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Nach drei Jahren ist er wieder da: der Seat Toledo kommt im März 2013 auf den Markt.
Nach drei Jahren ist er wieder da: der Seat Toledo kommt im März 2013 auf den Markt.(Foto: Axel F. Busse)

Seat kommt als Tschechen-Klon: Neuer Toledo lockt mit Nutzwert

Von Axel F. Busse

Was beim VW "Up!" funktioniert, muss eine Klasse höher nicht schief gehen. Als Zwei-Marken-Auto wird demnächst der Seat Toledo um Kunden werben. Vier Monate vor der offiziellen Vorstellung des Modells in Deutschland hat n-tv.de ihn schon gefahren.

Lademeister: Der Toledo schluckt so viel Gepäck wie ein Großer.
Lademeister: Der Toledo schluckt so viel Gepäck wie ein Großer.(Foto: Axel F. Busse)

Es gibt Märkte, das kommt ein Stufenheck an, und es gibt welche, da läuft’s einfach nicht. Deutschland gehört zur zweiten Kategorie. Wenn schon Kompaktklasse, dann muss das Auto hierzulande eine große Klappe über dem Kofferraum haben und die Forderung erfüllt der neue Seat Toledo. Als kleiner Trickser kommt der 4,48 Meter lange Viertürer daher, und zwar gleich auf zweierlei Weise.

Er gibt sich als Spanier aus, ist aber gar keiner, sondern ein Tscheche. Als Zwilling des Skoda Rapid geht er an den Start. Und sein Styling entspricht einer Stufenheck-Limousine, obwohl seine Ladeluke die Heckscheibe mit einschließt. Offenkundig soll er die Anhänger beider Kundenfraktionen ansprechen. In ganz Europa. Denn während Deutschland, Frankreich und England eher die so genannten "Hatchbacks" bevorzugen, steigen Spanier, Türken und halb Osteuropa lieber in Stufenheck-Modelle.

Vor mehr als 20 Jahren wurde der erste Toledo ins Rennen geschickt, die 2005 vorgestellte Version auf der Basis des Modells Altea war stilistisch ein derartiger Missgriff, dass die Baureihe 2009 eingestellt wurde. Da auch die tschechische Republik zu den Stufenheck-Märkten gehört, war es naheliegend, dieses Projekt auf der Basis des modularen Querbaukastens (MQB) dort entwickeln zu lassen. Seine Eigenständigkeit bezieht der Toledo vor allem durch die selbstbewusst gestaltete Frontpartie, deren scharf geschnittene Scheinwerfer-Einfassungen und trapezförmigen Lufteinlässe ihn als zur Seat-Familie zugehörig ausweisen. Die 16-Zoll-Leichtmetallfelgen gehörten zur Grundausstattung des Testwagens.

Laufruhiger TSI-Motor

Immerhin zweifarbig: Schlichte Funktionalität herrscht im Innenraum.
Immerhin zweifarbig: Schlichte Funktionalität herrscht im Innenraum.(Foto: Axel F. Busse)

Wer den 1,2-Liter-TSI-Motor wie in diesem Fall im Großstadt-Dschungel von Barcelona bewegt, hat den Nutzen von Stopp/Start-Automatik und Rekuperation schnell begriffen. Gänzlich unsicher, ob nun die ungezählten Ampeln oder die die noch häufiger vorkommenden, halsbrecherisch herumbrausenden Scooterfahrer ein flüssiges Verkehrsgeschehen behindern, kann dennoch jede Fahrtunterbrechung zum Kraftstoffsparen genutzt werden.

Das Konzern-Aggregat leistet 105 PS und zeichnet sich durch extreme Laufruhe aus. Manchmal hilft nur der Blick auf den Drehzahlmesser, um zu klären, ob er nun in Betrieb ist oder nicht. Mit der versprochenen Sparsamkeit war es allerdings nicht so weit her. Anstelle der nach EU-Normtest ermittelten 5,1 Liter Super verkonsumierte der Toledo auf diesem Testtrip 6,9 Liter - gemessen auf einem Streckenprofil mit etwa 60 Prozent City-Anteil. Als Verbrauch im reinen Stadtverkehr gibt Seat 6,4 Liter an. Am Gewicht kann es jedenfalls nicht liegen, wenn ein Toledo sein Verbrauchsziel verfehlt, denn er gehört mit knapp mehr als 1100 Kilogramm (Basisversion) zu den Leichtgewichten seiner Klasse.

Die Stufe macht's: Vor allem in Süd- und Osteuropa wird diese Karosserieform bevorzugt.
Die Stufe macht's: Vor allem in Süd- und Osteuropa wird diese Karosserieform bevorzugt.(Foto: Axel F. Busse)

Kunden, denen ein üppiger Kofferraum wichtig ist, kommen beim Toledo voll auf ihre Kosten. 550 Liter sind ein Volumen, wie man es sonst erst bei Limousinen der oberen Mittelklasse findet. Ein Audi A6 hat beispielsweise 530 Liter, ist aber fast einen halben Meter länger. Außerdem ist beim Toledo die Ladekante bequem niedrig, so dass die Koffer nicht so hoch gehoben werden müssen.

Dass sich in der Vergangenheit die Innenausstattungen von VW- und Skoda-Modellen so wenig unterschieden, war ein selbst produziertes Ärgernis, dass die Wolfsburger jetzt nach und nach abstellen. Ein wenig schlichter soll es bei den Tochtermarken zugehen, das ist auch an diesem Seat zu erkennen. Die Verkleidungsteile aus Kunststoff sind sauber eingepasst und sollen wohnlich wirken, die genarbte Oberfläche erinnert aber dennoch an ein Niveau, auf das frühere Generationen von Korea-Importen abonniert waren. Wenn der deutsche Einstiegspreis, wie avisiert, tatsächlich deutlich unter 15.000 Euro liegt, mag das akzeptabel sein. Die 20.500 Euro, die der Basis-Toledo in Spanien kostet, muten dagegen mehr als sportlich an.

Gute Beinfreiheit im Fond

Der Testwagen war überdies mit einem Touchscreen Navigationsgerät ausgestattet, für das, laut offizieller spanischer Preisliste 800 Euro verlangt werden. Häufige Desorientierung, Probleme mit der Standortfindung und unverständliche Kommandos kennt man von den Konzern-Systemen dieses Kalibers eigentlich nicht, so dass es im Falle des Testwagens wohl als individueller Mangel angesehen werden kann. Das gilt auch für nachlässige Verarbeitung in Details wie einer wackeligen USB-Buchse und einer schlecht sitzenden Innenverkleidung der Heckklappe. Wenn der Toledo fit gemacht wird für deutsche Kunden, dürften solche Schwächen beseitigt sein.

Zum Erfreulichen: Die Sitze sind bequem, wenngleich sie etwas mehr Seitenhalt bieten könnten. Auch in die zweite Reihe braucht man sich nicht zu zwängen, denn 2,60 Meter Radstand reichen aus, um den Fondpassagieren genügend Beinfreiheit zu lassen. Die Lenkung ist direkt und lässt an Präzision nichts zu wünschen übrig. Das gleiche ist von dem manuellen Sechsgang-Getriebe zu behaupten, die Fahrstufen rasten zuverlässig fast wie von selbst ein und die Wege durch die Gassen sind kurz. Kurvige Bergstraßen werden mit Leichtigkeit und Souveränität genommen. Das maximale Drehmoment von 175 Newtonmetern sieht auf dem Datenblatt zwar nicht üppig aus, aber es steht schon ab 1550 Umdrehungen zur Verfügung, weshalb der Toledo munter in Gang kommt. Sicher würde mancher Kunde auch gern eine Verbindung mit dem bewährten Doppelkupplungsgetriebe aus dem VW-Regal wählen, die ist aber bislang nur für den Top-Benziner mit 122 PS vorgesehen.

Eine solide Grundausstattung mit ESP und höhenverstellbaren Sitzen, Klimaanlage, CD-Radio und Multifunktionslenkrad spricht ebenso für den Toledo wie seine Handlichkeit und der hohe Nutzwert. Wenn der Preis stimmt, kann sich Seat, die zuletzt in Deutschland ordentliche Zuwächse erzielten, mit dem Auto gute Chancen ausrechnen.

Quelle: n-tv.de

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