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Das neue Gesicht des Skoda Octavia RS wird von der Frontpartie mit dem breiteren Kühlergrill gekennzeichnet.
Das neue Gesicht des Skoda Octavia RS wird von der Frontpartie mit dem breiteren Kühlergrill gekennzeichnet.(Foto: Holger Preiss)
Montag, 10. April 2017

Sportler für alle Gelegenheiten: Skoda Octavia RS - Streitwagen für den Alltag

Von Holger Preiss

Jeder vierte Skoda Octavia, der in Deutschland verkauft wird, ist ein RS. Also die potenteste Variante, die die Tschechen bei ihrem Kompakten offerieren. Mit dem Facelift haben sie den Benziner um weitere 10 PS auf 230 PS erstarken lassen. Aber ist das wirklich spürbar?

Mit dem Facelift des Octavia hat jetzt auch die sportlichste Variante des kompakten Skoda das Vieraugengesicht bekommen. Wenn das aber alles wäre, was den neuen Straßensportler aus Tschechien auszeichnet, wäre es definitiv zu wenig. Für PS-Verliebte gibt es nämlich einen Aufschlag auf die bisherige Leistung von 10 PS. Das heißt, im Datenblatt für den 2.0 Liter-Benziner stehen jetzt 230 PS. Da stellt sich sofort die Frage: Spürt man das? Ganz ehrlich? Nein! Denn das maximale Drehmoment liegt weiterhin bei 350 Newtonmetern und wird entweder über einen Handschalter knackig über sechs Stufen verteilt oder über eine Speed-Shift-Automatik, die sieben Schaltstufen anbietet. Die können auch ganz famos an der Achse des Fronttrieblers reißen, aber zu behaupten, das wäre anders als beim Vorgänger, ist einfach ausgedacht.

Breiter und tiefer

Dachkantenspoiler, doppelte Endrohrverblendungen und der rote Zierstreifen am unteren Ende des Stoßfängers kennzeichnen das Heck des Skoda Octavia Combi RS.
Dachkantenspoiler, doppelte Endrohrverblendungen und der rote Zierstreifen am unteren Ende des Stoßfängers kennzeichnen das Heck des Skoda Octavia Combi RS.(Foto: Holger Preiss)

Fakt ist, dass im Zusammenspiel mit den Fahrstufen Eco, Comfort, Normal, Sport und Individuell, die das adaptive Fahrwerk feilbietet, die Kraft durch die Elektronik immer mit Bedacht verteilt wird. Wen bei forscher Fahrt die blinkende ESP-Leuchte dennoch nervt und wer den Kick sucht, der kann mit dem ESP-Off-Schalter in der Mittelkonsole den Eingriff bis zur Spitze zurückrechnen lassen. Natürlich sind die elektronischen Helfer auch hier nicht gänzlich aus dem Spiel. Aber wenn sie gemeinsam mit dem Sportmodus zurückgedreht werden, kann man auch mit dem dynamischen Fronttriebler extrem flott ums Eck biegen.

Damit das noch eine Tick besser als beim Vorgänger geht, haben die Ingenieure auch noch an anderen Schrauben gedreht: Eine davon ist die Spurverbreiterung an der Hinterachse um 3,8 Zentimeter. Ein anderer wichtiger Punkt mit Blick auf das Handling ist die Progressivlenkung. Die arbeitet spürbar direkt und liefert noch bessere Rückmeldungen bei Kurvenfahrten. Aber nicht nur die Sportlichkeit hat durch die Maßnahmen des Facelifts gewonnen.

Auf Wunsch ganz sanft

Die Instrumenteneinheit wurde für den Octavia RS neu gezeichnet.
Die Instrumenteneinheit wurde für den Octavia RS neu gezeichnet.(Foto: Holger Preiss)

Tatsächlich ist der mit dem etwas ruppigen Sportfahrwerk bedachte RS durch das optional zu ordernde adaptive Fahrwerk deutlich sanfter geworden. Nein, keine Angst, das macht den Wagen nicht undynamischer. Bedenkt man aber, dass jeder vierte in Deutschland verkaufte Octavia ein RS ist, könnte das der "Massenhaltung" und vor allen den Langstreckenfahrern entgegenkommen. Denn Querfugen und Schlaglöcher werden lange nicht mehr so ungefiltert vom Steiß bis unter die Schädeldecke durchgefeuert, sondern angenehm ausgefedert. Doch zurück zum Fahrspaß: Wer den in der Beschleunigung sucht, darf jetzt selbst entscheiden, ob er ihn in 6,7 Sekunden findet. In dieser Zeit geht es nämlich aus dem Stand auf Tempo 100. Wer auf freier Strecke den Exzess sucht, wird ihn hoffentlich bei maximal 232 km/h gefunden haben. Um die träge Masse wieder zum Halten zu bringen, haben die Tschechen übrigens im Vergleich zum Vorgänger entsprechend größere Bremsen verbaut.

Akustisch wird die Soundkulisse dann auf Sport gestellt, wenn auch der Fahrmodischalter diese Einstellung hat. Jetzt generiert der Soundaktuator den Klang einer Sport-Auspuffanlage. Leider gehen diese synthetischen Klänge vorzugsweise in den Innenraum. Das macht eine gewisse Zeit Spaß, erreicht aber spätestens auf der Langstrecke seine Grenze. Denn genau da wird es enervierend. Abhilfe schaffen hier die unterschiedlichen Fahrstufen. Abseits des Sportmodus ist der Aktuator nämlich zum Schweigen verurteilt.

Sound Machine

Die Sitzbezüge und die Einstiegsleisten tragen das RS Logo.
Die Sitzbezüge und die Einstiegsleisten tragen das RS Logo.(Foto: Holger Preiss)

Man kann ihn aber auch einfach übertönen. Skoda bietet für den RS ein Canton Soundsystem mit zehn Lautsprechern. Wenn das nicht lauter ist, dann kann es nur daran liegen, dass das Potentiometer nicht voll aufgedreht wurde. Gesteuert wird der tonale Gegenschlag auf Wunsch über das 9,2 Zoll große Zentraldisplay in der Mittelkonsole. Das strahlt hinter Klarglas und offeriert auch den Zugang zum Navi oder zur Skoda-App. Dahinter verbergen sich dann auch die Infotainment Online-Dienste, für Information und Unterhaltung sowie die Care Connect-Dienste für Assistenz und Fahrzeug-Fernzugriff von Smartphone, Tablet oder Computer.

Natürlich gibt es alle schon erwähnten RS-Vorzüge auch in einer Dieselvariante. Der 2.0-Liter-Selbstzünder leistet wie bisher 184 PS, beschleunigt in 7,9 Sekunden auf Tempo 100, schaufelt sein maximales Drehmoment von 380 Newtonmeter auf Wunsch aber an alle vier Räder. Das macht den Diesel-Sportler in Extremsituationen sicherer und hält ihn besser in der Spur. Denn der Fronttriebler neigt schon dazu, bei schneller Fahrt um die Pylonen an der letzten arg über die Vorderachse zu schieben. Dieses Phänomen stellt sich beim 4x4 so nicht dar.

Wie Ken Block in die Drift

Auch beim Versuch, den RS in die Drift zu bringen, stellt sich der Allradler besser an. Hätte er eine variable Momentverteilung, wäre das noch schärfer, aber hier kommen wir in technische Gefilde, die den ausgesprochen angemessenen Preisrahmen eines Octavia RS bei Weitem sprengen würden. Und wer es bei seinen Ausritten wissen will, der kann auch mit der Handbremse und einem leichten Gasfuß ganz wunderbar das Heck kommen lassen. Aber wir schweifen ab. Letztlich ist nicht anzunehmen, dass der Käufer eines neuen RS in die Fußstapfen von Ken Block treten will. Insofern sind andere Beigaben des Kompaktportlers vielleicht doch wichtiger als die Driftfähigkeit.

Im Skoda Octavia RS Combi sind im Normalzustand 610 Liter Kofferraum verfügbar.
Im Skoda Octavia RS Combi sind im Normalzustand 610 Liter Kofferraum verfügbar.(Foto: Holger Preiss)

Zu den elementaren Dingen zählt hier, dass auch der RS mit den technischen Highlights des Mutterhauses VW ausgestattet werden kann. Dazu gehören der Notbremsassistent mit Fußgängererkennung ebenso wie Querverkehrswarner, Totwinkelwarner, adaptiver Spurhalteassistent mit Abstandsradar, der bis 210 km/h selbständig bremst und den Abstand zum Vordermann hält. Ebenfalls auf Wunsch an Bord ist der neue Parkassistent mit Rückfahrkamera, der den RS eigenständig in Parklücken quer, parallel und schräg einschiebt. Neu ist auch der Anhängerassistent, der das Rangieren mit dem Trailer zum Kinderspiel macht.

Es bleibt "Simply Clever"

Über die "Simply Clever"-Lösungen bei den Tschechen muss man eigentlich gar nicht mehr sprechen. Selbstredend hat auch der Octavia RS den Flaschenhalter in der Mitteltunnelkonsole, der es möglich macht, PET-Flaschen mit einer Hand zu öffnen. Im Gepäckraum des Kombi befindet sich wie gewohnt die herausnehmbare LED-Taschenlampe, deren Akku sich während der Fahrt auflädt. Neu ist der personalisierbare Schlüssel: Bis zu drei Benutzer können darauf ihre individuellen Einstellungen speichern – von der Klimatisierung über die Sitzeinstellung bis zur Audio-Lautstärke und der Fahrprofilauswahl.

Werfen wir noch einen Blick auf den Preis: Ab 30.900 Euro kann der Sportfreund ab Juni in einem Octavia RS einsteigen. Für die 10 PS mehr Leistung verlangen die Tschechen also knapp 500 Euro mehr. Der Diesel wird 400 Euro teurer. Wer allerdings Allrad haben möchte, zahlt mindestens 35.290 Euro. Dafür sind in der Grundausstattung auch schon LED-Scheinwerfer, die elektronische Querdifferenzialsperre XDS+ und ein Notbremsassistent mit Personenerkennung enthalten.

In der Summe bleibt der Skoda Octavia RS auch in der Neuauflage der ideale Kompaktwagen. Vor allem für rasende Familienväter und schnelle Vertreter sollte der Combi die Alternative zu Golf und Co sein. Denn 610, respektive 1740 Liter Kofferraumvolumen sind unschlagbar. Genau wie das Platzangebot im Fond, dass in dieser Klasse immer noch seinesgleichen sucht. Beim Verbrauch wird bei Vernunft-Sportlern dann allerdings die Wahl auf den Diesel fallen, denn der Benziner kann schon bei ausschweifender Fahrt weit in den zweistelligen Bereich hineinlangen. Wer aber normal fährt, sollte hier auch mit unter neun Litern glücklich werden.

Quelle: n-tv.de

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