Auto
Seit 1999 haben die Spanier rund 1,2 Millionen Exemplare des Seat Leon abgesetzt und hoffen nun auf ein deutliches Wachstum.
Seit 1999 haben die Spanier rund 1,2 Millionen Exemplare des Seat Leon abgesetzt und hoffen nun auf ein deutliches Wachstum.

Leon kommt im Sportdress: Seat bringt den scharfen Golf

Von Holger Preiss

Der Ausspruch "stolz wie ein Spanier" bekommt angesichts des Seat Leon eine neue Bedeutung. Stolz sind vor allem die Mitarbeiter des spanischen Autobauers. Und dazu haben sie allen Grund, denn die Iberer haben zu den alten Tugenden der Sportlichkeit zurückgefunden.

Keine Rundungen: Die Designer haben den Leon extrem scharf gezeichnet.
Keine Rundungen: Die Designer haben den Leon extrem scharf gezeichnet.

Mit dem neuen Leon ist dem spanischen Autobauer Seat in jeder Hinsicht ein großer Wurf gelungen. Basierend auf dem "Modularen Querbaukasten" des Mutterkonzerns hat man hier eine absolut verschärfte Version des Golf VII auf die Räder gestellt. Nichts an diesem Auto – ausgenommen dem Lenkrad, der analogen Instrumente und den Rädern - ist rund. Scharfkantig wie das Katana eines Samurai scheint die Form des Leon während der Fahrt die Luft in kleine Scheiben schneiden zu wollen, denn alle Linien – außen als auch innen – bilden ein Dreieck oder ein Trapez, laufen also spitz zu.

Die Tornadolinie oder "Linea Dinámica" wie sie die Leon-Designer getauft haben läuft sanft aus dem Scheinwerfer über den Kotflügel, um dann in einer kantigen Falz bis nah an den Griff der hinteren Tür abzufallen. Das soll an den gespannten Muskel eines Sprinters vor dem Start erinnern. Etwas höher wird diese Linie erneut aufgegriffen und zieht sich bis in die keilförmigen Rückleuchten, die auf Wunsch auch mit LED illuminiert werden können. Sportlichkeit war schon immer das Credo von Seat und dem ist man auch beim neuen Leon treu geblieben. Das wird vor allem beim Fahrwerk deutlich. Klar gibt es hier wie beim Golf – und wir werden versuchen diesen Vergleich ein letztes Mal zu bemühen – eine Verbund- und eine Mehrlenkerachse an den Hinterrädern. Je nach Motorisierung kommt eine von beiden zum Einsatz. Aber alles, was sich rund um diese Vorgaben verändern ließ, haben die Ingenieure bei Seat umgestellt. Federwege wurden verändert und die gesamte elektronische Abstimmung des Fahrwerkes einer sportlich orientierten Fahrweise angepasst, so der Chef der technischen Entwicklung in Martorell, Michael Hinz.

Sauber durch die Serpentinen

Selbst mit Verbundlenkerachse zieht der Leon sauber durch die Kurven.
Selbst mit Verbundlenkerachse zieht der Leon sauber durch die Kurven.

Und das macht sich tatsächlich bemerkbar. Etwas straffer, aber ohne dabei wie ein Rennbrett auf der Straße zu liegen, feuert der Leon sogar mit Verbundlenkerachse zielgenau durch die Serpentinen. Hilfreich ist dabei die präzise ansprechende elektromechanische Servolenkung, die sich an der jeweiligen Geschwindigkeit orientiert und ausgezeichnete Rückmeldungen an den Piloten gibt. Ab einer Motorisierung von 150 PS kommt die Mehr- oder Vierlenkerachse zum Einsatz. Hier werden die Längs- und Querkräfte getrennt voneinander verarbeitet, was die Straßenlage noch einmal verbessert. Bei Situationen im Grenzbereich sorgt eine elektronische Quersperre für die Entlastung des kurveninneren Vorderrades, so dass nur winzige Bremseingriffe nötig sind, um den Iberer formvollendet durch die Kehre schießen zu lassen. Es muss hier nicht erwähnt werden, dass für den erhöhten Fahrspaß natürlich die entsprechende Motorisierung gewählt werden muss.

Die neu konstruierten Sitze – die sportlich-tief montiert wurden – bieten in solchen Momenten einen ausgezeichneten Seitenhalt. Allerdings darf nach den ersten Fahrten gemutmaßt werden, dass sie auch auf langen Strecken nicht an Komfort zu Wünschen übrig lassen. Wie sich die Wertigkeit des neuen Leon an kleinen Dingen festmachen lässt, spürt der Fahrer, wenn er seine Hand an der Seite der Rückenlehne entlanggleiten lässt, um den Neigungswinkel zu verstellen. Auf Höhe der Lendenwirbel findet er ein Drehrad vor, das mit feinem Gummi genoppt ist. Andere Hersteller bieten hier die blanke Plastik mir Rutschgarantie.

Sportliche Maße

Die Armatur im Leon ist trotz aller Dynamik fahrerorientiert.
Die Armatur im Leon ist trotz aller Dynamik fahrerorientiert.

Sportlich gibt sich der Leon auch in den Maßen und beim Gewicht. Mit einer Gesamtlänge von 4,24 Meter ist er rund fünf Zentimeter kürzer als sein Vorgänger. Allerdings ist der Radstand um fast sechs Zentimeter gewachsen. Für die Fondpassagiere bedeutet das 14 Millimeter mehr Kniefreiheit. Der Kofferraum schluckt jetzt 380 Liter, dass sind 40 Liter mehr als beim Vorgänger. Wer die Bank umlegt hat gar 1210 Liter zur Verfügung. Ein Raumwunder wird der Spanier nicht, aber niemand wird sich in diesem Auto beengt vorkommen. Bei der Entwicklung haben die Techniker dem Leon eine aufwendige Diät verpasst, bei der der Kompakte bis zu 90 Kilogramm verloren hat. Mit 1113 Kilogramm gehört die Basisversion zu den Leichtgewichten im Segment. Von dieser Gewichtsreduktion bemerken die Insassen akustisch nichts. Auch auf holprigen Wegen bleibt die Karosserie frei von Störfrequenzen und Klappergeräuschen.

Auch im Innenraum hat Seat sich ein völlig neues Antlitz gegeben. Die Architektur in Verbindung mit den auch hier scharf gezeichneten Linien ist außergewöhnlich. Dabei gilt im Innenraum das eherne Gesetz der Designer: Funktion geht vor Form. Sieht aber in diesem Fall echt schick aus. Die breite Mittelkonsole ist ganz auf den Fahrer zugeschnitten und scheint durch ihre zweifarbige Gestaltung fast zu schweben. Die Bedienelemente für die Klimaanlage sind in der Mittelkonsole praktischerweise etwas nach oben gerückt. Die großen trapezförmigen Luftauslässe versprechen einen gewünschten Luftstrom an die richtigen Stellen und dreidimensional geformte Dekorleisten werden zum Augenschmaus. Ummantelt wird das alles von fein strukturierter und weich geschäumter Plastik. Trommeln die Finger nach dem Lösen der Handbremse dann aber verträumt auf der Mittelkonsole herum, treffen sie auf eine Abdeckung aus Hartplastik, die den Gedanken an alte Zeiten wieder aufleben lässt. Hier wird die gesamte Anmutung doch empfindlich gestört.

"auto emoción" wird zu "Enjoyneering"

Alles zusammengenommen möchte man hauchen: "auto emoción!" aber die gibt es ja bei den Spaniern nicht mehr. Das hat seine Ursache auch darin, dass man Vergangenes nicht ungeschehen, aber in jedem Fall besser machen möchte. Um das zu verdeutlichen, hat sich Seat für den Leon ein Kunstwort ausgedacht: "Enjoyneering". Alles was die Ingenieure erdacht haben, soll den Nutzern des Leon Spaß bringen und selbst in der Standardversion mit innovativster Technik konfrontieren. Und tatsächlich sind bereits in der Grundvariante des Leon, die mit einem 1,2-Liter Benzinmotor ausgestattet ist und 86 PS leistet, serienmäßig elektrische Fensterheber vorn, ein Bordcomputer mit Außentemperaturanzeige, eine Funk-Zentralverriegelung, einen in der Höhe einstellbaren Fahrersitz sowie Isofix- und Top-Teather-Befestigungen für Kindersitze im Fond. Das alles gibt es bereits ab 15.390 Euro und ist damit 200 Euro billiger als der Vorläufer. Allerdings wird die Einstiegsvariante erst ab 2013 in Deutschland verfügbar sein.

Wer aufstocken will, kann sich für die Ausstattungsvarianten Reference oder Style entscheiden. In der Reference-Variante lässt sich die Rückbang im Verhältnis 60:40 umlegen, die Außenspiegel sind beheizbar, das Media-System ist mit einem 5-Zoll-Monochrom-Touchscreen-Monitor ausgestattet. Über die SD-Kartenslots im Handschuhfach können die Daten für das Navigationsgerät und eigenen Musikdateien abgespielt werden. Die Preise starten hier ab 17.150 Euro. Wer die Komplettausstattung möchte, der entscheidet sich für die Ausstattungslinie Style: Leichtmetallräder, Berganfahrassistent, Tempomat, Audiosystem mit 5-Zoll-Farb-Touchscreen, CD-Player, SD-Kartenslot, USB, AUX, 6 Lautsprecher und Dreispeichenlederlenkrad. Für die Premiumvariante startet der Preis bei 19.590 Euro.

Quelle: n-tv.de

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