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Vier Augen für den neuen Skoda Octavia sehen am lebenden Objekt gar nicht so schlecht aus.
Vier Augen für den neuen Skoda Octavia sehen am lebenden Objekt gar nicht so schlecht aus.(Foto: Holger Preiss)

Eins zwischen die Augen: Skoda Octavia - mehr als ein Facelift?

Von Holger Preiss

Seit dem Facelift gibt es vier Augen für den Skoda Octavia. Ob das schick ist, muss jeder selbst entscheiden. Fakt ist: Man kann sich jetzt mal an dem Tschechen reiben. Aber ist das der einzige Kritikpunkt?

Auch am Heck hat Jozef Kaban das Gesamtpaket etwas verschärft.
Auch am Heck hat Jozef Kaban das Gesamtpaket etwas verschärft.(Foto: Holger Preiss)

Es hat schon was, wenn Schwiegermamas Liebling mal so richtig was auf die Fresse bekommt. So geschehen beim neuen Škoda Octavia. Die Fangemeinde war nämlich vom neuen Vier-Augen-Gesicht des Tschechen überhaupt nicht begeistert. Böse wurde in Foren der Vergleich zu dem noch gut im Gedächtnis gebliebenen Fehlschlag von Mercedes gezogen. Auch die Stuttgarter hatten einst der E-Klasse vier Augen verpasst. Ein Umstand, der die Freunde des Sterns seinerzeit ebenso wenig amüsierte wie momentan das neue Gesicht des Octavia.

Und tatsächlich fragte sich auch der Autor beim Anblick der ersten Bilder, was Chefdesigner Jozef Kaban wohl geraucht hat, als ihm diese Idee in den Kopf kam. Selbst die internen Warnungen soll der sonst so bodenständige Kaban in den Wind geschlagen haben. Vielleicht war es ja auch schon das Wissen darum, dass der Slowake in Kürze die Abteilung für das Außendesign bei BMW übernehmen wird. Aber das ist ein böser Zungenschlag, der hier schnell aus dem Protokoll gestrichen werden soll.

Anders als die Realität

Die Doppelscheinwerfer des Skoda Octavia sind gewöhnungsbedürftig.
Die Doppelscheinwerfer des Skoda Octavia sind gewöhnungsbedürftig.(Foto: Holger Preiss)

Fakt ist, dass Fotos das eine sind, der direkte Blick auf den Wagen das andere. Tatsächlich sehen die vier Scheinwerfer am lebenden Objekt gar nicht mehr so schlecht aus. Flankieren sie doch einen größeren Kühlergrill und erheben sich über einen neu gestalteten Stoßfänger. Auch am Heck hat Kaban die Leuchten weiter ausgestellt und die Schürze verändert, um dem Hinterteil des Octavia mehr Charakter zu verleihen. Witzigerweise haben diese Veränderungen nicht nur zur Folge, dass die Limousine um 11 Millimeter und der Kombi um 8 Millimeter gewachsen sind, sondern auch, dass die Limousine länger ist als der Kombi. In Summe um drei Millimeter. Das hat natürlich keine Auswirkungen auf Stauraum oder Sitzkomfort.

Ob das Design den Geschmack der Masse trifft, muss sich noch zeigen. Im Normalfall wird immer geklagt, dass die Veränderungen bei einem Facelift so marginal sind, dass einfach nichts zu sehen ist. Kaban hat dafür gesorgt, dass sich etwas ändert und dass man sich an einem Octavia endlich mal reiben darf. Denn seit seiner Geburt im Jahr 1996 gibt der Tscheche mit fünf Millionen verkauften Exemplaren nur wenig Anlass zur Kritik.

Mehr als ein Facelift

Der Kombi ist nach dem Facelift drei Millimeter kürzer als die Limousine.
Der Kombi ist nach dem Facelift drei Millimeter kürzer als die Limousine.(Foto: Holger Preiss)

Gleiches gilt auch für den gelifteten Octavia, von dem die Ingenieure natürlich behaupten, dass sich so viel an dem Fahrzeug geändert hat, dass hier nicht mehr von einem Lifting gesprochen werden kann. Zu den Veränderungen gehört zum Beispiel die Verbreiterung der Spur an der Hinterachse, je nach Motorisierung um zwei oder drei Zentimeter. Das wiederum zieht nach sich, dass das Fahrwerk neu abgestimmt werden muss. Am Ende kommt die neue Konfiguration vor allem Passagieren in der zweiten Reihe zugute. Hier federt der Tscheche jetzt kommoder aus, auch dann, wenn der riesige Kofferraum des Kombi mit seinen 610 Litern Stauraum nicht gefüllt ist. Für Motorisierungen ab 150 PS kann weiterhin die adaptive Fahrwerksregelung, das DCC, bestellt werden, das neben drei bekannten Fahrstufen in besonders dynamisch gefahrenen Kurven selbständig in den Modus Sport wechselt, um die Stabilität zu verbessern.

Für die Reisenden in der ersten Reihe sind die Veränderungen am Fahrwerk nicht spürbar. Querfugen und tiefe Schlaglöcher mag der Octavia nach wie vor nicht, hält aber böses Unbill gekonnt von den Insassen fern. Neu ist auch das Zusammenspiel des 150 PS leistenden 2.0-Liter-Diesel mit einem 7-Gang-DSG-Getriebe. Der Motor ist bekannt und bei den VW-Käufern und deren Tochtermarken mehr als beliebt. Schlechtes kann über ihn nicht gesagt werden und schon gar nicht, wenn das Doppelkupplungsgetriebe die Kraft von 340 Newtonmetern an alle vier Räder gibt.

Auf Wunsch geht es im Skoda Octavia auch luxuriös zu.
Auf Wunsch geht es im Skoda Octavia auch luxuriös zu.

Denn erstmals ist die gewohnt unaufgeregte Schaltung auch in Kombination mit Allrad im Octavia zu haben. Egal, ob das Gaspedal heftig ins Blech gebügelt wird oder der Fahrer es sanft bewegt, die Arbeit wird unmerklich im Hintergrund verrichtet. Der Sprint auf Tempo 100 ist in knapp acht Sekunden abgeschlossen und in der Spitze bewegt der Tscheche sich als Kombi auf 216 km/h. Den Verbrauch gibt das Datenblatt im Schnitt mit optimistischen 4,3 Litern auf 100 Kilometer an. Mit einer 6 vor dem Komma darf aber bei aller Sparsamkeit gerechnet werden. Allerdings kostet der Skoda in dieser Konfiguration dann auch schon 31.090 Euro.

Alternative Gas und Dreizylinder

Wer wirklich sparen möchte, sollte einer fast schon wieder in Vergessenheit geratenen Technik den Vorzug geben: dem G-TEC, einem bivalenten, auf Erdgas und Benzin ausgelegten Antrieb. Grundlage ist hier der 1,4 TSI mit 110 PS, der den Octavia Combi immerhin in 11,0 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt und eine Spitze von 195 km/h garantiert. Je nach Art des Antriebs liegt der Verbrauch laut Datenblatt über 100 Kilometer bei 5,7 Kubikmetern CNG. Verbrennt das Aggregat Benzin, sollen es 4,8 Liter sein. Veritable Zahlen können hier aufgrund zu kurzer Fahrstrecken leider nicht geliefert werden. Allerdings hat sich diese Antriebsart bei der Ausfahrt als wirkliche Alternative empfohlen. Weder im Ansprechverhalten noch bei der Laufruhe müssen hier Abstriche gemacht werden.

610 Liter Fassungsvermögen im Kofferraum hat der Skoda Octavia.
610 Liter Fassungsvermögen im Kofferraum hat der Skoda Octavia.(Foto: Holger Preiss)

Und noch eine Empfehlung soll ausgesprochen werden: Und zwar für das hubraumkleinste Aggregat einer mit inzwischen neun Motorisierungen an den Start gehenden Palette. Die Rede ist vom 1.0 TSI, einem Dreizylinder, der mit seinen 115 PS und einem Drehmoment von 200 Newtonmetern etwas knurrig, aber flott antreibt und schon für 20.590 Euro zu bekommen ist. Lediglich 9,9 Sekunden braucht es für 100 km/h und in der Spitze sind tatsächlich 200 km/h drin. Den angegebenen Durchschnittsverbrauch von 4,8 Litern kann man dann aber getrost vergessen. Schön ist aber, dass der Motor-Zwerg neben einer 6-Gang-Handschaltung auch mit einem 7-Gang-DSG angeboten wird. Wer sich jetzt fragt, was mit dem just im gelifteten Golf vorgestellten 1,5 Liter TSI ist, der muss sich bis zum Sommer gedulden, dann wird es das neue Triebwerk mit 150 PS auch für den Octavia geben.

Assistenten und Infotainment

Aufgerüstet haben die Tschechen in ihrem Bestseller auch bei den Fahrassistenzsystemen und beim Infotainment. Beim Erstgenannten bieten die Tschechen für den Octavia jetzt neben einem City-Notbremsassistenten auch einen vorausschauenden Fußgängerschutz. Hinzu kommen optional ein Totwinkelwarner und eine Ausparkhilfe hinten, die über Sensoren querenden Verkehr meldet. Neu für den Octavia ist auch der Anhängerassistent, der peinliche Rangierpannen vermeidet und hilft, den richtigen Winkel beim Anfahren der Deichsel zu finden. Wie schon im Vorgänger gibt es weiterhin den Frontradar- oder den Spurhalteassistenten, den Parklenkassistenten oder den Crew Protect Assist, der bei einem Unfall die Gurte strafft, die Fenster schließt und die Warnblinkanlage aktiviert.

Zwei USB-Anschlüsse und eine Steckdose im Fond, das hat außer dem Skoda Octavia kaum einer.
Zwei USB-Anschlüsse und eine Steckdose im Fond, das hat außer dem Skoda Octavia kaum einer.

Für beste Unterhaltung wird im Octavia auf Wunsch mit dem Musiksystem Bolero gesorgt, das sich mit seinem hochauflösenden 8,0-Zoll-Touchscreen im Glas-Design dank sensibler Sensorik bereits beim Annähern der Finger den Bedienmodus aktiviert, der wischen, scrollen und Zeicheneingabe ermöglicht. Zudem kann das System SMS vorlesen und hat die Möglichkeit, Nachrichten über den Monitor einzugeben. Zudem integriert das System eine Bluetooth-Anbindung, acht Lautsprecher und SmartLink+. Eine Sprachbedienung steht optional zur Verfügung. Zum Bolero gehört aber auch das Navigationssystem Amundsen, dessen Kartenmaterial im Übrigen lebenslang aktualisiert wird, und ein integrierter WLAN-Hotspot, der sich mit bis zu acht Geräten koppeln lässt.

Simply Clever

Um die Geräte aber auf längeren Strecken zu betreiben, bedarf er der entsprechenden Stromversorgung und hier kommen die von Skoda so oft bemühten Simply-Clever-Lösungen ins Spiel. Während es für die Reisenden auf den vorderen Plätzen schon immer USB-Anschlussmöglichkeiten gab, haben die Tschechen jetzt auch die Fondpassagiere versorgt und zwar richtig. Am Ausläufer der Mittelkonsole gibt es nämlich nicht nur zwei USB-Anschlüsse, sondern auch noch einen 220-Volt-Anschluss. Das ist wirklich clever.

Genau wie der Flaschenhalter in der Mittelkonsole, der PET-Flaschen so arretiert, dass sie mit einer Hand geöffnet werden können oder die LED-Taschenlampe im Kombi, die sich in ihrer Halterung immer wieder auflädt. Vielleicht nicht ganz so wichtig, aber eine nette Idee ist der für bis zu drei Personen individualisierbare Schlüssel. Der speichert persönliche Daten wie Sitzeinstellung, Fahrwerk- oder Motorkonfiguration. Insgesamt ist der neue Octavia also nach seinem Facelift neuer als viele andere Autos, denen man eine solche Zwischenkur angedeihen lässt.

Quelle: n-tv.de

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