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Mittwoch, 16. September 2015

Audi, Porsche und Thunder Power: Tesla-Gegner stellen sich auf IAA vor

Von Holger Preiss, Frankfurt am Main

Seit Jahren demonstriert Tesla, wie Elektromobilität funktioniert. Nun holt Volkswagen zum Gegenschlag aus. Auch ein chinesischer Hersteller präsentiert auf der IAA sein Konzept eines rein elektrisch betriebenen Autos.

Mit der Idee eines rein elektrisch betriebenen Fahrzeuges geht Audi seit einigen Jahren schwanger. Nach mehreren Fehlgeburten scheint jetzt ein Punkt erreicht, an dem die Ingolstädter ein klares Zeichen setzen wollen. Auch diesmal trägt die Studie den Namen e-tron. Nur diesmal ist der Elektriker mit den vier Ringen kein Sportwagen, sondern ein SUV, das sich zwischen dem Q5 und dem Q7 ansiedelt. Audi nennt die schnittige Studie e-tron Quattro Concept und verspricht, dass der Stromer Anfang 2018 in Serie gehen soll. Für den Vortrieb sorgen drei Elektromotoren, die gemeinsam satte 505 PS leisten sollen und mehr als 800 Newtonmetern Drehmoment auf alle vier Räder schaufeln.

500 Kilometer rein elektrisch

Der e-tron setzt das fort, was bei Audi vor Jahren auf Eis gelegt wurde.
Der e-tron setzt das fort, was bei Audi vor Jahren auf Eis gelegt wurde.(Foto: Audi)

Eine E-Maschine treibt die Vorderachse an, die beiden anderen wirken auf die Hinterachse. Wird das Gaspedal beim Kickdown voll durchgetreten, sprintet das e-tron Quattro Concept in 4,6 Sekunden auf Landstraßentempo und erst bei 210 km/h wird abgeregelt. Mit verschiedenen Fahrmodi kann der Fahrer über den Grad der Rekuperation entscheiden. Die Lithium-Ionen-Batterie ist – wie bei Tesla - in den Boden der Fahrgastzelle integriert und sorgt damit für einen tiefen Schwerpunkt. Das ist noch nicht spektakulär, aber auch beim Akkumulator muss den Ingolstädtern ein Durchbruch gelungen sein. Mit einer Vollladung soll die 95-kWh-Batterie nämlich mehr als 500 Kilometer Reichweite haben. Bei kommoder Fahrweise, versteht sich.

Bis zu 500 Kilometer Reichweite verspricht Audi für den e-tron.
Bis zu 500 Kilometer Reichweite verspricht Audi für den e-tron.(Foto: Audi)

Das Laden erfolgt wie bei anderen Elektroautos auch entweder mit Gleich- oder mit Wechselstrom. Mit Gleichstrom dauert die "Betankung" an einer Ladesäule mit 150 kW-Leistung etwa 50 Minuten. Alternativ, verspricht Audi, kann man den e-tron Quattro aber auch per Induktion laden. Um den Verbrauch so gering wie möglich zu halten, hat Audi durch einen sehr flachen Aufbau die Luftwiderstandswerte sehr gering gehalten. Zusätzlich steuern bewegliche Aerodynamik-Elemente auf der Motorhaube, an den Flanken und am Heck ab einer Geschwindigkeit von etwa 80 km/h den Luftstrom. Kameras ersetzen die herkömmlichen Außenspiegel. Trotz des abfallenden Dachs sollen vier Passagiere in dem 4,88 Meter langen e-tron ausreichend Platz finden. Der Gepäckraum der Studie fasst immerhin 615 Liter.

Porsche baut den Elektrosportler

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So viel Platz bietet der Tesla-Fighter aus Zuffenhausen nicht. Ja, auch Porsche hat auf er IAA seine Idee eines rein elektrisch betriebenen Sportwagens vorgestellt. Mission E heißt der viertürige Elektroflitzer, der optisch stark an den 911 Carrera erinnert. Anders als der hat er aber vier Sitzplätze. Auch der Porsche soll mit nur einer Batterieladung 500 Kilometer weit fahren. Auch die Ladezeiten entsprechen denen des Audi e-tron, was vermuten lässt, dass die technischen Grundlagen identisch sind.

Beim Antrieb unterscheiden sich die beiden Konzernbrüder dann aber doch etwas. Porsche bedient sich hier einer Technik, die sich bereits im Motorsport bewährt. Zwei Synchronmotoren leisten gemeinsam satte 600 PS und versorgen Vorder- und Hinterachse gleichermaßen. In 3,5 Sekunden soll der Mission E von 0 auf Tempo 100 rennen. Die hohe Reichweite wird mit 800-Volt-Technik erzielt. Porsche nutzt nach eigenen Angaben diese Spannung als erster Automobilhersteller für einen elektrischen Antrieb.

Sie erlaubt kürzere Ladezeiten und außerdem geringere Querschnitte der Kupferkabel, was wiederum Gewicht und Ressourcen schont. Das Problem ist, dass Ladestationen mit dieser Leistung wenig verbreitet sind. Die im "Elektrotankstellen", die momentan zu finden sind, bringen es lediglich auf 400 Volt, was die Ladezeiten natürlich entsprechend verlängert. Wie der e-tron ist aber auch der Zuffenhausener für induktives Laden, also im Boden engelassene Spulen, vorbereitet. Auch beim Porsche befindet sich die Lithium-Ionen-Batterie wie beim Tesla im Unterboden und sorgt so für einen niedrigen Schwerpunkt.

Keine Spaßbremse

Der Fahrer des Mission E blickt auf fünf Rundinstrumente, die über eine OLED virtuell dargestellt werden. Eine Kamera überwacht den Blickwinkel seiner Augen und erkennt, welches Instrument er gerade beobachtet und öffnet gegebenenfalls weitere Untermenüs. Sogar die Körperhaltung des Menschen am Lenkrad wird kontrolliert, bewegt er sich, wandern die 3D-Darstellungen des Cockpits mit und bleiben so immer optimal im Blickfeld.

Sogar das Spaßempfinden des Fahrers soll der Mission E erkennen. Eine Kamera im Innenspiegel interpretiert die Gesichtszüge und meldet auf Wunsch die gute Laune einschließlich der Informationen über Geschwindigkeit und Fahrstrecke den Freunden im sozialen Netzwerk. Damit bekommt der Name Mission E einen ganz neue Bedeutung. Denn E steht nach der Idee von Porsche nicht mehr nur für Elektroantrieb, sondern gleichermaßen für Emotionen. Doch bevor der rasende Emotions-Detektor auf die Straße kommt, dauert es mindestens noch drei Jahre, heißt es.

Elektrodonner aus Taiwan

Das Design von Zagato muss man mögen.
Das Design von Zagato muss man mögen.(Foto: Holger Preiss)

Aber nicht nur Audi und Porsche wollen Tesla in Zukunft Konkurrenz machen. Auch ein Hersteller aus Taiwan ist angetreten, den US-Amerikanern das Leben schwerer zu machen. Die Daten der weißen Elektrolimousine von Thunder Power, dessen Form vom Designstudio Zagato erdacht wurden, nehmen sich nicht schlechter aus als die der beiden deutschen Hersteller Die Elektromotoren leisten 435 PS und beschleunigen den Stromer in 4,8 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. In der Spitze sollen sogar 250 km/h erreicht werden und das bei einer Reichweite von 650 Kilometern mit einer Batteriefüllung.

Diese Werte präsentiert Thunder Power mit stolzgeschwellter Brust und stellt klar, dass man Tesla zwar als ernsthaften Mitbewerber betrachte, die US-Amerikaner aber kein Maßstab seien. Und so denkt man von vornherein in anderen Dimensionen. Der Prototyp ruhe nämlich auf einer modularen Plattform, die es für die Zukunft möglich macht, auch ein SUV oder Crossover-Modell auf den Markt zu bringen. Technik-Chef Peter Tutzer, der bereits für Porsche und Bugatti gearbeitet hat, glaubt fest daran, dass Thunder Power in fünf Jahren mindestens zwei Modelle auf dem Markt haben wird.

Bereits 2018 soll die Elektrolimousine auf deutschen Straßen fahren. Der Hauptmarkt ist für Thunder Power – wie könnte es anders sein – der chinesische Markt. Produziert wird ebenfalls im Reich der Mitte. Entwickelt habe man das Auto aber auch mit europäischen Fachkräften, wobei Namen wie Bosch oder der des Rennwagenherstellers Dellara fallen. Sollte auch nur eine der hier erwähnten Studien bis 2018 die Marktreife erlangen, dürfte das die Elektromobilität nachhaltig beflügeln. Man darf also gespannt bleiben.

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Quelle: n-tv.de

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