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Das BMW M2 Coupé ist nicht nur für die Rennstrecke gebaut, aber dort fühlt es sich extrem gut an.
Das BMW M2 Coupé ist nicht nur für die Rennstrecke gebaut, aber dort fühlt es sich extrem gut an.

Der kurze Weg zum Rundenrekord: BMW M2 Coupé – frisst nicht nur die Kurven

Von Holger Preiss

Von den Fans wird das BMW M2 Coupé sehnsüchtig erwartet. Wurde es doch als konsequente Nachfolge des beliebten 1er M Coupés angepriesen. Noch bevor im April der Verkauf beginnt, durfte es n-tv.de mit dem Boliden richtig krachen lassen und dessen ganz persönlichen Eigenarten studieren.

Auch bei der Rückansicht macht das BMW M2 Coupé keinen Hehl aus seiner Potenz.
Auch bei der Rückansicht macht das BMW M2 Coupé keinen Hehl aus seiner Potenz.

Bei der BMW M GmbH ist man schon ein wenig aufgeregt angesichts des neuen M2 Coupé. Schließlich knüpft er an etwas an, das bei Fans von dynamischen Kurvenfahrten Kultstatus erfahren hat: das 1er M Coupé. Ein waschechter Sportwagen, der auf 3000 Stück limitiert, auf Grund der Nachfrage dann doch 6000 Mal gebaut und verkauft wurde. Das verwundert bei genauem Hinsehen auch nicht, denn neben dem bissigen Äußeren schlug der anabole Bayer mit 340 PS schon richtig aus und schickte ordentliche 450 Newtonmeter an die Hinterachse.

Wer also hier den Pin ins Blech bügelte, hatte gute Chancen, seine Gummis in Rauch aufgehen zu lassen. Seinerzeit stieg der potente Zwerg mit 4,38 Metern Länge bei 50.500 Euro ein. Wer heute einen gebrauchtes 1er M Coupé haben will, der wird auch nach fünf Jahren kaum weniger bezahlen.

Der saugt alles von der Straße

Angesichts dieser Tatsache dürften sich die Interessenten bereits vor einiger Zeit über die Botschaft gefreut haben, dass die Wachablösung mit dem M2 Coupé für einen Startpreis von 56.700 Euro in den Startlöchern steht. Produziert wird er bereits seit Oktober 2015 in Leipzig, zum Verkauf steht er ab April dieses Jahres. Zugegeben, der Aufschlag ist nicht ohne, dafür bringt der neue Kraftprotz Etliches mehr mit. Nicht nur, dass er noch gemeiner guckt als sein Vorgänger. Mit weit aufgezogenen Lufteinlässen in der Frontschürze scheint er nicht nur zu atmen, sondern die nicht flott genug vorauseilende Konkurrenz von der Straße saugen zu wollen.

Der M2 ist im Vergleich zum 1er M Coupé um 9 Zentimeter auf 4,47 Meter gewachsen.
Der M2 ist im Vergleich zum 1er M Coupé um 9 Zentimeter auf 4,47 Meter gewachsen.

Auch der Rest des Äußeren ist eine Versicherung, dass hier ein gehöriges Maß an Steroiden bereitgestellt wurde, um die Muskeln spielen zu lassen. Da sind die weit nach außen gezogenen hinteren Kotflügel, die nicht nur den 19-Zoll-Felgen ein Zuhause geben, sondern auch der Achse, die bereits im M4 verwendet wird. Bug und Heck verbinden eine extrem scharfe Sicke oberhalb und gepfeilte Seitenschweller unten. Dazwischen ein kühner Schwung, der ein optisches Muskelspiel erzeugt. Am Heck künden langgezogene Luftauslässe in der Schürze und zwei chromverblendete Doppelendrohre von unbändiger Kraft, die die Spoilerlippe auf dem Heckdeckel fast filigran wirken lassen. Aber das könnte alles nur Show sein. Wäre da nicht unter der Haube ein doppelt aufgeladener Reihensechszylinder, der 370 PS zur Verfügung stellt und bereits beim Start keinen Hehl daraus macht, was den Fahrer erwartet, wenn er den Mut hat, den Pferden die Sporen zu geben.

Mit dem Automaten zum Rundenrekord

Um das zu machen, schmiegt sich der Pilot in die mit Leder bezogenen Sportsitze und lässt seine Blicke über das BMW-eigene Dashboard mit den analogen Rundinstrumenten schweifen. Erfreut sich an Feinheiten wie den fast gewebt wirkenden Karboneinlagen und den blauen Ziernähten, während die Hände sich langsam um das griffige Volant schließen und der Zeigefinger der rechten Hand zum Startknopf gleitet, um dem M2 Coupé endlich Leben einzuhauchen. Ein erstes heiseres Husten lässt die Umstehenden aufhorchen, aber nicht erschrecken. Dazu ist es dann doch etwas zu dünn. Dennoch wird auch dem Mann mit dem Lenkrad in der Hand klar, dass das hier kein zartbesaiteter Gleiter ist.

Der Fahrer eines BMW M2 Coupé hat in der Regel alles im Griff.
Der Fahrer eines BMW M2 Coupé hat in der Regel alles im Griff.(Foto: Uwe Fischer)

Jetzt ist es auch völlig egal, ob im nächsten Moment der erste Gang über die manuelle Sechsgangschaltung oder die Siebengangautomatik in die Gasse kracht, die Folgen sind die gleichen: Mit brutaler Gewalt krallen sich die 265er Michelin Pilot Super Sport in den Asphalt und empfangen die 465 Newtonmeter, um den Bolzer nach vorne schießen zu lassen. Ganze 4,5 Sekunden dauert es handgeschaltet, bevor die Tempo-100-Marke geknackt ist. Mit dem Automatikgetriebe geht es 0,2 Sekunden schneller. Brachial schiebt der M2 voran. Dreht bis 6500 Umdrehungen weit aus und der Vortrieb endet erst bei Tempo 250. Wer das aufpreispflichtige Drivers-Package ordert, kann die Tachonadel sogar bis 270 drehen lassen. Angesichts dieser Tatsache wird auch die Aussage der M-Spezialisten glaubhaft, dass die auf der Nordschleife aufgestellte Spitzenzeit von 7:58 Minuten auch von Hobbyfahrern zu erreichen ist.

Erfahrene Heldengeschichten

Aber Achtung! So wie jedes Sportauto braucht auch der M2 bei dem Motto "Alles oder nichts" einen Moment der Gewöhnung. Wer nämlich für den Rundenrekord den Fahrerlebnisschalter auf Sport Plus stellt, der wird die deutliche Verengung des Lenkwinkels spüren und eine gewisse Nervosität in der Servotronic Lenkung mit ihren zwei Kennlinien mutmaßen. Auch der brachiale Schub an der Hinterachse will beherrscht sein. Wie schon erwähnt, liegen hier 465 Newtonmeter an. Beim Boost sind es sogar 500 Newtonmeter, die das Heck, je nach Lenkradeinschlag, zu unerwünschten Bewegungen in die eine oder andere Richtung schicken können.

Mit seinen breiten Lufteinlässen saugt das BMW 2er Coupé nicht nur die Straße ein.
Mit seinen breiten Lufteinlässen saugt das BMW 2er Coupé nicht nur die Straße ein.

Zum Glück wird das Schwänzeln nie gefährlich, denn selbst wenn alle Helfer deaktiviert sind, bleibt eine elektronische Restsicherheit und die unglaublich bissigen M Compound-Bremsen, die den Boliden wieder in die Spur bringt. Das wiederum bedeutet, dass Freunde der Drift sehr viel Anlauf nehmen müssten, um das Heck für eine gewisse Zeit querzustellen. Auch wenn M verspricht, dass im Dynamic Mode die dynamische Stabilitätskontrolle mehr Radschlupf und somit auch eine kontrollierte Drift zulässt.

Für die beste Rundenzeit

Wer es jetzt aber darauf anlegt, auf dem Rundkurs Bestzeiten zu erzielen, findet im BMW M2 Coupé einen exzellenten Begleiter. Allerdings ist es hierbei nicht ganz egal, ob man sich per Handschaltung durch die Kurven wühlt oder mit der superschnell schaltenden Siebengangautomatik. Die hat nämlich zwei Vorteile: Sie ermöglicht es, über die Paddles die Schaltpunkte selbst zu bestimmen, bietet aber auch die Option, die Elektronik arbeiten zu lassen. Und die verrichtet ihre Arbeit im Sport-Plus-Modus bravourös. Während sich der ambitionierte Sportfahrer ganz auf Gas und Lenkung konzentrieren kann, schiebt sie punktgenau die Gänge hoch und runter. Dank der Zwischengasfunktion entfällt ja schon lange das Spiel von Hacke und Spitze. In der Summe überrascht das BMW M2 Coupé letztlich auf Straße und Rundkurs vor allem dadurch, dass es bei allen seinen zu lernenden Eigenheiten in kürzester Zeit eins mit seinem Piloten wird und ihn so in seinen Bann zieht.

Und weil das so ist und die erlebten Heldengeschichten auf dem Asphalt auch weitergetragen werden wollen, kann im M2 künftig mit der GoPro App in der BMW Multimediaeinheit eine Action-Kamera angesteuert werden. Hinzu kommt, dass über die Laptimer App auch Rundenzeiten, Geschwindigkeiten und Bremspunkte analysiert werden können. Das alles lässt sich dann per E-Mail versenden oder bei Facebook posten. Für den Moment könnte man also im BMW auch den virtuellen Wettbewerb gewinnen. Freude am Fahren, auch auf dem Daten-Highway.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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