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Die 2.0-Liter-Diesel des VW Amarok bekommen als Erste ein Update.
Die 2.0-Liter-Diesel des VW Amarok bekommen als Erste ein Update.

Amarok macht den Anfang: So funktioniert der VW-Rückruf

Seit einiger Zeit warten die Besitzer eines vom Dieselskandal betroffenen VW auf den Rückruf ihres Fahrzeuges in die Werkstatt. Jetzt erteilt das Kraftfahrt-Bundesamt die Freigabe, die Wolfsburger können die Kunden informieren. Gestartet wird mit dem Amarok.

Nah der Freigabe durch das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) startet Volkswagen jetzt mit dem Rückruf der vom Dieselskandal betroffenen Fahrzeuge. Den Anfang machen die VW Amarok Pick-up-Trucks mit dem 2.0-Liter-Dieselmotor, der die Abgasnorm Euro 5 erfüllt. Die Wolfsburger fangen wohl mit dem in Deutschland am wenigsten verkauften VW-Modell an, um zu testen, wie sich der Andrang in den Werkstätten bewältigen lässt. Denn insgesamt stehen bei VW 2,4 Millionen Dieselautos auf dem Zettel, die es in Deutschland nachzubessern gilt. In dieser Zahl sind auch die Fahrzeuge von Audi, Skoda und Seat mit eingerechnet, die ebenfalls mit den betroffenen Triebwerken ausgestattet sind.

Insgesamt sind hierzulande 2173 Werkstätten autorisiert, die Umbauarbeiten vorzunehmen. Aber Achtung! Erst, wenn Sie ein offizielles Schreiben vom Hersteller erhalten haben, sollten Sie sich in der Werkstatt einfinden. Denn in der Summe bedeutet die Rückrufaktion, dass neben dem normalen Tagesgeschäft zusätzlich 1100 Autos bearbeitet werden müssen. Bei den 1,2-Liter- und 2,0-Liter-Motoren soll ein Software-Update ausreichen. Bei den 1,6-Liter-Motoren wird zusätzlich ein sogenannter Strömungstransformator eingebaut. Dieses Teil soll die Messgenauigkeit bei der angesaugten Luft erhöhen und dadurch den Verbrennungsvorgang optimieren. Für das Update rechnet VW mit einem Arbeitsaufwand von 30 Minuten. Für den Einbau des Strömungstransformators werden etwa 60 Minuten veranschlagt.

Nach den Amarok will VW die ersten Varianten der Passat-Diesel mit 2,0 Litern Hubraum und Euro-5 in die Werkstätten rufen. Das sind natürlich wesentlich mehr Fahrzeuge als beim Amarok, aber auch hier muss lediglich ein Software-Update vorgenommen werden. Die ersten Passat-Halter werden also frühestens im Februar Post bekommen. Wann die übrigen Passat drankommen, ist noch unklar. Auch zum Verkaufsschlager Golf, dem meistverkauften Pkw hierzulande, gibt es noch keine Details. VW will aber möglichst zeitnah informieren.

"Kostenfreie Ersatzmobilität" und Leistungsverlust

Die vielen Wellen bei Anschreiben und Rückrufen hängen an den mannigfachen Varianten, die sich mit den unterschiedlichen Motorgrößen, Modellreihen, Baujahren und Getriebearten ergeben. Frühestens ab April sind die betroffenen Motorversionen mit 1,2 Liter Hubraum an der Reihe. Im Herbst folgen die 1,6-Liter-Maschinen, bei denen der Arbeitsaufwand wohl am größten ist. Wenn es denn bei einem Stau in der Werkstatt doch länger dauern sollte, verspricht VW: "Wir bieten allen betroffenen Kunden eine angemessene und kostenfreie Ersatzmobilität an."

Die Ersatzmobilität scheint also geklärt. Was noch nicht zu 100 Prozent geklärt ist, ist die Frage nach möglichen Leistungsverlusten nach der Umrüstung. Der VW-Konzern nennt als "Ziel", dass aus den Arbeiten keine Beeinträchtigung der Motorleistung und des Verbrauchs resultieren. Ob das wirklich funktioniert, muss aber abgewartet werden.

Rückruf darf nicht ignoriert werden

Natürlich sind die Fahrzeuge auch ohne Umrüstung weiterhin technisch sicher und fahrbereit, betont VW. Die Nutzung im Straßenverkehr ist daher zunächst weiterhin möglich. Ewig ignorieren sollte man die Aufforderung zum Werkstattbesuch aber nicht. Wird das Auto nicht innerhalb eines überschaubaren Zeitraums wieder in den gesetzlich geforderten Zustand versetzt, erinnert das KBA beziehungsweise VW den Halter noch einmal im Rahmen einer sogenannten Nachfassaktion an den Werkstattbesuch. Reagiert der Fahrzeughalter dann immer noch nicht, droht irgendwann die Stilllegung des Fahrzeugs. In Panik muss niemand verfallen, denn VW verspricht, bis Ende 2017 kostenlos umzurüsten. Zudem wird auf die sogenannte Verjährungseinrede verzichtet.

Reparierte Fahrzeuge erhalten nach den durchgeführten Maßnahmen einen Hinweis-Aufkleber, meist in der Reserveradmulde. Darüber hinaus erfolgt ein Eintrag im Serviceheft. Und auch in den VW-internen Werkstattdaten wird die Teilnahme an der Rückrufaktion vermerkt. Im Zweifel kann jeder Händler Auskunft geben.

Keine Entschädigung in Europa

In den USA erhalten VW-Kunden ein "Goodwill-Paket" mit Gutschriften für Reparaturen und Zubehör im Gegenwert von 1000 Dollar, einzulösen beim Vertragshändler. Dazu gibt es drei Jahre lang kostenlose Pannenhilfe. Ein ähnliches Programm soll es für Europa nach aktuellem Stand nicht geben. Allerdings fordert die Politik bereits eine Gleichbehandlung der Kunden auf den verschiedenen Märkten, dass es hier zu einer Entschädigung kommt, darf aber bezweifelt werden.

Die betroffenen Modelle im Überblick

Hier noch einmal die Modelle, die in Deutschland den von der Manipulation betroffenen Diesel, den EA 189, an Bord haben: Bei Volkswagen  sind es unter anderem Golf VI, Passat VII und Tiguan I. Bei Audi handelt es sich um den A1, A3, A4, A6, TT, Q3, Q5, jeweils 1.6 und 2.0 TDI mit Euro-5-Norm. Bei Skoda stehen der Fabia II (Baujahre 2009 bis 2014), Roomster (Baujahre 2009 bis 2015), Rapid (Baujahre 2011 bis 2015), Yeti (Baujahre 2009 bis 2015), Octavia II (Baujahre 2009 bis 2013) und Superb II (Baujahre 2009 bis 2015) auf der Liste. Seat hat bis zur Stunde noch keine detaillierten Angaben machen können.

Quelle: n-tv.de

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