In London bereits auf der Straße: Daimler-Vorstand Zetsche mit dem Elektro-Smart.
Mittwoch, 17. September 2008
Automobile Zukunft: Strom ist "in"
Mehr Spaß mit Strom: Der Tesla Roadster bietet die Fahrleistugen eines Sportwagens mit einem Elektroantrieb.
Hybrid hin, Drei-Liter-Auto her. Auf lange Sicht muss es eine Zukunft jenseits des Benzin-Motors geben. Diese Erkenntnis reifte bei vielen Herstellern erst langsam, dafür neuerdings umso gewaltiger. Bei Mercedes will man den Smart bis nächstes Jahr serienmäßig elektrisch vorantreiben, Mitsubishi setzt mit dem i-MiEV, der gerade in Neuseeland erprobt wird, voll auf Strom und Chevrolet stellt mit dem Volt ein zukunftsweisendes Hybrid-Auto vor, dass nächstes Jahr in Serie gehen soll.
Doch woher kommt dieser Boom der Elektroautos? Wann ist die selbstgefällige Auto-Industrie aufgewacht und hat sich den Bedürfnissen der Kundschaft angepasst? Die Zukunft des Automobils "gehört der Elektrifizierung", ist sich der Experte für die Autobranche, Prof. Ferdinand Dudenhöffer, gegenüber n-tv.de sicher. Doch ohne den Benzinpreisschock der vergangenen Wochen und die Klimadiskussion hätte sich wohl kaum etwas getan.
Dudenhöffer nennt vier "Beschleuniger", die dem Elektroauto Antrieb gegeben haben: Erstens haben die Preise an der Tankstelle zu einem Umdenken bei den Verbrauchern geführt. Der Kraftstoffkonsum ist zu einem wichtigen Kaufkriterium geworden. Das ist auch bei den Autobauern angekommen.
Zweitens wirkt die geplante CO2-orientierte Neuregelung der Kfz-Steuer vor. Niemand möchte jetzt ein Auto kaufen, das sich später als kostspieliges Vergnügen herausstellt. Den dritten Beschleuniger sieht der Branchen-Insider in dem rasanten Fortschritt in der Batterietechnologie. Dort erwartet er in den kommenden Jahren entscheidende technologische Impulse für den Markt. Als vierten Faktor macht er schließlich die Angst der Autokonzerne aus. Der Erfolg der Japaner, allen voran Toyota, mit der Hybrid-Technik, habe die Konkurrenz aufgeschreckt.
Keiner will zurück stehen
Tatsächlich ist seit rund einem Jahr die Hektik in den Forschungsabteilungen ausgebrochen. Die Autokonzerne, die noch nicht in Sachen Elektroantrieb aktiv waren, haben in rasanter Geschwindigkeit Projekte aufgelegt. Kein Unternehmen will hinten an stehen, wenn der Strom als Mittel zur Fortbewegung zum Standard wird. "Bereits ab dem Jahr 2025 werden keine Neuwagen mehr auf den Markt kommen, die nicht entweder mit Hybrid- oder reinem Elektroantrieb ausgestattet sind", glaubt Auto-Experte Dudenhöffer. Zieht man die branchenüblichen Entwicklungszyklen von acht bis zehn Jahren für ein komplett neues Modell in Betracht, ist es höchste Eisenbahn für die Autobauer.
Mercedes hat daher eine neue Liebe zum ehemaligen Sorgenkind Smart entdeckt. In London fahren bereits E-Smart und die Londoner sind - die City-Maut macht es möglich - sehr begeistert. Im kommenden Jahr soll der E-Smarts in Großserie starten. Ein vielversprechendes Projekt, zumal sich der kleine Stadtflitzer in den USA zum Verkaufsschlager entwickelt.
BMW fährt zweigleisig
Auch bei BMW wird kräftig getüftelt. Ein Megacity-Auto soll es werden. Doch Details wollen die Münchner bisher noch nicht verraten. Das Projekt "i", so die interne Bezeichnung, bleibt hochgeheim. Bekannt ist lediglich, dass man zweigleisig fahren will. Einerseits wird mit Hochdruck am Elektroantrieb gefeilt und auf der anderen Seite soll der Verbrennungsmotor auf höchste Effizienz getrimmt werden. Das Pendant zum Smart, der Mini, wird ebenfalls im nächsten Jahr mit Elektroantrieb auf den Markt kommen.
Auch in Japan setzt sich der Trend zum Strom fort. Toyota bringt im kommenden Jahr die nächste Generation an Hybrid-Motoren zu den Kunden. Die Motorleistung soll steigen und die CO2-Emissionen unter 100 Gramm pro Kilometer liegen. Der Prius, das Vorzeigemodell der Japaner, wird dann wahrscheinlich um die vier Liter auf 100 Kilometern verbrauchen.
Chevy Volt zeigt in die Zukunft
Bei Mitsubishi setzt man derweil ganz auf Strom. Der i-MiEV, ein schwieriger Name für deutsche Zungen, fährt in Neuseeland bereits Probe. Er läuft vollständig mit Elektroantrieb und kann an einer normalen Steckdose aufgeladen werden. Dabei wird mit einer Ladedauer von 30 Minuten eine Reichweite von 80 Kilometern erreicht. Mit vollen Akkus fährt der i-MiEV sogar 300 Kilometer. Dann muss er allerdings auch acht Stunden an der Steckdose hängen.
Mit dem Chevrolet Volt hat General Motors nun ein ordentliches Pfund in die Waagschale geworfen. Das Auto kommt mit Lithium-Ionen-Batterien daher und einem kleinen Verbrennungsmotor, der die Akkus auf lange Strecken speist. Damit soll ein Verbrauch von unter einem Liter auf 100 Kilometer erreicht werden. Dabei ist der Volt kein unsportliches Auto. Mit 111 kW schafft er den Sprint von 0 auf 100 in knapp neun Sekunden und erreicht 161 km/h in der Spitze. Vor allem soll er aber schon im kommenden Jahr bei den Händlern stehen. Damit hat man in Rüsselsheim einen Vorsprung vor namhafter Konkurrenz.
Auch elektrisch fahren kann Spaß machen
Bei Volkswagen zum Beispiel lässt man sich bedenklich viel Zeit. Die Wolfsburger zeigen mit dem Golf Twin Drive zwar ebenfalls eine Studie mit Hybridtechnik, doch die Serienproduktion ist erst für 2015 geplant. Dabei hat das Auto durchaus Potenzial. Drei Elektromotoren mit je 41 PS unterstützen einen 102-PS-Dieselmotor. Damit ist ein Verbrauch von 2,5 Litern möglich und bis zu 50 Kilometer sollen rein elektrisch zurückgelegt werden können.
Dass elektrisch fahren keinen Spaßverzicht bedeuten muss, zeigt heute schon der Tesla Roadster. Der E-Sportwagen wird seit März dieses Jahres gebaut und liefert sensationelle Fahrleistungen ab. Mit einem neuen Getriebe beschleunigt der 252-E-PS-Bolide von 0 auf 100 Kilometer in vier Sekunden. Bei 200 km/h riegelt der E-Flitzer ab, doch nur um die empfindliche Übersetzung zu schonen. Sonst wäre noch mehr drin. In 3,5 Stunden Ladezeit soll eine Reichweite von 350 Kilometern erzeugt werden. Ebenso spannend wie sportlich ist der Fisker Karma. Der 250-PS-Motor dient nur zur Aufladung der Lithium-Ionen-Akkus, die über einen Generator die Hinterräder antreiben. Optisch wie technisch sind diese Autos Leckerbissen, die nicht nur Umweltschützer begeistern werden.
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