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Mit einer Motorleistung von 200 PS übertrifft der Clio RS die meisten seiner Mitbewerber.
Mit einer Motorleistung von 200 PS übertrifft der Clio RS die meisten seiner Mitbewerber.

Mit Sound aus der Retorte: So wird der Clio R.S. zur Rakete

Von Axel F. Busse

Regelmäßige Formel-1-Zuschauer kennen den Begriff: "Launch Control". Man braucht dafür zwei Füße, einen starken Motor und etwas Elektronik. Im Kleinwagensektor war die Anfahrhilfe für den "Kavalierstart" bisher jedoch unbekannt.

Die hinteren Zustiege des Fünftürers sind geschickt kaschiert-
Die hinteren Zustiege des Fünftürers sind geschickt kaschiert-

Ab dem 6. April kommt der neue Renault Clio R.S. auf den Markt. Dann wird es erstmals auch in einem Kleinwagen eine "Launch Control" geben. Nach klassischer Downsizing-Manier hat die Rennsemmel einen kleineren Motor und eine größere Leistung als der Vorgänger. Schöpfte der Alte seine Kraft noch aus einem Zweiliter-Motor, kommt der Neue mit 1,6 Litern aus. Dank Turbolader liegen hier aber 200 PS an. Gut eingeschenkt für ein Auto, das nicht einmal 1280 Kilogramm wiegt.

Der Begriff "Launch Control" stand ursprünglich für die Überwachungszentren von Raketenstarts. Und wie in einer Rakete soll sich auch der Clio-Fahrer fühlen, sofern sein Auto die Abkürzung für Renault Sport am Heck trägt. So funktioniert der große Sprung zur nächsten Ampel: Durch gleichzeitiges Betätigen der beiden Schaltpaddel wird das elektronische Regelsystem aktiviert. Der linke Fuß steht auf der Bremse, der rechte drückt das Gaspedal schlagartig Richtung Bodenblech. Der Drehzahlmesser schnellt hoch, verharrt dann bei etwa 2500 Umdrehungen. In diesem Bereich hat der Motor sein maximales Drehmoment von 240 Newtonmetern schon längst erreicht. Beim Lösen der Bremse gestatten Getriebesteuerung und Antriebsschlupfregelung genau so viel Kraftübertragung, dass ohne durchdrehende Räder die maximal mögliche Beschleunigung erreicht wird.

Clio simuliert den Dreitürer

"RS" bedeutet am Clio nicht Renn-Semmel, sondern Renault Sport.
"RS" bedeutet am Clio nicht Renn-Semmel, sondern Renault Sport.

Ohne weiteres Eingreifen des Fahrers kann dann nach weniger als sieben Sekunden die 100-km/h-Marke passiert werden. Stört kein weiterer Verkehr oder Gegenwind das Experiment, jagt der heiße Clio hoch bis 225 km/h. "Hot Hatch" wird so ein Auto im angelsächsischen Sprachraum genannt, "Hatchback" ist die dort übliche Bezeichnung für Fließheck-Autos. Die meisten dieser heißen Feger sind Dreitürer, der Clio sieht auch aus wie einer. Ist es aber nicht. Wer die feine Blechfuge vor den hinteren Kotflügeln übersieht, bemerkt wahrscheinlich auch den Klappengriff nicht, der senkrecht im Winkel der hinteren Seitenscheiben steht. Der Clio R.S. ist ebenso wie seine weniger potenten Brüder ein lupenreiner Fünftürer.

Um auch ein paar Argumente gegen die Kritiker der Vollgas-Völlerei zu haben, vermeldet Renault, der 1,6-Liter-Motor verbrauche 23 Prozent weniger Kraftstoff als das Vorgängermodell. Das sind dann 6,3 auf dem Rollenprüfstand ermittelte Liter je 100 Kilometer Strecke. Ab acht kann man also mit Spaß rechnen. Weil der Hersteller offenbar davon ausgeht, dass andere Verkehrsteilnehmer den Clio R.S. meist von hinten sehen, ist die Heckpartie besonders eindrucksvoll gestaltet. Zwischen den beiden rautenförmigen Auspuff-Endrohren ist ein auffälliger Diffusor platziert, der den Anpressdruck an der Hinterachse kräftig erhöhen soll.

Wie wichtig so ein Bauteil ist, kann erfahren, wer diesen Clio mit Schmackes über den Rundkurs drischt. Kräftige Verzögerung durch die vorn 320 Millimeter großen Bremsascheiben sollte man sich nur deutlich vor der Kurveneinfahrt erlauben, denn wird das Heck zu leicht, kann es schnell auf die Idee kommen, eigene Wege zu gehen. Mit ein bisschen Gas an der Antriebsachse zieht der Clio zuverlässig durch die Kehre, die sensible Lenkung meldet in Echtzeit die Notwendigkeit zum Gegensteuern. Das Fahrwerk aus McPherson-Federbeinen vorn und Verbundlenker-Hinterachse geizt eher mit sportlicher Härte, lässt jenseits des Parcours sogar vergessen, dass man im Chefdynamiker der Clio-Baureihe unterwegs ist.

Das Doppelkupplungsgetriebe kann mittels Schaltwippen manuell bedient werden.
Das Doppelkupplungsgetriebe kann mittels Schaltwippen manuell bedient werden.

Dabei tut Renault viel gegen das Vergessen. Das gesamte Interieur ist auf Sportlichkeit getrimmt. Die rote Ziernaht als 12-Uhr-Markierung auf dem Lederlenkrad ist nur ein zurückhaltendes optisches Signal, die roten Sicherheitsgurte ein zweites. Sehr zu gefallen wussten während der Testfahrt die Sportsitze und ihre stabilen Seitenwangen, die erstklassigen Halt geben. Pedale aus Aluminium, rote Dekorelemente an Türverkleidungen, Wählhebel und Lüftungsdüsen setzen weitere Akzente. Am Getriebehebel sind sie besonders angebracht, denn der wird wenig gebraucht. Renault hat ein Doppelkupplungsgetriebe eingebaut, das je nach Fahrmodus ("Normal", "Sport" oder "Race") zwischen 0,2 und 0,15 Sekunden für die Gangwechsel braucht.

Navigationsgerät inklusive

Wer versuchen möchte, es schneller hinzubekommen, kann dazu die Schaltwippen am Lenkrad benutzen. Mit ihrer Hilfe ist, ganz in Formel-1-Manier, der Zeitpunkt des Gangwechsels frei zu bestimmen, schneller – das merkt man bald – geht es aber damit auch nicht. Der subjektive Eindruck ist, da man beim Ziehen des Hebels praktisch schon auf das Einkuppeln wartet, eher noch der Entgegengesetzte. Schade, dass die Wippen nicht direkt mit der Lenksäule verbunden sind. Da sie feststehen, kann es vorkommen, dass man beim Einlenken ab und zu mal vergeblich die Finger nach dem Paddel ausstreckt.

Jeder weiß, dass zu einem sportlichen Fahrerlebnis auch ein adäquater Sound gehört. Als Appell an den Spieltrieb der Kunden ist wohl der so genannte R-Sound-Effekt zu werten, der Kunden des kostenpflichtigen R.S. Monitor-Systems zur Verfügung steht. Eine entsprechende Applikation erlaubt die Wahl zwischen sieben verschiedenen Motorsounds, die virtuell erzeugt und mittels Soundpipe in den Innenraum geleitet werden. Unter den angebotenen Klangteppichen, die exakt auf die jeweilige Motordrehzahl abgestimmt werden, sind auch die Schallemissionen von Renault-Rennsportklassikern die R8 Gordini oder Alpine A 110. Aktuelle Leistungsdaten wie Ladedruck, Öltemperatur, Längs- und Querbeschleunigung können ebenso abgerufen werden.

Auch ohne den akustischen Zeitvertreib ist der Clio R.S. ab Werk vorbildlich ausgestattet. Beispielsweise gehört ein Navigationssystem mit 7-Zoll-Touchscreen dazu, dessen Bedienungslogik allerdings gewöhnungsbedürftig ist. Eine 4x20-Watt-Audioanlage wird ebenfalls ab Werk mitgeliefert, nebst USB-Anschluss für externe Quellen und Lenkradfernbedienung. Bordcomputer, Tempomat, Licht- und Regensensor sowie Berganfahrhilfe vervollständigen das Angebot. Die gute Ausstattung hat nichts mit Großzügigkeit des Herstellers zu tun, sondern ist scharfes Kalkül: Beinharter Wettbewerb herrscht unter den Rennsemmeln, wo sich Opel Corsa OPC, Polo GTI, Alfa Romeo Mito, Skoda Fabia RS, Seat Ibiza Cupra und andere tummeln. 23.950 Euro verlangt Renault für den Beitritt zum R.S.-Club.

Quelle: n-tv.de

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