkung sind auch bei verschärfter Serpentinenfahrt nicht zu spüren. Die rot lackierten Bremssättel signalisieren: "Hier geht es heiß zur Sache". Die Heckklappe ziert ein auffälliger "Cupra"-Schriftzug, damit auch jeder weiß, was ihn da gerade überholt hat. Die modifizierte Abgasanlage mündet nun in einem zentralen Auslassrohr unter dem Nummernschild. Die Kofferraumklappe endet in 66 Zentimetern Höhe, was der Beladefreundlichkeit nützt, jedoch ist hinter der Kante ein etwa zwölf Zentimeter hoher Absatz. Für Gepäck sind 236 Liter Volumen vorgesehen, was etwa 30 Litern mehr als beim Polo entspricht. Bei umgelegter Rückbank sind die beiden Kontrahenten mit 882 Litern wieder gleich auf.

Anreiz durch Ausstattung

Die Heckklappe ziert ein auffälliger "Cupra"-Schriftzug.
Die Heckklappe ziert ein auffälliger "Cupra"-Schriftzug.

Bei so viel Ähnlichkeit reizt der Blick in die Preislisten. Der irritiert zunächst einmal. Der Seat soll, wenn er ab Mitte März bei den deutschen Händlern steht, 23.590 Euro kosten. Die Basisversion des Polo GTI ist schon für 22.925 Euro zu haben. "Ist das ernst gemeint?", fragt man sich, denn jeder weiß, dass der Polo wertbeständiger ist und man z.B. für einen drei Jahre altes Auto im Weiterverkauf deutlich mehr erlösen kann, als für einen Seat. Deshalb sind deutsche Pkw markenunabhängig in der Regel teurer als vergleichbare Importfahrzeuge. Doch man muss genauer hinsehen. Der Seat kommt in Deutschland serienmäßig mit Bi-Xenon-Scheinwerfern, Klimaautomatik und Sportsitzen auf den Markt. Bestellt man diese Ausstattungsdetails im Polo dazu, werden 1780 Euro Aufpreis berechnet. Schon relativiert sich der vermeintlich höhere Preis.

Das Interieur, vor allem die Cockpitgestaltung, funktioniert nach dem Rezept "schwarz ist sportlich". Die daraus resultierende Uniformität gefällt nicht jedem. Ein paar Akzente mehr hätten geholfen, das finstere Einerlei der Konsolen und Tastenfelder aufzulockern. Immerhin haben die Polsterflächen der gut konturierten Sportsitze sowie die Kopfstützen und Türverkleidungen hellgraue Einsätze. Die bewegliche Armlehne zwischen den Vordersitzen ist auf der Kurzstrecke von zweifelhaftem Nutzen, denn sie ist beim Griff zur Handbremse oder zum Gurtschluss im Weg. Also besser gleich hochgeklappt lassen und nur auf der Langstrecke nutzen, wo sie der Bequemlichkeit wirklich dienen kann.

Das Talent als Spaßmacher ist dem Ibiza Cupra nicht abzusprechen. Sensibles Ansprechverhalten, drehfreudige Kraftentwicklung und präzises Einlenken finden ihre akustische Entsprechung in einem sonoren Abgasgeräusch, das kraftvoll auch im Innern wahrgenommen wird und stets an die "Cup Racing"-Verwandtschaft erinnert. Nur ein Elend können auch der beste Sound und das effizienteste Motormanagement nicht kaschieren: Spaß kostet. Wenn auf dem Rollenprüfstand 5,9 Liter aus Durchschnittsverbrauch für 100 Kilometer ermittelt werden, bedeutet das bei entspannter Fahrweise etwa sieben Praxisliter. Sind der Getriebehebel in "S"-Stellung und der Fahrer auf Kurvenhatz eingestellt, sind neun Liter selten genug.

Quelle: n-tv.de

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