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Kleinwagen, die auf SUV getrimmt sind, gibt es schon einige, aber Allrad wie der Suzuki Ignis bietet kaum ein Hersteller an.
Kleinwagen, die auf SUV getrimmt sind, gibt es schon einige, aber Allrad wie der Suzuki Ignis bietet kaum ein Hersteller an.
Dienstag, 06. Dezember 2016

Stadtfloh auf Abwegen: Suzuki Ignis - wildes "Micro-SUV"

Von Axel F. Busse

Suzuki hat einen Ruf als Allradspezialist. Deshalb wundert es nicht, dass die Japaner auch ihr neues "Micro-SUV" über alle vier Räder antreiben und ihm einen Namen geben, der schon vor zehn Jahren Schwung hatte: Ignis.

Der 90-PS-Motor hat leichtes Spiel mit dem lediglich 900 Kilogramm schweren Ignis.
Der 90-PS-Motor hat leichtes Spiel mit dem lediglich 900 Kilogramm schweren Ignis.(Foto: Lena Willgalis)

Mit rustikaler Optik, der Wiederbelebung eines bekannten Namens und dem Postulat "Allrad für alle" will Suzuki sein jüngstes Produkt in Deutschland platzieren. Im Heimatland des japanischen Kleinwagenspezialisten funktioniert das gut: Die geplante Jahresproduktion ist bereits nach sechs Monaten ausverkauft.

Mit einer Länge von 3,70 Metern rangiert das Modell Ignis knapp über dem Maß der sogenannten Kei-Cars, die in Japan an Größe und Leistung limitiert sind, dafür Steuervorteile genießen. In Deutschland war zuletzt 2007 ein Modell dieses Namens erhältlich, an das der aktuelle Fünftürer anknüpft. Seine Dimensionen rechnen den Ignis dem sogenannten A-Segment zu, jenen Kleinstwagen also, in dem höchst selten Allradfahrzeuge angeboten werden. Wenn, dann sind es mit 4x4-Technik aufgerüstete Derivate von vorhandenen Minis, wie beispielsweise vom Fiat Panda.

Beim Ignis ging Suzuki einen anderen Weg. Die Plattform wurde von vornherein auf zwei angetriebene Achsen ausgelegt, auch wenn die Kunden letztlich die Wahl haben, ob sie mit Front- oder 4x4-Antrieb unterwegs sein möchten. Insofern ist "Allrad für alle" lediglich als Hinweis auf den moderaten Mehrpreis von 1500 Euro anzusehen. Etwa jeder vierte Ignis, so erwartet es Suzuki Deutschland, dürfte mit All-Wheel-Drive ausgeliefert werden. Die Bodenfreiheit von 180 Millimetern und die erhöhte Sitzposition lassen das neue Modell wie ein zu heiß gewaschenes Sport-Utility-Vehicle aussehen, so dass Suzuki folgerichtig und selbstbewusst von der Kreation eines neuen Segments spricht - dem Micro-SUV.

Drei Antriebsvarianten

Durch die vergleichweise breite Spur wirkt der Suzuki Ignis auch in der Rückansicht recht kräftig.
Durch die vergleichweise breite Spur wirkt der Suzuki Ignis auch in der Rückansicht recht kräftig.(Foto: Lena Willgalis)

Ganz so winzig, wie diese Bezeichnung nahe legt, ist der Antrieb nicht ausgefallen. Ab Marktstart am 14. Januar 2017 stehen drei Varianten zur Auswahl, die jeweils von einem 1,2 Liter großen Vierzylinder-Benziner befeuert werden. Ein Dieselmodell ist nicht vorgesehen. Selbstzünder spielen im A-Segment, wo die Autos vornehmlich auf der Kurzstrecke unterwegs sind, nur eine Nebenrolle. Der Ottomotor, bereits bewährt in Fahrzeugen wie dem SX4, leistet 90 PS und gibt 120 Newtonmeter Drehmoment ab. Außer mit Front- oder dem Allrad-Antriebssystem "All Grip" ist er als Mild-Hybrid-Variante zu haben, wo ein integrierter Startergenerator am Motor und ein Lithium-Ionen-Akku unter dem Fahrersitz eingebaut sind. Samt Energie-Rückgewinnungssystem soll die Anlage eine effizientere Kraftstoffausnutzung ermöglichen. Nach EU-Normtest beträgt der Verbrauchsunterschied allerdings nur 0,3 Liter.

Was die Kraftübertragung angeht, haben die deutschen Kunden keine Wahl. Zu dem manuellen Fünfgang-Getriebe gibt es keine Alternative. Ein sechster Gang würde zwar die Drehzahl bei höheren Geschwindigkeiten und den Verbrauch mindern, jedoch auch das Gewicht des Fahrzeugs erhöhen, das selbst in der Allradausgabe nur 945 Kilogramm beträgt. Es scheint aber nicht unmöglich, dass bei entsprechender Kundennachfrage die Option auf ein Sechsgang-Getriebe gezogen wird. Beim Swift Sport hat Suzuki es genauso gehandhabt. Ebenso scheint es wahrscheinlich, dass zu einem späteren Zeitpunkt ein weiterer Motor ins Angebot ausgenommen wird. Das Dreizylinder-Boosterjet-Aggregat, das seine 111 PS bereits im SX4-S-Cross segensreich entfaltet, könnte gut zum Ignis passen.

Das Angebot an Assistenzsystemen macht den Suzuki Ignis zur Ausnahmeerscheinung.
Das Angebot an Assistenzsystemen macht den Suzuki Ignis zur Ausnahmeerscheinung.(Foto: Lena Willgalis)

Auf leisen Sohlen und deshalb weitgehend unbemerkt ist Suzuki unter die Top Ten der globalen Autobauer aufgestiegen. Mit zuletzt rund 2,7 Millionen verkauften Fahrzeuge weltweit hat die Marke sogar die deutschen Schwergewichte Daimler oder BMW hinter sich gelassen. Das Ziel, im Jahr 2020 bei 3,4 Millionen Einheiten anzukommen, erscheint realistisch, weil sich der Hersteller offenkundig der Demokratisierung von High-Tech-Ausstattung verschrieben hat. Anders als bei vielen anderen Anbietern können auch die Käufer der Schlicht-Variante "Basic" ihre Autos mit einem hilfreichen Paket an Assistenzsystemen ausrüsten. Für 1000 Euro extra gibt es ein Kamera-basiertes Notfall-Bremssystem mit Fußgänger-Erkennung und aktiver Bremsunterstützung, Müdigkeitswarner und Spurhalte-Assistent. Das komplette Auto kostet dann 12.900 Euro und hat noch Lichtsensor, Zentralverriegelung sowie Front-, Seiten- und Vorhang-Airbags an Bord.

Einzeln verschiebbare Rücksitze

Allerdings fehlen Scheibenbremsen an der Hinterachse, weil die aufgrund des geringen Fahrzeuggewichts für verzichtbar gehalten wurden. Als Makel kann man auch die fehlende Längsverstellbarkeit der Lenksäule ansehen, wenngleich sich der Ignis mit dieser Eigenschaft in guter Gesellschaft vieler anderer Kleinwagen befindet. Einzeln verschiebbare Rücksitze gibt es ab der Ausstattungslinie "Comfort", die dann auch noch Sitzheizung vorn, Alufelgen, Rückfahrkamera sowie Bergan- und -abfahrhilfe bietet. Letzteres allerdings nur in Verbindung mit Allradantrieb und für einen Preis ab 14.490 Euro.

Der Kofferraum des Suzuki Ignis ist erwartungsgemäß klein, wird die Rückbank umgelegt, entsteht eine mächtige Kante.
Der Kofferraum des Suzuki Ignis ist erwartungsgemäß klein, wird die Rückbank umgelegt, entsteht eine mächtige Kante.

Wer sich für ein 4x4-Modell entscheidet, erwirbt zwar Sicherheits- und Traktionsvorteile bei nasser oder verschneiter Fahrbahn, auf unwegsamem Gelände und bei Frost, jedoch muss er konstruktionsbedingt Einschränkungen bei der Reichweite und beim Transportvolumen hinnehmen. Die angetriebene Hinterachse beansprucht einen größeren Bauraum, was zulasten des Tanks (30 statt 32 Liter) und des Kofferraums (204 statt 267 Liter) geht. Maximal kann ein Volumen von 1100 Litern genutzt werden.

Der minimale hintere Karosserieüberhang erlaubt es, dem Ignis einen Radstand von 2,44 Metern mitzugeben. Das hat zwei Konsequenzen. Einerseits ist die Beinfreiheit auf der Rückbank durchaus akzeptabel (die Kopffreiheit angesichts von 1,60 Metern Höhe sowieso) und andererseits sind Fahr- und Federungskomfort auf einem Niveau, das selbst im nächsthöheren Fahrzeugsegment nicht selbstverständlich ist. Lediglich, wenn das Geläuf mal richtig grob wird, sollte man Vorsicht walten lassen, will man nicht die Schläge nahezu ungefiltert in die Kabine durchgereicht bekommen. Auf der Testfahrt genehmigte sich die Hybridversion laut Bordcomputer 5,4 Liter auf 100 Kilometer.

Zweckmäßig und originell

Die Cockpitgestaltung ist übersichtlich und zweckmäßig, wobei in Außenfarbe lackierte Elemente wie die Mittelkonsole oder die an eine englische Kultmarke erinnernden Tür-Innengriffe originelle optische Akzente setzen. Die Seitenstabilität der Sitze wünschte man sich etwas wirkungsvoller, jedoch ist das dynamische Potenzial des Bonsai-Brummers mit 11,8 Sekunden von null auch 100 und 170 km/h Endgeschwindigkeit auch so überschaubar, dass niemand über Gebühr in die Polster gedrückt zu werden verspricht.

Der in elf munteren Farben lieferbare Ignis könnte Suzuki einen unerwarteten Erfolg bescheren, da er einer überwiegend jungen Zielgruppe eine Reihe von erschwinglichen Ausstattungsoptionen bietet, die bislang im Kleinstwagen-Sektor nicht zu Hause waren. Für rund 18.000 Euro kann man einen Allrad-Krabbler bekommen, der außer hilfreichen Assistenten auch noch Klimaautomatik, schlüssellosen Zugang, DAB-Audio nebst USB-Anschluss und Freisprecheinrichtung, Tempomat und elektrische Fensterheber hinten bietet. Nur auf das Start-Stopp-System muss man dann verzichten – das hat lediglich der Mild-Hybrid.

Quelle: n-tv.de

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