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Im Rolls-Royce Dawn kann man sich nicht nur im Luxus sonnen.
Im Rolls-Royce Dawn kann man sich nicht nur im Luxus sonnen.(Foto: Holger Preiss)

Offener Wraith auf der IAA: Sonnendämmerung bei Rolls-Royce

Von Axel F.Busse, Frankfurt am Main

Vornehme Zurückhaltung war stets eine der wesentlichen Eigenschaften, die mit der Marke Rolls-Royce assoziiert wurden. Jetzt ist erstmals ein Auto "sexy". So jedenfalls charakterisiert Vorstandschef Torsten Müller-Ötvös das neue Cabriolet "Dawn".

Das via Internet erstmals der Öffentlichkeit präsentierte und auf der Frankfurter IAA jetzt live zu vorgestellte Klappdach-Coupé belebt eine Modellbezeichnung, die erstmals im Jahre 1949 im Rolls-Royce-Angebot auftauchte. Drei Jahre später wurde die offene Variante vorgestellt, beide basierten auf dem Chassis des Silver Wraith. Der moderne Wraith stellt auch beim neuen Modell die Basis, wobei Rolls-Royce Wert auf die Feststellung legt, dass es sich "nicht einfach ein Wraith Drophead" handele. Vielmehr habe man 80 Prozent der Teile neu entwickelt und "eine hochmoderne, viersitzige und offene Fahrzeugarchitektur" geschaffen.

Im Rolls-Roce Dawn öffnen die Türen nach hinten.
Im Rolls-Roce Dawn öffnen die Türen nach hinten.(Foto: Holger Preiss)

Wenn die britische Luxusmarke ein neues Fahrzeug vorstellt, sind immer Superlative im Spiel. Laut Torsten Müller-Ötvös wird der Dawn "das gesellschaftliche Super-Luxus-Automobil für jene Menschen sein, die es lieben, sich an den angesagtesten Hotspots der Welt in seinem Glanz zu sonnen". In der englischsprachigen Version der Hersteller-Verlautbarung nennt der Firmenchef ihn "the sexiest Rolls-Royce ever built". Die deutsche Pressemitteilung benutzt für die Wiedergabe dieser Aussage eine andere Vokabel: Der Dawn sei "der sinnlichste Rolls-Royce, der je gebaut wurde".

Anstrengungsfreie Beschleunigung

Ob sexy oder sinnlich, der Dawn ist in jedem Falle ein leistungsstarker Viersitzer. Während sich in den 50er Jahren die Besitzer der 28 offenen und rund 730 geschlossenen Dawn-Modelle – meist in der Karosserie-Schmiede von Park Ward gebaut – auf "ausreichend" Pferdestärken ihres Reihensechszylinders verlassen konnten, hat das aktuelle Cabriolet doppelt so viele Zylinder und mindestens viermal so viele Pferdestärken. Der 6,6 Liter große Zwölfzylinder, der vom dem im 7er-BMW verwendeten Motor abgeleitet ist, bringt es auf 570 PS. Damit die Beschleunigung auf die von den Kunden so geschätzte anstrengungsfreie Weise funktioniert, stellt der Doppelturbo sein Drehmoment von 780 Newtonmetern schon ab 1500 Umdrehungen zur Verfügung.

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Kompromisslos ist Rolls-Royce vor allem dann, wenn es um die Bereitstellung von höchster Qualität und Fertigungskunst, gepaart mit edelsten Materialien und maximalem Komfort für die Insassen geht. Leichtbau, für andere Hersteller ein prioritäres Thema, spielt eine eher nachgeordnete Rolle. So ist es zu erklären, dass auch das 5,29 Meter lange Cabriolet mit einem Leergewicht von 2560 Kilogramm einher rollt. Für eine Beschleunigung von Null auf hundert in unter fünf Sekunden ist diese Masse kein Hindernis. Die Luftfederung sorgt für die moderne Interpretation des Fahrgefühls, dessen Mühelosigkeit schon vor Jahrzehnten mit einem fliegenden Teppich verglichen wurde.

Getriebe "denkt" mit

Solidität und Robustheit auf der einen Seite, herrschaftliche Dynamik und hochkarätige Technik auf der anderen Seite sollen Kennzeichen der offenen Edelkutsche sein. So kommt das satellitengesteuerte Getriebe zum Einsatz, das bereits in Wraith und Ghost seinen Dienst an der wohlhabenden Kundschaft verrichtet. Die Elektronik nutzt die GPS-Informationen des Navigationssystems, um die richtige Fahrstufe des ZF-Achtgang-Automatikgetriebes zu wählen und stellt auf diese Weise sicher, dass dem Fahrer stets die angemessenen Kraftreserven des Motors zur Verfügung stehen. Wenn das Fahrzeug zum Beispiel eine lang gezogene Kurve erreicht, kann es vorausberechnen, wie diese am besten zu durchfahren ist: Geht der Fahrer vom Gas, wird das Getriebe im niedrigeren Gang gehalten, um sicherzustellen, dass am Kurvenausgang maximale Kraft zum Beschleunigen bleibt.

Die dicken Trapezförmigen Endrohrverblendungen, ein Indiz für die Kraft des Briten.
Die dicken Trapezförmigen Endrohrverblendungen, ein Indiz für die Kraft des Briten.(Foto: Holger Preiss)

An das Textilverdeck wurden ganz besondere akustische Anforderungen gestellt. Laut Hersteller dringen zu den Insassen nicht mehr Fahr- und Windgeräusche durch, als beim Wraith Coupé. Die elektrische Bedienung lässt die mehr als vier Quadratmeter messende Stoffhaube in etwas mehr als 20 Sekunden unter der holzgetäfelten Abdeckung verschwinden. Kamera- und Radarsysteme für die Sicherheit, ein Head-Up-Display für umfassende Information und Überrollbügel für den Fall der Fälle sind selbstverständlich an Bord. Nur von geringem Interesse für die Kundschaft dieses Cabrio-Aristokraten dürfte der Verbrauch sein: Laut Rolls-Royce wenigstens 14,2 Liter je 100 Kilometer im Schnitt. Das gemessen an der Fahrzeuggröße bescheidene Kofferraumvolumen von 295 Litern wird niemanden stören, da im Regelfall das Personal für das Gepäck zuständig ist.

Schemenhaft wie der Dunst der Morgendämmerung ("Dawn") dürfte Auto-Normalfahrern der Preis erscheinen, der für die derzeit wohl erhabenste Art des offenen Reisens zu entrichten sein wird: Fast 330.000 Euro – Extras nicht inbegriffen.

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Quelle: n-tv.de

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