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Der Mazda Demio soll 200 Kilometer Reichweite schaffen.
Der Mazda Demio soll 200 Kilometer Reichweite schaffen.(Foto: Mazda)

"Zoom-Zoom" mit Strom: So fährt der Elektro-Mazda 2

von Axel F. Busse

Warum der Demio nicht auf der Tokyo Motor Show vorgestellt wurde, bleibt ein Rätsel. Auf dem Firmengelände von Mazda konnte das E-Auto auf Basis des Mazda 2 jetzt einem Praxistest unterzogen werden - mit echtem "Zoom-Zoom-Fahrgefühl".

Von der Tokyo Motor Show hatten sich viele Fachbesucher mehr versprochen. Nach Krise und Messepause ließ die japanische Autoindustrie die Chance, selbstbewusst aufzutrumpfen, ungenutzt verstreichen. Schauplatz einer echten Überraschung war dagegen das Mazda-Firmengelände rund 800 Kilometer weiter südwestlich.

Gut zwei Dutzend internationaler Pressevertreter wurden dort Zeugen einer besonderen Fahrdemonstration. Der Hersteller Mazda, der lange Zeit der um sich greifenden Hybrid- und Elektrobegeisterung anderer japanischer Hersteller wie Toyota und Nissan nichts Gleichwertiges entgegen zu setzen hatte, präsentierte einen dem Augenschein nach serienreifen Kleinwagen mit Batteriebetrieb. Die Basis für den Prototypen liefert der Mazda 2, der im Ursprungsland unter dem Namen Demio verkauft wird.

Auf dem firmeneigenen Testgelände wurde das Elektro-Auto der internationalen Presse vorgeführt.
Auf dem firmeneigenen Testgelände wurde das Elektro-Auto der internationalen Presse vorgeführt.(Foto: Mazda)

Zwei Fakten machen das E-Mobil zu einem bemerkenswerten Erzeugnis, wobei die Reichweite von 200 Kilometern noch eher Wunschdenken als Tatsache sein dürfte. Nachmessbar ist jedoch, dass die Installation des T-förmigen Batteriepakets unter der Rücksitzbank ohne jeden Einfluss auf die Kofferraumgröße geblieben ist. Sollte ein künftiges Serienmodell die anvisierte Reichweite bringen, läge sie spürbar über der des etwa gleich großen Nissan Leaf, den allerdings jetzt schon die ersten Kunden bekommen können.

Rund 100 Kilo Mehrgewicht

Was die technischen Daten des kleinen Stromers angeht, gibt sich Programm-Manager Mitsuru Fujinaka noch zugeknöpft. Die Leistung der Batterie mag er nicht nennen, nicht einmal deren Lieferanten. Dass sie von Sanyo stammt und damit gleicher Herkunft ist wie die von Volkswagen für die eigenen Elektro-Entwicklungen verwendeten Akkus, ist ja auch nicht so wichtig. Und dass ihre Kapazität nicht weniger als 24 kWh beträgt, wie es beim Nissan Leaf der Fall ist, dürfte angesichts der Reichweiten-Ankündigung als gesichert gelten. Der Lithium-Ionen-Akku wird durch ein luftgekühltes System auf Temperatur gehalten.

Rund 100 Kilogramm Mehrgewicht als das etwa eine Tonne wiegende Serien-Einsteigermodell des Mazda 2 bringt das E-Fahrzeug auf die Waage. Eine weitere Besonderheit ist, dass die Aufladung der Batterie über zwei verschiedene Anschlüsse erfolgen kann. Der eine ist für das allgemeine Stromnetz vorgesehen und ist dort, wo herkömmliche Mazda-2-Modelle ihren Tankstutzen haben. Der andere Anschluss befindet sich am linken vorderen Kotflügel und ist für Kraftstrom ausgelegt. Wird er benutzt, ist der Akku nach einer halben Stunde wieder einsatzbereit, andernfalls sind für eine komplette Wiederbefüllung der Batterie sieben bis acht Stunden zu veranschlagen.

Das kompakte SUV CX-5 wird im nächsten Jahr auf den deutschen Markt kommen.
Das kompakte SUV CX-5 wird im nächsten Jahr auf den deutschen Markt kommen.(Foto: Mazda)

Laut Mitsuru Fujinaka kam es bei der Entwicklung darauf an, dass auch ein Strom-Demio seinen Nutzern das bietet, was die Marketing-Strategen der Marke als "Zoom-Zoom-Fahrgefühl" bezeichnen: Zügige Beschleunigung, agiles Handling, leichte, präzise Lenkung, sportlich-straffe Federung. Abgezählte Runden auf der firmeneigenen Teststrecke in Hiroshima konnte zumindest eines belegen: Flott ist er, der kleine Stromer, summt sich leise und ohne Durchhänger bis auf 100 km/h hoch, gewinnt beim Bremsen Energie zurück und scheint auch die Reichweiten-Vorgaben in Reichweite zu haben: Nachdem etliche Testfahrer bereits das Beschleunigungsvermögen ausprobiert und wenigstens 50 Kilometer unter verschärften Bedingungen absolviert hatten, versprach die Reichweiten-Anzeige noch immer 94 Kilometer.

Fahren im "grünen Bereich"

Über den Einbau eines Sound-Generators, so viel war zu erfahren, wird nicht nachgedacht. Wie der Leisetreter etwaigen Passanten sein Herannahen bekannt gibt, ist also noch nicht entschieden. Auffällig und ein weiterer Unterschied zu anderen E-Mobilen, wie etwa dem ersten Mini, ist die Tatsache, dass das Loslassen des Fahrpedals nicht zu einer spürbaren Verzögerung führt. Die Rekuperation erfolgt also unmerklich, denn die Ladeanzeige neigt sich bei Schubbetrieb sofort in den "grünen Bereich".

Warum der in Hiroshima beheimatete Konzern, an dem Ford das viertgrößte Aktienpaket hält und der 1935 sein erstes Fahrzeug auf die Räder stellte, nicht die Messe als Forum für die Vorstellung des Zukunftsmobils nutzte, bleibt dabei ein Rätsel. Schließlich wurde auf dem Mazda-Stand in Tokio nicht gerade ein Neuigkeiten-Feuerwerk abgebrannt: Das bereits von seiner Premiere auf der Frankfurter IAA bekannte Modell CX-5 erlebte seine Japan-Premiere, dazu wurde die bereits vorgestellte SkyActive-Technologie präsentiert. Sie umfasst außer einer neuen Motorengeneration auch energiesparende Maßnahmen im Bereich der Karosserie- und Fahrwerksentwicklung. Daneben war das Konzept-Fahrzeug Takeri zu sehen, das als Blaupause für die zukünftige Mittelklasse-Limousine gilt.

Kommt der Range-Extender?

Bei dessen Messe-Präsentation hatte Mazda-Vorstandschef Takashi Yamanouchi erklärt: "Beim Fahrzeugdesign arbeiten wir seit langem an dem physischen Ausdruck von Bewegung. Unsere neue Designsprache 'KODO – Soul of Motion' stellt eine weitere Innovation dieses Themas dar. Die kommenden Generationen von Mazda-Fahrzeugen werden daher einen noch stärkeren visuellen Einfluss ausüben." Erster serienreifer Vertreter des neuen Designs wird der kommende Mazda 6 sein.

Die Konzept-Limousine Takeri gibt einen Ausblick auf den nächsten Mazda 6.
Die Konzept-Limousine Takeri gibt einen Ausblick auf den nächsten Mazda 6.(Foto: Mazda)

Still ist es um den zuletzt nur von Mazda in einem Serienauto angebotenen Kreiskolben-Motor geworden. Das von Felix Wankel entwickelte Aggregat kommt mit kleinen Hubräumen aus, ist seit dem Le-Mans-Sieg eines Mazda als standfest bekannt und ist dank des Rotationsprinzip äußerst vibrationsarm. Doch das RX 8-Coupé wird mangels Nachfrage in Deutschland schon gar nicht mehr angeboten. Die mit Wasserstoff befeuerten Mazda-Wankelmotoren kann man derzeit nur in Japan und Norwegen im Rahmen von Leasing-Programmen fahren.

Möglicherweise erlebt der Kreiskolben-Motor dennoch eine Renaissance: Dank seiner kompakten Bauweise gäbe er ein idealen Zusatzaggregat ab, das nicht zur Fortbewegung, sondern zur Stromerzeugung dient. Gerüchten zufolge soll Mazda an einem Elektro-Projekt mit sogenanntem Range-Extender (Reichweiten-Verlängerer) arbeiten, bei dem ein Wankel-Motor die Batterie nachlädt. Würde der mit Wasserstoff betrieben, wäre das Auto trotz Verbrennungsmotors absolut emissionsfrei.

Quelle: n-tv.de

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