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Der Auris wuchs um 30 mm, wurde aber 55 mm flacher als der Vorgänger.
Der Auris wuchs um 30 mm, wurde aber 55 mm flacher als der Vorgänger.(Foto: Axel F. Busse)

Hoffen auf Durchbruch mit Hybrid: Neuer Toyota Auris fährt vor

Von Axel F. Busse

An Qualität, Ausstattung oder Haltbarkeit von Toyota-Erzeugnissen hatten Autotester in der Vergangenheit selten etwas auszusetzen. Bei der Wertung von Emotionalität war dagegen so mancher Totalausfall zu vermelden. Das soll der neue Auris jetzt ändern.

Die Gestaltung des Hecks wirkt eher unruhig, der Kofferraum wurde vergrößert.
Die Gestaltung des Hecks wirkt eher unruhig, der Kofferraum wurde vergrößert.(Foto: Axel F. Busse)

Der Toyota Auris betritt kurz nach dem Star der Klasse das Spielfeld: Der Golf VII wurde im September der Öffentlichkeit präsentiert. Die Chancen sind ungleich verteilt. Vom Toyota werden pro Jahr in Deutschland etwa halb so viele Exemplare neu zugelassen wie vom Golf in einem Monat. Gleichwohl traut Toyota dem neuen Modell einen starken Auftritt in Europa zu. Seine Qualitäten seien, so heißt es von Seiten des Herstellers, ganz auf die Erwartungen der Kunden auf dem Kontinent zugeschnitten. Die Einstiegsversion wird in Deutschland 15.950 Euro kosten.

Mit einer Außenlänge von 4,28 Metern ist der Auris gut 30 Millimeter länger als die vorige Generation. Da die Fahrzeughöhe aber um mehr als 50 Millimeter reduziert wurde, erscheint das Auto breiter und wirkt dadurch dynamischer. Das zuvor eher ausdruckslose "Gesicht", die Frontpartie, wurde komplett umgestaltet und geschärft. Die verringerte Stirnfläche hat den positiven Nebeneffekt, dass die Windschnittigkeit bis auf einen cw-Wert von knapp 0,28 gesenkt werden konnte. Die prägnante V-Pfeilung der oberen Lufteinlässe wird inklusive der markanten Chromspange zum Erkennungsmerkmal weiterer Toyota-Modelle werden.

Kein Verlust an Laderaum mehr

Weitgehend reizarm ist das Cockpit gestaltet, sucht aber mit weichen Oberflächen nach Wohnlichkeit.
Weitgehend reizarm ist das Cockpit gestaltet, sucht aber mit weichen Oberflächen nach Wohnlichkeit.(Foto: Axel F. Busse)

Eher unübersichtlich und zerklüftet erscheint das Heck, dessen Wechselspiel konkaver und konvexer Flächen dem Betrachter erst einmal die Aufgabe zuteilt, sich zu orientieren. Auch wenn die Optik gewöhnungsbedürftig erscheint, so hat die Heckklappe zweifelsohne den Vorteil, dass sie weitaus beladefreundlicher ist als die des Vorgängers. 90 Millimeter mehr Breite erleichtern das Verstauen sperriger Güter. Mit einem Volumen von 360 Litern gewinnen die Käufer des neuen Autos rund 30 Liter mehr Laderaum. Die Lehne der Rücksitze ist serienmäßig im Verhältnis 40:60 teilbar und wenn sie umgelegt wird, entsteht ein Laderaum von 1200 Litern. Hier fordert das flachere Dach Tribut, zuvor waren es 1335 Liter.

Der Innenraum ist frei von gestalterischen Aufregern und deshalb sicher geeignet, der Zielgruppe zu gefallen. Die senkrecht abfallende Konsole wirkt sachlich, ist schnörkellos und funktionsorientiert, die Tasten und Schalter sind logisch angeordnet und deshalb intuitiv bedienbar. Eine digitale Borduhr mit Flüssigkristall-Anzeige wirkt heute schon fast wieder ein wenig antiquiert. Die Soft-Touch-Oberflächen sind handschmeichlerisch, aber ein wenig mehr Belebung durch Kontrastfarben könnte nicht schaden.

Das Toyota-Marketing hat sowohl junge Familien als auch so genannte "Empty Nesters" als Kunden im Auge, etablierte Erwachsene, deren Kinder das Elternhaus längst verlassen haben und die nach Beförderungsmöglichkeiten für sich und die Enkel suchen. Diese Bevölkerungsgruppe als mögliche Kunden zu definieren ist viel einfacher, als sie tatsächlich zum Kauf zu überzeugen. Denn auch viele andere Importeure wollen sie haben. Allen voran Hyundai und Kia, die mit ihren vergleichbar positionierten Modellen i30 und Cee'd inzwischen deutlich mehr Autos verkaufen als die ehemals größte Importmarke Toyota mit ihrem Auris.

Ein Drittel Hybrid-Anteil geplant

Das Gesicht des Auris soll Vorbild für kommende Toyota-Modelle sein.
Das Gesicht des Auris soll Vorbild für kommende Toyota-Modelle sein.(Foto: Axel F. Busse)

Deshalb versucht der japanische Konzern mit dem einzigen Pfund zu wuchern, das der Firma noch bleibt: der Hybridtechnik. Als Hersteller mit der meisten Erfahrung auf dem Gebiet dieser Antriebsform wird auch die neue Generation Auris eine der Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotor bekommen. Wenn es nach den Marketing-Strategen geht, werden sich etwa ein Drittel der Auris-Kunden in Deutschland für den alternativen Antrieb entscheiden. Das klingt ambitioniert, ist aber realistisch, denn zuletzt erreichte auch der bisherige Auris diese Marke. Der kleinere Yaris Hybrid rollt sogar schon zur Hälfte elektrisch unterstützt durch die Innenstädte.

Die Hybridtechnik des Auris ist weitgehend identisch mit der des Modells Prius. Als großen Fortschritt hebt Toyota hervor, dass im Hybrid-Auris genauso viel Gepäck verstaut werden kann wie in den Modellen mit Benzin- oder Dieselmotor. Das liegt daran, dass die weiter entwickelte Batterie nicht nur kleiner, sondern auch noch unter die Rückbank gewandert ist. Darauf sitzt man einigermaßen bequem, wenngleich die Polster etwas kurz geraten sind. Die Kopffreiheit hinten hat durch die flachere Bauweise etwas gelitten, aber unterhalb von 1,90 Metern Körpergröße stößt man wenigstens nicht an.

Die elektromechanische Lenkung vermittelt ein gutes Gefühl für die Straße, bei niedrigen Geschwindigkeiten und beim Rangieren ist sie ideal. Auf der Landstraße wünschte man sie sich etwas härtere Rückstellkräfte, etwas mehr Griffigkeit und Direktheit. Die Längsverstellung ist nur minimal möglich, so dass Fahrer mit langen Beinen Schwierigkeiten haben, ihre ideale Sitzposition zu finden. In der so genannten Start Edition, die beim kleinsten Benziner 20.150 und als Hybrid 23.750 Euro kostet, ist eine automatische Einparkhilfe enthalten, die das Fahrzeug selbstständig in eine mindestens 5,18 Meter lange Parklücke bugsieren kann. Zur Markteinführung werden andere Assistenzsysteme, wie etwa zum Spurhalten oder zur Totwinkel-Überwachung noch nicht angeboten, sollen aber ebenso wie ein Kollisionswarner nach und nach in die Ausstattungsliste aufgenommen werden.

Benziner zwischen 90 und 132 PS

Die leichtere Karosse, die außerdem einen tieferen Schwerpunkt hat, fühlt sich im Handling deutlich dynamischer und fahraktiver an. Einen Vergnügungs-Ritt wie zum Beispiel ein GT 86 kann er natürlich nicht bieten. Die auffälligste Eigenschaft des Auris ist seine Unauffälligkeit.

Außer dem mit Hybridsystem bietet Toyota den Kunden noch zwei Benziner (1,33 und 1,6-Liter Hubraum) an, die Diesel haben ein Volumen von 1,6 oder zwei Litern. Damit wird ein Leistungspektrum von 90 bis 132 PS abgedeckt. Obwohl der Absatzprognose zufolge deutlich mehr Kunden den größeren Benziner ordern werden, können sie nicht – wie beim kleineren – auf ein Start/Stopp-System vertrauen. Toyota hat, so die offizielle Begründung, darauf verzichtet, weil bereits die nächste Benziner-Version in der Entwicklung ist. Sie wird weniger Hubraum und eine Turboaufladung haben und über die neueste Spartechnik verfügen.

Wer mindestens ein Modell der Linie "Cool" kauft, bekommt Klimaautomatik und CD-Radio mitgeliefert. Die vollständigste Komfortausstattung hat die Linie "Executive", die mit Leichtmetallrädern, Multimedia-System, Licht- und Regensensor sowie zwei Zonen-Klimaautomatik glänzt. Die  kostet aber mindestens 22.500 Euro. Dann hat das Auto einen 1,6-Liter-Benziner und 6-Gang-Schaltgetriebe. Der im englischen Burnaston gefertigte Japaner kostet in der Zweiliter-Dieselversion ab 23.150 Euro. Als Appetithäppchen ist der Auris Hybrid aufgestellt. Er kostet trotz erheblichen technischen Mehraufwands 200 Euro weniger als der Diesel und soll so verloren gegangenes Terrain wieder zurück erobern. Ein Beitrag von mindestens 22.950 Euro eröffnet dem Kunden den Zugang in die Welt der semi-elektrischen Fortbewegung.

Quelle: n-tv.de

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